GO EAST - Streifzüge in Osteuropa

Ukraine-Reisebericht  |  Reisezeit: Juli / August 2017  |  von Monika Schulmeiss

Lviv entdecken: Ausflug in den Oblast Ivano-Frankivsk

Nein, wir sind nicht nach Asturien gefahren!

Nein, wir sind nicht nach Asturien gefahren!

Was für ein Tag! Zu den Dovbush Rocks und weiter über Land

Gebucht haben wir diese Tagestour im Touristenbüro in Lviv, 29 Rynok sqr. Die Wahl fiel uns nicht schwer: Dovbush Rocks, Hoshiv Kloster und eine Fahrt mit der Carpathian Tram kamen als vielfältiges Angebot unseren Interessen entgegen.


Gemeinsam mit einer kleinen Gruppe warteten wir am pl.Halyc'ka in Sichtweite des Reiterdenkmals von König Danylos, dem Gründer der Stadt Lviv, auf den Bus. Wie wir bereits wußten, wurde die Gruppentour von einem ukrainisch sprechenden Führer, in unserem Fall einer Führerin, geleitet. Aus dem Touristenbüro war eine englischsprechende Angestellte am Platz. Sie übergab uns mehrere ausführliche Infoblätter in englischer Sprache über die zu besuchenden Orte. Sie beruhigte uns mit dem Hinweis, im Bus seien immer Gäste die englisch sprechen könnten, - keine Angst. Der Bus kam pünktlich. Die Aufschriften ließen einen früheren Einsatz in Spanien vermuten. Er war noch gut erhalten und sollte seinen Dienst gut machen auf der Fahrt in die ländlichen Gebiete des Oblast.

Vergleichbar mit Robin Hood war Oleska Dovbush Namensgeber der imposanten Felsformationen. Das bergige Waldgebiet umfaßt ca. 10 ha und beherbergt großzügige, von Menschen in den Felsen geschlagene Höhlen.

Nur nicht steckenbleiben!

Nur nicht steckenbleiben!

Dovbush Rocks

Dovbush Rocks

Kletterfreunde, wegen der steilen Wände, und Wanderer trafen wir, aber auch einzelne Campingfreunde machten sich an ihren Zelten zu schaffen. Gruppen und auch Einzelne erkundeten bei angenehmer kühler Waldluft das Terrain. Wir orientierten uns an menschlichen Lauten um den Anschluß nicht zu verlieren. Durch eine schmale und glitschige Felsspalte (Kamin) folgten wir der Hauptgruppe. Für einen Mann war da fast kein Durchkommen. Er zog sein T-Shirt aus und flutschte so durch und nach oben. Auch ich benötigte beim Ausstieg helfende Hände, alles gut! Ein Treffpunkt mit Zeitangabe war vereinbart worden. Alle waren fast pünktlich erschienen und so stand nach einigen Minuten der Besuch des Waldgasthauses am Programm.

Gemütliches, einfaches Gasthaus in den Karparthen

Gemütliches, einfaches Gasthaus in den Karparthen

Wir wurden schon erwartet und selbst der Hund wedelte uns freundlich entgegen. Inzwischen wußten wir auch wer von unseren Mitreisenden englisch sprechen konnte und auch verstand, die Tourleiterin war es nicht. Die Nähe einer jungen Frau und ihres ungefähr 10 Jahre alten Sohnes suchten wir so des öfteren. Sie lernte gemeinsam mit ihren Sohn, der das Schule Englisch hatte. Sie sprach schon sehr gut und war somit unsere ausgewählte Übersetzerin, wenn nötig. Wir waren die einzigen Ausländer unter einer bunten Mischung von Ukrainern, Junge, Ältere, Familien, Männer und Frauen, - der Bus war zu Dreiviertel besetzt.Der Fahrer fuhr besonnen auf den schmalen Straßen und der schlechte Zustand der Fahrbahn ließ auch kein höheres Tempo zu. Das plötzliche Schritttempo war aber dann doch ungewöhnlich. Die Ursache war ein Trauerzug der über ungefähr zwei bis drei Kilometer nicht zu überholen war. Ich konnte dabei die dörfliche Struktur beobachten, die einfachen Häuser umgeben von Blumen und vielen Stangenbohnen. Hühner waren zu sehen, angekettete Ziegen vor Hauseingängen und Hunde die sich in der Sonne räkelten oder auch bellten. Zuviel Aufruhr in der Straße! Endlich bog die Trauergemeinde mit Fahnen und Sargträgern ab und ich konnte die silbern schimmernde Kuppel einer Kirche erkennen.

Das Kloster Hoshiv Unser Bus quälte sich die Straße hoch zum Kloster in den Yasna Bergen/Karpaten. Bei 38° wehte auf der freien Fläche leicht der Wind.

Kloster Hoshiv

Kloster Hoshiv

Vielen ukrainischen Gläubigen gilt die miraculous icon of OUR Lady als besonders anbetungswürdig. Die Gründung des Klosters erfolgte 1570. Zweimal wurde sie bei Tartarenangriffen zerstört. Schlußendlich wurde eine Kopie der Ikone von Hoshivisky um 1735 gestiftet. Die Ikone überstand dann Feuer und begann um 1736 zu leuchten. Ein Mirakel.

Torbogen auf dem Weg zum Kloster Hoshiv

Torbogen auf dem Weg zum Kloster Hoshiv

Kloster Hoshiv

Kloster Hoshiv

Pilger kommen aus weiten Teilen der Ukraine um hier zu beten. Auch einige der mitreisenden jungen Frauen, flippig angezogen, bedeckten ihr Haar mit einem Tuch und gingen in die Kirche, - überrraschend für mich wie ernsthaft sie im Gebet versanken. Ein neuerer offener Bau bietet auch größeren Pilgergruppen zu besonderen Festen Platz.

ausrangiert

ausrangiert

Alles einsteigen! Man beachte die Musiker die abwechselnd in allen drei Waggons aufspielten

Alles einsteigen! Man beachte die Musiker die abwechselnd in allen drei Waggons aufspielten

Eine Fahrt mit der Carpathian Tram
Bei brütender Hitze warteten wir am kleinen Bahnhof von der die Schmalspurbahn abfährt. 1860 eröffnet verband sie Boikivschina mit Zentren der Holzverarbeitung im Österreich-Ungarischen Kaiserrreich. Die Menschen in diesem ärmlichen Landstrich verdingten sich als Holzfäller. Heute fahren Touristen auf dieser Strecke , und wir gehörten dazu. Unterwegs erlebten wir Lebensfreude pur im und am Wasser des Mizunka und in den offenen Waggons erklang Musik, Volkslieder und es wurde getanzt.

Unser Zugbegleiter der auch hin und wieder tanzte, Frauen gab es ja genug im Waggon und die Musik spielte auf. Mein Trommelfell hat sich beschwert.

Unser Zugbegleiter der auch hin und wieder tanzte, Frauen gab es ja genug im Waggon und die Musik spielte auf. Mein Trommelfell hat sich beschwert.

Ausblick von der Carpathian Tram

Ausblick von der Carpathian Tram

Meist fuhren wir langsam am Ufer entlang, überquerten an einigen Stellen den Fluß um dann wieder einmal anzuhalten. Wir stoppten in Dörfern und ruckelten nach mehrmaligen Pfeifen, blieben nochmals stehen. Ein kleiner Junge mußte nochmal für kleine Jungs. Wieder warten, aber es gab ja keinen Fahrplan. Verspätet kamen tanzende weibliche Passagiere an, der Junge war auch zurück, - jetzt konnte es losgehen. Ein buntes Treiben, unglaublich anzuschauen.

Stopp mit Landgang ans Wasser

Stopp mit Landgang ans Wasser

Nach vier Stunden kamen wir wieder an unserem Ausgangspunkt zurück wo der Bus wartete. In einem kleinen Laden holten wir uns eine Einliter-Wasserflasche, wir hatten eindeutig zu wenig zu trinken mit. Die Rückfahrt nach Lviv verlief problemlos. Die Straßen wurden immer besser und so erreichten wir nach zwei Stunden Fahrt vollbepackt mit neuen Eindrücken Lviv, pl. Halyc'ka.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Auf den Spuren von vergangenen Kulturen und Herrschaftsverhältnissen wurden wir in Krakau, Rzeszow, Lviv/Lemberg und Bratislava/Preßburg fündig und erhielten überraschende Einblicke in das heutige Leben. Mit Bus und Zug waren wir unterwegs. Ein Tagesausflug, gemeinsam nur mit ukrainischen Teilnehmern, brachte uns in den Oblast Ivano-Frankivsk.
Details:
Aufbruch: 25.07.2017
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 11.08.2017
Reiseziele: Polen
Ukraine
Slowakei
Der Autor
 
Monika Schulmeiss berichtet seit 11 Wochen auf umdiewelt.
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Aus dem Gästebuch (1/1):
Monika Schulmeiss [?] 1543931189000
Gerne gebe ich auch Tipps und weitere Info zu dieser Reise in Europas Osten, Monika