Auf Buddhas Pfaden: "You travel, you rich, you pay!"

Indien-Reisebericht  |  Reisezeit: Oktober / November 2008  |  von Adi Meyerhofer

Varanasi (Benares) und Sarnath

Träge, sich ewig wandelnd, fließt der Ganges ...

Träge, sich ewig wandelnd, fließt der Ganges ...

Eine Unterkunft fand ich eher zufällig nahe dem Agoreshwar Ghat. Am Straßenrand war ein Verschlag in dem ein älterer Inder saß, der Massagen anbot. Die waren nicht mein Ding, aber er wies darauf hin, daß im Haus hinter ihm Zimmer zu haben seien. Zur Hochsaison waren die 150 Rs für ein von mir allein belegtes 3-Bett-Zimmer ein guter Preis, dem Besitzer, einem Brahmanen, der auch religiös tätig war, schien es weniger um Profit als um erträgliches Auskommen für sich und seine Familie gegangen zu sein. Service in dem Sinne gab es keinen, man traf sich eher ungezwungen im Hof des ehemaligen kolonialherrlichen Gebäudes (Ein- und Ausgang war durch den Massagesalon. Falls Kundschaft da war, was nicht öfter als einmal täglich der Fall zu sein schien, mußte man ggf. warten.)

Ganges des Abends.

Ganges des Abends.

Auf die Ruderbootfahrt, eigentlich de rigeur für Touristen, entlang der Ghats habe ich verzichtet. Zum einen hört man über die Schiffer fast nur Schlechtes, zum anderen halte ich es nicht für sensibel, trauernden Familien eine Kameralinse unter die Nase zu halten, oder nur mit Lendenschurz bekleidete Eingeborene beim Zähneputzen zu stören.

Ich habe mir allerdings ein kleines Schnapsfläschen (schwer zu bekommen, als Hinduzentrum ist Varanasi fast "dry") mit Wasser abgefüllt, das noch heute samt zahlreichen Schwebteilchen im Regal steht. Ich nehme an, sollte ich den Inhalt trinken, daß ich eine sofortige Wiedergurt als Kuh in Indien zu erwarten hätte.

Die Trinkwasser-Pumpstation, oberhalb der Stadt versorgt ganz Varanasi mit "Trink"Wasser. Die Verbrennungsstätten (ghats) sind etwas weiter flußabwärts.

Die Trinkwasser-Pumpstation, oberhalb der Stadt versorgt ganz Varanasi mit "Trink"Wasser. Die Verbrennungsstätten (ghats) sind etwas weiter flußabwärts.

Die "Essenz" Indiens wird -- auch wenn sie von Heiligen produziert ist -- nicht appetitlicher sofern man hineintritt.
(Getrocknet nicht nur Brennstoff im holzarmen Indien, oft auch Baumaterial.)

Die "Essenz" Indiens wird -- auch wenn sie von Heiligen produziert ist -- nicht appetitlicher sofern man hineintritt.

(Getrocknet nicht nur Brennstoff im holzarmen Indien, oft auch Baumaterial.)

Baumaterial beim Trocknen (Delhi, Jan. 1994)

Baumaterial beim Trocknen (Delhi, Jan. 1994)

Sarnath

Sarnath liegt etwa 20 km nord-östlich von Varanasi. Erreichbar ist es zwar per Bus, die Anfahrt per Tuk-tuk dürfte einfacher sein.

Eigentlich gibt es zu viel zu sehen, um nur einen Tagesausflug von Varanasi aus zu machen. Die Örtlichkeit, an der Buddha seine erste Lehrrede gehalten haben soll, war zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Vergessenheit geraten.

An der Renaissance war die Maha Bodhi Society, die auch einen gepflegten Tempel errichtet hat, maßgeblich beteiligt.

Dhamek Stupa

Dhamek Stupa

Nahe des Mahabodhi-Tempels hat man einen "Deer Park" eingerichtet, der als Vorbild im japanischen Nara gilt.

Dazu gibt es noch einen kleinen, netten Zoo, den die meisten Besucher zu übersehen scheinen.

Eintrittskarte für den Zoo von Sarnath (2 Rs., täglich ab 10 Uhr)

Eintrittskarte für den Zoo von Sarnath (2 Rs., täglich ab 10 Uhr)

Ein "Ganges-Krokodil" (Gavialis gangeticus) in Freiheit fast ausgestorben.

Ein "Ganges-Krokodil" (Gavialis gangeticus) in Freiheit fast ausgestorben.

Ein bunter Vogel ...

Ein bunter Vogel ...

Um den Mahabodi-Tempel hat man im Gelände die Stationen des Lebens Buddhas nachgestellt, teilweise mit Statuen wie der gezeigten, teilweise mit Schaufensterpuppen und naiven Wandmalereien. Für europäische Vorstellungen sehr simpel, fast primitiv.

Der Tempel ist einer von denen, wo es Bakshish-heischende "offizielle Schuh-Umdreherinnen" gibt. Die Anlage ist gepflegt. Die Dame am Buchstand (innen) hilfreich.

Der Buddha fast verhungert, bevor er den Milchreis des Dorfmädchens akzeptierte.

Der Buddha fast verhungert, bevor er den Milchreis des Dorfmädchens akzeptierte.

Diwali und Abreise

Diwali, das Lichterfest, ist eines der bedeutendsten Feste des Hindu-Kalenders, es geht über mehrere Tage, man wirft Feuerwerk und ist insgesamt sehr aufgekrazt. Schon Wochen zuvor begeben sich viele Inder zurück zu ihren Familien.

Ich war am letzten Tag, dem Höhepunkt, in Varanasi, fühlte mich aber zu bescheiden, um auch nur mein Zimmer zu verlassen. Vielleicht habe ich etwas versäumt ...

Der Versuch mittels Ausländerquote am Sonder-Schalter eine Fahrkarte zu bekommen, war abgesehen von einem Gespräch mit einer ebenfalls wartenden Französin und ihrer 19jährigen Tochter, nicht als Verschwendung von zwei Stunden. Am regulären Schalter gab es 2nd class sleeper vollkommen problemlos und innerhalb von 20 Minuten.

Im Gedächtnis geblieben ist mir noch ein Inder, der sich beim Mittagessen zu mir setzte und sein Englisch ausprobieren wollte. Er war ein "engineer" mit College-Ausbildung. Die Übersetzung "studierter Ingenieur" wäre hier falsch. Zum einen ist ein College in Indien keine Uni, sondern ein Institut der Sekundarstufe für 14-18jährige. Eher eine berufsvorbereitende (Fach-)Schule. Er war wohl ein maschinenbedienender Facharbeiter (was dort auch schon eine solide Ausbildung darstellt). Wir unterhielten uns ausgiebig über Bildungswesen in Indien und Europa und er war vollkommen baff, als ich erwähnte, daß ich, sollte ich meinen Sohn nicht in die Schule schicken, in letzter Konsequenz mit Gefängnis bestraft würde.

Bildung ist in Indien immer noch ein Privileg, in der Sekundarstufe (ab 7. Klasse) meist privat organisiert und kostenpflichtig, wobei 50 € Schulgeld pro Semester bei 6000 Rs. (ca. 100 €) Monatslohn eine gewaltige Belastung darstellen können. Für den tertiären Bereich gibt es Aufnahmeprüfungen, die oft sehr schwer sind. Die Alphabetisierungsrate ist im lange kommunistisch regierten südlichen Bundesstaat Kerala mit 94% am höchsten. Bihar (zwischen Varanasi und Kalkutta) ist der rückständigste Staat, dort begannen die Briten zuerst mit der kolonialen Ausbeutung (drain und permanent settlement) , wovon sich die Region bis heute nicht erholt hat.

© Adi Meyerhofer, 2013
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Reisebericht Indien 27.10.-25.11.2008 Route: Delhi - Shimla - McLeod Ganj, Dharamsala - Lumbini - Kathmandu - Bodhgaya - Varanasi/Sarnath - Sikkim - Kalkutta - (Andamanen, ausgefallen) - Darjeeling - Delhi.
Details:
Aufbruch: 27.10.2008
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 25.11.2008
Reiseziele: Indien
Nepal
Der Autor
 
Adi Meyerhofer berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.