Auf Buddhas Pfaden: "You travel, you rich, you pay!"

Indien-Reisebericht  |  Reisezeit: Oktober / November 2008  |  von Adi Meyerhofer

Dharamsala (MacLeod Ganj)

Persönliches Beratungsgespräch im Walde.

Persönliches Beratungsgespräch im Walde.

Dharamsala ist der Exilort des Dalai Lama. Der größtenteils von Tibetern bewohnte Ortsteil heißt MacLeod Ganj. Er liegt 400 Höhenmeter über Dharamsala. Hinauf geht es per Taxi vorbei an einer Kaserne ("cantonment") auf einer steilen Straße, die ich mir nicht fahren trauen würde. Mit dem Nachtbus runter war ich dann ob der Dunkelheit sehr froh.

In Dharamsala findet man viele im Vergleich zu den Hindus der Ebenen sehr entspannte Tibeter. Man wird deutlich seltener belästigt, die Infrastruktur ist schon sehr auf westliche Gäste angelegt. Was zum Vorteil hat , daß man auch eine anständige Tasse starken schwarzen Kaffees bekommen kann.

Unter den Touristinnen fallen zahlreiche mittelalterliche "Emanzen" auf, die sich ganz offensichtlich einen zwanzig Jahre jüngeren hübschen tibetischen Lustknaben halten. Dazu kommt noch die übliche Lonely-Planet bewaffnete Schar von Backpackern Mitte 20, die sich ohne ihr BUCH, allenfalls an Mammis Hand in die U-Bahn ihres londoner Vororts trauen würden. Man kann das aber vermeiden. Angenehmere Gesprächspartner sind dann die von den zahlreichen westlichen Entwicklungshilfeorganisationen entsandten Leute, die sich bemühen Sprache und Kultur zu lernen. Seine Heiligkeit war nicht vor Ort, der Andrang im Tempel, der an die Residenz (diskret, aber scharf bewacht von indischen Soldaten) anschließt, hielt sich in Grenzen.

Gebetsmühlen an der Nordmauer der Residenz des Dalai Lama, die man gefälligst nur im Uhrzeigersinn umschreiten sollte (45-60 min, durch teilweise schönen Nadelwald). Der im tibetischen Stil gehaltenen Tempel ist tagsüber frei zugänglich, bietet aber baulich wenig. Im Inneren mit Souvenir- und Buchshop.

Gebetsmühlen an der Nordmauer der Residenz des Dalai Lama, die man gefälligst nur im Uhrzeigersinn umschreiten sollte (45-60 min, durch teilweise schönen Nadelwald). Der im tibetischen Stil gehaltenen Tempel ist tagsüber frei zugänglich, bietet aber baulich wenig. Im Inneren mit Souvenir- und Buchshop.

"Opferkerzen" modern (mit Münzeinwurf).

"Opferkerzen" modern (mit Münzeinwurf).

Indisches Rentnerehepaar am BhagsuNag-Swimming Pool (kalte Mineralquelle).

Indisches Rentnerehepaar am BhagsuNag-Swimming Pool (kalte Mineralquelle).

In einem nahen Hotel fand die erste Wahl einer Miss Tibet statt. Diese Veranstaltung an einem derartigen Ort fand keine ungeteilte Zustimmung.

Wirklich gut bestückt ist der Bookworm-Bücherladen. Auch im Postamt ist man sehr professionell wegen der großen Zahl ins Ausland verschickter Päckchen. Beachte: Päckchen müssen in Indien eingenäht sein. Vor jedem Postamt sitzt ein Schneider, der das je nach Größe für 20-80 Rs. den Vorschriften entsprechend macht. Ansonsten sende man prinzipiell alles wichtige per Einschreiben, dann werden keine Marken aufgeklebt. Diese werden nämlich gerne vom Schalterpersonal wieder abgelöst und nochmal verkauft, der Brief wandert in den Müll (Das Porto eines 100g Briefs kann durchaus einen Tageslohn wert sein). Alternativ sollte man darauf bestehen, daß die Marke vor einem abgestempelt wird.

Im unteren Ortsteil, d.h. dem eigentlichen Dharamsala, befindet sich das Himachal Pradesh lokalgeschichtliche Museum, mit mäßiger aber nicht ganz uninterssanter Ausstellung. Eintritt für Inder 2 Rs., Ausländer 50 Rs. Wenn man in der nahen Busstation ein paar Stunden Aufenthalt hat lohnen sich 1-2 Studen Besuch, extra hinfahren muß man nicht.

Ende Oktober sah man die umliegenden Berggipfel schon mit Schnee überzuckert.

Sonderpreis für Ausländer: das 25fache, aber es gilt ja "you travel -- you rich! you pay!!"

Sonderpreis für Ausländer: das 25fache, aber es gilt ja "you travel -- you rich! you pay!!"

In Indien ein ausgesprochen seltener Anblick: Müllcontainer (Bhasunag Road, Okt. 2008)

In Indien ein ausgesprochen seltener Anblick: Müllcontainer (Bhasunag Road, Okt. 2008)

Der Nachtbus brachte mich nach Dehra Dun, wo sich im zweiten Weltkrieg ein KZ der Engländer befand, dort internierte man "feindliche Ausländer" zuvorderst Deutsche und Italiener getrennt in zwei Teillagern: Pro- und Anti-Nazi, in letzterem ironischerweise auch zahlreiche Juden mit deutschem Paß. Aus diesem Lager entkamen die Bergsteiger und SS-Angehörigen Heinrich Harrer und Peter Aufschnaitter nach Tibet. Zu sehen gibt es nichts mehr.

Bekannt ist der Ort noch wegen der 1929 gegründeten Doon-Schule. Das war die erste für Inder in Indien eingerichtete moderne Internatsschule nach Vorbild der public school zur Elitenbildung. Zahlreiche Spitzenpolitiker des unabhängigen Indien wurden hier ausgebildet. Sofern sie Memoiren veröffentlicht haben ist ihnen gemeinsam, daß sie sich an das Internat hauptsächlich wegen seines miesen Essens erinnerten.

Weiter mit der Bahn über Barreilly nach Lucknow. Die nahen Hindu-Pilgerorte Rishikesh (den Älteren bekannt durch die Beatles) und Haridwar habe ich ausgelassen. Wenn es kein Pilgerfestival gibt, ist dort außer dem Ganges nicht viel zu sehen. Für Yoga habe ich mit meinen zwei Zentnern auf 1,84 m und operiertem Knie nicht die Gelenkigkeit. Ich meditiere lieber gemütlich buddhistisch und unverrenkt.

Busfahrkarte.

Busfahrkarte.

© Adi Meyerhofer, 2013
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Reisebericht Indien 27.10.-25.11.2008 Route: Delhi - Shimla - McLeod Ganj, Dharamsala - Lumbini - Kathmandu - Bodhgaya - Varanasi/Sarnath - Sikkim - Kalkutta - (Andamanen, ausgefallen) - Darjeeling - Delhi.
Details:
Aufbruch: 27.10.2008
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 25.11.2008
Reiseziele: Indien
Nepal
Der Autor
 
Adi Meyerhofer berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.