Mit dem Wohnmobil nach Rumänien, Moldawien und Transnistrien

Rumänien-Reisebericht  |  Reisezeit: August / September 2018  |  von B. & F. S.

Donaudelta


Freitag, 7. September: Lăcul Sarat ► Murighiol, 152 Tageskilometer
Beim Frühstück stellen wir fest: Entweder hat der Schwefelgestank nachgelassen, oder wir haben uns schon daran gewöhnt.
Das Starten geht heute nicht so schnell. Ich muß erst im Hotel Bescheid sagen, damit man uns für die Ausfahrt das Tor aufschließt. Vor der Stadt Brăila gibt es eine riesengroße Einkaufsmall nach amerikanischem Vorbild. Um zur Donaufähre zu gelangen, wühlen wir uns durch die verkehrsreiche Innenstadt.
Am Fähranleger geht es flott zu. Mehrere umgebaute Frachtkähne fungieren als Fähren. Beladen wird längsseits. Es gibt keine Rampe für den Höhenausgleich. Wenn das Schiff beladen wird sinkt es immer tiefer.

Der letzte LKW muß sich über eine über 40cm Stufe fallenlassen. Auf unseren Reisen haben wir schon viele Fähren benutzt, aber die hier durch die Querbeladung sich ergebenden Rangierprobleme der LKWs waren schon ein besonderes Erlebnis. Das ähnelt sehr einem Tetrisspiel. Wir reden mit einem Paar aus Jena. Sie sind mit einem alten VW-LT Feuerwehrauto unterwegs. Ohne Servolenkung war das mehrmalige Rangieren für sie ein besonderes Training.

Beim Ausladen der Fähre muß der mit den größten Rädern zuerst über die Stufe. Mit jedem der runter fährt wird die Stufe kleiner. In Niciliţel sehen wir uns eine frühchristliche Basilika an. Hier wurde über einer archäologischen Ausgrabung ein kleines sehr gut gemachtes Museum errichtet. Auf Glasstegen läuft man über die Mauerreste. Wir wären lieber zur Märtyrergrabkammer hinuntergestiegen, aber das ist leider nicht gestattet.
Am Dorfausgang werden direkt vor den Weinfeldern die Trauben verkauft. Durch Tulcea geht es zwischen sehr viel Verkehr auf schlechten Straßen. Nach der Stadt wird es wesentlich entspannter. In Murighiol angekommen kreiseln wir erst einmal um uns eine Übersicht zu verschaffen. Dann folgen wir dem Tipp des dänischen Ornithologen, den wir vor einer Woche bei Hans und Wilma in Siebenbürgen kennengelernt hatten und checken im Camping Lac Murighiol ein. Ein sehr gepflegter Platz unter schattenspenden Weiden, direkt an einem Kanal. Ein junges Pärchen aus Düsseldorf ist auch gerade mit ihren Fahrrädern angekommen. Sie möchten dahin, wo wir mit unserem Auto nicht mehr weiterkommen, nach Sulina, an die Donaumündung. Wir machen für morgen einen Bootsausflug ins Delta klar.


Samstag, 8. September: Murighiol, Bootstour ins Donaudelta
Heute müssen wir uns vom Wecker wachklingeln lassen. 6.²⁰ Uhr startet die Tour. Wir werden von der Frau des Platzeigentümers zum Hafen gefahren. In einem Kahn mit Außenborder schippern wir einen Kanal entlang bis auf den Hauptarm der Donau. Es ist noch sehr frisch am frühen Morgen, aber auch noch schön ruhig. Einige Ferienhütten stehen am Ufer. Vereinzelte Frühaufsteher sitzen mit ihrem Kaffee auf der Bank und schauen aufs Wasser. Die Angler sind schon aktiv. Nur wenige Boote sind unterwegs.

Wir biegen in schmale verschilfte Kanäle ab. Eisvögel in ihrem leuchtenden Blau kann man an den Uferböschungen immer wieder sehen. Dann öffnet sich die Landschaft. Weite Seen mit großflächigen Seerosenfeldern werden von uns durchquert. Möven, Haubentaucher, Bleßhühner, Reiher in allen Bauformen, Rohrdommeln sind zu sehen. In langen Reihen ziehen über uns Pelikane hinweg und lassen sich in großen Schwärmen auf der Wasseroberfläche nieder. Kormorankolonien hocken auf abgestorbenen Bäumen. Wieder gleiten wir in engen flachen Seitenarmen mit halb herausgehobenem Motor langsam durch die Seerosen.

Auf deren Blättern sitzen Frösche verschiedenster Arten. Kleine Stelzvögel huschen leichtfüßig darüber. Es ist wunderschön, aber immer noch sehr kalt. Auf den offenen Wasserflächen dreht der Bootsführer richtig auf. Im Fahrtwind wickeln wir uns noch tiefer in die Jacken. Wenn wir in die Nähe von Vögeln kommen gehen wir auf Schleichfahrt, oder halten gänzlich inne.

Im laufe der Zeit nimmt der Bootsverkehr etwas zu und wir nähern uns wieder unserem Ausgangspunkt, wo wir schon von unserer Abholerin erwartet werden. Jetzt erst einmal aufwärmen mit Kaffee und Tee. Dann plätschert der Rest des Tages so dahin. Wir verschenken unser Not-Gaskartusche an ein junges französisches Paar, machen einen Spaziergang im Dorf und sitzen dann nur noch vor dem Auto und gaffen, was sich so alles tut. Wir lernen, ebenso wie gestern, die ungeheure Artenvielfalt der Stechmücken kennen, die jeden Abend Punkt 19.³⁰ Uhr überfallartig aus dem Nichts in großer Zahl erscheinen. Durch den Gang der Evolution haben einige Arten anscheinend die Fähigkeit erworben auch durch Autoblech hindurch zu diffundieren. Oder ist es Osmose, die sie durch Gaze hindurchsickern läßt?

© B. & F. S., 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wieder einmal sind wir mit unserer "blauen Zitrone" unterwegs in Osteuropa. Über 6.000 Kilometer legten wir an der Donau, in den Karpaten und in den Nußbaumalleen Moldawiens zurück.
Details:
Aufbruch: 23.08.2018
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 21.09.2018
Reiseziele: Moldau
Ungarn
Rumänien
Österreich
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 28 Monaten auf umdiewelt.
Aus dem Gästebuch (1/1):
Ulrike S. 1546438655000
Hallo ihr bei­den,
schön hier mal wieder einen tollen Rei­se­bericht von euch zu lesen und in E­rin­ne­run­gen an unsere eigene Rum­änien-­Rei­se im letzten Frühsom­mer zu schwel­gen. Vieles kam uns sehr bekannt vor, vieles jedoch auch völlig un­be­kannt. Mol­da­wien scheint mir ein span­nen­des Pflas­ter zu sein und es würde uns inte­res­sier­en, welche For­ma­lit­äten ihr vorab für euer Fah­rzeug er­le­di­gen mus­stet. Wir haben gehört, dass es nicht ganz un­kom­pli­ziert sein sol­l.
Vie­len Dank also für's Mit­neh­men auf diese Reise und ihr habt uns mal wieder einige In­spi­ra­tio­nen ge­ge­ben.­
Ein gutes neues Rei­se­jahr 2019 und herz­liche Grüße aus Schwa­ben
­
Ul­li
Antwort des Autors: Auch wir wünschen euch ein gutes neues Reisejahr. Euer Reisebericht Rumänien war uns auch Inspiration für diese Reise. Die Einreise nach Moldawien ist unkompliziert und visafrei. Es werden außer Reisepaß, Fahrzeugschein und grüner Versicherungskarte keine weiteren Papiere verlangt. Es wird keine Gebühr erhoben. Es ist eine fahrzeugabhängige Straßenmaut bei der Einreise zu zahlen.
Gruß
Frank & Birgit