"Go Burma (Myanmar) - Rucksackreise durch ein geschundenes Juwel"

Reisezeit: Januar 2008  |  von Michael Derendorf

Unter Wasser Feng-Shui

Goldschläger in Mandalay

Goldschläger in Mandalay

"Bekämpfe die, die sich an Fremde wenden und sich negativ äußern. Bekämpfe die, die gegen Stabilität und Fortschritt unserer Nation sind. Bekämpfe fremde Mächte, die sich in unsere inneren Angelegenheiten einmischen. Zerstöre alle internen und externen Elemente sowie den gemeinsamen Feind."

Seit mehreren Jahrzehnten befindet sich die Militärjunta in einem fortwährenden Kampf der Elemente, und ihre Terminologie erinnert an eine Mischung aus Star-Wars und Herr der Ringe. Die grauenhaft stalinistischen Durchhalte-, Kampf- und Wer-nicht-für-uns-ist-ist-gegen-uns-Einschüchterungsparolen findet man überall in Burma. In der Zeitung, im staatlichen Fernsehen, auf riesigen Plakaten und in den verkrusteten Gehirnwindungen eines jeden einzelnen Juntamitglieds. Soweit die Zeitung in meinen Händen nicht irrt, steht der finale Entscheidungsschlag, der Endsieg gegen jene "dunklen Mächte", unmittelbar bevor. Ich hoffe inständig, dass man nicht mich damit meint.

Da Kämpfe, die sich über ganze Dekaden erstrecken, bekanntlich kräftezehrend und langweilig sind, ERKLÄRE ICH, Michael Derendorf, HIERMIT DEN KRIEGSZUSTAND FÜR BEENDET. Zumindest für die Dauer des Frühstücks. Einer muss ja mal den ersten Schritt tun.

Ich schaue im Frühstücksraum umher. Keine Spur von Saw. Der traute sich nur bis zum Maronenverkäufer vor. "So geht es ja nun nicht", rufe ich aus dem Fenster zu ihm hinunter, " - das Tagesprogramm besprechen wir beim gemeinsamen Frühstück."

Erster Programmpunkt: burmesisches Handwerk. Mandalay gilt als Zentrum burmesischer Handwerkstradition. Die Werkstätten liegen, nach Berufssparten getrennt, in verschiedenen Straßenzügen. Rhythmisches Hämmern weist uns den Weg zu den Goldschlägern. In fünfzig kleinen Familienbetrieben wird das Edelmetall sieben Stunden lang beschlagen, bis es nur noch einen tausendstel Millimeter Stärke aufweist...

...Danach gehts zum 78th-shopping-centre, einem vierzehnstöckigen Einkaufspalast, der in 2007 eröffnet wurde. Obwohl für jeden zugänglich, hat Saw ihn noch nie betreten. Vieles sieht er zum ersten Mal. Einen vollautomatischen Massagesessel zum Preis von neun Lehrerjahresgehältern, Schnellkochtöpfe und klappbare Kinderwagen. Eine Schein- und Luxuswelt für die oberen Zehntausend, die Saw aus der Fassung bringt.

Ein Promotionsteam bewirbt das neueste Produkt des Marktes: verpackte Eishörnchen. Saw windet sich: "Das ist viel zu teuer!" Ich lege zwei Hörnchen auf die Theke. Als wir das Center verlassen, vermisse ich sein Eis. "Saw, hast du dein Eis an der Kasse liegen lassen?" "Nein, Michael, es ist in meiner Tasche. Ich werde es heute Abend mit meiner Frau teilen." Ich fummele in seiner Jackentasche, ziehe das halbgeschmolzene Hörnchen hervor und zeige ihm, wie man Eis schleckt. Abermals stelle ich fest, dass die Uhren in diesem Land anders gehen...

Spezialtaxi

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Auszüge aus dem Buch "Go Burma (Myanmar) - Rucksackreise durch ein geschundenes Juwel"
Details:
Aufbruch: 01.01.2008
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 31.01.2008
Reiseziele: Myanmar
Der Autor
 
Michael Derendorf berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.