Indien-Reisebericht :Zum Jahreswechsel nach Südindien

Busfahren

Mit dem Bus unterwegs zu sein war gar nicht so übel, wenngleich man mich nach einer längeren Nachtfahrt am nächsten Tag den Hasen geben konnte. Vielleicht gibt es aber auch noch einen Busfahrer der statt Bollywood eine CD von Canned Heat einwirft.

Vor der Online-Buchung schreckte ich zurück, ich dachte mir die Hotels werden die lokalen Möglichkeiten am ehesten kennen. Oder man erkundigt sich direkt am Busbahnhof. Für die 1000km von Madurai nach Tirupati benötigten die Busse gute 27 Std. Die Tickets kosteten mich insgesamt 2300Rs (30Euro), inklusive des Hotelzuschlags für die Buchung. Bei den lokalen Bussen bekam ich das Ticket im Bus.

Wegen meiner oft kurzfristigen Buchungen war im Sleeper-Bus nichts mehr frei, bzw. wurde gesagt die Schlafkabinen seien mir zu kurz. Die 2 grösseren Teilstrecken bin ich mit dem Semisleeper-Bus gefahren, wurde auch als AC-Bus betitelt. Man kann die Sitze weit nach hinten stellen und hat ordentlich Beinfreiheit. Wird es nachts kühl bekommt man eine Decke. Die Busse waren zu 2 Drittel belegt, lediglich entlang der Küste zwischen Kozhikode und Kannur gab es nicht genügend Sitzplätze, das waren dann auch lokale Busse, die meist stärker belegt waren. Vielleicht sollte man auch Wochenende und Feiertage meiden, da sind mehr Inder unterwegs.

Da ich das Glück hatte meist dicht hinter dem Fahrer zu sitzen konnte ich den Verkehr gut beobachten. Was man vielleicht auch als Unglück bezeichnen kann wenn es spät abends ist und man einschlafen sollte. Man fährt mit weniger Abstand als in Deutschland, und verlässt sich sehr darauf dass das Radardsystem des anderen Verkehrsteilnehmers funktioniert. Was auch immer der Fall war, dennoch scheint mir das Unfall-Risiko im indischen Verkehr grösser zu sein als in Deutschland. Ein Problem sind die Mopedfahrer, oftmals noch mit Beifahrer unterwegs. Diese fahren auf der Schnellstraße auf der linken Spur. Zwar nimmt die Lautstärke der Hupe mit der Fahrzeuggröße zu, aber auch die Mopedfahrer wissen sich zu wehren wenn der Bus sie in Bedrängnis bringt. Da überholen sie wieder und zeigen dem Busfahrer schon mal den Stinkefinger. Nur einmal befuhr ich eine Strecke auf der es links und rechts noch einen Fahrstreifen für langsamere Fahrzeuge gab.

Auf längeren Strecken gab es tagsüber alle 2-3 Stunden Zwischenstopps. Einmal ging es zur Toilette in den Busch.

Die Speedbreakers – Fahrbahnerhöhungen zur Entschleunigung des Verkehrs – gibt es auch in Südindien, meist in den Städten, natürlich nicht auf den Schnellstraßen.

Die Busbahnhöfe haben zuweilen eine ordentliche Größe. Ich bin jetzt in Tirupati, das ist die Ausgangsstation für die täglichen 50000 Pilger die mit dem Bus hochfahren in das 18km entfernte Tirumala. Alle 2 Minuten fährt ein Bus ab. Der Beamte am Ticketschalter empfahl mir eine Rückfahrkarte, weil sie mit 96Rs etwas günstiger ist als 2 Einfach-Fahrten.

unterwegs im lokalen Bus von Tirupati nach Sri Kalahasti

unterwegs im lokalen Bus von Tirupati nach Sri Kalahasti

am Busbahnhof von Kannur

am Busbahnhof von Kannur

© Walter Wolf, 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Beeindruckende Tempelbauten und 30 Grad im Januar. Dazu die Aussicht auf ungewohntes Essen und wohl auch seltsame Bräuche weckten mein Interesse für den Süden Indiens.
Details:
Aufbruch: 13.12.2017
Dauer: 8 Wochen
Heimkehr: 08.02.2018
Reiseziele: Indien
Der Autor
 
Walter Wolf berichtet seit 3 Jahren auf umdiewelt.
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Walter über sich:
Jetzt in der Rente habe ich Zeit zum Reisen. Dies kombinier ich meist mit einem Schachturnier.