Mit dem Wohnmobil nach Marokko 2018

Spanien-Reisebericht  |  Reisezeit: März - Mai 2018  |  von B. & F. S.

Über die Straße von Gibraltar in Marokkos Norden


Montag, 12. März: Cala de Mijas ► Algeciras (Spanien) ► Fähre طنجة-المتوسط (Tanger Med, Marokko) ►العرائش (Larache) 240 km

Vom gestrigen Regenwetter ist nichts mehr zu sehen, die Sonne scheint. Das letzte Stück nach Algeciras zur Fähre ist schnell zurückgelegt. Wir parken gegenüber der Ticketargentur von Carlos, die wir vom letzten Mal her kennen. Nach zehn Minuten haben wir unsere Tickets, die Zollpapiere und einen Kuchen und Wein als Werbegeschenk.
Dann füllen wir unseren Kühlschrank beim nahegelegenen Lidl. Wenig später sind wir schon am Fährhafen, geplante Abfahrt: 14⁰⁰ Uhr. Hier bekommen wir zum ersten Mal auf dieser Reise den lockeren afrikanischen Zeitbegriff zu spüren. Gegen 15⁰⁰ Uhr begeben sich die ersten Fahrzeuge auf die Fähre. Die Eincheckformalitäten wurden von einer netten Deutsch sprechenden Spanierin auf dem Hafengelände am Auto erledigt. Einige Womos stehen mit uns in der Schlange. Vor uns ein Brite mit Überlänge, der wegen seines Rechtslenkers einige Probleme mit dem Einweiser auszufechten hat. Wir treffen auch die Familie aus Saarbrücken mit ihrem Unimog wieder. Wir hatten uns schon vor der Ticketagentur kurz mit ihnen unterhalten.
Alle sind verladen und wir gehen vom „Keller“ nach oben. Dort am Eingang muss man sich bei zwei Beamten mit dem Pass registrieren lassen. Wir setzen uns erst einmal und füllen unsere Formulare aus. Wir werden uns später anstellen, wenn es nicht mehr so voll ist. Zeit dafür ist während der gesamten Überfahrt, und die dauert so ungefähr eine Stunde. Das wissen wir vom letzten Mal. Das Wetter wird, wie gestern auch, wieder schlechter. Nebel zieht auf, und es fängt richtig an zu regnen. Sollte in Marokko nicht die Sonne scheinen? Warum sind wir dann hier?

Inzwischen ist die Schlange am Einreiseschalter auf drei Personen geschrumpft, wir stellen uns an und erledigen die Formalitäten. Auf die Frage: Your first time in Marocco? Können wir mit Nein antworten. Jedoch, wir haben neue Pässe, deshalb hat Frank die Seiten mit den marokkanischen Personennummerstempeln aus den alten Pässen kopiert. Die brauchen wir nicht, bedeutet uns der Beamte: Neue Pässe, neue Nummern. Danach setzen wir uns zu den Saarländern mit dem Geländemobil und unterhalten mit ihnen für den Rest der Überfahrt.
Gegen 17³⁰ Uhr fahren wir mit einigen anderen Wohnmobilen, marokkanischen LKW und PKW von Bord. Durch eine Passkontrolle nach der Ausfahrtsrampe verlieren wir den Anschluss an die Schlange und verfahren uns kurz, landen aber nicht wie beim letzten Mal im Zollhof, sondern werden gleich wieder durch einen Hafenarbeiter auf den rechten Weg gebracht. Am Abfertigungsterminal am Ausgang des Hafengeländes stehen inzwischen alle Fahrzeuge von unserem Schiff. Es geht etwas ungeordnet zu. Man braucht Zeit. Die marokkanischen Beamten sind alle sehr jung, fällt uns auf. Frank geht mit den Papieren schon mal los, ich warte im Auto. Ein Beamter geht mit Spürhund um unser Fahrzeug und lässt nach irgendwas schnüffeln. Frank kommt wieder und hat alles erledigt. Nun kommt noch der Zoll und fragt nach Waffen Drogen und Drohnen, schaut ganz kurz ins Auto, öffnet einige Türen und gibt dann freie Fahrt. Wir sind drin.
Vor dem Abfertigungsterminal sind in kleinen Containerbüros Bankfilialen verschiedener Banken mit Geldautomaten davor. Der erste Automat funktioniert nicht. Er führt die Transaktion nicht zu Ende. Der nächste spuckt uns anstandslos die gewünschte Summe in Landeswährung Dirham aus. Hoffentlich wird uns vom nichtfunktionierenden Automaten nicht etwas abgebucht. Vorsichtshalber schreibe ich den Namen der Bank auf.
Vom Hafengelände fahren wir gleich auf die Autobahn. Wir möchten heute noch ein paar Kilometer machen. Den Platz im Stadtpark von Larache erreichen wir bevor es dunkel wird.
Der Platz ist voll, ganz viele Franzosen stehen hier. Aber wir wissen, hier wird niemand weggeschickt. Seit unserem letzten Besuch hier hat sich etwas verändert. Es gibt ein kleines Restaurant. Die Toiletten und Duschen sind sogar wieder geöffnet. Alles sehr marokkanisch, aber es funktioniert. Ständig läuft Personal über den Platz, kümmert sich und hat alles im Blick.
Wir sind müde und geschafft für heute und fallen nach dem Abendessen gleich ins Bett.


Dienstag, 13. März: العرائش (Larache) ► مصطفى الحمدوشي (Zerhoun) 174 km

Heute sind wir schon eine Woche unterwegs. Bevor wir aus der Stadt fahren, wird die blaue Zitrone vollgetankt. Auf unserem Weg nach Süden kommen wir immer mal durch quirlige Ortschaften wie Souk-el-Arba-du-Rharb und Sidi Kacem.

Hier im Norden Marokkos ist alles grün, es ist Frühling. An den Straßenrändern wachsen großflächig orangefarbene Blumen. Viele Gemüsefelder reihen sich aneinander. Direkt am Feldrand und an der Plantage werden Artischocken und Orangen verkauft. Die Landschaft wird hügeliger und wir schauen über unendlich viele Felder. Von den Hügelkuppen hat man weite Sichten.
Um Ein Uhr mittags sind wir am Bellevue Zerhoun, einem Platz, den wir schon auf unserer Tour 2014 genutzt haben. Sofort werden wir von den Platzbetreibern freundlich begrüßt und stellen uns an die Stelle, die wir auch damals schon genommen hatten. Sofort nach Ankunft rüsten wir um auf Sandalen und kurzärmlig und kurzbeinig. Wir haben sofort eine Unterhaltung mit den britischen Nachbarn, auch Kastenwagenfahrer, die nach drei Reisemonaten jetzt auf dem Heimweg sind. Ich koche Spargel und Kartoffeln zum Mittag. Um diese Zeit kommt noch ein Wohnmobil mit Berliner Kennzeichen an und eine Liegeradfahrerin aus den USA. Die spricht locker und laut. So erfahren wir, dass sie schon über 60 ist und schon vier Jahre unterwegs auf Weltreise. Jedoch mit Unterbrechungen, zwischendurch fliegt sie immer mal wieder nach Hause. Nun sitzen wir heute den ersten Tag draußen unter Oliven und Orangenbäumen in milder marokkanischer Frühlingssonne. Gegen Abend trübt sich der Himmel leider ein, hoffentlich kommt kein Regen.

Als wir heute vom Norden kommend landeinwärts fuhren, sahen wir einige Felder und Wiesen unter Wasser stehen. Hier muss es in der letzten Zeit lange und heftig geregnet haben. Das Wetter hält sich, wir machen eine kleine Erkundungstour. Erst über den Platz, der wird gerade in den Olivenhain unterhalb hinein erweitert, dann die kleine Straße steil bergauf. Von dort oben haben wir einen schönen Blick ins weite Land über die Hügel und Felder und sehen einen sehr schönen Sonnenuntergang zwischen Horizont und Wolken.

Als wir zum Auto zurückkommen, werden wir von dem britischen Paar neben uns zum Tee eingeladen. Wir reden lange miteinander bis es um uns stockdunkel ist.

© B. & F. S., 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Schon einmal in Marokko unterwegs, waren wir fasziniert von Land und Leuten. Wir werden wiederkommen schworen wir damals. Das haben wir nun getan und haben mehr Zeit mitgebracht als auf der Reise von 2014. In zwei Monaten nahmen wir 10.682 Kilometer mit unserer blauen Zitrone unter die Räder.
Details:
Aufbruch: 06.03.2018
Dauer: 8 Wochen
Heimkehr: 01.05.2018
Reiseziele: Marokko
Frankreich
Spanien
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 32 Monaten auf umdiewelt.