Mit dem Womo ums Mittelmeer

Reisezeit: September 2008 - Februar 2009  |  von Mario P.

Tuerkei: Südküste

Von Denizli aus fahren wir in Richtung Süden. Die Strecke von Sögüt nach Fethiye ist landschaftlich sehr schön. Die Natur hier ist weitgehend unberührt. Es finden sich große Wälder und dahinter ein riesiges Bergmassiv. Hier und da liegt am Straßenrand ein überfahrener Hund, vor manchen Häusern schlafen noch nicht überfahrene Hunde und woanders trotten kopfgesenkt bald überfahrene Hunde. Gelegentlich quert ein Huhn die Straße. Wir fahren an großen Schaf- und Ziegenherden vorbei. Irgendwo dazwischen stützt sich der Hirte auf seinem Wanderstecken ab, starrt vor sich hin und wartet darauf, dass es Abend wird und er seine Herde wieder nach Hause treiben kann. Um die Mittagszeit parken hungrige Türken ihr Auto, meistens der Marke "Tata", am Straßenrand. Wenige Meter von ihrem Fahrzeug entfernt, setzen sie sich im Schneidersitz in den Straßengraben, packen das Essen aus und jausen in der sengenden Mittagshitze. Manche Bauern verkaufen am Straßenrand ihr Obst und Gemüse. Auch gekochten, heißen Kukuruz kann man kaufen.

Wir fahren über Fethiye nach Ölüdeniz. Die azurblaue Lagune mit weißem Sandstrand ist weltberühmt. Zum ersten Mal blasen wir unser Schlauchboot auf und paddeln hinaus aufs offene Meer. Von draußen hat man einen tollen Blick auf den Strand und den dahinter liegenden, grünen Baumgürtel. Hoch oben am Himmel entdecken wir zahlreiche Paragleiter. Einer schraubt sich im Sturzflug nach unten, um dann wieder hoch in die Lüfte zu steigen. Allein vom Zusehen wird uns schon ganz schwindelig!

Ölüdeniz

Ölüdeniz

Unser nächstes Ziel ist der Saklikent Canyon, der sich tief ins Gebirge schneidet und dem ein eiskalter Fluss entspringt. Man kann den Canyon zu Fuss erkunden. Gleich am Anfang des Canyons muss man durch über-knie-tiefes, eisig kaltes Wasser marschieren. Zugleich muss man Acht geben, nicht von der Strömung umgerissen zu werden! Auf der anderen Seite des Flusses brennen einem die Beine so sehr, dass es weh tut. Nach wenigen Minuten hört es wieder auf zu schmerzen und man kann den Weg in den Canyon fortsetzen. Je weiter man in den Canyon vordringt, umso enger wird er. Schließlich kommen Passagen, wo man klettern und kleine Wasserfälle erklimmen muss. Leonie und ich machen kehrt. Mario geht noch ein Stück alleine weiter. Als ihm niemand mehr begegnet, wird ihm etwas mulmig und dreht lieber um.

Am Abend gehen wir ganz in der Nähe des Saklikent Canyons ins Restaurant. Wir speisen auf einem idyllischen Plätzchen direkt neben einem Bach. Es gibt Seebarsch, Käse- Omelette und Gözleme. Enten kommen vorbeigeschwommen, Leonie füttert ihnen etwas Brot.
Die Nacht verbringen wir am Parkplatz vorm Canyon.

Am nächsten Morgen brechen wir auf nach Patara. In unserem Reiseführer wird dieser Strand als der schönste der ganzen Türkei angepriesen. Dementsprechend groß sind unsere Erwartungen. Der Sandstrand dehnt sich auf eine Länge von angeblich 18 km aus. Im Sand liegen weiße Plastikliegen aufgestapelt, die man sich gegen Bezahlung entlehnen kann. Hier und dort sind Mülleimer in den Sand eingegraben. Das Meer ist klar, die Wellen hoch. Sonderlich begeistert sind wir von Patara nicht. Wir haben schon schönere Strände gesehen, für die man keinen Eintritt bezahlen musste. Camping ist auch verboten. Etwas enttäuscht, verlassen wir Patara nach zwei Stunden schon wieder.

Wir fahren an der Küste entlang gen Osten. Die Straße ist extrem kurvig, windet sich mal bergauf, dann wieder bergab die Steilküste entlang. Uns wird leicht flau im Magen von den vielen engen Kurven. Wir fahren und fahren und bewegen uns auf der Landkarte trotzdem kaum vorwärts. Irgendwann erreichen wir schließlich Finike, wo gerade Markttag ist. Wir halten an und tauchen ein in die Farbenvielfalt von Obst und Gemüse. Wir kaufen Mandarinen um 60 Cent/ Kilo, Gurken, Tomaten, Zucchini, Pfefferoni, Erdnüsse, Pistazien und Eier. Leonie bekommt eine Banane, eine Zuckermelone und eine Zitrone geschenkt. Voll bepackt mit Plastiksackerl voller Gemüse kehren wir zum Lastwagen zurück.

An diesem Tag schaffen wir es noch bis Cirali. Wir finden einen Stellplatz direkt am Meer unter riesigen Bäumen. Der Lastwagen erscheint unter den Riesen auf einmal ganz klein.

Ganz in der Nähe befindet sich Chimaera, eine aus der griechischen Mythologie bekannte Stätte, wo durch Gas gespeiste ständige Erdfeuer brennen. Es sieht aus, als ob die Steine brennen würden. Das Gas tritt durch Ritzen und Poren aus dem Boden aus und entzündet sich bei Kontakt mit Luft von selbst. In der Antike vermutete man hier den Aufenthaltsort des Feuer speienden Drachens Chimäre. Dieses Naturschauspiel ist sehr beeindruckend, vor allem am Abend.

Bereits einige Kilometer vor der Urlauberhochburg Antalya reiht sich ein Hotel nach dem anderen. Von Robinson- bis Magic Life- Clubs wird hier alles geboten. Auf der anderen Straßenseite findet sich ein Souvenirgeschäft neben dem anderen. Die Straßen sind für türkische Verhältnisse sehr gepflegt. In den abgelegenen Gassen liegt jedoch der Müll verstreut. Animateure schreien in ihre Mikrophone und versuchen, die Urlaubsgäste bei Laune zu halten. Schnell fahren wir weiter ins Stadtzentrum. Dort fragen wir nach einer Werkstätte, die vielleicht unsere Truma- Gasheizung reparieren kann. Zurzeit brauchen wir zwar keine Heizung, da es sehr warm ist, aber die Nächte in der Wüste könnten durchaus kalt werden. Spätestens bei der Heimfahrt nach Österreich werden wir bei frostigen Temperaturen eine Heizung brauchen. Wir landen bei Mehmet, der normalerweise Benzinautos auf Autogas umrüstet. Glücklicherweise ist ein Freund bei ihm, der gut Deutsch spricht. So klappt es auch mit der Verständigung. Mehmet und Mario bauen die Gasheizung aus dem Womo aus, zerlegen sie auf Mehmets Werkbank bis in ihre Einzelteile. Nach drei Stunden stellen die beiden fest, dass die Elektronik kaputt ist. Da ist nichts zu machen. Mehmet gibt Mario noch den Tipp, dieses Klumpert daheim in hohem Bogen auf den Müll zu schmeißen. Das werden wir auch tun!

Mario und Mehmet mit der zerlegten Heizung

Mario und Mehmet mit der zerlegten Heizung

An der Küste rollen wir über Alanya nach Anamur, die südlichste Spitze der Türkei. Am Campingplatz "Pullu" stehen wir auf einem idyllischen Plätzchen zwischen Pinien mit toller Aussicht auf die Bucht und das Meer. Tagsüber klettert das Thermometer bis auf 32°C! Das Meer lädt zum Baden ein, es ist warm und sauber.

Gleich am ersten Tag landet ein Bussard völlig erschöpft in unserer Bucht. Ein deutsches, überaus tierliebendes Paar schnappt den Vogel und päppelt ihn in den nächsten Tagen auf, um ihn dann wieder in die Freiheit zu entlassen.

Vorbei an den Industrie- und Hafenstädten Adana und Iskenderun führt uns der Weg nach Antakya, dem antiken Antiochia. Hier sollen sich die Anhänger Jesu den Namen "Christen" gegeben und Paulus seine Mission begonnen haben. Petrus selbst soll in einer Höhle eine der ersten Kirchen errichtet haben, die sog. "Petrus- Grotte". Wir besichtigen die wenig aufregende Grotte und verbringen die Nacht im stickigen Zentrum der Stadt bei einer Tankstelle. Am nächsten Morgen fahren wir auf direktem Weg zur türkisch- syrischen Grenze (Grenzübergang: Bab al Hawa).

die Petrus- Grotte von aussen

die Petrus- Grotte von aussen

© Mario P., 2008
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ende September 2008 soll unsere Reise losgehen. Mit unserem Womo, einem Steyr 680, wollen wir folgende Länder bereisen: Italien- Griechenland- Türkei- Syrien- Jordanien- Ägypten- Libyen- Tunesien. Wir haben dafür 5 Monate Zeit, wollen spätestens Ende Februar 2009 wieder in Österreich zurück sein. Wir freuen uns schon, euch über unsere Reiseerlebnisse berichten zu dürfen!
Details:
Aufbruch: 25.09.2008
Dauer: 5 Monate
Heimkehr: Februar 2009
Reiseziele: Italien
Griechenland
Türkei
Syrien
Jordanien
Der Autor
 
Mario P. berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.