10 Tage auf dem Jakobsweg "Caminho Portugues"

Reisezeit: Mai / Juni 2014  |  von Lisa Unterwegs

1. Etappe geschafft!

Von Rates über Barcelos nach Portela de Tamel

Bin immer noch fassungslos über meinen neuen Frühaufsteherrhythmus! Hoffentlich hält der an! Meine Mutter nannte meine Sehnsucht danach, morgens einfach mal erfrischt aufzuwachen und sich auf den Tag zu freuen, kürzlich einen "frommen Wunsch". Nunja, fromme Wünsche erfüllt der Caminho unter Umständen sofort, scheint mir!

Nach meinem Frühstück (Milchkaffee mit Puddingteilchen, € 1,70) ging es also los auf den Caminho de Santiago! Herrliches Wetter begrüßt mich, und schöne Wege durch schattige Eukalyptuswälder, über sandige Feldwege zwischen Gemüsebeeten, alten Römerstraßen nachempfundenen Kopfsteinpflasterwege zwischen Weinbergen, bemooste Hohlwege, auf denen ich von Radfahrern zum ersten Mal einen "Bom Caminho" gewünscht bekomme, bis in die Vororte von Barcelinhos. Kopfsteinpflaster, so viel Kopfsteinpflaster! Ab dem 12. Kilometer Kopfsteinpflaster schmerzen die Füße! Aber das Wetter ist herrlich, von den Balkonen blühen statt Geranien Orchideen, in den Gärten wachsen Mispeln und Feigen und Callas und riesige Kohlgewächse - und überraschend schnell bin ich - noch vor Mittag! - in Barcelos!

Über den Fluss, erstmal Rast am Ufer, und dann durch die netten Altstadtgassen und ueber den Mittelaltermarkt, der gerade stattfindet. Zweieinhalb schön verbrachte Stunden und eine Kartoffelsuppe später mache ich mich weiter auf den Weg nach Norden - und der wird noch anstrengend! Leicht und teilweise auch steil bergab durch eher öde Vororte und über - oh Wunder - Kopfsteinpflaster, vorbei an noch mehr Kirchen und dann endlich wieder ins grüne Land. Durch noch mehr malerische Weinlauben und Eukalyptushaine kommt man schließlich nach Tamel, nochmal steil den Berg rauf und dann empfängt mich eine herrliche Pilgerherberge: hier wurde an alles gedacht (nette Hospitaleria, guet Waschmöglichkeiten, Getränkeautomaten...). Geduscht, Wäsche gewaschen und dann aaaaaaaahhhhhh: mit einem eiskalten Superbock in die Abendsonne! Perfekt. Und jetzt gibt es sogar noch Internet, um diesen Reisebericht hochzuladen. Ich bin restlos begeistert und wünsche allen, ob nun unterwegs oder zu Hause, einen "BOM CAMINHO", denn "einen guten Weg" zu wünschen, das passt doch immer. Ich bin jedenfalls geschafft nach heute 25 Kilometern plus Sightseeing - aber ich freue mich schon auf morgen!

Der Caminho: mal geht es über Feldwege...

Der Caminho: mal geht es über Feldwege...

...an Gemüsebeeten vorbei...

...an Gemüsebeeten vorbei...

... oder durch malerisch bemooste Hohlwege.

... oder durch malerisch bemooste Hohlwege.

Und wenn es mal an der Straße entlang geht, warnen diese Schilder die Autofahrer vor Pilgern auf dem Weg...

Und wenn es mal an der Straße entlang geht, warnen diese Schilder die Autofahrer vor Pilgern auf dem Weg...

...Kapellen und Eukalyptuswälder am Weg...

...Kapellen und Eukalyptuswälder am Weg...

Doch dann: noch noch fußbrecherisches Kopfsteinpflaster. Autsch, meine Füße!

Doch dann: noch noch fußbrecherisches Kopfsteinpflaster. Autsch, meine Füße!

Ein Selfie!

Ein Selfie!

Schöner Rastplatz am Fluss, der Barcelos und Barcelinho trennt.

Schöner Rastplatz am Fluss, der Barcelos und Barcelinho trennt.

In den netten Altstadt-Gässchen von Barcelos ist Mittelaltermarkt!

In den netten Altstadt-Gässchen von Barcelos ist Mittelaltermarkt!

So ein Puddingteilchen wie ganz rechts ("Pasteis de Nata") hatte ich auch zum Frühstück. Sehr lecker.

So ein Puddingteilchen wie ganz rechts ("Pasteis de Nata") hatte ich auch zum Frühstück. Sehr lecker.

Blick vom mittelalterlichen Stadtturm.

Blick vom mittelalterlichen Stadtturm.

Traditionelle Kartoffel-Grünkohl-Suppe "Calda verde" und Cola (stimmig im Tonkrug) auf dem Mittelaltermarkt vor dem Stadtturm

Traditionelle Kartoffel-Grünkohl-Suppe "Calda verde" und Cola (stimmig im Tonkrug) auf dem Mittelaltermarkt vor dem Stadtturm

Der Hahn von Barcelos symbolisiert einen Pilger, der gerade vorm Gehängtwerden doch noch gerette wurde - durch seinen Ausruf: "Ich bin unschuldig! Der Hahn, den du gerade essen willst, König, wird krähen, wenn ihr mich hängt!" Das tat er dann auch - so die Legende - und der Pilger konnte gerade noch vom Galgen herunter gerettet werden, bevor er der Anklage des Diebstahls zur Rechtschaffenheit gezogen werden sollte. Diese Legende gibt es auch auf Stationen anderer Jakobswege - aber irgendwie ist die Geschichte ja nett.

Der Hahn von Barcelos symbolisiert einen Pilger, der gerade vorm Gehängtwerden doch noch gerette wurde - durch seinen Ausruf: "Ich bin unschuldig! Der Hahn, den du gerade essen willst, König, wird krähen, wenn ihr mich hängt!" Das tat er dann auch - so die Legende - und der Pilger konnte gerade noch vom Galgen herunter gerettet werden, bevor er der Anklage des Diebstahls zur Rechtschaffenheit gezogen werden sollte. Diese Legende gibt es auch auf Stationen anderer Jakobswege - aber irgendwie ist die Geschichte ja nett.

Keine Ahnung, was diese bunten Gestelle bedeuten - vielleicht einfach ein Verschönerung des innerstädtischen Parkplatzes?

Keine Ahnung, was diese bunten Gestelle bedeuten - vielleicht einfach ein Verschönerung des innerstädtischen Parkplatzes?

Und noch mehr Kirchen...

Und noch mehr Kirchen...

Letzter Blick auf Barcelos

Letzter Blick auf Barcelos

Kopfsteinpflaster, Kopfsteinpflaster ... und: noch mehr Kopfsteinpflaster.

Kopfsteinpflaster, Kopfsteinpflaster ... und: noch mehr Kopfsteinpflaster.

Hier mal: juhuu, KEIN Kopfsteinpflaster. Zwischen Eukalyptushainen und Weinlauben geht es angenehm voran.

Hier mal: juhuu, KEIN Kopfsteinpflaster. Zwischen Eukalyptushainen und Weinlauben geht es angenehm voran.

Rucksack und Schuhe sitzen gut, ich bin so froh, doch noch die halblange Bluse dabeizuhaben - und mein Lieblings-Zitronenduschgel (Mmmmhhh, Gute-Laune-Duft...  - beides "Luxusartikel", die urspünglich nicht auf meiner Packliste standen, ob des größeren (neu gekauften) Rucksackes dann aber doch noch im letzten Moment mitkamen - und über die ich so froh bin jetzt. Kurze Ärmel oder Fleecejacke wären zu kalt bzw. zu warm, und nur Shampoo und Stückseife zum Duschen, kein Vergleich. Schön, zwei solche "Lieblingsteile" dabeizuhaben.

Rucksack und Schuhe sitzen gut, ich bin so froh, doch noch die halblange Bluse dabeizuhaben - und mein Lieblings-Zitronenduschgel (Mmmmhhh, Gute-Laune-Duft... - beides "Luxusartikel", die urspünglich nicht auf meiner Packliste standen, ob des größeren (neu gekauften) Rucksackes dann aber doch noch im letzten Moment mitkamen - und über die ich so froh bin jetzt. Kurze Ärmel oder Fleecejacke wären zu kalt bzw. zu warm, und nur Shampoo und Stückseife zum Duschen, kein Vergleich. Schön, zwei solche "Lieblingsteile" dabeizuhaben.

Fingerhüte wachsen in den Caminho...

Fingerhüte wachsen in den Caminho...

...unerwartete Orte laden zur Rast ein...

...unerwartete Orte laden zur Rast ein...

Fast letzter Anstieg nach Tamel

Fast letzter Anstieg nach Tamel

Und jetzt: aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhh.

Und jetzt: aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhh.

© Lisa Unterwegs, 2014
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ich bin dann mal weg... In 10 Tagen will ich - größtenteils! - zu Fuß von Porto nach Santiago de Compostela - rund 200 km auf dem "kürzesten Jakobsweg". Ob ich das schaffe?
Details:
Aufbruch: 29.05.2014
Dauer: 12 Tage
Heimkehr: 09.06.2014
Reiseziele: Portugal
Spanien
Der Autor
 
Lisa Unterwegs berichtet seit 10 Jahren auf umdiewelt.