Wer will nochmal, wer hat noch nicht? Zum zweiten Mal in die Versilia

Italien-Reisebericht  |  Reisezeit: Juli 2019  |  von Kathrin Hentzschel

Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben

Wir sind beide erkältet und kommen nur langsam aus den Federn. Urban hat starkes Halsweh, und ich ändere meine Trainingspläne: Statt mich erst einmal, wie geplant, in die Höhe zu orientieren, biete ich heldenhaft an, unten aus der Apotheke ein Medikament zu holen. Dafür muss ich nach Seravezza runter – und wieder rauf. Wir erinnern uns – das ist die Straße mit den 80 Kurven und Schlängeln. Aber gut – ich bin zwar nicht fit, aber ausgeruht, und außerdem kann ich Pausen machen. Das Wetter ist perfekt, längst nicht so heiß wie in Deutschland, wo ich bei 38 Grad geradelt bin, und ab und zu schiebt sich eine Wolke vor die Sonne. Ich starte um 16 Uhr, um sicher zu sein, dass die Geschäfte offen haben, und finde bereits die Abfahrt mit den unübersichtlichen Haarnadelkurven anstrengend.

Sinnbild für eine allgegenwärtige Plage.

Sinnbild für eine allgegenwärtige Plage.

In der Apotheke ist es voll und ich sorge ungewollt für Heiterkeit, als mich ein Typ anspricht. Meine höfliche Antwort „Ich warte“ ist zwar richtig, trotzdem kichern alle. Dann verschwindet er hinterm Tresen. Oh … Flüsternd frage ich eine Kundin, ob das der Chef sei. „Si, si, si, il dottore, hihihi“. Also auf ihn mit Gebrüll bzw. schlechten Sprachkenntnissen! Ich bitte ihn um ein Spray gegen Halsschmerzen (gut, dass mein Italienisch-Buch ein Apothekenkapitel hatte), versichere dem Dottore, dass il mio ragazzo kein Fieber hat, gönne mir im Eisladen ein Sorbetto und gehe respektvoll die Auffahrt an. Dass ich die steile Straße zur Schule packe, beflügelt mich schon mal. Das Ganze geht überhaupt überraschend gut! Kein Vergleich zur Kalmit, die ich am liebsten fluchend fahren würde, wenn ich die Luft dazu hätte. Das ruft nach Belohnung – Schorle – also fahre ich gleich noch zwei Stockwerke höher nach Azzano ins Lädchen, Weißwein kaufen. Dort werde ich ob meines Italienischs gelobt. Die Maßstäbe liegen also nicht hoch.

Si accomodino - ed aspettino!

Si accomodino - ed aspettino!

Insgesamt sechs Mal hochgefahren: die Straße nach Fabbiano.

Insgesamt sechs Mal hochgefahren: die Straße nach Fabbiano.

Blauer Himmel, Berge, rote Dächer und mehr - was will man Meer?

Blauer Himmel, Berge, rote Dächer und mehr - was will man Meer?

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Zwei Mal hintereinander an denselben Ort?! Eigentlich sind wir doch noch nicht in dem Alter … Dochdoch, das geht, wenn man sich dort erstens bereits im letzten Jahr sehr wohl gefühlt hat. Und man zweitens Höhepunkte einplant. Zum einen hatte ich diesmal die Goldfüchsin, mein Rennrad, dabei und mir extra schicke Radklamotten gekauft. Wenn ich schon nichts auf der Kette habe, dann will ich wenigstens in Schönheit sterben! Zudem „bella figura“ in Italien Pflicht ist.
Details:
Aufbruch: 07.07.2019
Dauer: 14 Tage
Heimkehr: 20.07.2019
Reiseziele: Italien
Der Autor
 
Kathrin Hentzschel berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Aus dem Gästebuch (3/3):
Rosa 1565773024000
Liebe Kat­hrin, herr­lich zu lesen Dein Rei­se­bericht. Und Deine spor­tlichen Ak­ti­vit­äten ? Res­pekt. Grüße Rosa
Erika 1564633600000
Liebe Kat­hrin, wie schön Euer Rei­se­berer­icht aus der Toskana auf au­ßer­gew­öhn-
lichen Pfaden, abseits der Tou­ris­ten­ströme. Und die Bilder sind auch wieder beson­ders.

Annette 1564574545000
Hallo, Kat­hrin­,
tol­ler Bericht! Res­pekt, so viel Kultur und Sport schaffe ich nicht in einem Jah­r!
Und nat­ürlich ist es super, immer am gleichen Ort Urlaub zu machen: Man weiß, worauf man sich freuen kann und wo im Notfall die Phar­ma­cia is­t.
Gruß Annette