Mit dem Wohnmobil nach Georgien

Reisezeit: Mai / Juni 2016  |  von B. & F. S.

Zwischen Pontischen Gebirge und Schwarzen Meer

Freitag, 27.5.: ბათუმი (Batumi) – Kloster Sümela – Maçka Türkei
Wir verlassen den Platz im Botanischen Garten, der die Nacht über bewacht war und fahren zu türkischen Grenze bei Sarpi. Wir kommen gut durch, keine Wartezeit wie bei der Einreise. Vorher haben wir an einer Tankstelle unser letzten Laris vertankt. Jetzt funktioniert auch unser Navi wieder. Wir sind wieder auf türkischer Seite und fahren lange am Meer. Ich habe ja auf der Hinfahrt im Regen schon einen Delfin springe sehen. Heute scheint die Sonne und - wir haben Glück, wir sehen gleich jede Menge Delfine springen! Später kommen wir wieder durch große Städte entlang der Küste. Unser Ziel ist das Kloster Sümela in den Bergen in der Nähe von Trabzon, einer großen Stadt, in der wir uns erst mal verfahren, weil das Navi den neuen Abzweig der Stadtautobahn nicht kennt. Wir fahren mitten durchs Gewimmel und finden den richtigen Weg. Sehen auf der Strecke zum Kloster auch den Platz wo wir heute Nacht stehen wollen. Aber zuerst möchten wir das in den Felsabhang gebaute Kloster ansehen. Schon der Weg dorthin ist ein Erlebnis. Die Straße wird immer enger und kurviger. Eine tiefe Schlucht mit reißendem Fluß und Wasserfällen von allen Seiten. Das ganze Gebiet ist als Nationalpark ausgewiesen.

Wir laufen das letzte steile Stück über verwurzelte Felsensteige. Als wir oben angekommen sind sehen wir: das Kloster ist wegen Sanierung geschlossen. Sehr schade! Es ist großes Kloster in außergewöhnlich spektakulärer Lage an den Felsen geklebt. Das hätten wir uns sehr gerne angesehen. Auf dem ganzen Weg kein Hinweis auf die Schließung.

So laufen wir wieder runter und trinken bei einem Händler am Weg einen Tee. Dort treffen wir auch auf eine Familie aus Saudi-Arabien. Ein Mann mit einer tiefschwarz voll verschleierten Frau und zwei Kindern. Man versucht sich zu unterhalten. Dreieckstalk zwischen Teeverkäufer, Saudi und uns Deutschen. Deutschland wird von ihnen, wie auch von anderen unterwegs in der Türkei, zuerst mit Fußball in Verbindung gebracht. Es fallen sofort die Namen der bekanntesten deutschen Klubs und Fußballstars. Auf dem weiteren Weg nach unten halten wir noch einmal und kaufen wenigstens eine Ansichtskarte vom Kloster und ein Tuch für unsere Tochter. Das habe ich so schick gefunden an anderen Mädels unterwegs. Ich finde ein schönes grünes, das sicher gut aufs rote Haar passt. Wir fahren auf den von uns ausgesuchten Übernachtungsplatz an einer Forellenfarm, sitzen jetzt mitten in der Natur am Fluß zwischen Bäumen und teilen uns die Wiese mit einer Gänsefamilie. Wir schlürfen unseren Kaffee und Tee und es geht uns gut. Das heißt momentan eigentlich mir. Frank hingegen muß ein Bremslicht reparieren und das ist nicht leicht. Hinten ist alles verbaut, es ist schlecht heranzukommen. Aber alles geht gut. Das Bremslicht funktioniert wieder, Frank hat von den Verrenkungen keinen Hexenschuß bekommen und die Gänsefamilie hat das Werkzeug nicht gefressen.
Gegen Abend überlegen wir uns: wenn wir schon an einer Forellenzucht stehen, sollten wir auch welche essen. Wir gehen also in das Restaurant neben unserem Platz und schlagen mal richtig zu. Der Chef versteht unsere Bestellung nicht. Ein Gast vom Nebentisch spricht perfekt englisch und wird hinzugezogen. Wir bestellen also Forelle, eine Schüssel Blattsalat, Gurken, Tomaten, Zwiebeln in Essig und Öl, Wasser und Weißwein. Dazu gibt es sehr schmackhaftes Brot. Dann kommt der Kellner mit einem Riesentablett voller Schälchen mit verschiedenen Antipasti und Aufstrichen. Ich hatte schon gedacht, er will uns das alles dalassen. – Nein, wir suchen uns eine Art Zaziki und eine Schale Mangold in Öl und Zwiebeln aus. Dann kommt unsere Forelle in einer Eisenpfanne angerichtet, mit Knobi, Tomaten, Paprika, Zwiebeln im eigenen Saft. Alles schmeckt sehr gut. Der Weißwein ist in Maischgärung hergestellt, wie wir es in Georgien kennen gelernt haben. Zum Schluß noch einen echt türkischen Espresso. Wir können nicht mehr...und werden sicher auch nach 24 Stunden so nach Knoblauch stinken, dass kein Insekt sich in unsere Nähe wagt. Inzwischen hat es angefangen zu regnen, aber wir gehen trotzdem noch duschen, wenn wir schon die Gelegenheit dazu haben. Das tut gut. Dann fallen wir ins Bett. Nachts werden wir noch vom telefonischen Hilferuf unserer Tochter geweckt. Es ist nach türkischer Zeit nach 24°° Uhr. In Deutschland also eine Stunde zurück. Unsere Tochter ist von ihrem Studienort nach Hause gekommen und hat im Gegensatz zu uns kein warmes Wasser. Alle per Telefon gegebenen Ratschläge laufen ins Leere, Frank kann auch nicht weiter helfen.

Samstag, 28.5.: Maçka – Sinop (Türkei)
Nachdem wir noch mal schön geduscht, Haare gewaschen, gefrühstückt, Wasser, Abwasser, Toilettenentsorgung, Müll erledigt haben, geht’s los, wieder in Richtung Küste. Es regnet etwas. Wir fahren aus den Bergen in Richtung Trabzon. Es ist gerade 8°° Uhr. An einem kleinen Laden am Straßenrand halten wir an und kaufen ein. Die vielen Läden entlang der Straße sind alle offen, aber es brennt kein Licht. Als wir hineingehen, kommt der Ladenbesitzer und schaltet das Licht ein, als wir gehen wieder aus - sparsame Leute.
Ab Trabzon geht es immer die Küste entlang. Das Wetter wird erstmal wieder besser. Dann wieder schlechter. Mittags halten wir in der Nähe von Terme. Es ist rein zufällig fast die Stelle, an der wir auf dem Hinweg abends im Köfte-Restaurant gesessen und dann auch über Nacht gestanden haben. Und dann fahren wir so richtig in die Regenfront ein. Genau in der Gegend, in der auch auf dem Hinweg schon solches Mistwetter war. Überall schießen überfüllte Flüsse ins Meer. Das Meerwasser färbt sich stellenweise scharf abgegrenzt schlammig braun.

Ab Samsun wird es extrem. Es hat hier seit unserer Hinfahrt anscheinend nicht aufgehört zu regnen. Überall sind die Felder und Wege voll Wasser. In Bafra laufen die Läden entlang der Straße schon voll. An einigen Stellen stehen die Straßen soweit unter Wasser, dass wir gerade noch durchfahren können. Kleinere PKW sind schon abgesoffen. Wir fahren zum Campingplatz Sinop, außerhalb der Stadt, direkt am Strand gelegen. Der erste und einzige „richtige Campingplatz“ den wir in der Türkei auf unserer Route bisher gesehen haben. Auf dem Herweg als wir hier vorbeikamen hatte er noch geschlossen. Jetzt brennt Licht an der Leuchtwerbung. Drin stehen drei Wohnmobile.
Es ist kein Personal zu sehen. Wir schieben das Tor auf und fahren auf den Platz. Der Holländer aus einem der drei Mobile hat auch noch kein Personal gesehen, hat aber schon auskundschaftet, dass eine der Duschzellen offen ist, und auch Warmwasser läuft. Vielleicht ist ja morgen jemand da. Wir stehen direkt am Meer und gehen etwas am Strand spazieren. Es stürmt und regnet, wir sind dann ans Auto gefesselt. Vielleicht wird’s morgen besser.

Sonntag, 29.5.: Sinop – Akkonak (Türkei)
Heute am Morgen sieht das Wetter etwas besser aus. Zwar ohne Sonne, aber mit leicht aufbrechender Bewölkung, ohne Regen.
Wir wollen heute die alte Küstenstraße in Richtung Amasra befahren. Die Ausblicke sind wunderschön und spektakulär. Es regnet nicht mehr und wird heller. So fahren wir bis abends mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30-40 km/h - ein Ausblick ist schöner als der andere – die Berge hoch und runter, teilweise mit enormen Steigungen und Gefälle. Manchmal lange Strecken nur mit dem 1.Gang zu schaffen.

Unterwegs treffen wir einen alleinreisenden Österreicher mit Schäferhund. Wir reden eine Weile. Er ist bereits vier Wochen unterwegs mit seinem VW T3 California. Er war auch in Kappadokien, meinem Traumziel für nächstes Jahr. Wir suchen den Camping Akkonak und finden ihn durch Zufall. Auf dem Weg dorthin sehen wir ein europäisch aussehendes Radfahrerpaar, er mit Liegerad. Das bei diesen Bergen! Wir kommen den Schildern folgend in einem kleinen Dörfchen auf einen gepflegten Platz im Garten eines älteren türkischen Ehepaares, mit Tischen, Bänken, Zeltwiese, Dusche/WC direkt auf der Steilküste über dem Meer. Die ganze Hausfassade, Gartenmauer, und anderes sind mit kleinen braunen Steinchen, die vom Meer flach und rund gewaschen sind, verblendet. Das Ehepaar ist liebevoll bemüht um uns, wir sind erst mal die einzigen Gäste. Dann kommt auch noch der Österreicher an. Den Meerblickplatz haben wir schon belegt. Wir machen einen Spaziergang an den Strand genau unter uns. Wir nehmen einen spektakulären Abgang. Später tuckert ein Boot in die Bucht, um irgendwelche Netze und Reusen auszulegen.

Inzwischen geht die Sonne unter – blutrot. Wir sind inzwischen einen besseren Weg wieder nach oben gegangen und sitzen beim Abendbrot aus eigener Küche, Bratkartoffeln mit Aubergine, Zwiebeln georgischem Käse und Tee. Nachts regnet und gewittert es mächtig. Ich denke: nein nicht schon wieder!

Montag, 30.5.: Akkonak - Amasra – Akçakoca (Türkei)
Keine Spur mehr von Regen, der Himmel ist wolkenlos. Wir frühstücken draußen, die Soinne scheint uns auf den Rücken, der Blick geht aufs Meer, von den Hunden aus allen Nachbarhäusern umringt. Sie schauen uns erwartungsvoll an. Wir bleiben hart, die Hunde aber auch.

Wir stoppen in den Bergen und schauen auf Amasra herunter, einen schönen, gerade erwachenden Urlauberort mit Hafen und zum Weltkulturerbe zählenden Festungsring auf mehreren Inseln und sehr alten Häusern, die aber nicht sehr gepflegt sind. Wir fahren in die Stadt hinunter und zahlen auf dem Hafengelände 10 Lira (ca. 3,30€) Parkgebühr. Wenn ich bedenke, dass hier ein Brot 0,50 Lira kostet. An der Parkgebühr merkt man: wir sind inzwischen wieder in touristisch erschlossenen Gebieten angelangt.

Wir sind wieder in touristisch erschlossenen Gebieten angekommen

Wir sind wieder in touristisch erschlossenen Gebieten angekommen

Wir bummeln eine Weile durch den Ort und entdecken ein Lädchen mit türkischen Leckereien, testen verschiedenes, sehr Süßes und kaufen getrocknete Aprikosen. Der Verkäufer kann ein wenig deutsch, er hat für eine türkische Firma als Bauarbeiter in Deutschland gearbeitet. Wir laufen durch eine in zwei Stufen innerhalb der Festungsmauern angelegte genuesische Siedlung aus dem achten Jahrhundert, wo auch heute noch Menschen leben.
Weiter fahren wir nun zur römischen Stadt und Festung Tios bei Filyos. Wir haben das als historische Ruinenstätte in der Karte markiert gesehen. Gefunden haben wir es dann aber nur, weil es auf einem Hügel über dem Meer liegend weithin sichtbar ist. Hier ist nichts ausgeschildert. Von der Straße aus versuchen wir einen Weg, der in diese Richtung führt. Er ist zwar arg zugewuchert und Dornengesträuch kratzt rechts und links am Auto, aber wir haben Glück und kommen nach ca. 1,5 km genau vor einem antikem Stadttor zu stehen. Wir laufen durch den Torbogen, als wir unseren Kuchen aus der Bäckerei Amasra gegessen haben. Eintritt wird hier anscheinend nicht erhoben. Auf der Terrasse eines kleinen Häuschens sitzen mehrere junge Männer und ein Polizist und essen.
Auf einer großen Tafel erfahren wir, dass es sich hier um Tios einer wichtigen Stadt der römischen Provinz Pontien handelt. Eine riesige Stadt mit Festung, Theater, Tempeln, Wohnsiedlungen und Viadukt, Teilweise schon ausgegraben, teilweise noch verschüttet oder schon wieder überwuchert. Von hier oben, der Festung hat man einen wunderschönen Blick. Im hinteren Bereich der Festung wird gerade ausgegraben und freigelegt, durch die Leute, die gerade beim Mittag saßen. Als wir dorthin laufen, kommt der Polizist und schickt uns zurück. So gehen wir wieder zum Auto.

Die römische Stadt Tios

Die römische Stadt Tios

Ich bleibe vor dem Torbogen stehen und mache noch Fotos von Frank mit dem durchfahrenden Auto. Da kommt einer der Leute hinter mir her und will mit uns reden – woher, wohin. Er sagt, er sei Archäologiestudent und arbeitet hier mit den anderen an der Ausgrabung und Untersuchung des Geländes. Dann kommt eine Schildkröte des Weges und wir fotografieren erst mal.
Auf der Weiterfahrt kommen wir durch Gebiete, wo Kohle abgebaut wird, Stahlwerke und Zementfabriken stehen und Schiffswerften. Alles sehr schmutzig. Die Straßen in den Orten werden von Fahrzeugen mit Wasser besprüht, um den Staub zu binden. Der Platzeigentümer unseres nächsten Übernachtungsplatzes erzählt uns dann, dass in einer Mine die Kumpels im Streik sind, weil sie schon drei Monate keinen Lohn erhalten haben.
Immer noch fahren wir durch riesige Industriegebiete mit vielen Wohnsiedlungen: Kilimli, Zonguldak, Kozlu, Ereğli, mit hunderttausenden von Einwohnern. Zwischendurch wieder mal die Berge der Steilküste mit schlechten kleinen und sehr steilen Straßen. Später fahren wir auf neu gebauter Autobahn. Wir kommen zum heutigen Endziel Akçakoca. Den ersten Platz, den wir uns im Internet ausgesucht haben, gibt es nicht mehr. Wir biegen zum Glück nicht in die beschriebene Gasse ein. Das Auto bleibt auf der Hauptstraße stehen und wir erkunden zu Fuß. Der Weg geht unwahrscheinlich steil und schmal nach unten und endet als Sackgasse ohne Wendemöglichkeit. Der Platz ist inzwischen anscheinend anderweitig bebaut worden. Wer hier mit dem Womo hinunter fährt, sitzt in der Falle.
So suchen wir einen anderen Platz unten am Fluß. Wir suchen und fragen. Da steht an einem geschmückten Grundstück, das sich später als neu eröffnete Fischkneipe herausstellt, ein Mann, der gut deutsch spricht. Er erzählt uns, er war lange in Hamburg, hat bei Airbus gearbeitet. Der Platz den wir suchen ist sein Grundstück, eine Haselnußplantage mit großer Wiese, seinem Wohnhaus mit Duschen und WC im Erdgeschoß, genau gegenüber. Er hat hier schon viele Womos, auch Gruppen empfangen. Wir fahren hinüber, er setzt sich zu uns vor das Auto und wir reden länger. Er erzählt uns viel über Land und Leute, schönste Gegenden in der Türkei und gefährliche. Er sagt auch, dass viele Touris dieses Jahr wegbleiben, weil sie Angst vor IS und PKK-Anschlägen haben. Aber hier an der Schwarzmeerküste sei es ruhig und ungefährlich. Auch ist es für ihn nichts Besonderes nach Georgien zu reisen. In Deutschland wird das wohl anders gesehen. Es ist immer schön, auf solche Menschen zu treffen. Bei schlechtem Wetter kommt das oft zu kurz. Wir haben heute wieder viel erfahren. Die Türken sind zurückhaltende Menschen. Wenn du etwas wissen willst, musst du auf sie zugehen und fragen, alle Probleme werden dann gelöst. Fragst du nicht, nimmst du deine Probleme mit nach Hause. Ich denke, jetzt wo ich hier bin: es stimmt!

Zum Abendessen braten wir Reis mit Auberginen, Zwiebeln und Ei und trinken unseren georgischen Wein. So sitzen wir noch, ich schreibe die Erlebnisse des Tages auf und wir kämpfen zum ersten Mal auf dieser Reise gegen die Mücken. Die setzten sich ganz frech auf unsere Autan-Flasche. Ich vertrete sowieso die Theorie, dass man in jedem Land das landeseigene im Land hergestellte Mückentötolin braucht, sonst finden sich die Mücken nicht zurecht.

Dienstag 31.5.: Akçakoca – Acarlar Longozu Park – Ağva – Akçakese (Türkei)
Heute ist es früh schon sehr heiß. Frank macht Frühstück und ich gehe duschen. Mein Fön schallt durch den Garten. Dann befüllen und leeren wir das Womo. Säubern etwas, hier haben sich doch einige Sande angesammelt. Den georgischen haben wir schon ausgekehrt. Wir fahren erst mal in die Innenstadt von Akçakoca und nehmen Erol, den Platzeigentümer, im Auto mit. Heute ist Markttag.

Wir schlendern über den Basar um zu schnuppern und unseren Kühlschrank aufzufüllen. Erol erklärt und übersetzt für uns und handelt die Preise aus. Wir kaufen bei den Bauernfrauen Eier, verschiedenes Gemüse, und ein großes schweres Bauernbrot mit schwarzen Sprenkeln, die gegen den bösen Blick helfen sollen. Unser freundlicher Helfer begleitet uns noch zum Metzger. Wir verabschieden uns danach von ihm.
Dann fahren wir los, in Richtung Karasu, immer die Küste entlang. Der Straßenzustand wechselt von klein und schlecht dann mal wieder auf breite autobahnähnliche Straße. Bei Denizköy geht die Straße dann etwas ab von der Küste. Hier ist der Acalar Longozu Park, einem Naturreservat. Im Zugangsbereich das typische Touristenfeeling: Imbiss, Eis, Souvenirstände. Aber dann laufen wir ganz allein einen langen Holzsteg an einem träge dahin fließenden Fluß entlang. Jede Menge Seerosen, Wassergeflügel. Weiter hinten bestellt gerade ein älteres Paar ein Feld mit Stangenbohnen, die man hier oft sieht. Der Mann grüßt freundlich in deutsch herüber. Er hat uns anscheinen reden gehört.
Unsere Fahrt führt uns in der Mittagshitze weiter über kleine verwahrloste Dörfer, kein Schatten. Dann finden wir unter einem großen Baum am Straßenrand ein schattiges Plätzchen und essen erst einmal Mittag. Ein Bauer auf seinem Traktor kommt vorbei und grüßt. Als er wieder zurückkommt, hält er an und schenkt uns ein paar gerade geerntete Gurken. Das ist türkische Gastfreundschaft.
Die Landschaft verändert sich. Weniger Haselnußsträucher, weite offene hügelige Landschaft mit Büschen, steinig. Riesige planierte Schneisen mit großen schwarzen Rohren, eine Pipeline wird gebaut, wieder auch neue Autobahn.

Ağva ist ein kleines anscheinend voll auf inländischen türkischen Tourismus ausgerichtetes Städtchen, jetzt noch vor der Saison. Wir kurven einmal durch den Ort, finden es nicht so interessant, und fahren außerhalb des Ortes an den sehr breiten Sandstrand. Es ist heiß, kein Schattenplätzchen weit und breit, unsere Strandwanderung fällt sehr kurz aus.
Bei Akçakese fahren wir in eine kleine Ferienanlage. Hier ist wilder Westen angesagt. Ferienhütten, Restaurant, sonstige Gebäude, alles im Western-Stil. Man ist noch dabei alles zu putzen und für die Saison herzurichten. Die Rezeption ist verschlossen. Wir finden jemanden, der mit dem Chef telefoniert. Er gibt Frank das Handy, man spricht deutsch. 80 Lira will er haben – zu teuer. Wir handeln und bekommen für 50 Lira einen schattigen Platz unter einem großen Feigenbaum vor dem Pferdegehege. Wir sind die einzigen Gäste. Später kommt der Besitzer und setzt sich zu uns vors Auto. Er war Anwalt, und hat jetzt sein Betätigungsfeld gewechselt. Er lebt seinen Cowboytraum. Gern würde er mal zu den echten Cowboys reisen. Aber allein? Jetzt mit 76 Jahren (er sieht aus wie 60) sei er etwas ängstlich geworden. Mit seinem Sohn, der ebenfalls Anwalt ist, wie seine Tochter auch, würde er es tun.
Er meint die Zahl der ausländischen Campingtouristen in der Türkei sei stark zurückgegangen. Aber schon seit Langem, seit dem Jugoslawienkrieg Anfang der 90er hat sich das nicht wieder erholt. Auch die heutige Politik der Türkei und das Verhältnis zu Deutschland ist, wie gestern auch schon, ausgiebiges Thema.
Zum Abschluß erklärt er uns wie der Türke seinen Tee zubereitet. (Wir haben heute Morgen für unsere Tochter einen türkischen Teekessel auf dem Markt gekauft.) Also: Zuerst füllt man den unteren größeren Kessel mit Wasser. Den Tee, ca. zwei Löffel voll, gibt man ohne Wasser in den kleineren Kessel und stellt ihn auf den Großen. Nun setzt man das Ganze auf ein Feuer oder Herd, das Wasser im unteren Kessel wird zum Kochen gebracht und der trockene Tee im oberen Kessel entfaltet sein Aroma. Dann erst wir aus dem unteren Kessel Wasser auf den Tee im kleinen oberen Kessel gegeben. Das Ganze wird wie vorher aufeinander gestellt, der Tee muß bei geringer Wärmezufuhr ziehen. Der Tee wird aus kleinen Gläsern getrunken. Jeder mischt sich aus dem Teekonzentrat des kleinen Kessels und dem Wasser des großen Kessels des Getränk nach seinem Geschmack. Wir bedanken uns für diese Informationen.
Gegen Abend – durch die Gespräche ist es ist sehr spät geworden – gehen wir zum Strand. Paradiesisch. Eine kleine Bucht Sandstrand, märchenhafte Felsen in Feengestalt ragen rechts und links ins Meer. Malerisch!

Nach dem Spaziergang braten wir unser Fleisch, essen dazu das tolle Brot vom Markt und trinken noch mal georgischen Wein, Um uns herum quaken gefühlte tausend Frösche.

© B. & F. S., 2016
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wir, Frank und Birgit, waren mit unserem Campingbus „Blaue Zitrone“ 8724 km auf der Balkanroute, an der Küste des Schwarzen Meeres und im Kaukasus unterwegs. 8 Länder, 2 Kontinente, 3 verschiedene Schriftsysteme berührten unsere Route. Georgien, die ehemalige Sowjetrepublik das Ziel.
Details:
Aufbruch: 14.05.2016
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 05.06.2016
Reiseziele: Georgien
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 6 Jahren auf umdiewelt.