Mit dem Wohnmobil ins Baltikum

Reisezeit: Juni / Juli 2015  |  von B. & F. S.

Auf dem Heimweg: Frisches Haff und Marienburg

Donnerstag, 02.Juli: Mragowo ► Piaski (Frische Nehrung, Polen) 238 Tageskilometer
Die Sonne scheint, es ist schön warm. Wir sitzen recht früh draußen und frühstücken.
Die Schweizer nebenan verabschieden sich und fahren schon los. Sie wollen übermorgen wieder zu Hause sein. Die beiden sind mit ihrem Mobil innerhalb von drei Wochen bis hierher schon knapp 11 000 Kilometer gefahren. Von der Landesmitte Schweiz über Deutschland, Dänemark, Norwegen ans Nordkap, an die russische Grenze im Norden, dann nach Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen möchten sie weiter über Tschechien, Österreich wieder nach Hause. Im Durchschnitt jeden Tag über 500 Kilometer unterwegs? Wir sind auch schon weite Touren gefahren, aber das ist das Härteste was wir je gehört haben.
Wir bewegen uns heute weiter auf idyllischen Alleen wieder zur Ostseeküste.

Weites Land mit einigen verstreuten Höfen, blauen Seen, endlosen Feldern und vielen roten Mohnblumen säumen unseren Weg. Bei Stegna kommen wir auf die Frische Nehrung. Hier ist doch einiges los. Die wenigen Orte zeichnen sich aus durch jede Menge Kneipen, Hotels, lange Reihen von Souvenirshops und viele Menschen. An den Straßen reihen sich die Schilder: Wolne pokoje – Zimmer frei. Wir entscheiden uns, die Nehrung bis ans Ende zur russischen Grenze durchzufahren. Hier wird es etwas ruhiger. In einem endlosen Kiefernwald zwischen den Ortschaften halten wir an und möchten zum Strand laufen. Keine Menschen weit und breit, bestimmt ein schöner einsamer Strand abseits vom Getrubel. Wir laufen los durch den sandigen hügeligen Wald. Immer rechtwinklig zur Straße in Richtung der offenen See. Zuerst gibt es noch Waldwege, dann sind wir nur noch auf kaum erkennbaren Wildpfaden unterwegs. Immer noch ist kein Meeresrauschen zu hören. Auf der Karte sieht die Nehrung so schmal aus. Im unwegsamen und sehr hügeligen Dünenwald wird uns die Strecke langsam sauer. Ehe wir uns total verfransen und vielleicht unser Auto nicht wiederfinden, kehren wir um. Auf der Weiterfahrt sehen wir: Es gibt auch bewirtschaftete Parkplätze im Wald mit Wegweisung zum Strand. Parkgebühr umgerechnet 10€.
Im letzten Ort vor der Grenze geht es ruhiger zu. Auf einem kleinen naturbelassenen Campingplatz direkt an der schilfigen Haffküste kommen wir zu stehen. Als erstes begrüßt uns an der Einfahrt ein Schild auf dem vor Wildschweinen gewarnt wird. Wir lächeln darüber.

Am Platz ist die Badestelle mit Steg und Rettungsschwimmerturm komplett zugeschilft, das offene Wasser ist nicht mehr zu erreichen. Also folgen wir dem Rat des Platzbetreibers und steigen gegenüber hinter den Häusern die Stufen zur bewaldeten Düne hinauf und laufen den hügeligen sandigen Weg zum Ostseestrand auf der anderen Seite der Nehrung. Entlang des Weges blühen und duften die Strandrosen. Ein breiter menschenleerer Strand erwartet uns. Das Wasser ist unerwartet warm. Abends nach dem Rückweg hatten wir eigentlich vor, in der Terrassenkneipe an der Straße zu essen. Aber dort fängt gerade jemand an, sehr laut mit grauenhaftem Sound Musik zu machen. Das wollen wir uns dann doch nicht antun. Also braten wir selbst Aubergine mit Kartoffeln und trinken dazu Moselriesling aus dem Karton. Frank klettert auf den Rettungsschwimmerturm und schaut mit seinem Fernrohr auf die Stadtsilhouette von Frombork (Frauenburg) auf der anderen, der Festlandseite des Frischen Haffs.

Jetzt, als es dämmrig wird, kommen doch tatsächlich Wildschweine auf den Platz. Eine Bache mit acht Kindern, gar nicht scheu, schlendern an den Wohnmobilen und den Leuten vorbei. Die zahlreichen Hunde auf dem Platz scheinen ebenfalls verblüfft, so daß sie noch nicht einmal bellen. Ein polnischer Camper kommt mit einer Schreckschußpistole und schießt mehrmals. Auch das beeindruckt die Schweine nicht. Nach mehreren Runden über den gesamten Platz verschwinden sie im Schilf.
Gegenüber von uns parkt noch ein Hymer-Kastenwagen aus unserem Nachbarkreis zu Hause. Die Besatzung bekommen wir leider nicht mehr zu Gesicht. Ein schöner Vollmond steht inzwischen über dem Schilfgürtel am Haff.

Freitag, 03.Juli: Piaski ► Malbork (Marienburg, Polen) 76 Tageskilometer
Gleich nach dem Frühstück gehen wir den sandigen Weg durch den Wald noch einmal an und ich in die Ostsee. Keiner außer uns am Strand, weit und breit. Auf dem Rückweg begegnen wir im Wald einen Trupp Pfadfinder, die sammeln Moos und bauen sich ein Lager.
Wieder an unserer blauen Zitrone zurück, steigen wir gleich ein und fahren auf der frischen Nehrung zurück. Eine ganze Strecke lang begleitet unseren Weg eine sehr interessant aussehende Schmalspurbahnstrecke. Leider bekommen wir keinen Zug zu Gesicht.
Nach recht kurzer Fahrt kommen wir an der Marienburg in Malbork an und stellen uns auf einen Platz auf der anderen Flußseite direkt neben einen blühenden Rosenbusch. Wir essen etwas und gehen dann über die Brücke zur Burg. Es ist gnadenlos heiß. Der Rundgang lohnt sich und ist größtenteils schön kühl im Inneren der Burg. Wir haben Audioguides auf deutsch und erfahren so sehr viel über die Geschichte des Bauwerks. Wir hören, der Rundgang kann zwei bis fünf Stunden dauern. Alles ist sehr schön saniert und sehr weitläufig.

Nach vier Stunden sind wir so platt, dass wir noch nicht einmal Lust haben, in der Stadt essen zu gehen. Wir haben noch einen schönen Abend am Rosenbusch mit eigenem Kuskus mit Rindfleisch, Möhrensalat und Moselwein.

Samstag, 04.Juli: Malbork ► Lübben (Spreewald, Deutschland) 489 Tageskilometer
Jetzt müssen wir endgültig Richtung Heimat. Ziel ist für heute, noch wenigstens bis zur deutsch-polnischen Grenze zu kommen. Auf der Straße Nr.22 können wir von Malbork bis kurz vor die Grenze bei Frankfurt/Oder durchfahren. Durchweg flache, fast gerade Streckenführung. Unterwegs werden noch Brot und frische Erdbeeren gekauft. Wir passieren die Ortschaft Frank. Foto mit Frank und Ortsschild ist natürlich obligatorisch. Es ist affenheiß heute, die Klimaanlage läuft auf Hochtouren. Kurz vor Słubice vertanken wir unsere letzten Złoty. Über die Grenze selbst fahren wir auf der Autobahn, um nicht die Stadt Frankfurt durchqueren zu müssen, biegen dann gleich wieder auf deutscher Seite auf die B 87 ab und landen am Abend in Lübben im Spreewald. Dort stehen wir etwas außerhalb des Ortes an einem Gasthof an der Spree. Eine kleine Wiese direkt am Wasser. Die Spreewaldkähne staken hier durch, die Radler radeln an uns vorbei. Wir melden uns im Gasthof und essen lecker zu Abend. Dafür dürfen wir kostenlos hier stehen. Dann gehen wir noch ein Stück und ich bade in der Spree. So ist man etwas abgekühlt. Drückende schwüle Hitze auch noch spät am Abend. Wir sitzen noch eine Weile, und so geht unser vorletzter Tourtag dem Ende entgegen.

Sonntag, 05.Juli: Lübben ► Heimatort 358 Tageskilometer
Heute Nacht hat es einmal kurz geregnet, aber ohne Abkühlung zu bringen. Nach dem Frühstück machen wir noch ein paar Fotos und los geht’s in Richtung Leipzig. Zuvor noch durch Herzberg, Torgau, Eilenburg und über die Flüsse Schwarze Elster, Elbe und Mulde. Dann ein Stückchen Autobahn A9 ein Stück A4 und die Heimat hat uns wieder.

Birgit
im Juli 2015

© B. & F. S., 2016
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Mit unserem Campingbus „Blaue Zitrone“, einem Citroën Jumper mit Pössl Ausbau waren wir, Frank und Birgit, 5149 km in Polen, Litauen, Lettland, Estland unterwegs. Von den Masuren, über die Kurische Nehrung und Rigaer Bucht bis hin zum Peipussee zogen wir dieses Mal unsere Kreise.
Details:
Aufbruch: 14.06.2015
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 05.07.2015
Reiseziele: Estland
Polen
Litauen
Lettland
Deutschland
Der Autor
 
B. & F. S. berichtet seit 5 Jahren auf umdiewelt.