Auf Buddhas Pfaden: "You travel, you rich, you pay!"

Indien-Reisebericht  |  Reisezeit: Oktober / November 2008  |  von Adi Meyerhofer

Shimla

Shimla Toy Train (von Kalka 96 km Strecke, 1420 Höhenmeter)

Shimla Toy Train (von Kalka 96 km Strecke, 1420 Höhenmeter)

Ab 12.10.2008

Shimla war die Sommerhauptstadt von Britisch-Indien. Weil es unerträglich heiß wird, zog die gesamte Verwaltung samt Akten zweimal jährlich um. Im März hinauf und Ende Oktober wieder hinunter (bis 1911 von Kalkutta, dann aus New Delhi). Für die Provinzverwaltungen gab es ähnliche "Hill Stations," z.B. Darjeeling.

In Obergeschoß der "New Delhi Station" gibt es einen Sonderschalter (klimatisierte Lounge) für Ausländer. Man verkaufte mir jedoch ab der Umsteigestation Kalka nur 2. Klasse für den Shimla-Toytrain ("toytrain" = Schmalspurbahn im Gebirge). Was mir der Schalterbeamte nicht sagte war, daß in Shimla das jährliche Fest anstand, alles war ausgebucht. Bis zur Umsteigestation war die 2. Klasse erträglich. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, daß es noch einen 1. Klasse-Sitz vor Ort geben würde, dem war nicht so, der Schaffner wies mich in den überfüllten 2. Klasse-Waggon. Ich bin einfach die sechs Stunden stehend in der ersten Klasse geblieben. Der Schaffner (Fahrkarten auf reservierten Plätzen werden nur einmal kontrolliert) und ich haben mehrmals angestrengt aneinander vorbeigeschaut, wenn er bei Zwischenhalten am Bahnsteig am Waggon vorbeikam.

Blick auf Shimla.

Blick auf Shimla.

Als ich nach Einbruch der Dunkelheit ankam, gab es wegen des Festes keine Unterkünfte mehr. Ich mußte dann ein 4-Bett-Zimmer für 1100 Rs. nehmen. Mit dem Portier habe ich mich dann noch gestritten, weil ich zu doof war 100er und 1000er-Scheine auseinanderzuhalten. Ein Zeichen der Übermüdung.

Am nächsten Morgen bin ich dan in dem wunderschön entspannten Ort spaziert. Seit meinem Abflug in Frankfurt hatte ich aus Appetittmangel nun den dritten Tag nichts gegessen. Mir wurde vor Hunger plötzlich schwindlig -- die 500 m zum nächsten Straßenstand, wo es frittierte Toastscheiben mit Ei gab, fielen mir extrem schwer. Als nächste Dummheit gab ich einem beturbantem Bettler -- so glaubte ich -- vor dem Hotel meine ganze "Bettlerquote des Tages" 50 Rs. Tatsächlich war der Mann ein Sadhu ("Heiliger"), dem man für einen Segensspruch eine Münze in das mit Öl gefüllte Gefäß legte. Noch am Nachmittag traf mich sein Blick voller Verachtung ...

Ach, kann Kuscheln schön sein (Wahrscheinlich hat sich Pärchen nur gewärmt, es war im Wald auch um 9 Uhr noch etwas frisch).

Ach, kann Kuscheln schön sein (Wahrscheinlich hat sich Pärchen nur gewärmt, es war im Wald auch um 9 Uhr noch etwas frisch).

Der später stattfindende "Trachtenumzug" für den etliche Artisten angereist waren bot alles was man sich an Indien wünscht: Trommler, Elephanten, Kamele, Schwerttanz und alles sehr laut und bunt.

Säbeltanz beim "Trachtenumzug" (Okt. 2008)

Säbeltanz beim "Trachtenumzug" (Okt. 2008)

Shimla ist der Ursprungsort der "Nehru-Jacke" d.h. der ärmellosen Westen mit Stehkragen, die Jawaharlal Nehru praktisch immer trug. Korrekt heißen sie Shimla-Jacket (bzw. achkan oder sherwani, ) und sind in der wollenen Version für 120-150 Rs eine lohnende Investition für kühle Abende.

Bücher sind billig in Indien. Zahlreiche internationale wissenschaftliche Verleger geben verbilligte, nur in Indien erhältliche, Ausgaben ihrer Werke heraus. Andrerseits funktioniert der Raubkopien-Markt extrem gut. Weiterhin erhält man in "Antiquariaten" die Hälfte des Neupreises, zum ursprünglichen vollen Preis wird dann wieder verkauft. Wenn man ein altes Buch findet, zahlt man inflationsbedingt kaum etwas, denn es gilt der ursprüngliche Preis (Buchpreisbindung!).

In Shimla bin ich dann in den ersten Neubuchladen hinein, stehe vor dem Regal mit Biographien und -- auf Augenhöhe -- strahlt ER mich an: Zu haben für 2,50 € eine Raubkopie der englischen Übersetzung von Mein Kampf, inklusive Führerbild vorne und am Rücken!

Veranda eines Hauses auf den Hügeln über Shimla.

Veranda eines Hauses auf den Hügeln über Shimla.

Vormaliger Amtssitz des Vizekönigs, die Vice Regal Lodge.

Vormaliger Amtssitz des Vizekönigs, die Vice Regal Lodge.

Abendstimmung über Shimla.

Abendstimmung über Shimla.

Abendstimmung.

Abendstimmung.

Weiter gings per Nachtbus nach Westen.

© Adi Meyerhofer, 2013
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Reisebericht Indien 27.10.-25.11.2008 Route: Delhi - Shimla - McLeod Ganj, Dharamsala - Lumbini - Kathmandu - Bodhgaya - Varanasi/Sarnath - Sikkim - Kalkutta - (Andamanen, ausgefallen) - Darjeeling - Delhi.
Details:
Aufbruch: 27.10.2008
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 25.11.2008
Reiseziele: Indien
Nepal
Der Autor
 
Adi Meyerhofer berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.