Auf Buddhas Pfaden: "You travel, you rich, you pay!"

Indien-Reisebericht  |  Reisezeit: Oktober / November 2008  |  von Adi Meyerhofer

Kalkutta

Kalkutta Tram. (Links oben Metro-Fahrkarte, unten Bus). 
Die Metro zeigte neun Jahre nach Eröffnung schon Indien-typische Verfallserscheinungen, sie wird von einer örtlichen Firma betrieben. Im Gegensatz dazu war die Metro in Delhi nach acht Jahren unter französischem Management in "europäischem" Zustand. An den Zugängen befinden sich in beiden Städten Durchleuchtungsgeräte wie am Flughafen, großes Gepäck darf nicht mitgeführt werden.

Kalkutta Tram. (Links oben Metro-Fahrkarte, unten Bus).

Die Metro zeigte neun Jahre nach Eröffnung schon Indien-typische Verfallserscheinungen, sie wird von einer örtlichen Firma betrieben. Im Gegensatz dazu war die Metro in Delhi nach acht Jahren unter französischem Management in "europäischem" Zustand. An den Zugängen befinden sich in beiden Städten Durchleuchtungsgeräte wie am Flughafen, großes Gepäck darf nicht mitgeführt werden.

Kalkutta ist die Hauptstadt von Bengalen. Politisch korrekt sagt man heute "Kolkata," das ist und bleibt für mich aber eine sehr delikate süd-indische Süßspeise.

[Hintergrundmusik, geeignet für die reiferen Leser: Vico Torriani - Kalkutta Liegt Am Ganges (1960)]

Über die Stadt existieren die übelsten Geschichten von Dreck und Anmache, auch in Reiseführern. Die Einwohner sind etwas dunkelhäutiger und meist etwas kleiner als durchschnittliche Inder. Die britischen Kolonialherren hielten die Bengalen für eine verweichlichte Rasse, die man keinesfalls in der Armee haben wollte. Der Anteil an Korangläubigen ist in West-Bengalen noch vergleichsweise hoch, viele siedeten aber 1947 ins damalige Ost-Pakistan (seit 1971 Bangladesh) um.

Ein Herr, den ich erst für einen Schlepper hielt und deshalb etwas rüde abfertigte, hat mich zu einem gerade noch erträglichen Hotel (300 Rs ohne TV und A/C) im Viertel hinter dem Bazaar (nahe Esplanade) gebracht.

"Am deutschen Wesen soll die Welt genesen."

"Am deutschen Wesen soll die Welt genesen."

Der Bundesstaat West-Bengalen und Kalkutta wurde (bis 2012) mehrere Jahrzehnte von demokratisch immer wieder gewählten Kommunisten regiert.

Es gibt daher:

  • ein funktionierndes Trambahnnetz

  • eine U-bahn, die aber nach 9 Jahren Betrieb Indien-typischen Verfall zeigte

  • halbwegs saubere Straßen

  • Taxifahrer, die anstandstlos die Uhr einschalten (!)

  • Ampeln, die nicht nur funktionieren sondern auch beachtet werden

  • alle paar Tage einen "bandh", d.h. Streik mit Demo, oft politisch motiviert

  • in der Hauptkasse der Elektrizitätsgesellschaft ein blumenumkränztes Leninporträt, das ihn im Stile eines Hindu-Gottes darstellt.

Die Howrah-Bridge (das BUCH behauptet seit Jahrzehnten es wäre strafbar diese Bauwerk zu photographieren. Mich hat der uniformierte Wärter am Fährableger herzlichst begrüßt.)

Die Howrah-Bridge (das BUCH behauptet seit Jahrzehnten es wäre strafbar diese Bauwerk zu photographieren. Mich hat der uniformierte Wärter am Fährableger herzlichst begrüßt.)

Die zweite große Brücke: Vidyasagar Setu (eröff. 1992)

Die zweite große Brücke: Vidyasagar Setu (eröff. 1992)

Noch in Delhi hatte ich mir einen Flug nach Pt. Blair auf den Andamanen gebucht, das ist zwar an sich ein Gebiet für das man ein Permit braucht, aber die sollte es bei Ankunft am Flughafen geben. Check-in war für 4.45 Uhr angesetzt. Also aus meinem Hotel gepflegt im Ambassador-Taxi durch das ausgestorbene Kalkutta zum Flughafen, wo - "this is India" - kein Flug angeschrieben war, den hatte man abgesagt. Umbuchen wollte man mich auch nicht, ich könne mir aber meine rund 90 $ im Reisebüro in Delhi (!) wieder holen (das gelang auch, ich verdiente sogar noch am Wechselkurs).

Die Qualität der Unterkünfte in Kalkutta ist generell unterdurchschnittlich. Dies ist die Rückseite des YMCA, seit Jahrzehnten vom BUCH empfohlene Backpacker-Unterkunft. (Die Zimmer sollen innen nicht viel anders aussehen, selber drin war ich nicht.)

Die Qualität der Unterkünfte in Kalkutta ist generell unterdurchschnittlich. Dies ist die Rückseite des YMCA, seit Jahrzehnten vom BUCH empfohlene Backpacker-Unterkunft. (Die Zimmer sollen innen nicht viel anders aussehen, selber drin war ich nicht.)

Sudder St

Also wieder ins Hotel (Shams International hinter der "Sudder Street"), mein Zimmer war um 9 Uhr früh eh noch nicht geputzt. "Just as well" wie der Engländer sagt, denn am Nachmittag begann der "Delhi belly" ernsthaft. Die nächsten drei Tage bin ich zwischen Bett und WC hin- und hergekrochen, weitere drei Tage kaum gegessen. In einer Woche habe ich etwa acht Kilo abgenommen.

Könnte stimmen

Könnte stimmen

Witzig war dann, als ich meinen bestellten maßgeschneiderten Anzug abholen wollte. Bei der Anprobe waren die Hosen deutlich zu weit. Der Chef murmelte etwas von der Art "was hat der Trottel denn gemessen" vor sich hin. Er konnte nicht glauben, daß man in 10 Tagen so viel abnehmen kann. Barkat Ali & Bros. sind bestimmt nicht die billigsten Schneider (4,5 m Stoff "made in Italy" für Sakko + 2 Hosen hatte ich schon in Kathmandu gekauft), alles zusammen machte 150 € und gehandelt wurde nicht. Die Qualität ist gut, die Bedienung könnte freundlicher sein.

Eintrittskarte zum Indian Museum. Ausländer zahlen hier freundlicherweise nur das dreifache, bekommen dafür aber diese schöne bunte Karte, während Einheimische nur ein rosa Zettelchen erhalten. Innen zahlreiche Räume mit Wasserschäden, rund ein Drittel ganz geschlossen.

Eintrittskarte zum Indian Museum. Ausländer zahlen hier freundlicherweise nur das dreifache, bekommen dafür aber diese schöne bunte Karte, während Einheimische nur ein rosa Zettelchen erhalten. Innen zahlreiche Räume mit Wasserschäden, rund ein Drittel ganz geschlossen.

Mutter Teresa

Erwähnenswert ist noch das Fairlawn Hotel -- (renoviert 2010) ähnlich wie das Atlanta in Bangkok -- eine Institution für diejenigen, die sich nicht scheuen ab und zu etwas Kolonialherren-Dekadenz zu genießen.

Das Gartenrestaurant ist der richtige Ort für einen traditionellen Sundowner (Pink Gin). Nun war ich für ein Bierchen (trinkbar ist in Indien besonders Kingfisher) zu krank. Aber eine Kanne schwarzen Tees ohne Milch im kühlen Garten war abends sehr angenehm.

Dort traf ich einen Franzosen, der seit Jahren seinen Urlaub als Helfer bei Mutter Teresa verbringt. Er hat mich über die Verhältnisse etwas aufgeklärt. Man sammelt weniger "die Sterbenden" ein, sondern eher arme Schweine, die auf der Straße leben und päppelt die etwa 14 Tage auf, versorgt sie medizinisch usw. Das ist in einem Land ohne soziale Sicherung auch eine große Hilfe.

In diesem Zusammenhang interessant ist Doku Welcome to India (engl., 58 min), die kapitalistische Selbstausbeutung in rosigen Farben glorifiziert. Einer der Dargestellten lebt davon, daß er nachts im Goldschmiedeviertel den Staub zusammenkehrt und in die Kanalisation durch Schlamm und Scheiße taucht, aus der gewonnenen Masse Mist dann 2-3 g Gold pro 80 kg herausbekommt. Man betrachte auch das gegen Ende der Doku gezeigte in seinen Augen luxuriöse Wohnquartier. (Der Mensch ist des Menschen größter Feind ...)

"Brüder zur Sonne, zur Freiheit!"

"Brüder zur Sonne, zur Freiheit!"

Bevor ich mir die Fahrkarte nach Norden besorgte, habe ich versucht nach Bangladesh zu fahren. Theoretisch gibt es eine Zugverbindung (2x pro Woche), die an einem besonderen Schalter nahe des Hauptpostamts gebucht werden kann (Vgl. Maitree Express Train). Es gibt nahe dem Hauptpostamt (mit Sammlerschalter und kleinem sehenswertem Postmuseum) ein "International Booking Office" (der Hbf Howrah ist am anderen Flußufer) von dem ich abraten möchte.

Die Beratung war so schlecht, daß ich das einzige Mal zum "complaint book" greifen mußte. Gebracht hat es nichts, weniger weil kein Sitz zu bekommen war, sondern weil die Bangladeshis mit ihrem Visum einen solchen Zirkus machen, daß ich bei einem dreitägigen Ausflug nach Dhaka zwei im Zug und einem am Amt (für die Wiederausreiseerlaubnis 20 US$ zusätzlich zum Visum) gebraucht hätte.

Zwei Straßen weiter ist etwas versteckt ein lokales "booking office" mit über 20 Schaltern, das auf inländische Fernzüge spezialisiert ist. Dort ging es bedeutend flotter, nur eben ohne "quota," die man angesichts der zunehmenden Computernutzung eh kaum noch braucht.

Weiter ging es nach Sikkim, zunächst per Zug nach Siliguri, einer Stadt mit 7 Millionen Einwohnern, die in Deutschland kaum einer kennt. Der Bahnhof ist südlich und heißt NJP. Gepäckträger und Schlepper erschienen mir noch aufdringlicher als andernorts. Auf dem Vorplatz gibt es eine Reihe Freßbuden, die sich im australischen Stil sämtlich "Hotel" nennen. Sie haben weder Zimmer noch Toiletten. Zwei Mittelklasse-Hotels finden sich rechter Hand des Platzes (etwa 30 m die Straße rein).

© Adi Meyerhofer, 2013
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Reisebericht Indien 27.10.-25.11.2008 Route: Delhi - Shimla - McLeod Ganj, Dharamsala - Lumbini - Kathmandu - Bodhgaya - Varanasi/Sarnath - Sikkim - Kalkutta - (Andamanen, ausgefallen) - Darjeeling - Delhi.
Details:
Aufbruch: 27.10.2008
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 25.11.2008
Reiseziele: Indien
Nepal
Der Autor
 
Adi Meyerhofer berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.