Jakobsweg von Seant Jean Pied de Port bis ans Ende der Welt

Reisezeit: Mai / Juni 2015  |  von Thomas Eggers

von Torre del Rio nach Navarrete

Morgens als ich aufwachte bildete ich mir ein, dass ich wie immer im Zimmer Maria sehen konnte, die als erste ihren Rucksack packte. Total komisch..

Wir ließen uns wieder ziemlich viel Zeit mit dem Aufstehen. Ich ging runter und besorgte mir Kaffee, O Saft und zwei kleine Brote und konnte dabei draußen sehen wie einer nach den anderen aufbrach.

Als ich sah, wie ein Teil aus einem Rucksack fiel, welcher auf einer Bank lag, ging ich zum Rucksack hob es auf und legte es auf die Bank. Dieses beobachtete wiederum eine Asiatin, die das mit immer lauter werdenden Räuspern kommentierte. Ich glaube tatsächlich Sie hatte vermutet, dass ich klauen wollte. Ich war völlig geschockt!!!!!

Die große Hitze der letzten Tage sollte vorbei sein und es tröpfelte schon leicht.....Die meisten packten bereits ihre Regensachen aus und liefen in voller Regenmontur los....ich ignorierte die Tropfen zum Glück

Wir waren so fast die Letzten, die losgingen.

Mein Outdoor Reiseführer beschrieb den ersten Abschnitt unserer heutigen Tour verheißungsvoll:
Sollten Sie heute den Eindruck haben, eine besonders schlechte Kondition zu haben, so irren sie sich wahrscheinlich, denn das folgende Stück hat es einfach in sich: Der steinige Untergrund und das ständige Auf und Ab bis kurz vor Viana sind einfach zermürbend da sie ständig Gangart und Tempo ändern müssen.

Es sollte tatsächlich zunächst stets hoch und runter gehen, aber es war weniger anstrengend als befürchtet. Nach wenigen km fiel mir auf, dass ich mein Cappy in der Herberge liegengelassen habe. Na klasse. Nach meinem Handtuch nun das 2. was ich liegengelassen hatte.

in den Bergen vor Viana kam wie aus dem Nichts ein Ort im Wald wo über eine große Fläche überall Steine als Pyramiden aufgebaut wurden, dazwischen überall Zettel, Fotos und Gegenstände von Perigrinos

Auf dem Weg trafen wir wieder auf alte Bekannte wie z.B. die Brasiianer. Irgendwann kamen wir dann in Viana an. Hier kauften wir uns auf dem Markt Orangen und besuchten die Kirche. Die Kirche war von innen wirklich sehr schön.....

Danach setzten wir uns in die gegenüberliegende Bar und chillten. Hier traf ich ziemlich überraschend auf die Tschechin die ich in Ronvesvalles kennengelernt hatte. Sie sagte, dass sie immer schon um 4 Uhr losging und nun schon hierbleiben wollte.

Der Weg bis nach Logrono zog sich.

irgendwann überquerten wir dann die Grenze zwischen Navarra und La Rioja. La Rioja ist das wichtigste Weinanbaugebiet Spaniens.

Wir erreichten Logrono und sahen hier viele bekannte Gesichter, die sich dafür entschieden die Nacht hierzubleiben. Wir gingen in ein Cafe und pausierten bei Omelette. Danach fiel das weitergehen ziemlich schwer.

Es wurde sehr windig auf dem Weg. Wir hatten zum ersten Mal unsere MP3 Player rausgeholt. Die Musik wirkte wie eine Droge auf mich. Wir gingen eine Zeit lang neben einer Autobahn. Zwischen Autobahn und Weg war ein endloser Zaun. Im Zaun befanden sich unzählige Kreuze aus Stöckern, welche von den Perigrinos hier eingesteckt wurden.

Als wir uns auf eine Mauer setzten um kurz vor Navarette ein wenig zu chillen, bekam ich danach einen Hammermuskelkater der mich fast umfallen ließ. Ich hatte schon vor Tagen Maria, Alessandro und Nilton beschrieben, dass Muskelkater auf englisch frei übersetzt musclecat heißt. Seitdem trug sich dieser Begriff wie ein Lauffeuer lachend durch unsere Köpfe.

Kurz nach der Pause auf der Mauer kamen wir in Navarrete an. Wir landeten in der städtischen Herberge wo wir unsere Betten in einem Saal direkt unter dem Dach bezogen. In unserer Bettenreihe lagen wir zusammen mit dem Belgier Johann den ich schon den Tag vorher in Torre del Rio kennengelernt hatte und Richard aus England, der den Weg als Marathonläufer durchquerte.

Nilton und ich gingen abends mit Richard essen. Vor dem Schlafen lagen wir noch Chipsessend auf unseren Betten.

© Thomas Eggers, 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
880 km zu Fuß über den klassischen Jakobsweg.
Details:
Aufbruch: 07.05.2015
Dauer: 5 Wochen
Heimkehr: 10.06.2015
Reiseziele: Frankreich
Spanien
Der Autor
 
Thomas Eggers berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.
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