Italien-Reisebericht :SIMSON "Große Glocken Tour 2017"

5.Tag es geht flach in die Heimat.: Bei Stoney ist die Luft raus

Das Leid beginnt.

Zunächst machten wir wieder gute Strecke. Fie Sonne schien und alles war wunderbar.

Ich glaube es war in Augsburg an einer Ampel. Wir standen beieinander und Stoney meinte, dass seine Kiste seltsam in den Kurven unterwegs sei.

Ein Blick, eine Diagnose!

Schon wieder ein Platten !!!

Das Geraffel vom Bock absatteln und 1. Diagnose

Das Geraffel vom Bock absatteln und 1. Diagnose

Zunächst musste wieder das Hinterrad "frei gegraben" werden.
Zelt, Packtaschen, ... alles runter!

Ja, da war tatsächlich bei Stoney wieder die Luft raus.

Stoney war nachdenklich und nachvollziehbar etwas genervt.
"Vor der Tour neuer Reifen drauf gezogen, neue Schläuche, ... und nun schon wieder Luftverlust. "

Ist es ein sch... defektes Ventil?

Der Spucke-Luftblasentest ergab keine Auffälligkeit. Also runter mit dem Reifen!

Hinterradausbau in Rekord-Zeit.

Na ja bei all dem Ärger mit dem Pneu kann man dem auch etwas positives abgewinnen.

Die Jungs wären sicher ein Top Reifenwechselteam in einer
Simson Formel-1 Boxen Crew.

Aua, ... da muss ich sicher wieder böse Kommentare einstecken ...

Man beachte die Handpflege Handschuhe. Kein Schweis auf die Teile!

Man beachte die Handpflege Handschuhe. Kein Schweis auf die Teile!

Mit wenigen geübten Griffen war das Hinterrad draußen und der Mantel von der Felge gezogen.

2-Takt-Stillleben  "Der Reifenwechsel"

2-Takt-Stillleben "Der Reifenwechsel"

Bei einer genauen Diagnose am Schlauch entdeckten wir auffällige Streifen auf der Innenseite (nicht Laufflächenseite) vom Schlauch. Genau auf dieser Abnutzungslinie waren 2 definitive Löcher und eine Stelle die schon sehr mürbe aus sah.

Das konnte kein Nagel oder Durchschlag sein!

Abrieblinie dicht an der Naht vom Heidenau Schlauch.

Abrieblinie dicht an der Naht vom Heidenau Schlauch.

Zunächst wurden in geübter Weise die 3 Schadstellen mit Flicken ausgebessert.

Aber die Ursache war noch nicht gefunden.

Fehlermöglichkeiten ausschließen!

Vielleicht liegt es an der Felge?
Sie ist schon ebenfalls gute 30 Jahre alt und hat auch innen geringe Korrosionsspuren. Vielleicht rubbeln diese rauen Stellen den Schlauch durch?

Oder ist es das alte hart gewordene Felgenband, dass etwas scharfkantig ist?

Mit Schmirgelpapier wurde die Oberflächenrauhigkeit der Felgeninnenseite nach Rz 6,3 Standard nachbearbeitet.
Was ist Rz 6,3?

Zur Sicherheit wurde sorgfältig Panzertape statt des alten harten Felgenbandes aufgelegt. (Biker Regel: "Panzerband hilft immer")

Mantel einseitig drauf, Schlauch rein, Mantel vollends aufgezogen.
Das ging sehr geübt und schnell. Aber das Aufpumpen war wieder eine langwierige und schweißtreibende Qual.

Der Einbau vom Hinterrad erfolgte sehr schnell, die Flucht des Hinterrades wurde ordnungsgemäß durch einen geübten Peilblick sicher gestellt.
Alle Schrauben fest? ... aufgesattelt, nichts liegen gelassen? ... und es ging weiter.

Irgendwann war auch mal wieder der Tank leer. Es war auf der Albhochfläche in der Nähe von Ulm.
Wir hatten Hunger, aber ein Gewitter zog auf. Wir fuhren einen kleinen Umweg um zwischen den dunklen Wolken und den zuckenden Blitzen hindurch zu schlüpfen.

An einem Imbissstand machten wir dennoch halt und zogen uns einen Mittagsimbiss "mittlerer Qualität" rein.
Welch Abstieg im Vergleich zum italienischen Keller Imbiss. (Rifugio Crucolo)

Nach ein paar weiteren Kilometern fanden wir eine Tanke, hoch auf dem Albrücken, etwas außerhalb der umliegenden Dörfer.

Meine Schwalbe nahm irgendwie nicht optimal das Gas an. Ich hatte den Eindruck als ob 1-1,5 Ps. Abhanden gekommen waren.
Also wurde beim Tankstopp noch fluchs die Zündkerze gewechselt.
Danach ging es besser.

Flaps bei Zündkerzen Check.

Flaps bei Zündkerzen Check.

Nach dem Tanken und der weiteren Routenplanung kamen wir wieder gut vorwärts.
Wir ließen das Gewitter hinter uns und verabschiedeten uns langsam von der Albhochfläche.
In Wiesensteig düste ich dann vor. Die Heimat zog mich förmlich voran.
nach einer Weile bemerkte ich das meine Kumpel fehlten. Erst wartete ich, dann drehte ich um und fand sie pumpend am Straßenrand stehen.

Schon wieder ein Platten.
"Stoney, was hast du da für scheiß Schläuche gekauft?" Frotzelte ich, was Stoney gar nicht gefiel!

Da wir auf der Landstraße parallel zur Autobahnraststätte Grübingen waren,
schoben wir den Bock über den Grünstreifen auf den Parkplatz.
Da bekommen wir wenigstes Druckluft!

Stoney hatte keinen Bock mehr zu flicken und wieder das ganze Gepäck abzubauen.

Platter Hinterreifen Nr. 3  (Der 2. an diesem Fahrtag)

Platter Hinterreifen Nr. 3 (Der 2. an diesem Fahrtag)

Reifenpilot das Allheilmittel?

Stoney verschwand in der Tanke und kam schimpfend zurück.

"Ich habe noch nie soviel für eine Dose Reifenpilot ausgegeben"
"Aber ich haben auch keinen Bock mehr den Porösen Schlauch zu flicken."
"Woran immer das liegt, Reifenpilot wird es schon richten!"

Irgend wie so ähnlich war die Situation. (Ja wieder die 30% interpretationsfreiheit)

Stoney war genervt und konnte das Wort "Hinterrad und Luftverlust" nicht mehr hören. Wene und ich frotzelten und Lachten über die Situation. (Nicht über Stoney den armen Kerl !!! ... ist mir ganz wichtig den Unterschied an zu bringen)

Wir konnten deshalb lachen, weil wir kurz vor der Heimat waren und zur Not hätten wir den Anhänger geholt. Die Schmach wollte aber keiner.
Zusammen los fahren gemeinsam ankommen! Das ist das Ziel.

Reifenpilot wurde nach Gebrauchsanweisung in alle Himmelsrichtungen Geschüttelt und eingefüllt.

Eine mords Sauerrei! Siehe Dose.

Reifenpilot Schaumskulptur.  Für das Geld perfekte Dichtheit vom System

Reifenpilot Schaumskulptur. Für das Geld perfekte Dichtheit vom System

Bei der Aktion war nur noch Ankommen gefragt. Die Ursache der Panne war nicht mehr das Thema.

... es war einfach nur nervig und scheiße!

Testfahrt auf dem Vorplatz der A8 Tanke in Grübingen "Geisterfahrer"

Testfahrt auf dem Vorplatz der A8 Tanke in Grübingen "Geisterfahrer"

Stoney drehte noch ein paar Test-Achter, damit sich die selbstvulkanisierende Flüssigkeit gleichmäßig über den Schlauch verteilen konnte.
Es wurde noch einmal etwas nachgefüllt.

Und es sah so aus als ob die Luft im Reifen bleibt.

Panne zwischen Hochdorf und Reichenbach

Nun war Eile und Vorsicht angesagt.
Ohne all zu viele Experimente sollten die letzen ca. 20 Km bewältigt werden.
Der teuere Rest Reifenpilot wurde nach dem Säubern der Dose eingepackt.

Wir fuhren mit gebremsten Tempo gen Heimat.

Dann an der Kreuzung von Hochdorf nach Reichenbach, vor den B10, musste noch einmal der Rest vom Pannenspray her halten.

Der Druckverlust beim Fahren machte sich sehr bemerksam. An ein (auch sehr langsames) weiterfahren war nicht mehr zu denken.

"Sollen wir flicken?" Stoney winkte ab. "Keinen Bock mehr!"
Wenne meinte: " Hau doch den Rest Pannenspray noch mal rein. Das wir für die letzten 2 Km schon reichen"

Gesagt getan, die Dose war nun leer!

Stoney, ... fertig, aber froh wieder bald zu Hause zu sein!

Stoney, ... fertig, aber froh wieder bald zu Hause zu sein!

© Flaps !, 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Mit kleinen Veteranen-Mokicks in den Alpen unterwegs. Gardasee, Dolomiten und Großglockner in einem Rutsch! Der Hintern lässt grüßen. Spaß haben & Lachen, aber auch grandiose Landschaft und herausfordernde Pässe sind die Rezeptur für eine tolle Auszeit.
Details:
Aufbruch: 03.07.2017
Dauer: 5 Tage
Heimkehr: 07.07.2017
Reiseziele: Italien
Der Autor
 
Flaps ! berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.
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Flaps über sich:
... aufsitzen und durchhalten