3 Tage goldener Oktober im Mährischen Karst

Tschechien-Reisebericht  |  Reisezeit: Oktober 2018  |  von Manfred Sürig

Rundtour nach Norden

Schon vor 8 Uhr sitzen wir am Frühstückstisch.
Der Ort liegt noch im Schatten, etwa 10 Grad dürften es höchstens sein.
Wir starten an einem Hang, auf den die Sonne scheint, schnell kann ich mir meine Handschuhe ausziehen, die Sonne heizt uns auf. Milos Aussage von gestern bestätigt sich, je nachdem, wo wir sind, werden wir subjektiv das Wetter ganz unterschiedlich vorfinden. Seine Planskizze vergleiche ich mit meiner Karte vom Mährischen Karst.
Aha, da hat er als Kenner manche Nebenwege vorgesehen, die ich auf meiner Karte nicht finde. Zustand des Weges: Extrem unterschiedlich !

Wege auf der Hochebene, vorbildlich asphaltiert und breit

Wege auf der Hochebene, vorbildlich asphaltiert und breit

wechseln mit Strecken ab, auf denen lose Steine liegen und bei denen man auf Gefällestecken mit höchster Aufmerksamkeit radeln muß.

wechseln mit Strecken ab, auf denen lose Steine liegen und bei denen man auf Gefällestecken mit höchster Aufmerksamkeit radeln muß.

Auf den sonnigen Abschnitten lassen wir uns genüßlich rollen und genießen den bunten Herbstwald, dann kommen schattige Waldabschnitte, bei denen wir die Handschuhe wieder anziehen müssen und uns ganz auf das Pflaster vor uns konzentrieren müssen.

Milos hat uns zum Rasten sogar ein Lokal unterwegs in Suchy eingezeichnet, das werden wir aufsuchen! Auf der Terrasse in der Sonne Genuß pur - kein Wunder, es ist bald Mittag, aber hierher haben wir in 2 Stunden gerade mal 21 Kilometer geschafft, vor uns liegen noch 43 km !

Milos hat uns zum Rasten sogar ein Lokal unterwegs in Suchy eingezeichnet, das werden wir aufsuchen! Auf der Terrasse in der Sonne Genuß pur - kein Wunder, es ist bald Mittag, aber hierher haben wir in 2 Stunden gerade mal 21 Kilometer geschafft, vor uns liegen noch 43 km !

Nun führt unsere Route auf der Straße nach Norden, ein leichter Südwind schiebt, Fahrradgenuß pur, und wir kommen flott voran ! Dass wir noch etwas höher dabei kommen, merken wir kaum. Erst, als wir hinter Benesov nach Nordwesten abbiegen und einen Weg abwärts rollen, suchen wir den Abzweig zum Weg Nr. 5226, der führt nun steil bergauf in einsames Bergland. Aber der höchste Berg in der Nähe ist 721 m ü.M., da muß ja die Steigung bald ein Ende haben. Mit Batterie des e-bikes sowieso kein Problem, aber Harald, der ohne Verstärker unterwegs ist, fragt sich doch, weshalb die Route nicht in einem Tal entlangführen kann.......
An einer Gabelung verlieren wir uns, weil die Schnellfahrer zu weit vorausgefahren sind. Als e-biker fahre ich bergab zurück und finde Erich, der mit seinem e-bike links statt rechts gefahren ist!
Nun wollen wir besser zusammenbleiben, ab und zu auch mal die Wegmarkierung mit unserer Karte vergleichen, nur, dazu muß man erst mal anhalten, genau wie beim Fotografieren !

Jeden Radweg haben wir ganz für uns allein! Und nun ist es auch im Schatten angenehm warm.

Jeden Radweg haben wir ganz für uns allein! Und nun ist es auch im Schatten angenehm warm.

Der Blick auf meine Karte sagt mir zudem, dass wir ganz nahe an Repechy-Bousin sind, dem schönen Holzhaus von Lada Kozlicova, wo ich schon 2014 war. Die Gelegenheit für ein Wiedersehen will ich mir nicht entgehen lassen. Dazu mache ich einen zusätzlichen Umweg nach Osten, den die andern lieber sein lassen. Aber nur heute wäre die Gelegenheit.

Doch leider, Lada hat geschlossen. Das hätte ich mir auch vorher auf dem Smartphone anzeigen lassen können, wenn ich es benutzt hätte......

Doch leider, Lada hat geschlossen. Das hätte ich mir auch vorher auf dem Smartphone anzeigen lassen können, wenn ich es benutzt hätte......

Ich orientiere mich auf schönen Ansichtstafeln, die der Wirt hier aufgestellt hat......

Ich orientiere mich auf schönen Ansichtstafeln, die der Wirt hier aufgestellt hat......

Von der benachbarten Anhöhe aus hat man einen weiten Blick nach Norden aufs Sudetengebirge

Von der benachbarten Anhöhe aus hat man einen weiten Blick nach Norden aufs Sudetengebirge

doch noch kann man den neuen Aussichtsturm nicht besteigen, obwohl die Sicht dafür heute ideal wäre. Ein Grund, später einmal wiederzukommen.

doch noch kann man den neuen Aussichtsturm nicht besteigen, obwohl die Sicht dafür heute ideal wäre. Ein Grund, später einmal wiederzukommen.

Nun muß ich mich beeilen, die andern spätestens in Niva wieder zu erreichen. Nach 30 Minuten bin ich dort, per Handy erreiche ich Erich auch. Sie sind offenbar schon ein Stückchen weiter, also fahre ich hinterher und verlange meiner Batterie und mir einiges ab, denn der holperige Weg steigt an.

Fernradweg mit vierstelliger Nummer und Vorwegweiser, nur leider zerfahren, holprig und teils zugewachsen.

Fernradweg mit vierstelliger Nummer und Vorwegweiser, nur leider zerfahren, holprig und teils zugewachsen.

Am weißen Kreuz - nach der Karte eine markante Radwegkreuzung

Am weißen Kreuz - nach der Karte eine markante Radwegkreuzung

Oben angekommen, finde ich aber niemand vor. Also noch ein Anruf übers Handy: Wo seid Ihr denn ?

Oben angekommen, finde ich aber niemand vor. Also noch ein Anruf übers Handy: Wo seid Ihr denn ?

Irgendwo muß ich die beiden überholt haben, als unsere Wege noch nicht identisch waren. Gut, also Zeit für mich zum Verschnaufen!
Doch schon wieder klingelt das Handy. Erich hat ein Problem: Sein Hinterrreifen ist platt, er schiebt erst einmal rauf bis zu mir.
Unsere Bestandsaufnahme an Flickmöglichkeiten verläuft zwar positiv, aber wir trauen uns nicht an ein Hinterrad heran, das über Kettenschaltung elektrisch angetrieben wird. So ein Rad nach der Reparatur millimetergenau in die Spur zu bringen, zumal der Mantel des Hinterrads kaput sein kann, das kostet zu viel Zeit und kann vergeblich sein.
Erich ruft Milos an, was man jetzt wohl tun könnte, und Milos rettet den Tag: Nach 20 Minuten ist er mit dem Auto hier oben, lädt Erich und sein Rad auf und bringt beide nach Sloup zu einem Bekannten, der nach Feierabend das Rad tadellos reparieren wird!
Zu zweit haben wir nur noch das restliche Viertel der Rückfahrt vor uns, auf dem es eigentlich nur noch bergab gehen soll. Weg Nummer 5076, auch gekennzeichnet, aber mit dem Fahrrad stellenweise kaum zu befahren. Über quergewachsene Baumwurzeln und losen Schotter auf steilem Gefälle werden wir noch mal voll gefordert. In Baldovec stoßen wir auf eine Straße, Weg Nummer 5118, und befinden uns wieder in traumhaftem Gelände, überqueren einen gepflegten Campingplatz und kommen zur Burg Holsteijn und gönnen uns ein Bierchen in der Hospoda pod Hradem.
Das Finale mit dem Rest an Kraft aus meiner Batterie und Haralds Beinmuskulatur bringt uns noch über einen weiteren Hügel vor Sonnenuntergang zurück nach Sloup.
Dort sitzt Erich schon am Tisch unseres Hotels und hat das Bier für uns schon geordert.
Ist alles gutgegangen und war am Ende doch großartig, oder ?

© Manfred Sürig, 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ein Einheimischer hatte die Tour geplant und die Route vorher mit seinem Fahrrad abgefahren. Da würde ich mit dem e-bike locker in der Gruppe mitradeln können. Nur das Wetter ließ sich nicht mitbestellen. Ob so spät im Jahr das noch geht ?
Details:
Aufbruch: 09.10.2018
Dauer: 5 Tage
Heimkehr: 13.10.2018
Reiseziele: Tschechische Republik
Der Autor
 
Manfred Sürig berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.