Myanmar aus der Ferne nach einem Jahr!

Reisezeit: Februar - Dezember 2021  |  von Gundula Henkel

Vor einem Jahr unternehmen wir eine Rundreise durch Myanmar. Wir waren beeindruckt von der Schönheit des Landes, dem Prunk der Tempel und Pagoden, vor allem aber von der Herzlichkeit der Menschen. Soe, unsere Freundin in Yangon, und ihre Familie begleiteten uns damals und sprachen viel von der Hoffnung der Menschen nach mehr Demokratie und Öffnung. Diese Hoffnung ist vorerst zerstört. Das Militär hat die Macht übernommen, und ich will von ihren erschütternden Erlebnissen berichten.

Der Militärputsch erzürnt die Bevölkerung

Das Militär übernimmt wieder die Macht in Myanmar

Am 1. Februar, wir hatten die Nachricht in unseren Medien noch nicht gehört, da schrieb uns unsere Freundin Soe über WhatsApp: Das Militär hat unsere "Landesmutter" Aung San Suu Kyi wieder verhaftet. Es kam erneut zum Militärputsch. Unsere Zukunft ist so ungewiss! Wir haben sofort geantwortet. Seither hoffen und wünschen wir, dass die Familie von Soe sicher ist und in Sicherheit bleibt. Unsere Angst ist berechtigt: Soe schreibt gleich am Abend des 1. Februar: I'm really sad about that. they are like a killers. Most of the people afraid their guns. I had an experience in 1988. At that time I saw a lot of students and people are killed by soldiers. We don't know what happen in future. Zwar ist die Internetverbindung immer wieder unterbrochen, hat das Militär Facebook und Twitter abgeschaltet, aber WhatsApp Nachrichten bahnen sich auch mit Hilfe von VPN ihren Weg ins Ausland. Und so stehen wir in enger Verbindung mit Soe, sprechen ihr Mut und Zuversicht zu, aber helfen können wir ihr nur wenig. Allein, wir können Fotos veröffentlichen, die uns Soe zusendet, und wir können über die sich von Tag zu Tag zuspitzende und gefährlich werdende Lage in Myanmar und über den Widerstand der einfachen Menschen berichten.

Aung San Suu Kyi ist die eigentliche Präsidentin des Landes und wird in der Bevölkerung als Landesmutter verehrt. Die Tochter von General Aung San, der das Land zur Unabhängigkeit  1945 geführt hat, erfährt hohen Respekt und Achtung im Land. Ihre Nationale Liga für Demokratie hat im letzten November den Wahlsieg errungen und damit die Mehrheit im Parlament übernehmen. Das war den immer noch starken Militärs ein Dorn im Auge. Und so übernahmen sie mittels Putsch einfach wieder die Führung im Land. Aung San Suu Kyi kam wieder in  Hausarrest, die Regierung wurde verhaftet.

Aung San Suu Kyi ist die eigentliche Präsidentin des Landes und wird in der Bevölkerung als Landesmutter verehrt. Die Tochter von General Aung San, der das Land zur Unabhängigkeit 1945 geführt hat, erfährt hohen Respekt und Achtung im Land. Ihre Nationale Liga für Demokratie hat im letzten November den Wahlsieg errungen und damit die Mehrheit im Parlament übernehmen. Das war den immer noch starken Militärs ein Dorn im Auge. Und so übernahmen sie mittels Putsch einfach wieder die Führung im Land. Aung San Suu Kyi kam wieder in Hausarrest, die Regierung wurde verhaftet.

In ihren Wohnungen besprechen sich Mitglieder des entmachteten Parlaments über mögliche Formen des Widerstands. Aber ohne Aung San Suu Kyi wird es schwer, eine Widerstandsbewegung gegen das Militär zu organisieren.

In ihren Wohnungen besprechen sich Mitglieder des entmachteten Parlaments über mögliche Formen des Widerstands. Aber ohne Aung San Suu Kyi wird es schwer, eine Widerstandsbewegung gegen das Militär zu organisieren.

Das Militär hat für abends und in der Nacht eine Ausgangsperre verhängt. Ein Jahr soll die Notverordnung in Kraft sein. Die Menschen halten sich nicht daran und protestieren mit der metal pots campaign dagegen.

Das Militär hat für abends und in der Nacht eine Ausgangsperre verhängt. Ein Jahr soll die Notverordnung in Kraft sein. Die Menschen halten sich nicht daran und protestieren mit der metal pots campaign dagegen.

Menschen aller Bevölkerungsgruppen schließen sich der civil disobedience campaign, der Kampagne des zivilen Ungehorsams an und versammeln sich auf den Straßen aller großen Städte im Lande.

Menschen aller Bevölkerungsgruppen schließen sich der civil disobedience campaign, der Kampagne des zivilen Ungehorsams an und versammeln sich auf den Straßen aller großen Städte im Lande.

Die einfachen Menschen leben den buddhistischen Glauben, der Gewaltanwendung und Terror verachtet. Und so bemühen sich die Einwohner mit kleinen menschlichen Gesten den Aufmarsch des Militärs zu stoppen. Hier mit Lebensmitteln ...

Die einfachen Menschen leben den buddhistischen Glauben, der Gewaltanwendung und Terror verachtet. Und so bemühen sich die Einwohner mit kleinen menschlichen Gesten den Aufmarsch des Militärs zu stoppen. Hier mit Lebensmitteln ...

und hier mit Blumen!

und hier mit Blumen!

.. hier mit Wasser. In Yangon ist es derzeit richtig heiß und schwül.

.. hier mit Wasser. In Yangon ist es derzeit richtig heiß und schwül.

Rote Schleifen , rote Tücher als Zeichen des Protests gegen das Militär. Rot ist die Farbe des zivilen Widerstandes.

Rote Schleifen , rote Tücher als Zeichen des Protests gegen das Militär. Rot ist die Farbe des zivilen Widerstandes.

Massenprotest im Zentrum von Yangon. Rote Schleifen und die Nationalfahne werden zum Protest gezeigt.

Massenprotest im Zentrum von Yangon. Rote Schleifen und die Nationalfahne werden zum Protest gezeigt.

Die Abneigung gegen das Militär ist groß. Auch weil es nun versucht mit Falschmeldungen einzelne Bevölkerungsgruppen zu manipulieren. So werden die Walergebnisse vom letzten November angefochten. Lehrer und Professoren, die bei der Auszählung geholfen haben, werden zur Falschaussage gezwungen.

Die Abneigung gegen das Militär ist groß. Auch weil es nun versucht mit Falschmeldungen einzelne Bevölkerungsgruppen zu manipulieren. So werden die Walergebnisse vom letzten November angefochten. Lehrer und Professoren, die bei der Auszählung geholfen haben, werden zur Falschaussage gezwungen.

Vor allem junge Menschen formieren sich zum Prostes, rufen aber auch zur Unterstützung der Betroffenen. Hunderte von Anhängern der Staatsrätin Aung San Suu Kyi und ihrer Nationalen Liga für Demokratie (NLD) wurden verhaftet.

Vor allem junge Menschen formieren sich zum Prostes, rufen aber auch zur Unterstützung der Betroffenen. Hunderte von Anhängern der Staatsrätin Aung San Suu Kyi und ihrer Nationalen Liga für Demokratie (NLD) wurden verhaftet.

Die Menschen sind verzweifelt, erschüttert und traurig.

Die Menschen sind verzweifelt, erschüttert und traurig.

Und so schlagen sie Tag für Tag, Abend für Abend die Töpfe und versuchen mit dem Krach der Töpfe gegen das Militär  aufzubegehren.

Und so schlagen sie Tag für Tag, Abend für Abend die Töpfe und versuchen mit dem Krach der Töpfe gegen das Militär aufzubegehren.

Studenten und Schüler schließen sich dem Protest an!

Studenten und Schüler schließen sich dem Protest an!

Auch in Yangon lebende Ausländer solidarisieren sich mit der Bevölkerung. Sie sind im Land ebenso gefangen wie die einheimische Bevölkerung. Denn derzeit ist das Land abgeriegelt, der Luftverkehr geschlossen.

Auch in Yangon lebende Ausländer solidarisieren sich mit der Bevölkerung. Sie sind im Land ebenso gefangen wie die einheimische Bevölkerung. Denn derzeit ist das Land abgeriegelt, der Luftverkehr geschlossen.

Weltweit formiert sich die Solidarisierungsbewegung mit den Menschen in Myanmar!

Weltweit formiert sich die Solidarisierungsbewegung mit den Menschen in Myanmar!

Bunter, fast malerischer Protest am Inle Lake im Norden des Landes. Inzwischen haben sich auch die Mönche dem Widerstand angeschlossen.

Bunter, fast malerischer Protest am Inle Lake im Norden des Landes. Inzwischen haben sich auch die Mönche dem Widerstand angeschlossen.

Die Männer der Nachbarschaft formieren sich, um die Sicherheit der Häuser und Wohnungen zu gewährleisten. Inzwischen schreckt das Militär nicht vor Hausdurchsuchungen und Festnahmen ohne jeden Beweis und Begründung zurück. Schwerverbrecher werden freigelassen, um zum einen Platz zu machen für die neuen Festnahmen. Aber auch um Wassertanks und Leitungen für den zivilen Gebrauch zu vergiften.

Die Männer der Nachbarschaft formieren sich, um die Sicherheit der Häuser und Wohnungen zu gewährleisten. Inzwischen schreckt das Militär nicht vor Hausdurchsuchungen und Festnahmen ohne jeden Beweis und Begründung zurück. Schwerverbrecher werden freigelassen, um zum einen Platz zu machen für die neuen Festnahmen. Aber auch um Wassertanks und Leitungen für den zivilen Gebrauch zu vergiften.

Seit dem Wochenende fahren Militärfahrzeuge und Panzer durch die Straßen von Yangon. Soe sendet fast täglich neue Berichte und Fotos. Das Militär schreckt auch vor Anwendung von Waffengewalt nicht zurück. Eine junge Studentin soll in der Hauptstadt Naypyidaw angeschossen wurden sein.

Seit dem Wochenende fahren Militärfahrzeuge und Panzer durch die Straßen von Yangon. Soe sendet fast täglich neue Berichte und Fotos. Das Militär schreckt auch vor Anwendung von Waffengewalt nicht zurück. Eine junge Studentin soll in der Hauptstadt Naypyidaw angeschossen wurden sein.

Und so sehen wir die Ereignisse in Myanmar

Ich hatte am Montagmorgen nach den Infos von Soe erst im chinesischen, dann bei uns im Internet vom Militärputsch gelesen. Aung San Suu Kyi und der amtierende Präsident wurden unter Hausarrest gestellt just an dem Tag, 1. Februar, an dem das neue Parlament das erste Mal zusammenkommen sollte. Im letzten November haben die Wahlen zum Sieg der NLD, der Nationalen Liga für Demokratie, die von Aung San Suu Kyi geleitet wird, geführt , und das war dem Militär ein Dorn im Auge, das automatisch mit 25% der Sitze im Parlament vertreten ist – aufgrund einer Verfassungsklausel – und die Kontrolle über alle Armee- und Sicherheitsministerien weiterhin hat. Das heißt, das Militär war eigentlich nie richtig weg, es hat sich im Hintergrund seit Einleitung des Demokratieprozesses gehalten, aber verschwunden war es nicht. Der Demokratieprozess mit Aung San Suu Kyi an der Spitze hat dazu geführt, dass mehr Investitionen ins Land kamen, dass die Verbindungen zum Ausland aufgebaut, die Wirtschaft entwickelt und vor allem auch der Tourismus vorangebracht wurden. Und das war in gewissem Maße auch im Sinn des Militärs, dass sich das Land modernisiert. Doch es kamen auch immer mehr Menschen aus dem Ausland nach Myanmar, aber auch viele Myanmaren hatten das Ziel, ins Ausland zu reisen. So auch unsere liebe Freundin Soe, die über die GIZ 2015/2016 neun Monate in Magdeburg weilte, Schulungen besuchte, Praktika absolvierte, an Veranstaltungen teilnahm und viel erfuhr über eine freie und offene Gesellschaft, über moderne Bildung und Erziehung. Sie war so angetan, dass sie sich sehr bemühte, einiges von dem, was sie hier erfuhr und gelernt hatte, nach Rückkehr in ihr Land in der Bildung und Erziehung der jungen Menschen umzusetzen. Das war nicht einfach, aber sie war optimistisch, und wir unterstützten sie. Denn der Kontakt zu Siegmund riss nicht ab, immer wieder sendete sie Whatsapps oder grüßte über Facebook. Im März 2016 war Siegmund in Yangon und traf sie und ihre Familie. Tief beeindruckt von den freundlichen und herzlichen Menschen und ihrem Optimismus kam Siegmund zurück und seit dieser Zeit planten wir einen gemeinsamen Besuch in diesem Land. Ich hatte bereits vor vielen Jahren den Film „The Lady“ über Aung San Suu Kyi gesehen und war von der Frau sehr beeindruckt. Dass ich so viel über ihr Leben wusste, freute Soe so sehr, dass wir gleich am ersten Tag in das Regierungsgebäude fuhren, in dem der Vater, General Aung San, und seine Mitstreiter, die damals nach der britischen Kolonialherrschaft eine demokratische Entwicklung planten, erschossen wurden. Damit war, das erfuhren wir beim Rundgang durch das Gebäude, die damalige Elite des Landes tot. Militärs mit wenig politischem Weitblick und Kenntnis übernahmen die Führung des Landesund gingen immer wieder grausam gegen die Bevölkerung vor. Unsere Soe berichtete immer wieder, wie sie als Kind den Putsch von 1988 miterlebte, der auch in dem Film über Aung San Suu Kyi sehr grausam beschrieben wird. Danach wurde Aung San Suu Kyi von den herrschenden Militär unter Hausarrest gestellt, sie erhielt in Abwesenheit den Friedensnobelpreis und wird bis heute in der Bevölkerung uneingeschränkt als Symbol für Freiheit, Offenheit, Aufgeklärtheit und Demokratie angesehen. Auch wir haben überall im Land überlebensgroße Plakate mit dem Konterfei von Aung San Suu Kyi gesehen. Auch ihr Schweigen zum Terror gegen die Rohingyas und die Verteidigung dessen in Den Haag, was ihrem Ansehen im Ausland nicht guttat, wird von der Bevölkerung geteilt und unterstützt. So haben wir es auf den Plakaten gelesen, so haben wir es von unseren lieben Begleiterinnen auf unserer Reise durch das wunderschöne Land erfahren. Aber vor allem haben wir viel Hoffnung und Zuversicht verspürt, auch wenn das Land weiterhin recht arm an moderner Wirtschaft, Verwaltung und Infrastruktur ist. Viel von dem, was erarbeitet wird, wird in die Tempel getragen, viel Arbeit wird in die Erhaltung der Tempel gesteckt. Immer wieder haben wir mit Soe diskutiert, dass es besser wäre, den Fleiß der Menschen dahingehend zu verwenden, dass das Land entwickelt wird. Und nun ist der gerade hoffnungsvoll begonnene Weg wieder unterbrochen. Zunächst nahm das Corona-Virus der Bevölkerung die Lebensgrundlage. Vielfach konnten die Menschen nicht mehr arbeiten, Soes Mann hat seine Taxi seit März letzten Jahres nicht mehr gefahren, Hilfen von der Regierung gab es nicht, das Gesundheitssystem ist vollkommen überlastet. Immer wieder schrieb sie, wie schwierig das Leben der ihrer Familie ist, vier Erwachsene und ein Kind in einer Zwei-Zimmerwohnung, wenn jegliches Verlassen nicht erlaubt ist. Hinzukam, dass das Lebensmittelangebot immer knapper wurde. Wir halfen ihr, als sie verzweifelt schrieb, auch sie habe nun kaum Einkommen, die Ersparnisse seien verbraucht. Doch diese Verzweiflung ist nichts gegen das, was sie jetzt über Whatsapp schrieb, das Militär mache ihr große Angst. Und auch wir haben Angst um sie und ihre Familie. Wir haben erfahren, wie brutal sie vorgehen können gegen „educated and open minded people“ , gegen Menschen, die sich zu freiheitlichen westlichen Demokratie bekennen. Wir denken an Soe und ihre Hoffnungen bezüglich einer akademischen Laufbahn in Myanmar, an ihre Tochter, die sie unbedingt zu einer gut gebildeten und offen denkenden jungen Frau aufziehen möchte. All diese Wünsche sind jetzt mit vielen Fragezeichen besetzt. Zwar formiert sich der Widerstand, Soe spricht vom civil disobedience, vom zivilen Ungehorsam. So begann gleich am Montagabend, zum Zeitpunkt der Ausgangssperre, ein lautes Töpfeklopfen auf den Balkons. Die „metal pot campaign“ wurde gestartet und im Internet verbreitet, damit die Bilder auch im Ausland gesehen werden können. „Soup not coup“ verlangen die Menschen und twittern, nachdem Facebook abgeschaltet wurde, das entsprechende Rezept: überschüssiges Militär abgießen! Inzwischen, so melden es auch die hiesigen Nachrichtensender, sollen sich viele Bevölkerungs- und Berufsgruppen dieser Bewegung angeschlossen haben. Sie verweigern ihren Dienst, gehen auf die Straße und demonstrieren für „ihre“ Aueng San Suu Kyi. Sie sitzt weiterhin allein im Hausarrest, auch die anderen zivilen Parlamentarier sind festgenommen. Aber nicht nur Politiker werden verhaftet, Schauspieler, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sind festgenommen. Vor allem junge Menschen sind in den Berichten aus Yangon auf den Straßen zu sehen. Dort, wo wir noch im letzten Jahr sorglos spazieren waren, herrscht jetzt Angst und Sorge. Unvorstellbar! Und wir befürchten auch, dass die Strukturen des Widerstands einfach zu schwach sind, als das sie durchschlagende Wirkung zeigen. Aung San Sau Kyi ist 75 Jahre alt. Wenn sie jetzt über Jahre wieder im Hausarrest verschwindet, wer kann sie ersetzen im Widerstand?! Vor allem jetzt, wo die Verbindung zur Außenwelt gekappt wurde. Und so im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht dieses Land auch nicht. Es ist nicht unbedingt strategisch wichtig für die westliche Welt. Für China schon, aber die chinesische Führung kommt sicher mit einer straffen zentralen Führung und stabilen Lage im Nachbarland gut zurecht.

in unseren Medien wird allerdings erstaunlich viel über die Entwicklungen in Myanmar berichtet. Gestern haben wir bei arte einen interessanten Hintergrundbericht gesehen, der vor allem Aufschluss über die Rolle und Position von Aung San Suu Kyi gibt. Als Tochter eines Generals mit großen Erfolgen im Unabhängigkeitskampf Myanmars habe sie eine gewisse Affinität zum Militär, zumindest bemühte sie sich um ein Zusammengehen, Kompromisse, sicher versuchte sie auch zu pokern. Das wurde ihr zum Verhängnis. Was ihre Rolle zum Terror gegen die muslimischen Rohingyas anbetrifft, so wurde in der Dokumentation ein interessanter Aspekt genannt: Als General Aung San in den 40er Jahren zum nationalen Kampf für die Unabhängigkeit gegen England aufrief, erklärten sich alle Nationalitäten bereit, außer den Rohingyas. Sie gingen ihre eigenen Wege. Das erklärt die Skepsis und Abneigung der meisten Myamaren gegen die muslimische Minderheit. Dass sie gegen myanmarische Institutionen und Polizeistellen vorgingen, wurde dann als Vorwand für die Vertreibung genommen. Frau Aung San Suu Kyi konnte sich gar nicht gegen die Maßnahmen der Militärs stellen, sie hätte die Unterstützung in der Bevölkerung verloren. Sie musste entscheiden, internationales Ansehen oder Rückhalt in der Bevölkerung und die Hoffnung auf eine politische Zukunft im eigenen Land. Sie hat sich entschieden, auch wenn die Weltöffentlichkeit ihr diese Haltung sehr übel nimmt, zumal sie auch noch Friedensnobelpreisträgerin ist. Aber so sind die historischen Fakten, sie geben uns oft Aufschluss über das Verhalten von Menschen und politischen Entwicklungen.

© Gundula Henkel, 2021
Du bist hier : Startseite Asien Myanmar Myanmar: Der Militärputsch erzürnt die Bevölkerung
Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 16.02.2021
Dauer: 10 Monate
Heimkehr: Dezember 2021
Reiseziele: Myanmar
Live-Reisebericht:
Gundula schreibt diesen Reisebericht live von unterwegs - reise mit!
Der Autor
 
Gundula Henkel berichtet seit 26 Monaten auf umdiewelt.
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