Auf Buddhas Pfaden: "You travel, you rich, you pay!"

Indien-Reisebericht  |  Reisezeit: Oktober / November 2008  |  von Adi Meyerhofer

Bodhgaya -- Ort der Erleuchtung?

Bodhgaya besteht aus zwei Teilen. Zum einen, auf der Seite zum Fluß hin, den "indischen" Teil mit Markt, Post und Wohnhäusern. Auf der anderen Seite des Tempelkomplexes findet sich der weitläufige "internationale" Teil mit den Hotels, zahlreichen Tempel, die von Gläubigen der buddhistischen Länder gestiftet wurden, Museum usw.

Tongka von, meist ziemlich struppigen, Ponys gezogene Kutsche. Standardmäßig mit 3-5 Erwachsenen zusätzlich zum Kutscher besetzt.

Tongka von, meist ziemlich struppigen, Ponys gezogene Kutsche. Standardmäßig mit 3-5 Erwachsenen zusätzlich zum Kutscher besetzt.

Mahabodhi-Tempel

Bodhgaya, gilt traditionell als der Ort, an dem Buddha seine Erleuchtung erreicht haben soll. Mindestens seit dem 4. Jhdt. v.u.Z. gibt es dort einen vielfach umgebauten Mahabodhi-Tempel im hinduistischen Stil. Ab Ende des 19. Jahrhunderts gab es Streit zwischen dem (hinduistischen) Mahant, der diese einkommensstarke Pilgerstätte kontrollierte und buddhistischen Gruppen (von Ceylon kommend), die Mitspracherechte forderten. Seit 1949 ist der Tempel im Besitz einer buddhistischen Stiftung.

Mahabodhi-Tempel (2008)

Mahabodhi-Tempel (2008)

DER Bodhi-Baum (ficus religiosa), hinter dem Tempel unter dem Shakyamuni, die Erleuchtung zum Tathagatha erreicht haben soll.

DER Bodhi-Baum (ficus religiosa), hinter dem Tempel unter dem Shakyamuni, die Erleuchtung zum Tathagatha erreicht haben soll.

Innerhalb des ummauerten, gratis zugänglichen Tempels (Schuhe am Eingang gegen Nummer abgeben), befindet sich ein gutbestücktes Buchgeschäft. Zahlreiche tibetische Mönche haben ihre Holzpritschen aufgestellt. Man kann sie bei ihren unzählihgen Niederwerfungen beobachten. Mir ist nicht klar ob sie auch vor Ort schlafen.

Die anlage ist für indische Verhälnisse sehr gepflegt, auch mit Blumenbeeten um die zahlreichen Stupas. Die Terassen und der Rasen um den "Muchalinda Pond" (künstlichen See) wird von zahlreichen Meditierenden genutzt. Das unmittelbare Tempelareal ist ganztägig stark überlaufen, obwohl sich sogar die sonst sehr lauten chinesischen Tourgruppen zurückhalten.

Der jetzige Bodhi-Baum ist aus einem Ableger gezogen, den man aus Ceylon brachte. Der dortige wiederum soll von einem Steckling stammen, den der Bruder oder Sohn Ashokas im 3. Jhdt. v.u.Z. dorthin brachte.

Die unteren Äste sind so gestutzt, daß man sie nicht mit den Händen erreichen kann, sobald ein Blatt herabfällt findet sich ein Pilger, der es als Andecken mitnimmt.

Eine der zahlreichen Statuen in der Außenwand.

Eine der zahlreichen Statuen in der Außenwand.

Chinesische Nonne beim Umschreiten des Mahabodhi-Tempels.

Chinesische Nonne beim Umschreiten des Mahabodhi-Tempels.

Außerhalb des Tempels kann man die Geschäftstüchtigkeit der Einheimischen sehr schön beobachten. Es gibt einen außergewöhnlich lebhaften Pilgermarkt. Dabei zielt man sowohl auf indische als auch westliche Pilger ab. Rosenkränze, Buddhafiguren, "Meditationsmusik"-CDs in voller Lautstärke, Schneekugeln (!) usw. ad nauseam.

Dharmachakra ("Rad der Lehre") auf dem Weg zum Tempel.

Dharmachakra ("Rad der Lehre") auf dem Weg zum Tempel.

Eine der größeren Stupas innerhalb des Mahabodhi-Tempels.

Eine der größeren Stupas innerhalb des Mahabodhi-Tempels.

Anmache

Leider sind die Bettler in Bodhgaya wegen der zahlreichen Touristen extrem aufdringlich. Besonders lästig sind die (an sich bedauernswerten) zum Betteln abgerichteten Kinder. Wenige Europäerinnen können den glubschaugigen Bürschchen widerstehen.

Als ich am zweiten Tag aus dem Tempel zu meinem Hotel ging, mußte ich eine ca. 20jährige Litauerin retten, die den Fehler gemacht hatte einen 20 Rs Schein aus ihrem Geldbeutel zu nehmen. Sie war dermaßen von Kindern umlagert, daß sie keinen Schritt mehr machen konnte, andrerseits nicht wußte, wem sie nun den Schein geben sollte. Sie saß dann im Speisesaal -- erstmal in Tränen ausgebrochen -- mit mir im Hotel, bis die Bälger nach einer ¾ Stunde die Belagerung aufgehoben hatten und sie sich heim traute. Zwei Tage später sah ich sie nochmal versteckt auf unserer Treppe.

Daß den Einheimischen der negative Einfluß auf ihr Geschäft bekannt ist zeigt z.B., daß Absätze wie "For a non-Indian it is almost impossible to walk 20 m in the streets without being accosted. Approaching the precincts of the Mahabodi-Temple one understands why Jesus threw the the money-lenders out of the Temple in Jerusalem. Riksha-''Wallahs'' and the hordes of beggars, particularly the groups of children sent to beg instead of going to school, are much more persistent than in other places." von Wikitravel immer mal wieder gelöscht werden.

Bodhgaya ist und bleibt in Indien: Riksha, Kuh und Müll.

Bodhgaya ist und bleibt in Indien: Riksha, Kuh und Müll.

Eines Abends (meines viertägigen Aufenthalts) fiel mir vor einem der besseren Hotels ein Auto auf. Ein "Pick-up" mit Wohnaufbau aus geriffelten Edelstahlplatten (muß furchtbar heiß werden) und Berner Nummenschild. Das Auto hatte ich schon auf dem Weg nach Kathmandu vor meinem Bus gesehen. Als ich mir den Wagen näher ansah stieg gerade der schweizer Besitzer aus. Wir kamen ins Gespräch; seine Frau lag mit Magenproblemen und Fieber krank auf dem Zimmer.

Die beiden waren über Sibirien, China, den Karakorum-Highway nach Pakistan und von dort nach Indien und Nepal gefahren.

Es wurde noch ein ausgeprochen gemütlicher Abend als sich noch ein amerikanischer professioneller Photograph, der in Bangkok lebte, zu uns gesellte. Da Bodhgaya als "heiliger Ort" wie so viele indische Städte "dry" ist -- also kein Alkohol öffentlich ausgeschenkt wird -- hat mein Etagenkellner, der uns mit einigen Runden Bier versorgte, den Abend ein nettes Zubrot verdient.

Eingang zum tibetanischen Tempel.

Eingang zum tibetanischen Tempel.

Andere Tempel

Zahlreiche Gläubige haben in der Tradition ihrer Länder, besonders entlang der Domughan-Bodhgaya Rd., errichtet (dort auch 3 Banken zum Geldwechsel). Diese sind alle sehenswert, teilweise bieten sie auch kostenpflichtige Übernachtungsmöglichkeiten für Pilger.

Auffallend ist der Bangladeshi Tempel, ein in Kaugummi-rosa gehaltenes Bauwerk (2008 noch im Bau) und der japanische "große Buddha," dessen Auffahrt von zahllosen Postkartenverkäufern belagert wird. Im zugehörigen Indosan Nippon gibt es frühmorgendliche Meditationen.

Sehenswert ist auch das kleine archäologische Museum wenn man sich für Skulpturen interessiert.

Daibutsu, der große Buddha nach japanischem Muster.

Daibutsu, der große Buddha nach japanischem Muster.

Bodhisattva-Figuren in einem chinesischen Tempel in Bodhgaya.

Bodhisattva-Figuren in einem chinesischen Tempel in Bodhgaya.

Besonders innerhalb der Tempel bietet Bodhgaya zahlreiche Orte der Stille, die, ebenso wie die durchgehend gepflegten Anlagen zum längeren Bleiben anregen.

Tiefe Versenkung.

Tiefe Versenkung.

© Adi Meyerhofer, 2013
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Reisebericht Indien 27.10.-25.11.2008 Route: Delhi - Shimla - McLeod Ganj, Dharamsala - Lumbini - Kathmandu - Bodhgaya - Varanasi/Sarnath - Sikkim - Kalkutta - (Andamanen, ausgefallen) - Darjeeling - Delhi.
Details:
Aufbruch: 27.10.2008
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 25.11.2008
Reiseziele: Indien
Nepal
Der Autor
 
Adi Meyerhofer berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.