Ägypten - Jordanien

Reisezeit: August / September 2008  |  von Thomas K.

noch eine Woche Dahab

13.9

Ich gehe in die Stadt, um ein Ticket nach Nuwaiba zu kaufen. Leider gibt es kein Speedboat und ich muß die langsame Fähre nehmen, die gut drei Stunden für die Überfahrt braucht. Abfahrt soll laut Ticketbüro um 14 Uhr sein. In der Stadt kaufe ich noch ein paar Palästinensertücher und etwas Verpflegung für die Reise, bevor es in einem der weißen Taxis zum Hafen, der etwas außerhalb der Satd liegt geht.

Aus dem Wagen vor mir steigt ein großer, schlanker, hellhaariger, Typ, vielleicht Mitte 20. Er ist Deutscher und heißt Matthias. "Ich hab eigentlich gedacht du bist Syrer oder so." meint er zu mir. Egal, was er gedacht hätte, Hauptsache ich habe auf der Fahrt jemanden, mit dem ich mich unterhalten kann. Die Ausreiseformalitäten verlaufen reibungslos, doch sagt man uns, die Abfahrt sei erst um drei. Wie oft sich diese schon verzögert hat und noch verzögern wird kann man nur ahnen und das beste hoffen. Zwei Englischen Tuoristen hatte man gestern beim Ticketkauf von zwölf erzählt.

Wir gehen aufs Oberdeck und nehmen auf einer freien Holzbank Platz. Ein Dach schützt vor der sängenden Sonne, aber die Seiten sind offen und ein angenehm warmer Wind bringt frische Luft. Matthias erzählt von seinem Aufenthalt in Israel. Jerusalem und Tel Aviv sollen wirklich tolle, beeindruckende Städte gewesen sein, die Israelis selbst aber unhöflich und geldgierig. Außerdem ist alles recht teuer. Drei Uhr ist längst vorbei doch noch immer steht drausen der gleiche bunte Containerhafen wie vor zwei Stunden. Die Passagiere scheint das nicht weiter zu stören. Völlig unbeeindruckt halten sie einen Tratsch, dösen vor sich hin oder spielen mit dem Handy. Von irgendwoher dudelt Arabische Musik. Zwei Kinder jagen sich zwischen den Bänken und werfen ein Gepäckstück um, ein Araber flucht. Wer sind all die Reiseden? Wo kommen sie her? Wo wollen sie hin? Was ist der Grund ihrer Reise? Sind es Jordanier oder Ägypter? Auf all diese Fragen werden wir nie eine Antwort bekommen, wir können nur mutmaßen und rätseln, doch auch das bringt uns nicht weiter.

Die Sonne steht schon tiefer und wirft längere Schatten. Bewegen sich da nicht eben die Container? Tatsächlich, sie bewegen sich! Um halb sechs legen wir tatsächlich ab. Der Hafen, Aqaba und die Hochhäuser von Eilat verschwinden allmälich und verschmelzen bald mit dem Horizont. Wie ein großer, roter Feuerball geht die Sonne über dem Sinai unter und taucht die Saudische Seite in ein malerisches Abendlicht. Mit blecherner Stimme dröhnt der Muezzin aus einem alten Lautsprecher und ruft zum Abendgebet. Einige kommen dem nach und steigen dazu sogar über die Reling, hinter der noch ein knapper Meter Platz ist, bevor es senkrecht nach unten geht. Dann ist Zeit zu essen, worauf alle so geduldig gewartet haben. Deckchen werden ausgebreitet Picknick ausgepackt, in allen Ecken knistern und rascheln Plastiktüten. Der Vater der Familie, die gegenüber von uns gesessen hat, ein älterer Herr mit grauem Dreitagebart, gibt uns mit einer Handbewegung zu verstehen ,dass wir uns zu ihnen setzen sollen. Wir nehmen im Schneidersitz am Boden Platz. Es gibt dünnes Fladenbrot, weicher Schafskäse, Tomaten und Gurken. Niemals würde ein gläubiger Muslim den Anderen beim Essen zusehen lassen. Schnell ist es ganz dunkel geworden und Meer, Land und Himmel unterscheiden sich nur noch schwach in verschiedenen düsteren Grau- und Blautönen. Es dauert noch eine ganze Weile, bis die Lichter einer größeren Stadt erscheinen. Die Fähre verharrt jetzt am Fleck und dreht sich. Mal sind die Lichter auf der einen, dann wieder auf der anderen Seite zu sehen. Wir beschließen schon langsam nach unten Richtung Ausgang zu gehen, um später nicht allzu lange warten zu müssen. Die Lichter sind nun ganz nah und durch ein Bullauge sind deutlich die Masten der Hafenbeleuchtung zu erkennen. Nach und nach kommen mehr Leute. Dunkle, südländische, arabischsprechende Leute mit Plastiktüten und Reisetaschen in den Händen, gefolgt von quängsenden Kindern, doch niemand weiß, wo der Ausgang ist. Von der Besatzung fehlt jede Spur, als habe sie das Schiff schon vorzeitig verlassen. Eine ganze Weile tut sich nichts, bis ein kleiner, breitschultriger Wichtigtuer alle aufs Achterdeck scheucht. Wie die Rinder auf der Weide stehen die Reisenden da und schauen auf den toten Platz unterhalb der Reling, als haben sie noch nie einen Hafen gesehen. Hier befinden sich auch die Zugänge zu den Klos. Ekliger Gestank dringt aus der Tür, wenn sie jemand öffnet. Eine gute halbe Stunde tut sich nichts. Langsam werde ich ärgerlich, sehr ärgerlich. Ich ziehe los, gehe durch die leeren Gänge und schaue, ob sich nicht irgendwo ein Crewmitglied befindet, um zu fragen, was nun los ist und was das soll. Doch es ist niemand da. Dabei bleiben mir auch die Blicke in die einfachen Schlafkabinen mit Stockbettkojen, die nicht gerade einladend wirken, nicht verborgen. Ein junger Mann mit Baby auf dem Arm kommt und fragt was, wahrscheinlich, wo der Ausgang ist.

Unterdessen hat Matthias Bekanntschaft mit zwei Jungs aus England gemacht, die heute noch nach Dahab wollen. So können wir uns ein Taxi teilen und die Kosten drücken. Wenn uns heute noch ein Taxerer über den Tisch ziehen sollte, hau ich dem eins auf die Schnauze. Endlich kommt Bewegung in die Meute. Wir dürfen vom Schiff. Ein alter Bus mit ausgefranzten Sitzen wartet schon und bringt uns zum Hafengebäude. "You're welcome!" grüßt einer der wartenden, als ich aussteige,"where are you from? Urdun, Suri, Kurdi, Turki?"

Zum Glück gehen die Einreiseformaliträten schnell von statten. Wir verabschieden uns von Matthias, er will in Nuwaiba bleiben. Die zwei Engländer und ich finden gleich ein Taxi. "58 Pfund per person!" sagt der Fahrer und führt uns mit eiligen Schritten zu seinem Hiace-Kleinbus. Eine erste böse Vorahnung flammt in mir auf. In einem nahen Supermarkt kaufen wir Getränke und zu knabbern für den Abend. Ob es nicht mehr Fahrgäste nach Dahab gibt, will der Fahrer wissen, als wir wieder im Auto sitzen. Sonst kostet die Fahrt 150 Pfund. "You said 58!" meint einer der Engländer verärgert. "Das gilt nur für den vollbesetzten Bus". "180 all together. "400." "180 all togehter." sage ich noch einmal bestimmt. Wir überlegen, was wir nun tun sollen. "Let's try to find another Taxi!"sage ich schließlich an die beiden Engländer gerichtet, so dass es auch der Fahrer deutlich hören kann, und mache eine Bewegung als wolle ich aufstehen und meine Tasche greifen. "180 O.K.!" gibt der Fahrer nach und macht schnell die Tür zu, bevor wir es uns anders überlegen.

Gegen halb zwölf erreichen wir Dahab. Das Hotel der Engländer liegt vor meinem auf dem Weg, sie geben mir beide 60 Pfund und steigen aus. Der Fahrer beschwert sich, dass es kein Trinkgeld gegeben hat. "Das ist typisch englisch," meint er verärgert, "die geben nie Trinkgeld."

Ich bekomme ein anderes Zimmer, mit gleicher Ausstattung, nur dass der Kühlaschrank fehlt. Morgen muß ich sowieso zu Sandra und mein Gepäck, was ich hier gelassen habe wieder abholen. Dann werde ich sie darauf ansprechen.

"Was?" meint Sandra empört, als ich ihr von dem Kühlschrankproblem berichte, "das müssen wir sofort ändern." und schon hat sie den Telefonhörer in der Hand. Ich erzähle noch ausgiebig von Jordanuien und kurze Zeit später bringen zwei junge Bedienstete einen Kühlschrank auf meiun Zimmer.

Jetzt beginnt eine geruhsame, entspannende Woche, ohne sonderliches Programm. Ich bleibe faul am Pool liegen, gehe hin und wieder die wenigen Meter ans Lighthouse zum Schnorcheln. Nachmittags treffen Peter und Iris aus Mannheim und Steffi ein. Wir amüsieren uns über den Engländer, wie er im Pool schnorchelt, oder breit, mit ausgestreckten Armen die ganze Treppe blockiert. Dann steht er auf, steigt aus dem Pool und sprüht genüsslich seinen geröteten Körper mit Sonnenmilch ein. Parfümgeruch verbreitet sich über die ganze Poolarea. Wir nehmen an, dass es sich um einen Fussballhooligan handelt, der nur ins Stadion geht, um nach dem Match gegnerischen Fans auf die Fresse zu hauen, aber vielleicht täuschen wir uns auch und es ist der friedlichste Mensch, der nur ein paar komische Angewohnheiten in Sachen schwimmen gehen hat.

Eines Nachmittags kommt Peter mit der schrecklichen Nachricht, dass im Süden des Landes, nahe Assuan, eine deutsche Touristengruppe entführt worden sei. Abends treffen wir uns gewöhnlich und gehen zusammen in eines der netten Restaurants im Ort. Man kann dort gut und günstig essen und sitzt häufig wie die Einheimischen an niedrigen Tischen im Schneidersitz auf kleinen Matratzen. Der Boden ist mit vielfarbigen Teppichen ausgelegt. In einer anderen Ecke hockt ein junges Pärchen und raucht eine Shisha. Die Kellner sind freundlich und es werden als Vorspeisen reichlich Köstlichkeiten wie Hummus, Tahina oder Baba Ganoush gereicht. Den Rest des Abends verbringen wir meistens in einer Kneipe mit erzählen und ein, zwei Flaschen Bier. Bald kommt für die ersten der Tag der Abreise und auch mir bleiben nur noch wenige Tage, im sonnigen, warmen Ägypten, bevor es in nasse, kalte Deutschland zurück geht, wo ein langer grauer Winter bevor steht und man nicht weiß, wie mau der nächste Sommer ausfallen wird.

Ägypten und Jordanien haben mir sehr gefallen, obwohl ich nur einen kleinen Teil der vielen Sehenswürdigkeiten besuchen konnte. Schade ist nur, dass man keinem Händler oder Taxifahrer trauen kann. Bei der Abreise warnt Sandra mich vor dem Flughafen in Cairo. Es gibt drei Terminals, aber keine modernen Laufbänder wie in Frankfurt, Istanbul oder Amsterdam. Findige Cairoer bieten den Service an, Reisende, die beim Umsteigen den Terminal welchseln müssen, zu fahren und drehen einem für 20 Meter ein teures Taxi an. Ich habe aber Glück und der Flug nach Amsterdam geht vom gleichen Terminal, an dem ich von Sharm-el-Sheikh ankomme.

© Thomas K., 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Cairo - Assuan - Luxor - Hurghada - Dahab - Aqaba - Petra - Wadi Rum - Dahab
Details:
Aufbruch: 29.08.2008
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 22.09.2008
Reiseziele: Ägypten
Jordanien
Der Autor
 
Thomas K. berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.