Beluga geht durchs Nadelöhr 2

Italien-Reisebericht  |  Reisezeit: Mai - Oktober 2004  |  von Doris Sutter

Unter den Räubern im Tyrrhenischen Meer

08.8. Cetraro

Nach einem heißen Tag und einer gruseligen Nacht brechen wir früh auf und passieren das "Bermudadreieck" bei mäßigem Wind und mäßigem Seegang ohne Probleme.

Obwohl das Hafenhandbuch warnt, dass der Hafen von Cetraro noch nicht ausgebaut sein könnte, ist das Hafenbecken groß und komfortabel mit einigen Molen an denen man längsseits anlegen kann.
Wir haben uns kaum in eine Ecke manövriert, kommt ein feister Dicker, ganz in weiß, wohl um sich einen offiziellen, maritimen Anstrich zu geben und fordert uns auf in seine Kneipe zu kommen.Er tut so, als wäre er der Hafenmeister und wir müssten uns bei ihm melden.
Auf dem Weg in seine Kneipe kommen wir bei der Coastguard-Station vorbei und fragen ob wir einchecken müssen und ob der Platz was kostet. Alles negativ. Keine Formulare, kein Geld, sehr schön.

Der Dicke kurvt mit seinem Roller herum und als er uns sieht schlägt er einen Haken und verschwindet in der Kneipe um uns in Empfang zu nehmen.
Pizza hätte ich gern. Doch die gibts angeblich abends ab 6 nicht mehr. Na gut, wir suchen uns fritierte Calamaris aus. Die Portion 10 Euro kommt mir ziemlich happig vor. Für die Kleinkinderportion, die dann kommt, ist es mehr als happig. Aber sie sind sehr gut.
Wir trinken eine Karaffe Rotwein, was ihm auch nicht gefällt, hätte er uns doch gerne eine Flasche von seinem Teuersten aufgedrückt.
Wir wollen gerade bezahlen, als ein deutsches Ehepaar eingrifft. Wir kommen ins Gespräch, sie setzen sich zu uns. Wir sind alle froh mal wieder jemanden zum Schwätzen zu haben. In Laufe der Unterhaltung stellt sich heraus, dass sie an den Wirt 20 Euro bezahlt haben, weil er ihnen einen Liegeplatz zugewiesen und ihnen beim Festmachen geholfen hat.
Auch sie bestellen Calamaris und weil die Portion so winzig ist, gleich noch mal eine.Erstaunlicherweise gibt es für die anderen ankommenden Gäste jetzt jede Menge Pizzen. Nach einem angeregten Abend verlangen wir die Rechnung und siehe da, wir haben doch tatsächlich 20 Euro zusätzlich auf unserer Rechnung für Service. Wir reklamieren postwendend und das Schlitzohr gibt auch sofort klein bei, als wir ihm sagen, dass die Coastguard gesagt hat der Platz sei kostenlos. Dafür kosten jetzt die Calamaris 13 Euro pro Portion und für die drei kleinen Karaffen Wein zahlenn wir nochmal 14 Euro.

In so einer Situation wünsche ich mir nichts mehr, als die Landessprache perfekt zu beherrschen um diesen Spitzbuben die Meinung geigen zu können. Wenn sie vorher auch jedes Wort verstehen konnten, wenn es brenzlig wird verfallen sie sofort in die Schwerhörigen-Gymnastik : ich Robinson, du grüner Donnerstag!

Cetraro sollten Bootsfahrer meiden

Cetraro sollten Bootsfahrer meiden

09.8. Agropoli

Ohne Sturm und Wellen ist eine Seefahrt schon auszuhalten. Die italienische Küste ist wunderschön. Hügel, Klippen, schroffe Felsen, Sandstrände, Wald und kleine Orte.Man hat ständig was zu gucken. Der Sportbootverkehr ist enorm. In jeder nur möglichen Bucht liegen Dutzende von Booten.

Auch die Häfen sind überfüllt. Man muss früh da sein um einen Platz zu bekommen. Der Hafen Agropoli ist riesig und genau so voll. Wir bekommen einen Stegplatz an Moorings an einem Club. Wir bekommen einen günstigen Sonderpreis, weil der Stegwart jahrelang in Deutschland Gastarbeiter war. Zahlen lediglich lumpige, läppische 60 Euro, nicht für die Woche, nein für die Nacht.

Wir sind eindeutig unter die Seeräubner gefallen. Gestern haben uns schon die deutschen Segler gesagt: "Da oben runter, da haben sie Preise, da hebts einem die Schädeldecke ab."
Ich bin sicher, selbst Odysseus der König aller Rumtrödeler, hätte bei diesen Liegebühren Fersengeld gegeben und wäre schnurstraks seinem Penelopechen in die geöffneten Arme gerudert.

Seeräuber unter sich -- Agropoli

Seeräuber unter sich -- Agropoli

© Doris Sutter, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Unsere Bootstour die Donau abwärts findet ihr im ersten Teil. Vom Donaudelta quer durchs Schwarze Meer führt uns unsere Heimreise durch den Bosporus, das Marmarameer, die Dardanellen, quer durch die Ägäis,rund Griechenland, die Straße von Korinth,wie auch die Straße von Messina, die italienische Westküste entlang, an der Cote d'Azur vorbei in die Rhone. Hier folgt der 2. Teil
Details:
Aufbruch: Mai 2004
Dauer: 5 Monate
Heimkehr: Oktober 2004
Reiseziele: Schwarzes Meer
Bulgarien
Türkei
Griechenland
Straße von Korinth
Ionisches Meer
Italien
Frankreich
Der Autor
 
Doris Sutter berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Doris sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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