2007 Italien - Puglia, Basilicata, Reggio Calabria, Sicilia, Campania

Reisezeit: Mai / Juni 2007  |  von Peter S.

Campania - Paestum, Amalfi-Küste

Ciao Tropea, ciao Reggio di Calabria - ab Pizzo geht's auf die Autobahn rund 400 km nordwärts.
Buon giorno Campania! Buon giorno Paestum - tönt nun aber nicht wirklich italienisch!
Schon Vergil und Ovid rühmten die "Rosen von Paestum", welche zweimal im Jahr erblühen. Warum aber ausgerechnet die "Königin der Blumen", welche auch andernorts im süditalienischen Raum im Frühjahr und im Herbst erblühen - in der im 7. JH. v.Chr. als Handelsstützpunkt errichteten Stadt eine besondere Verehrung genoss, ist eines der ungelösten Rätsel!
Umweltsünden trugen schliesslich zum Untergang der Stadt! Die rücksichtslose Abholzung der Gebirgswälder veränderte die durch die Ebene führenden Flussläufe, Überschwemmungen schufen grosse Sumpfgebiete in denen die Malaria wütete.
Neue Handelswege führten an Paestum vorbei, die Stadt geriet ins Abseits und versank im wahrsten Sinne des Wortes.
Es ist wohl die Ironie der Geschichte! Ausgerechnet der Strassenbau führte zur Wiederentdeckung von Paestum! 1752 liess der Bourbone Karl III. die Strassen systematisch der Küste entlang anlegen.
Dabei standen die Arbeiter in einem beinahe undruchdringlichen Dickicht plötzlich vor den Überresten einer antiken Siedlung, vor grossartigen Tempelbauten, wie sie selbst in Griechenland selten zu finden sind.

2007 Campania - Paestum; der griechische Poseidontempel

2007 Campania - Paestum; der griechische Poseidontempel

2007 Campania - Paestum; die Basilika dürfte dem Hera-Kult gedient haben

2007 Campania - Paestum; die Basilika dürfte dem Hera-Kult gedient haben

Entlang dem Golfo di Salerno führt der Weg weiter nordwärts. Die Stadt Salerno umfahre ich - es ist Samstag Nachmittag und viel Verkehr wälzt sich über die z.T. noch im Bau befindlichen Strassen. Nach Vietri sul Mare beginnt die berühmte Amalfitana! Hoch über dem Golf liegt das Asphaltband und selten wird man atemberaubendere Ausblicke erhaschen wie auf dieser schmalen Küstenstrasse. Vielerorts wird der Verkehr durch Streckenposten angehalten, um grössere Autobusse passieren zu lassen.
Im Bergdorf Ravello will ich mir unbedingt den Palazzo Ruffolo sowie die Villa Cimbrone anschauen. Es muss ein wahrhaft atemberaubender Ausblick von der "Terrasse des Unendlichen" sein!
Langsam kraxelt das Auto Serpentine um Serpenine hinauf in das Dorf. Parkplätze sind ein begehrter "Artikel" in diesem Nest und wo's gerade noch irgendwie geht, hat sich schon längst ein Cinquecento hineingequetscht. Wenden ist auch nicht gerade eine einfache Angelegenheit bei diesen knappen Platzverhältnissen... Aber irgendwie ist auch das mal geschafft, die Strasse führt weiter hinauf auf den Berg - nur eben Parkplatz bleibt Parkplatz... So lasse ich Ravello "Ravello" sein - und freue mich auf den nächsten Abschnitt der Amalfitana - wo's rauf geht, geht es normalerweise auch wieder hinunter!

2007 Campania - Ravello; Blick auf den Küstenstreifen mit der berühmten Amalfitana

2007 Campania - Ravello; Blick auf den Küstenstreifen mit der berühmten Amalfitana

2007 Campania - Badeorte unterbrechen das in den Berg gekrallte Asphaltband der Amalfitana

2007 Campania - Badeorte unterbrechen das in den Berg gekrallte Asphaltband der Amalfitana

So ist es denn auch; runter geht's - nur eben - von Amalfitana weit und breit keine Spur; am Fusse des Gebirges jedoch ein gewaltiges Häusermeer - es sind bereits die Vororte Neapels sichtbar wie z.B. die Stadt Pompeji.
Längst ist es früher Abend; weit und breit ist kein Nachtlager in Sicht! Die ersten Müll-Lagerstätten der Mafia häufen sich am Wegesrand. Dank vielen Wegumleitungen verliere ich die Orientierung im dichten Strassengewirr endgültig. Es ist ein hin und her - wenden, und von neuem versuchen, ein ruhiges Plätzchen zu finden. Die Nacht bricht endgültig herein und so langsam werde ich unruhig. Erst in der Stadt Pompeji selber finde ich einen bewachten Parkplatz, auf dem ich die Nacht verbringen kann. Gegen ein kleines Aufgeld darf ich sogar bis um 1800 h des folgenden Tages das Auto stehen lassen.

© Peter S., 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Der Mezzogiorno, wie die südlichsten Regionen der Apenninhalbinsel auch genannt wird, gehört zu den ältesten Kulturlandschaften der Welt. In der Magna Graecia blühte eine hochentwickelte Zivilisation. Um so trauriger stimmt die tiefe Kluft, die sich im heutigen Italien aufgetan hat.
Details:
Aufbruch: 25.05.2007
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 16.06.2007
Reiseziele: Apulien
Der Autor
 
Peter S. berichtet seit 19 Jahren auf umdiewelt.
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