Mit dem Wohnmobil nach Georgien

Reisezeit: Mai / Juni 2016  |  von B. & F. S.

Aus der Mitte Deutschlands nach Batumi


Samstag 14.5.: Heimatort bis St. Veit am Vogau (Österreich)
Nachdem wir am Freitag alles gepackt, organisiert und uns verabschiedet haben, starten wir morgens gegen 9.°° Uhr mit Endziel Georgien.
Das klingt für mich so verrückt, dass ich es kaum jemanden erzählt habe. – türkische Schwarzmeerküste hieß es immer... Drei Wochen haben wir Zeit. Na ja könnte mehr sein, aber wir sehen mal. Wir fahren los und es fängt schon mal gut an. Wir fahren erstmal aus Gewohnheit auf der A71 in die falsche Richtung: Schweinfurt. Aber wir müssen in Richtung Coburg – Nürnberg – Passau – Linz/Österreich.
Die Fahrt ist gut, zwischendurch scheint die Sonne, etwas Stau gehört eben auch dazu. Wir sind entspannt.
Die Pyhrntalautobahn und Graz liegen schon hinter uns, da meldet sich kurz vor der slowenischen Grenze der Abendbrothunger. Nicht weit von der Autobahn ist ein großer Kirchturm sichtbar. Wo eine Kirche ist, ist auch die Kneipe nicht weit. Gemäß diesem Sprichwort, beschließen wir den heutigen Tourenschluß und nehmen die Abfahrt. Endstation ist der kleine Ort St. Veit in der Steiermark unweit der Autobahn A9 in der Nähe von Graz. Wir stellen uns auf einen Parkplatz hinter die anscheinend sehr bekannte Kirche und schauen uns erstmal den kleinen Ort an. Der Ortskern wirkt sehr schön und gepflegt. Die alten Häuser in verschiedenen Farben aber im gleichen Stil getüncht. Es gibt nicht nur ein Gasthaus in der Nähe der Kirche, sondern gleich mehrere. Auch wir haben heute Abend Lust auf Küche und Wein aus der Steiermark. So entscheiden wir uns für das dem Gotteshaus nächstliegende Etablissement. Da ist leider schon Küchenschluß. Man verweist uns nebenan in den Weingasthof. Alles wirkt dort sehr gemütlich. Da wir heute Pfingstsamstag haben, ist kein Platz mehr im großen Gastraum (hier gibt es großes Menü), so dass wir als einzige Gäste im extra wegen uns aufgeschlossenen kleinen Gastraum an einem großen runden Tisch nahe der Theke platziert werden. Die Wirtin kümmert sich rührend um uns, es werden Blumen und Kerze auf den Tisch gedeckt. Sie fragt uns wo wir herkommen und hin wollen. Man ist überhaupt nicht erstaunt über unser Reiseziel Georgien. Die Wirtin kennt eine ganze Menge Leute mit Bezug dorthin: Georgier, die hier wohnen, Winzer, die spezielle Weinamphoren dort fertigen lassen, Leute die dorthin reisen. Wir unterhalten uns prächtig und das Ganze soll zu einem kulinarischern Hochgenuß ausarten. Alles hier was in der Küche verwendet wird, einschließlich Wein, ist entweder aus eigener Herstellung oder Anbau (Garten hinterm Haus) oder von namentlich bekannten Leuten aus der Region. Wir vermuten: Das wird teuer!?! Vorspeise ist ein wunderbarer Salat mit Kürbiskernen und steirischen Kernöl. Frank bestellt Wiener Schnitzel mit Kartoffeln und Preiselbeeren. Ich hingegen bevorzuge frischen Spargel mit Sauce Hollandaise, Trüffeln und einer Art Kartoffel-Selleriekloß. Alles schmeckt hervorragend, wir probieren auch zwei verschiedene Weine aus der Region. Alles gut, die Rechnung fällt auch geringer aus als erwartet. Es war sehr schön, ein gelungener Auftakt für eine Reise. Wir versprechen Weiterempfehlung und fallen in unser Bett.

Pfingstsonntag, 15.5.: St. Veit – Бело Поље (Serbien)
Wir werden von den Kirchenglocken zum Frühgottesdienst um 6.°°Uhr geweckt, gehen aber nicht hin.
Plötzlich tauchen um uns herum sehr viele Fahrzeuge auf, wir befürchten, zugeparkt zu werden, aber es bleibt eine Gasse frei. Nach unserem netten Smalltalk in der Kneipe haben die einheimischen Kirchgänger wohl die Anweisung, touristen-freundlich mit uns umzugehen... wohl eher Zufall.
Nach dem Frühstück starten wir im Regen und fahren ohne jegliche Kontrollen über die östereichisch-slowenische Grenze die Autobahn in Richtung Maribor. Es ist nur ein kurzes Stück in Slowenien. Alles sauber und top. Das letzte Stück bis zur kroatischen Grenze fahren wir über gut ausgebaute Landstraßen (Reststück Autobahn im Bau). Da wir bereits in Deutschland mit der Vignette für Österreich auch die slowenische Vignette gekauft haben, können wir an jeder Mautstation der Autobahn problemlos durchfahren.
An der kroatischen Grenze winkt uns die slowenische Grenzpolizei einfach durch, auf kroatischer Seite müssen wir die Ausweise kurz vorzeigen. Richtung Zagreb müssen wir das erste Mal ein Mautticket am Automaten ziehen.
Hier hat es anscheinend schon länger geregnet. Die Sava, die wir mehrfach überqueren, sowie deren Nebenflüsse führen Hochwasser. Es regnet ständig weiter. Nachdem wir bis Zagreb in den Bergen gefahren sind, geht es jetzt durch eine endlose Ebene in Richtung Slavonski Brod. An der kroatisch-serbischen Grenze werden zum ersten Mal unsere Ausweis elektronisch eingelesen und der Fahrzeugschein registriert. Auch müssen wir uns an kyrillische Beschriftung auf den Straßenschildern gewöhnen, wobei uns auffällt, dass es im serbischen einige kyrillische Buchstaben gibt, die uns vom russischen her unbekannt sind. Auch die serbischen Autobahnen sind gebührenpflichtig. Wir können jedoch, wie schon in Kroatien, die Maut in bar mit Euros bezahlen. Vor Belgrad werden wir durch die Beschilderung in Richtung Ниш auf den funkelnagelneuen Autobahnring geleitet. Als die Autobahn über die Save führt, sehen wir, dass das Hochwasser an der Mündung in die Donau schon bedrohliche Ausmaße angenommen hat.

Der Autobahnring um Belgrad ist noch nicht ganz fertig. Am Ende kurven wir doch noch durch bergige Vororte von Belgrad weiter in Richtung Bulgarien. Es regnet ununterbrochen.
Als das Endziel des Tages habe ich schon zu Hause aus dem Internet einen neuen Wohnmobilstellplatz in der Nähe der Autobahn herausgesucht. Beim eingeben der Daten versagt unser Navi plötzlich. Es kennt nur noch die Straße auf der wir uns gerade befinden und hat alles um sich herum vergessen. Was tun? Wir müssen so weiterfahren. Detailkarten haben wir für diesen Abschnitt leider nicht dabei.
Die Abfahrt Ягодина taucht auf. In diesem Ort sollte heute Ende sein. Kurz vor der Abfahrt sehen wir, dass Jagodina eine große Industriestadt ist, in der wir wohl ohne unser Navi mit den Stellplatz-GPS-Daten nichts finden werden. Wir bleiben also auf der Autobahn und fahren weiter. Der Regen lässt nach, und wir versuchen heute noch soweit wie möglich zu fahren. Kurz vor Ниш verlassen wir die Autobahn und fahren auf ähnlich gut ausgebauter vierspuriger Straße weiter. Die gute Straße endet und wir befinden uns auf einer engen Straße in einer tiefen Felsenschlucht, die bei Sonnenschein sicher sehr sehenswert gewesen wäre. Uns scheint, die ganze Welt hätte sich gegen uns verschworen.....Nach ca. 20 Kilometern vielen Kurven mit starker Steigung und unzähligen kleinen Tunneln fahren wir bei Бела Паланка auf einer Autobahnbaustelle weiter, teilweise provisorisch asphaltiert, teilweise Schotter. Es schüttet aus vollen Kannen. Nach der Stadt Пирот kurz vor der bulgarischen Grenze nach 875 Kilometer Tagesstrecke haben wir die Nase voll. Eigentlich haben wir uns vorgenommen, nicht mehr als 500km pro Tag zu fahren. An einer Landstraßenkneipe sehen wir ein Campingsymbol, das ist unsere Rettung.

Zwei alte Männer, die wir vor der Kneipe angesprochen haben, begleiten uns nach nebenan und versuchen den Eigentümer des Stellplatzes zu dieser späten Stunde noch aus dem Haus zu locken. Es gelingt und wir haben unseren Schlafplatz gefunden.

Pfingstmontag 16.5.: Бело Поље – Silivri (Türkei)
Wir werden von Pfauengeschrei geweckt, eine ganze Schar stolziert über den Platz.
Das Navi geht wieder. Es war gar nicht kaputt, wir werden auf der Rückfahrt merken, dass für diese Region Serbiens keine Karte abseits der Hauptstraße im Speicher vorhanden ist.
Es hat aufgehört zu regnen. Frühstücken und los geht es in Richtung Bulgarien. Die Temperaturanzeige über der Straße zeigt +7°. Schon nieselt es wieder auf dem Weg zur serbisch – bulgarischen Grenze. Die Abfertigung geht zügig, wir reisen wieder in ein EU-Land ein und kaufen erst noch einen Mautaufkleber für Bulgarien. Als wir auf София zukommen lugt die Sonne hervor, das erste mal seit zwei Tagen. Die Temperatur steigt rapide an. Am Stadtrand von София angekommen, beschließen wir einen Internetratschlag zu befolgen, den Stadtring entgegen der Ausschilderung zu fahren, weil es kürzer ist und die Straßen vom Zustand besser sein sollen. Die Straße ist ab hier autobahnmäßig ausgebaut und funkelnagelneu. Nach mehreren labyrintartigen Autobahnkreiseln mit Untertunnelungen haben wir uns hoffnungslos verfranst. Auch unser Navi kennt diese neuen Straßen nicht. Wir kehren am nächsten Kreisel um und fahren den mit „Transit“ ausgeschilderten Weg direkt in einen Stau. Für diesen Bereich wurden uns schlechte Straßen vorausgesagt, das ist jedoch stark untertrieben. Kilometerweit fahren wir auf schlammiger Baustellenpiste, bis wir wieder nagelneue Autobahn unter den Rädern haben. Ab dem Abzweig Пловдив besteht die Autobahn jedoch wieder nur noch aus Asphaltfragmenten und Löchern. Am Fahrbahnrand und Standstreifen stehen unzählige Kleinhändler und warten auf Kundschaft. Hier wird einfach auf der Autobahn angehalten, und es werden Geschäfte gemacht. Nachher ab dem Abzweig nach Бургас gibt es wieder total neu gebaute Autobahn. Schon ca. 5km vor der türkischen Grenze fahren wir an LKWs vorbei, die Stoßstange an Stoßstange stehend anscheinend auf Zollabfertigung warten. Die Grenzabfertigung für PKWs geht zügig. Das Personal auf der türkischen Seite besteht ausschließlich aus sehr jungen Leuten, Männer und Frauen, alle sehr freundlich.

Inzwischen ist es richtig heiß geworden, für uns ein Temperaturanstieg von mehr als 20° zu heute morgen.
Wir brauchen noch ein HGS-Ticket, eine Art SIM-Karte fürs Auto, mit der hier die Straßengebühren bezahlt werden. Von der wird bei jeder Durchfahrt durch eine Mautstation automatisch der fällige Betrag abgebucht. An der nächsten Tankstelle fragen wir danach. Der Tankwart blickt nur unfreundlich von seiner Zeitung auf und schickt uns weiter. An der nächsten Tankstelle treffen wir auf einen sehr freundlichen, gut englisch sprechenden Tankwart, der uns erklärt, dass wir das HGS-Ticket nur an der ersten Mautbarriere nach der Stadt Edirne erwerben können. Er weist uns auch gleich darauf hin, das der Betrag nur in bar und in türkischen Lira entrichtet werden kann, und bietet an, uns Geld umzutauschen. Wir wechseln 50,-€ in türkische Lira. Wir sind zwar skeptisch, und glauben, das der Umtauschkurs sehr zu seinen Vorteil war, merken aber später, dass er zu einen für uns sehr günstigen Kurs umgetauscht hat, auch seine anderen Hinweise waren richtig und für uns wichtig.
An besagte Autobahn-Mautstaton angekommen (10-spurig), gibt es keine offizielle Anhaltemöglichkeit. Weil zwei PKWs mit deutschen Kennzeichen einfach an der Seite anhalten, tun wir das auch. Eine Frau aus dem Fahrzeug vor uns, eine in Deutschland lebende Türkin, erklärt uns, dass wir drüben auf der anderen Seite der Autobahn in einem Haus das Ticket kaufen können. Dazu müssen wir die 10 Spuren zu Fuß überqueren, und hinter die Mautbarrieren laufen. Zum Glück herrscht wenig Verkehr. Im Ticketbüro treffen wir weitere Insassen der vor uns stehenden Autos, zwei in Deutschland lebende Türken, auch beim Ticketkauf. Sie übersetzen für uns und es wird noch gegenseitig über das Woher und Wohin geplaudert. Die Polizisten gegenüber betrachten gelangweilt den Fußgängerverkehr auf der Autobahn.
Das Ticket wird angeklebt - erste Durchfahrt - die Ampel geht auf grün. Weiter rollen wir in Richtung Istambul auf breiter leerer Autobahn.

Ca. 60 km vor Istambul biegen wir ab in Richtung Meer. An der Mautstelle wird auf einer Tafel jeweils angezeigt, wie viel von unserer Karte abgebucht wird. Auf der Stadtautobahn in Silivri sagt uns das Navi „biegen sie rechts ab“. Aber die Ausfahrt ist in unseren Augen zu mickrig, so dass wir erst mal daran vorbei prasseln. Wir drehen eine Ehrenrunde durch ein Gewerbegebiet, durchfahren eine asphaltierte Rinne mit etwas zu hoher Geschwindigkeit und haben für einen Moment kein Rad mehr auf dem Boden.
Der angesteuerte Platz besteht aus Hütten und fest abgestellten Wohnwagen von Dauercampern. Es sind kaum Gäste auf dem Platz. Wir sind wohl die einzigen mobilen Gäste des Platzes.

Blick aus der Schiebetür aufs Marmarameer

Blick aus der Schiebetür aufs Marmarameer

Wir dürfen „Seaside“ direkt am Strand stehen, machen noch einen Strandspaziergang und sitzen dann mit deutschen Wein bei angenehmen Temperaturen vor dem WoMo. Dort können wir interessiert beobachten, wie eine Katze vor unserem Auto in den Strandsand scheißt, und alles sorgfältig eingräbt.

Dienstag 17.5.: Silivri – Safranbolu (Türkei)
Wir verlassen unseren Übernachtungsplatz am Strand von Silivri am Marmarameer nach einer schönen Dusche und einem guten Frühstück heute gegen halb acht in Richtung Bosporus. Das ist schon ein besonderes Gefühl, an der Nahtstelle zwischen Europa und Asien, wir mit unserer blauen Zitrone.
Wir fahren schon im Großraum Istambul weit vor der eigentlichen Stadt durch riesige Neubaugebiete, jedes davon mit nagelneuer Moschee mit Minaretten. Überall drehen sich die Kräne. Es wird sehr viel gebaut: jede Menge Hochhäuser mit Wohnungen, Büros, moderne Industriegebäude.
Nach einem schönen sonnigen und warmen ersten Türkeitag regnet es heute wieder, wie schon vorgestern. Hoffentlich wird es besser – So hatten wir uns das eigentlich nicht gedacht.
Faith Sultan Mehmet Köprüsü, das ist die Brücke die wir ansteuern, um über den Bosporus zu gelangen, von einem Kontinent zum anderen. Jetzt ist sie schon angezeigt. Wir schleichen schon eine dreiviertel Stunde fast im Schritttempo über die acht- und zehnspurige Stadtautobahn.

Im Hundertmeterabstand münden weitere mehrspurige Autobahnzubringer ein und weitere Fahrzeuge quetschen sich stetig in den sich immer weiter verdichtenden Hauptstrom. Kinder laufen zwischen den Autos und verkaufen frisches Brot und Getränke (Wie gefährlich, mir bleibt der Atem stehen) Das Taxi heißt hier Taksi und ist quittegelb. Fahrzeuge mit Tatü und Blau- und Rotlicht von allen Seiten und kommen auch nicht schneller vorwärts und es regnet in Strömen.
Vor und neben uns immer wieder Hochhäuser in verschiedenen modernen Architekturen, Baukräne ohne Ende und wunderbar gepflanzte und gepflegte Anlagen. Im strömenden Regen laufen die Sprinkler der Bewässerungsanlagen. Um 11.20 Uhr nach türkischer Zeit überqueren wir den Bosporus. Fast 4 Stunden für 60 km, und eigentlich fast nie richtig gestanden, nur sehr, sehr langsam gefahren. 15 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit!

Bosporusbrücke

Bosporusbrücke

Nach der Brücke (achtspurig) verteilt sich der Verkehr und beginnt wieder schneller zu fließen. Wir fahren stadtauswärts in Richtung Ankara. Unser Ziel für heute, nachdem wir alle Unwägbarkeiten hinter uns gelassen haben, legen wir jetzt fest: Safranbolu.
Gegen 13.°° Uhr ein Mittagsstop. Über der Raststätte am Metallrohr des Rauchabzugs (wahrscheinlich vom Grill) hängt ein Lautsprecher, da kommt auch schon die Stimme zum Mittagsgebet heraus und einige auf dem Parkplatz befindliche Türken strömen in den Rasthof. Da befindet sich wohl der Gebetsraum.
Genau beim besten Panoramafoto steigt unsere Kamera erst mal aus. Der Objektivverschluß öffnet sich nur noch teilweise. Nach einigem Probieren geht es aber wieder.
Gegen 17.°° treffen wir in Safranbolu, einer sehr alten Stadt, mit schönen eigentümlich gebauten Fachwerkhäusern ein. Safranbolu – Safran vielleicht wegen den Händlern und der Lage an der alten Seidenstraße. Der Ort zählt zum Unesco-Weltkulturerbe. In den kleinen verwinkelten Gassen gibt es viele kleine Läden und es bieten Handwerker ihre Dienste an. Wir sehen ein schönes altes Badehaus. Es ist noch in Betrieb und wird mit Holz beheizt, wie man riechen kann und auch am Qualm sieht. Hier sind natürlich Männer und Frauen getrennt. Männer: repräsentativer Vordereingang – Frauen: Hintereingang.

Badehaus Safranbolu

Badehaus Safranbolu

In einer alten Bäckerei kaufen wir frisches im Holzofen gebackenes Brot. Der Bäcker ist sehr nett und der erste türkische Mann, der mir als Frau die Hand gibt und mir ins Gesicht schaut. Die letzten beiden Tage haben wir uns ja nun schon mit einigen Leuten hier unterhalten. Durch enge kopsteingeplasterte Gassen geht es nach oben. Vom Festungshügel in der Stadt haben wir einen schönen Überblick über das Gassengewirr.

Wir stöbern noch in den drei Läden eines Schmiedes, der hier die absolute Touristenattraktion zu sein scheint. Er zeigt uns Zeitungsausschnitte aus aller Welt, mit Bildern, in denen über ihn berichtet wird. Sogar aus Japan ist einer dabei. Frank kauft sich eine Bronzeguß-Eule.

Dann laufen wir zu unserer Zitrone zurück. Sie steht in einem Garten, der zum gegenüberliegenden kleinen Hotel gehört. Dort können wir auch duschen. Das ganze kostet uns 40 Lira, ca. 14,- €. Nach dem Duschen lassen wir den Abend ausklingen mit einem Schluck Moselwein und fallen ins Bett.

Mittwoch, 18.5.: Safranbolu – Terme (Türkei)
Nach dem Frühstück schleppt Frank unsere WC-Kassette den steilen Berg im Garten hinauf zum Entleeren und füllt Frischwasser auf. Dann verlassen wir unseren Übernachtungsplatz entlang der Fernverkehrsstraße D030 über Kastamonu in Richtung Sinop an der Schwarzmeerküste. Auf der Strecke wird viel neue Straße, meistens vierspurig, gebaut. Eigentlich ist hier nicht viel Verkehr.
Während wir so fahren, gehen mir noch so meine ersten Eindrücke von der Türkei, besonders von gestern durch den Kopf. Dort, wo große Städte sind ist alles modern, es wird viel gebaut. Man hat den Eindruck, wir werden in allem überholt. Modern gekleidete Menschen und total gegensätzlich: Frauen ganz in Schwarz, voll verschleiert. Aber eher wenige. Dafür oft lange Röcke und Kleider und Kopftuch bunt und farbig. Aber auch besonders die jungen Mädchen ohne Kopftuch, schön geschminkt mit offenem langen Haar. Gestern Abend haben wir in Safranbolu an der Burg vermutlich einen Highscool / Abiturabschluß gesehen. Jugendliche haben sich zum Fotoshooting eingefunden. Die Mädels in schönen oft kurzen Abendkleidern und High-Heels.
Wir müssen unsere Vorräte ergänzen. Wo kann man dies besser als bei der Fahrt durch die kleinen Ortschaften. An den Ortsdurchfahrten ein Händler neben dem Anderen.

Heute fahren wir durch eher ländliche Gegenden. Es ist Frühjahr, die Leute sind auf kleinen Traktoren unterwegs. Auf den Feldern arbeiten oft auch alte Leute mit der Hand, auf der Erde kniend. Vieh wird geweidet. Alte Frauen mit jeweils einigen wenigen Ziegen, Schafen, Kühen. Wir sehen viele verwilderte frei laufende Hunde und den sich ständig wiederholenden Anblick älterer Viehhirten und Hirtinnen. Dann einen jungen Mann mit drei Kühen und Handy am Ohr.
An der Straße überall wild zusammengezimmerte Verkaufsstände, meistens noch ohne Inhalt.
Nach dem Ort Hanönü sehen wir eine Landschaft voller Reisfelder und rundherum große Berge, die uns übrigens schon seit gestern begleiten. Ob Hanönü etwas mit Hanoi zu tun hat - vielleicht wegen dem Reis.
Etwas weiter ist die Gegend von großen Erdbewegungen zerklüftet. Hier wird Lehm abgebaut. Wir sehen Ziegeleien und jede Menge mit Ziegelsteinen beladene LKWs.
Ab und zu an der Straße in den Kurven Haufen von zertrümmerten Ziegelsteinen. Hier haben es wohl einige der abenteuerlich hoch beladenen Fuhren nicht geschafft dem Straßenverlauf zu folgen.
Langsam kommen wir raus aus den Bergen und das Meer liegt unter uns. In Sinop angekommen, sehen wir, dass der schöne, direkt am Strand gelegene Campingplatz noch geschlossen hat. Naja, die Sonne scheint heute eh nicht, sonst wären wir traurig gewesen. So fahren wir weiter die Küstenautobahn entlang.

Vorher noch Fotostop für Wasserbüffel und freilaufende Kühe.
Unser Auto hat Durst, also tanken wir die beste der drei angebotenen Dieselsorten, bekommen vom freundlichen Tankwart ein Scheibenputztuch geschenkt und den Hinweis, dass auf dem nächsten Kilometer die Jandarmeria eine Radarfalle aufgebaut hat.
Weiter geht’s in Richtung Bafra und Kizilirmak-Delta. Hier gibt es Vogelbeobachtungsstellen und viele Flussarme münden ins Meer. Alle führen wegen des tagelangen Regens sehr braunes Wasser. Sieht gut aus, wenn schlammbraun auf Meeresgrün trifft. Und dann sehe ich einen Delfin springen! Im Delta kein Stop wegen des starken Regens. Weiter auf der Küstenautobahn, die auf hunderten von Kilometern direkt am Strand verläuft, teilweise sogar auf Stützen im Meer. Später durch Samsun in der Rushhour. Heute Morgen sind wir noch durch verfallende Bergdörfer gefahren und jetzt durch pulsierende moderne Großstädte. Viele Orte hier an diesem Abschnitt der Küste gehen nahtlos ineinander über.
Wir haben keine Lust mehr zur Weiterfahrt. Es regnet wieder. So halten wir an einem Grillrestaurant, essen Köfte (gegrilltes Lammhackfleisch) mit Salat und trinken Tee. Der Wirt sieht unser Deutsch-Türkisches Wörterbuch liegen, blättert darin und wünscht uns „Guten Appetit“. Wir bitten ihn, für heute Nacht hier stehen bleiben zu dürfen. Der Wirt holt seine ca. zwölfjährige Tochter, die ihr Schulenglisch präsentieren soll. Sie schämt sich. Also Verständigung über unser Wörterbuch mehr schlecht als recht. Er weist uns hinters Haus. Hier können wir über Nacht stehen.

So geht auch dieser Tag zu Ende. Wo mag wohl der sehr europäisch aussehende Radfahrer mit Rastazöpfen schlafen, den wir sahen, als er sich durch dichtesten Verkehr in Samsun gekämpft hat?

Donnerstag, 19.5.: Terme – ბათუმი (Batumi) Georgien
Auch heute scheint das Grau nicht aus dem Himmel zu weichen. Um 7.°° Uhr sitzen wir beim Frühstück und hören Lindenberg. Dann holen wir aus dem Laden des Grillbesitzers noch ein Brot und es geht los. Frank wollte eigentlich noch einen Abstecher 25 km in die Berge zum Kloster Sümela machen. Aber die Berge sind in dicke schwarze Wolken gehüllt. Also geht es los, die Küstenautobahn weiter in Richtung Batumi.

An der Autobahn reiht sich eine Stadt an die andere. Mächtige Hochhäuser, Erd- und Steinhalden, dazwischen Pferde. Alle Orte sind direkt am Meer. Palmen, Blumenbepfanzungen mit vielen Rosen und Oleander - die Autobahnstadtdurchfahrten sind immer auch gleichzeitig Strandpromenade. Stadtauswärts dann, wie auch gestern schon an den steilen Hängen riesige Flächen mit Haselnußgesträuch. Hier kommen sie wohl her die leckeren Dinger, die ich abends beim Fernsehen so gerne esse. Im wieder strömenden Regen fahren wir schon 6 Stunden die türkische Schwarzmeerküstenautobahn entlang.
Der letzte Ort auf türkischer Seite ist Kemalpașa, der erste auf georgischer Seite Sarpi. Jetzt sind wir an der Grenze angekommen und hier herrscht ein großes Chaos. Direkt nach dem letzten Tunnel stehen wir abrupt vor der geschlossenen Schranke der Türkischen Kontrollstelle und werden zum Anstellen auf die Gegenspur verwiesen. Ein großes Durcheinander, keine richtigen Spuren. Jeder huscht hin und her. Dieses System begreift anscheinend auch keiner. Schließlich nachdem wir auf der Gegenspur ein ganzes Stück zurück gefahren sind, wenden wir und reihen uns in eine mehrere Kilometer lange Schlange ein.

Es rückt überhaupt nicht. Was mache die nur so lange? Es laufen viele Leute mit großen Koffern, Taschen und Beuteln umher. Es sind wohl alles Einkäufer (Ameisenschmuggler) von der jeweils anderen Seite. In der Schlange etliche Autos hinter uns steht ein geländegängiges Wohnmobil aus der Schweiz. Frank geht nach hinten und unterhält sich. Ich rücke mit unserer Zitrone mit der Schlange vorwärts. Wir beschließen mit den Schweizern gemeinsam weiter zu fahren. Inzwischen geht es schneller vorwärts. Die Türken hatten anscheinend die PKW Abfertigung für 3 Stunden geschlossen. Zwischen der türkischen und der georgischen Grenzabfertigung nehmen wir noch einen uralten großen goldfarbenen PKW Mercedes mit georgischen Nummernschild an den Haken, der mit Motorschaden liegen geblieben ist. Dem Aussehen nach bricht für dieses Auto gerade das dritte Leben an: 20 Jahre in Deutschland, 20 Jahre in der Türkei, nun in Georgien. Die ganze Grenzabfertigung ist sehr entspannt und unproblematisch. Das erste Mal auf unserer Fahrt benötigen wir unsere Reisepässe, zuvor immer nur den Personalausweis. Ab hier und jetzt müssen wir gänzlich auf die Mithilfe unseres Navigationsgerätes verzichten.
Wir fahren gemeinsam mit den Schweizern von der Grenze noch ungefähr 15 km bis an den Stadtrand von Batumi und können für 10 Lari (ca. 4 €) auf dem Hof einer Tankstelle über Nacht stehen. Es ist spät, wir sind schon weit ostwärts und 2 Stunden vor der mitteleuropäischen Sommerzeit, also 21°° Uhr georgischer Zeit. Mit dem Eindruck, dass man hier sehr hilfsbereit ist, aber vieles durcheinander läuft, schlafen wir ein.

Freitag 20.5.: ბათუმი (Batumi) – ქობულეთი (Kobuleti) Georgien

Heute Morgen verlassen wir zusammen mit den beiden Schweizern Martin und Friede, den Übernachtungsplatz an der Tankstelle und fahren in die Innenstadt von Batumi, unter abenteuerlichen Fahrmanövern und lautem Gehupe von schwarz qualmenden LKWs.
Wir suchen zuerst die Versicherungsagentur (Empfehlung von deutsch sprechenden Georgiern mit denen Frank von Deutschland aus per Mail bereits Kontakt hatte) um eine Fahrzeugversicherung abzuschließen. Die Schweizer sind uns dankbar, dass wir so gut vorbereitet in Georgien eintreffen und schließen sich uns an.
Im Versicherungsbüro verständigen wir uns auf englisch. Die Policen werden vorbereitet in dieser Zeit machen wir eine erste Altstadtbesichtigung zu Fuß, besorgen uns eine georgische Prepaid-SIM-Card fürs Handy an einem Kiosk, der jedoch die Karte nicht aufladen konnte. Das muß man an einem Bezahlautomaten machen. Die Dinger stehen hier an jeder Straßenecke, aber die Menüs in georgischer Schrift - schlecht für uns. Die Autos parken wir noch einmal um, von einer engen Altstadtgasse auf einen freien Platz am Alphabetturm. Dort erscheint nach einiger Zeit ein Parkplatzwächter, kassiert 5 Lari pro Fahrzeug und erzählt uns in einer Mischung aus Russisch und Englisch seine Lebensgeschichte. Wenn die Verständigungsprobleme in seinen Augen zu groß werden, nimmt er kurzerhand unser Auto, um auf dem verschmutzten Blech seine Ausführungen graphisch zu untermalen.
Später holen wir unsere Police von der Versicherung ab, müssen allerdings wegen Schreibfehlern aufgrund einer schlecht leserlichen Paßkopie noch einmal kurz warten auf eine Neuausfertigung. Ein Mitarbeiter stellt inzwischen unsere Handy-SIM-Karte vom Georgisch auf Englisch um.
Ich hatte noch vergessen zu erwähnen, beim Eintreffen in der Innenstadt hatten wir angehalten und einen Taxifahrer nach dem Weg gefragt, der fuhr promt vor uns her bis zur Versicherungsagentur und wollte keine Bezahlung annehmen.
Jetzt nehmen wir uns den Tag Zeit, um uns Batumi genauer anzusehen.
Das Wetter ist heute wunderbar. Endlich wieder Sonne und Wärme. In der Stadt sind unwahrscheinlich viele Parks mit Blumen, Palmen und für uns exotischen Bäumen. Wir suchen an der Großen Strandpromenade die Touristinformation auf, um uns nach einem Übernachtungsplatz zu erkundigen. Man könne hier in den Strandparks in der Stadt übernachten, wenn man sich bei den Parkrangern anmelde. Wir bekommen kostenlos einen Stadtplan, sowie die Straßenkarte der Regoin und weiteres Material. Die freundliche, junge Mitarbeiterin hilft uns auch beim Handyaufladen. Sie geht mit uns in die nächste Straße zu einem Automaten.
Wir kaufen noch einige Kleinigkeiten ein.

Batumi ist eine laute Stadt, mit einer Mischung aus liebevoll restaurierten Jugendstilhäusern, hypermodernen verkitschten Neubauten und auch vergammelten baulichen Hinterlassenschaften aus der Sowjetzeit. Nach einer großen Stadtrunde laufen wir zum Auto zurück und trinken Kaffee / Tee. Der Empfehlung unseres Parkplatzwächters, hier auf dem Platz in Batumi zu übernachten folgen wir nicht. Langsam machen wir uns auf den Weg in Richtung Großen Kaukasus um vor der Stadt am Meer die Nacht zu verbringen. Nach Auskunft der Touristinformation gibt es in Kobuleti einen regulären Campingplatz. Auf dem zentralen Platz in Kobuleti sieht Frank den typischen Container der Touristinformation und hält noch einmal an um zu fragen. Er unterhält sich mit der jungen Angestellten eine Weile auf englisch. Nach der Frage woher?, stellt sich heraus, dass die junge Frau auch hervorragend deutsch spricht. Sie bestätigt uns: ja, seit kurzem gibt es einen Campingplatz. Aber man könne jetzt in der Vorsaison auch problemlos direkt am Strand stehen. Auch hier bekommen wir Stadtpan, Straßenkarte und Prospekte. Nach der Ortschaft sehen wir den Campingplatz, er liegt abseits des Meeres direkt an der Hauptsraße und hat zur Zeit auch keinerlei Gäste. Kommt für uns nicht in Frage.

Also biegen wir ab in einen Pinienwald, und kommen direkt am Strand hinter der Ortschaft Kobuleti zum stehen.
Abends sitzen wir noch mit den Schweizern Martin und seiner Frau Friede zusammen und reden ein wenig.

© B. & F. S., 2016
Du bist hier : Startseite Asien Georgien Aus der Mitte Deutschlands nach Batumi
Die Reise
 
Worum geht's?:
Wir, Frank und Birgit, waren mit unserem Campingbus „Blaue Zitrone“ 8724 km auf der Balkanroute, an der Küste des Schwarzen Meeres und im Kaukasus unterwegs. 8 Länder, 2 Kontinente, 3 verschiedene Schriftsysteme berührten unsere Route. Georgien, die ehemalige Sowjetrepublik das Ziel.
Details:
Aufbruch: 14.05.2016
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 05.06.2016
Reiseziele: Georgien
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 6 Jahren auf umdiewelt.