Mit dem Wohnmobil nach Georgien

Reisezeit: Mai / Juni 2016  |  von B. & F. S.

Balkanrückreise


Mittwoch 1.6.: Akçakese – Bosporusüberquerung – Бисер (Bulgarien)
Im Leichten Sommergewand starten wir heute die Reise Richtung Bosporus und türkisch – bulgarischer Grenze. Ich bin mal gespannt, was uns verkehrsmäßig in Istambul erwartet. Es geht schon los, weit vor den Toren der Stadt. Die ersten Verkäufer von kaltem Wasser schlängeln sich zu Fuß durch zähfließende Autoschlangen auf der Autobahn. Um 11°° Uhr haben wir überraschender Weise die Bosporusbrücke schon erreicht. Den riesengroßen Stau mit absoluten Stillstand, den wir auf dem Herweg in diese Richtung gesehen haben, den gibt es anscheinend jetzt gerade nicht. 11.50 Uhr fahren wir durch die Mautstation(HGS) und alles ordnet sich allmählich.

Wir lassen die Verkäufer von Schnick-Schnack-Möven, Wasserflaschen, Brotringen, Sefi-Stäben und allem was man so auf der Autobahn braucht und nicht braucht zurück. Der Verkehr beginnt wieder schneller zu fließen. Eine Stunde weiter ist schon fast kein Verkehr mehr auf der Autobahn. Wir machen noch einen Mittags-Stop. Gegen 15°° Uhr sind wir an der türkisch-bulgarischen Grenze. die Abfertigung geht recht schnell. Die Bulgaren desinfizieren unser Fahrzeug von außen, 3 € sind dafür zu löhnen, damit wir über die Grenze dürfen. Der Zoll kontrolliert, schaut kurz unter Tisch und Bänke. Alles ok., nun sind wir in Bulgarien. Am Nachmittag finden wir noch in einsamer ländlicher Gegend unseren Platz für heute im Kleinen Ort namens Бисер. Hier hat der Fortschritt noch keinen Einzug gehalten. Aber der Platz ist gut. gemähtes Wiesengelände mit Lindenbäumen am letzten Haus des Dorfes. Der Besitzer spricht erstaunlich gut englisch – er ist Brite. Er hat das Haus gebaut, ist im Sommer Sänger in einer bulgarischen Rockband und arbeitet im Winter in Großritannien. Gegen Abend versuchen wir eine Flasche Weißwein im Dorfladen, der auch gleichzeitig Kneipe ist, zu bekommen. Aber sie haben nur Rotwein. Der Platzbesitzer kommt inzwischen von der Bandprobe wieder und schenkt uns Eier.
So sitzen wir hier auf der Wiese ganz allein, zwischen Feldern, Störchen, Schwalben, Mücken und einem Käuzchen, das sich auf einen Fenstersims hockt und uns anstarrt, Das Wetter war hier bis vor kurzem auch sehr schlecht, man sieht noch überall große Pfützen. Aber jetzt ist es heiß. Als es dann dunkel wird, sehen wir mal seit längerem wieder einen phantastischen Sternenhimmel.

Donnerstag, 2.6.: Бисер – Бело Поље (Serbien)
Auch heute ist es früh am Morgen schon sehr heiß. Wir sitzen beim Frühstück schön im Schatten und lassen uns die Eier schmecken, die wir gestern geschenkt bekommen haben. Die sind übrigens von den Nachbarshühnern, die uns heute schon beim ersten Sonnenstrahl geweckt haben. Das heißt: geweckt hat uns der Hahn, die Eier sind von seinen Weibern. Wir lassen alles schön gemütlich angehen. Los geht’s gegen 9.30 Uhr in Richtung Serbien, nachdem wir uns von Matt dem Campingplatzbetreiber verabschiedet haben. Wir finden gleich zu Anfang keine Zufahrt zur neuen Autobahn und fahren eine ganze weile nebenher. Bei Хасково ist unsere nächste Möglichkeit. Da ist alles sehr schlecht oder gar nicht ausgeschildert, so dass wir erst mal eine ganze Weile herumkreiseln. Frank brüllt erstmal, weil er denkt, er ist in die falsche Richtung gefahren. Ich muß Beruhigungsnüsschen in den Fahrer einfüllen. Er dreht wieder um, aber das sollte sich als falsch herausstellen. Schilder neu interpretieren, noch mal umdrehen. Jetzt sind wir richtig in Richtung София. Unterwegs halten wir noch zum Mittag. Da werden wir an der Raststätte von einem aggressiven Bettler belästigt, der aber von jemanden weggejagt wird. Wir bedanken uns. Da nimmt der Penner noch mal einen Anlauf. Wir machen ihm klar, dass wir höchstens Naturalien, aber kein Geld geben. Das will er nicht. Die Landschaft wird wieder hügelig und grün, dahinter hohe Berge mit Schneegipfeln, das Rila-Gebirge.

Am Wegesrand, Stadtring Sofia

Am Wegesrand, Stadtring Sofia

Dann quälen wir uns durch Sofias schlechte Straßen und baustellenbehafteten Stadtring, passieren gegen 15°° Uhr die bulgarisch – serbische Grenze. Davor haben wir unsere 20 Lewa, die wir gestern bei Matt getauscht hatten und eigentlich für Wein gedacht waren, noch vertankt. An der Grenze geht es recht schnell. So sind wir eine halbe Stunde später schon auf dem Platz mit den Pfauen. Den einzigen Platz, den wir auch schon zur Hinreise genutzt haben. Wir spannen für den Rest des Tages aus und beobachten die Pfauen bei ihrem Balzverhalten.
Das erste Mal auf dieser Reise stellen sich Gedanken an zu Hause langsam wieder ein.


Freitag, 3.6.: Бело Поље – Београд (Serbien)
Sonne satt schon heute morgen und eine schöne Dusche nach dem Frühstück, so beginnt der Tag. Gegen 8.30 Uhr verlassen wir den Platz mit den Pfauen zum zweiten mal. Die Besitzerin winkt uns zum Abschied. Unterwegs trübt es sich ein. Um Бела Паланка regnet es, aber nur kurz. Überall wird neue Straße gebaut, planvoll, nach mitteleuropäischen Standart. Dann fahren wir wieder durch diese canyonartige Schlucht. Hier gibt es viele Höhlen in den Felswänden, wir machen Fotos. Herwärts sind wir hier im Dunkeln und bei Regen gefahren. Am Stadtrand von Belgrad stellen wir uns auf ein Campingareal auf einem Steilufer direkt über der Donau. Hier gibt es einen netten englischsprachigen Platzwart, der sich vor Lachen ausschüttet, drei Hunde, außer uns noch zwei weitere Womos und Heerscharen von Mücken. Wir spannen schön aus, kaufen noch ein in einem Gewerbegebiet. Abends wird mal wieder gekocht und gebrutzelt. Hinter uns steht ein spanischer Ford als Selbstausbau, mit Aufklebern aus vielen Ländern vom Nordkap bis Marokko, Rumänien, Ungarn, Bulgarien, Griechenland, Albanien, Türkei, alle Länder des ehemaligen Jugoslawien, Deutschland, Schweiz, Österreich und viele mehr. Auf die Besitzer sind wir gespannt. Es kommen ältere Herrschaften zum Auto. Der Mann spricht gut deutsch. Seine grüne Versicherungskarte ist abgelaufen, er hat es nicht bemerkt und viele Grenzkontrolleure auch nicht. Der jetzt von Serbien schon. Er muß auf eine neue warten. Heute hat er sie über die spanische Botschaft in der Innenstadt bestellt.

Wir müssen ins Auto fliehen, wegen der Mücken. Wir jagen noch eine ganze Weile, aber es ist ein sinnloses Unterfangen.

Samstag 4.6.: Београд - Liezen (Österreich)
Frank ist etwas verschwollen im Gesicht, wegen der Mücken, auch das Bett ist blutig.
Die Sonne scheint uns auf den Frühstückstisch, den wir auf der Wiese stehen haben. So beobachten wir, wie der Campingplatzhund die auf der Trittstufe vor dem Nachbarwohnmobil abgestellten Schuhe verschleppt. Nachdem wir alles startklar gemacht heben geht’s weiter in Richtung Zagreb/Kroatien. Heute müssen wir bis Österreich kommen. Wir passieren die Grenze von Serbien zu Kroatien gegen 11.°° Uhr. Später 15.20 Uhr die Grenze zu Slowenien, noch später 17.°° Uhr sind wir in Österreich. Endziel für heute ist Liezen, eine Stadt an der Pyhrntalautobahn A9. Österreich empfängt uns mit Regen. Als wir nach Graz aus dem langen Tunnel fahren, plötzlich Dauerplatzregen. So empfängt uns auch der Ort Liezen mit seinem Platz, den wir erst einmal suchen, die angegebenen GPS-Daten stimmen nicht exakt. Ankunft 18.30 Uhr bei strömenden Gewitterregen auf dem kleinen kostenfreien Womoplatz an der Tennis- und Kletterhalle. Ein schön angelegter kleiner Platz für nur 4 Mobile. Wir stehen neben einem britischen Kastenwagen, mit Blick auf die wolkenverhangenen Berge, teilweise noch schneebedeckt. Wir im schönen grünen Tal mit kleinen Häusern.
Wenn da nicht die furchtbar hässliche Stadt Liezen wäre. Eigentlich ein recht kleines Städtchen, sehen wir schon bei der Einfahrt nur riesige Einkaufstempel und Firmengelände. Die Innenstadt selbst verfügt kaum noch über alte Bausubstanz, man hat hier unkontrolliert hohe Plattenbauten hingesetzt. Alles passt irgendwie nicht zueinander. Wir warten den Regen erst einmal ab und spielen drei Runden Tetris. Entsprechend dem schlechten Wetter verlaufen auch die Spiele nicht so gut. Aber dann lässt der Regen nach und wir machen uns auf in den ort, um am letzten Abend noch mal richtig lecker zu essen. Es dauert lange, bis wir etwas finden. Das Hotelrestaurant sieht aus als ob es kurz vorm Abriß steht, und im nächsten Gasthof haben sie den Koch schon nach Hause geschickt. So landen wir statt bei gewünschtem gut bürgerlichen österreichischen Essen in einer türkischen Pizzeria mit italienisch-mexikanischer Küche. Aber man sitzt ganz gut und das Essen und der Wein munden uns auch.

Sonntag 5.6.: Liezen – Heimatort (Deutschland)
Nach dem Frühstück unterhalten wir uns noch etwas mit den Briten aus Brighton, dann mal los in Richtung Heimat. Wir stoppen noch mal am Flohmarkt in der Stadt, nicht viel zu sehen, weiter geht’s. Heute ist Sonntag, ein guter Tag um zu fahren. Viel mehr werden wir auch heute nicht tun. An der österreichisch – deutschen Grenze schon ein ganzes Stück auf deutscher Seite hat die Polizei auf der Autobahn neben einer Parkplatzzufahrt einen provisorischen Kontrollpunkt eingerichtet. Auf unsrer Reise übrigens die für uns einzige sichtbare der Flüchtlingskrise geschuldete Maßnahme. Es wird zwar keiner angehalten, aber durch die Fahrbahneinengung auf eine Spur, entsteht ein riesen Stau. Gegen 13.°° Uhr dann noch ein Mittagsstopp. In Gegenrichtung kommen uns viele Wohnmobile und Wohnwagen entgegen. Jetzt fängt wohl die Saison richtig an. Am liebsten würde ich jetzt noch einen Haken schlagen und um drei Wochen verlängern.

Soweit mein Reisetagebuch.
Alles habe ich natürlich nicht aufgeschrieben. Aus einer Vielzahl von aufgenommenen Eindrücken und Begegnungen mit vielen Menschen unterwegs steht hier dass, was mir wichtig erschien.
Birgit

© B. & F. S., 2016
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wir, Frank und Birgit, waren mit unserem Campingbus „Blaue Zitrone“ 8724 km auf der Balkanroute, an der Küste des Schwarzen Meeres und im Kaukasus unterwegs. 8 Länder, 2 Kontinente, 3 verschiedene Schriftsysteme berührten unsere Route. Georgien, die ehemalige Sowjetrepublik das Ziel.
Details:
Aufbruch: 14.05.2016
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 05.06.2016
Reiseziele: Georgien
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 6 Jahren auf umdiewelt.