Jakobsweg 2012 - Caminho Portuges

Spanien-Reisebericht  |  Reisezeit: März 2012  |  von Uschi Agboka

17. Tag Olveiroa – Muxia

Olveiroa - Muxia

Freitag, 23. März 2012 - 17. Tag Olveiroa - Muxia - 32 km

Um es vorweg zu nehmen, die heutige Etappe war mit die schönste des gesamten Caminos. Kein Autolärm, wunderschöne Wald- und Wiesenwege und dazu Temperaturen um 25 Grad. Und dann der herrliche Sonnenuntergang bei dem Santuario de la Virxe da Barca aus dem 17. Jh.

Die Kirche "Nosa Senora da Barca" oder "Santuariio de la Virxe da Barca" war ursprünglich eine vorchristliche keltische Kirche an einem heiligen Ort. Diese Region Spaniens wehrte sich lange Zeit gegen das Christum. Im Mittelalter rebellierten die Menschen hier gegen die Krone. Erst spät bauten Christen eine Einsiedelei an der Stelle der Kirche und im 17. Jh. wurde die heutige Kirche errichtet.
Die "Jungfrau im Steinschiff" machte Muxia zu einem beliebten Ziel der Pilger. Der Legende nach lief die Jungfrau an der Stelle in Muxia mit einem Schiff aus Stein ein, um den Apostel Jakobus zum Predigen im Nordwesten der Iberischen Halbinsel zu ermutigen. Die "Heiligen Steine" - Piedras Santas" große, eigentümlich geformte keltische Steine im Umfeld der Kirche sollen nun der Legende nach Überreste der Barke sein, mit der die Jungfrau dort ankam. Man sagt den Steinen magische Kräfte nach. Der nierenförmige "A Pedra dos Cadris", der das Segel des Schiffes symbolisiert, ist der markanteste Stein. Wer neun Mal darunter hindurch klettert, soll von Nieren- und Rheumaleiden geheilt werden.

Es ging wie immer um 8 Uhr los, Reif lag auf den Wiesen und es war ziemlich kalt. Der Anstieg nach Hospital durch eine Heidelandschaft war sehr anstrengend, aber die herrlichen Ausblicke entschädigten für die Mühe. Da ich ohne Frühstück los gelaufen war, bestellte ich mir, ohne vorher zu fragen, 2 Rühreier ohne Speck. Die Bar hatte nur Abgepacktes, was ich nicht mag. Für die 2 Eier bezahlte ich 4 €, ein Wucher zu den sonstigen Preisen auf dem Camino. Man gewinnt immer mehr den Ein-druck, dass einige Wirte am Camino sich zu richtigen Abzockern entwickeln, nach dem Motto, die Pilger kommen eh nur einmal vorbei. Es ging nun weiter Richtung Muxia, es war eine herrliche Ruhe auf dem Weg. In Dumbria sah ich eine neue Pilgerherberge. Weiter führte der Weg durch eine wunderbare Landschaft mit viel Wald. Unterwegs sah ich Frauen, die Algen als Viehfutter trockneten. Gegen 16 Uhr kam ich total verschwitzt und fertig in der Herberge in Muxia an. Der Hospitalero war sehr freundlich und erklärt mir, wo ich alles finden könne - Supermarkt, Sehenswürdigkeiten etc.

Muxia liegt 3 km von dem berühmten Benediktiner-Kloster, welches heute als Kirche verwendet wird (Kirche San Julian de Moraime). Der Name Muxia bezieht sich auf die Mönche, die dieses Kloster gegründet haben. Im 19. Jh. wurde Muxia durch die Armee Napoleons zerstört.

Nach dem Duschen habe ich dann mit Dermont aus Irland erst einmal eingekauft. Danach lief ich zum Santuario de la Virxe da Braca, welches auf einem Felsplateau oberhalb der Brandung steht und erlebte dort mit Dermont und einem netten jungen Deutschen aus Chemnitz einen wunderschönen Sonnenuntergang.

Die Costa da Morte (Costa de la Muerte) ist der zwischen Malpica westlich von A Coruña und dem Kap Finisterre gelegene Teil der Küste von Galicien im Nordwesten der Iberischen Halbinsel. Der Küstenlinie sind keine Inseln vorgelagert, sie grenzt direkt an den Atlantischen Ozean. Über Jahrtausende stellte die Costa da Morte - "Küste des Todes" - das Ende der bekannten Welt dar. Die alten Griechen glaubten, am Abend versinke die Sonne hier im Land der Toten - möglicherweise erhielt die Küste schon zu jener Zeit ihren merkwürdigen Namen. Vielleicht waren es aber auch die vielen Schiffsunglücke, die sich an diesem schwer navigierbaren Küstenabschnitt ereigneten und die tiefe Spuren im Gedächtnis der Bevölkerung hinterlassen haben, die dem Ort ihren Namen gaben. Bei einer Wanderung über die Steilklippen erinnern weiße Kreuze daran, dass die Schönheit der steilen, von wildem Meer umspülten Klippen auch ihre dunkle Seite hat.
Mit dem Eindruck des herrlichen Sonnenunterganges gingen wir zurück in die Herberge, wo wir gemeinsam eine Flasche Douro-Wein tranken. Pünktlich um 22 Uhr lagen wir alle im Bett.

© Uschi Agboka, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Bericht nach den Tagebuchaufzeichnungen meines Mannes Rolf, von Porto nach Santiago de Com-postela, 7. bis 27. März 2012. Wer Interesse hat, der schaue sich die Diashow auf Rolfs Seite an - www.harley-rolf.de - das macht Spaß und bietet viele Infos!
Details:
Aufbruch: 07.03.2012
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 27.03.2012
Reiseziele: Portugal
Spanien
Der Autor
 
Uschi Agboka berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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