Mit dem Wohnmobil nach Rumänien, Moldawien und Transnistrien

Rumänien-Reisebericht  |  Reisezeit: August / September 2018  |  von B. & F. S.

Schlammvulkane und Salzseen


Mittwoch, 5. September: Chichis ► Vulkanii Noroioşi, 148 Tageskilometer
Heute werden wir durch Regentropfen auf unserem Dach wach. Da ist es Essig mit draußen frühstücken. So kommen wir recht frühzeitig in die Gänge. Wir fahren aus Siebenbürgen heraus über den Karpatenbogen, da wo er schon nicht mehr so hoch ist. Immer am Fluß Buzău entlang streben wir talwärts nach Süden. An einem langgezogenen Stausee machen wir noch einmal Halt. Danach reiht sich an der Straße Dorf an Dorf ohne fast Unterbrechung. Bei einer alten Frau kaufen wir Weintrauben aus Ihrem Garten. Gewogen wird mit einer Handwaage, so groß wie eine Taschenuhr. Gegen Mittag nähern wir uns schon unserem heutigen Ziel, den Schlammvulkanen bei Berca. Schon die arg verbeulte Straße dorthin zeigt: hier tut sich was im Untergrund. Auf einer Wiese um einen Imbißstand gibt es Campingmöglichkeit. Der Chef ist sehr rührig, und hat alles im Blick. Neben uns hält noch ein österreichisches Wohnmobil mit weiterem Ziel Albanien und auf der gegenüberliegenden Seite steht ein Paar aus dem Schwarzwald mit einer alten ausgebauten Feuerwehr. Wir rüsten um auf geeignetes Schuhwerk und steigen den Hügel hinauf. Oben an einer Bude wird Eintritt kassiert und dann steht man drin in einer grauen blubbernden Masse. Es sieht aus wie auf dem Mond.

Hier gluckert, gurgelt, röchelt, stöhnt, spuckt und rotzt die Erde aus allen Poren und Ritzen. Kleine Krater, die mit Flüssigkeit gefüllt sind und in denen ständig Bewegung ist, oder vom Schlamm aufgehäufte Kegel, wo es schnorchelt und schmatzt. Hin und wieder fliegen zähe Schlammfetzen hoch. Wir haben sehr schönes Spätnachmittags-Sonnenlicht, das ist gut für unsere Fotos. Man hat hier auch sehr schöne Weitblicke über die sanft hügelige grüne Landschaft. Abends sitzen wir noch lange vor unserem Auto.


Donnerstag, 6. September: Vulkanii Noroioşi ► Lăcul Sarat, 139 Tageskilometer
Auf dem Weg zum Donaudelta möchten wir noch einmal Zwischenstation machen. Was gibt es bis dorthin noch zu sehen? Wir beschließen den Salzsee Lăcul Sarat als heutiges Ziel. Es geht wieder die arg zerbeulte kleine Straße entlang bis zur Hauptstraße nach Buzău, dann durch die sehr lebendige verkehrsreiche Stadt hindurch.
Nun hat sich die Landschaft gewandelt. Die stark befahrene Fernstraße führt fast schnurgerade durch flaches, teilweise weiträumig landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Die vielen LKWs überbieten sich mit haarsträubend riskanten gegenseitigen Überholmanövern.
Am Lăcul Sarat kommen wir auf einem kleinen Campingplatz am Seeufer unter. Der Platz gehört zu einem sozialistischen Plattenbauhotel auf der anderen Straßenseite. Wir checken in der kleinen dusteren heruntergekommenen Rezeption ein. Die ältere Hotelangestellte spricht perfekt Englisch. Am Seeufer stehen noch weitere Kurhotels. Manche renoviert, einige aber auch leerstehend und verfallen. Wir spazieren noch ein wenig herum. Der Ort scheint in sozialistischer Zeit als Kurstädtchen komplett neu errichtet worden zu sein. Jetzt verfällt er zu großen Teilen. Es gibt einen großen stark verwilderten Park und eine neue Holzkirche. Im gesamten Ortsbereich ist das Seeufer noch einmal extra eingezäunt und in verschiedene Parzellen aufgeteilt, wo man gesondert Eintritt bezahlen muß, um im See zu baden und sich mit Schlamm einzuschmieren.

Der See scheint sehr flach zu sein und der Seeboden besteht anscheinend komplett aus schwarzem, teerartigen Schlamm. Überall stinkt es nach faulen Eiern. Am Ortsende am Seeufer und auch im angrenzenden Wald sehen wir zum ersten und auch einzigen Mal Campingverbotsschilder in Rumänien.
Wir nutzen die Zeit um zu faulenzen und Wäsche zu waschen. Als wir alles auf der Leine hängen haben, kommen kurz Bedenken auf: Was ist, wenn unsere Klamotten den Schwefelgeruch aufnehmen? Das ist dann zum Glück nicht der Fall. Auch hier gibt es viele Straßenhunde. Ein Rüde schleift nach der Kopulation eine viel kleinere, laut jammernde Hündin noch lange mit sich.

© B. & F. S., 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wieder einmal sind wir mit unserer "blauen Zitrone" unterwegs in Osteuropa. Über 6.000 Kilometer legten wir an der Donau, in den Karpaten und in den Nußbaumalleen Moldawiens zurück.
Details:
Aufbruch: 23.08.2018
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 21.09.2018
Reiseziele: Moldau
Ungarn
Rumänien
Österreich
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 28 Monaten auf umdiewelt.
Aus dem Gästebuch (1/1):
Ulrike S. 1546438655000
Hallo ihr bei­den,
schön hier mal wieder einen tollen Rei­se­bericht von euch zu lesen und in E­rin­ne­run­gen an unsere eigene Rum­änien-­Rei­se im letzten Frühsom­mer zu schwel­gen. Vieles kam uns sehr bekannt vor, vieles jedoch auch völlig un­be­kannt. Mol­da­wien scheint mir ein span­nen­des Pflas­ter zu sein und es würde uns inte­res­sier­en, welche For­ma­lit­äten ihr vorab für euer Fah­rzeug er­le­di­gen mus­stet. Wir haben gehört, dass es nicht ganz un­kom­pli­ziert sein sol­l.
Vie­len Dank also für's Mit­neh­men auf diese Reise und ihr habt uns mal wieder einige In­spi­ra­tio­nen ge­ge­ben.­
Ein gutes neues Rei­se­jahr 2019 und herz­liche Grüße aus Schwa­ben
­
Ul­li
Antwort des Autors: Auch wir wünschen euch ein gutes neues Reisejahr. Euer Reisebericht Rumänien war uns auch Inspiration für diese Reise. Die Einreise nach Moldawien ist unkompliziert und visafrei. Es werden außer Reisepaß, Fahrzeugschein und grüner Versicherungskarte keine weiteren Papiere verlangt. Es wird keine Gebühr erhoben. Es ist eine fahrzeugabhängige Straßenmaut bei der Einreise zu zahlen.
Gruß
Frank & Birgit