Russland-Reisebericht :2002 - Reise nach St. Petersburg

Russland - wir kommen!

5. Tag / 31.7.2002

Um 0530 h war Tagwache! Frühstücken, aufräumen - vor uns lag eine Strecke von 180km nach Narva, dem Grenzort Estland/Russland. Um 1000 h standen wir am Schlagbaum der Grenze! Wir waren die einzigen Ausländer weit und breit, der Zollbeamte versuchte uns zu erklären, dass wir da nicht ganz richtig seien! Aus einem Bund verschiedener Papiere suchten wir die in Deutsch gehaltene Erklärung heraus.
Es gab ein neues Zollabfertigungsverfahren! Na also - wir mussten zurückfahren bis zu einer bestimmten Shell-Tankstelle, dann links abbiegen, nach 500m nochmals links in den Zollhof einbiegen. Bei der Einfahrt in den Zollhof erhielten wir einen Metall-Jeton mit einer Nummer drauf, anschliessend wurden wir in eine wartende Autoreihe eingewiesen. Um 1015 h wurde geparkt!

Narva 2002 - Wartende Autokolonne zur
Zollabfertigung

Narva 2002 - Wartende Autokolonne zur
Zollabfertigung

Niemand konnte uns erklären, wie die Abfertigung vor sich gehen sollte. Doch irgendwie mussten wir zu einem grünen Ticket kommen!
1115 h / 1215 h / 1315 h - nichts bewegte sich. Warten war angesagt. Ob wir das heute wohl noch bis St. Petersburg schaffen würden? Die wartenden Leute lümmelten umher, putzten irgendwas am Auto oder versuchten ein Nickerchen im Wagen. Zeitvertreib! Unsere Unruhe wuchs zusehends. Die Willkür der Zollbeamten war spürbar - "Gott erschuf die Zeit, von Eile sprach er nicht!"

Narva 2002 - Warten und Zeitvertreib im Zollhof (border pass)

Narva 2002 - Warten und Zeitvertreib im Zollhof (border pass)

1415 h - erste Bewegungen nach vorne! Die ersten Autos fuhren weg! Ah, so geht das - die Fahrer der vordersten 5 Autos gingen zum Zollhäuschen, hielten dem Zöllner den Metall-Jeton hin, damit es schön der Reihe nach geht, bezahlten 15 estnische Kronen (vermutlich - damit man das Land verlässt!), dann erhielt man das grüne Ticket, zurück zum Auto und wenn sich der Schlagbaum öffnete, Abfahrt aus dem Zollhof. In irrem Tempo verfolgte ich meinen Vordermann, damit ich die richtige Strecke durch die Stadt nahm und wer sagt's, wir standen wiederum vor einem Schlagbaum. Endlich öffnete sich das rot/weisse Ding - wir fuhren in den eigentlichen Zollhof ein und waren bereit für die Ausreise nach Russland! Kontrolle der Papiere und Dokumente, Nummernvergleich, alles wurde in den Computer ganz ordentlich eingegeben. Ob das wohl irgendeinmal jemand lesen resp. kontrollieren wird? Anschliessend erfolgte die Wagenkontrolle! Motorhaube öffnen, Türen öffnen! Endlich war alles o.k. - wir konnten ausreisen. Doch die Reise dauert nicht allzulange!
Auf einer Brücke stehend, warteten wir diesmal auf einen weissen Zettel, den nur die ersten zwei Wagen jeweils erhielten! Endlich öffnete sich die Barriere auch für uns und wir durften in den russischen Zollhof einfahren. Das ganze Prozedere wiederholte sich! Stufe 1: Pass- und Visumkontrolle
Stufe 2: Wagenkontrolle, Stufe 3: Devisen- und Handy-, Kamera-, Video- und "weissichwas"deklaration ausfüllen, alles wurde fein säuberlich in den PC eingetippt und Stufe 4: Eine junge hübsche Dame winkte mir seit längerer Zeit zu und ich fragte mich, warum? Ich gab Thomas ein paar Anweisungen, begab mich zur hübschen Dame - follow me - und wir verschwanden gemeinsam in einem Büro! KGB?? Verhör?? Nichts dergleichen! Ich musste lediglich für Russland eine Versicherung abschliessen, was mich für 2 Wochen in US$ 11.50 kostet!
Zurück beim Auto war der ganze Vorgang korrekt abgeschlossen, wir durften aus dem Zollhof ausfahren. Es war mittlerweile 1615 h und wir fuhren langsam los!

Russland - wir kommen!
Zuerst mussten wir uns "Rubel-Scheinchen" erwerben. Bei einer Häuserzeile erspähten wir das berühmte Wort "Change" - nichts wie hin! Auf der Strasse sprach mich einer auf einem Fahrrad an, ich gab ihm 50 Dollar zum Wechseln und erhielt 310 Rubel dafür. Das brachte mir prompt einen Rüffel von meinem Sohnemann ein, weil wir ausgemacht hatten, nicht auf der Strasse Geld zu wechseln. Na ja, wenn das nur gut geht! Nochmals: Russland wir kommen - doch eher langsam! Nach einigen 100 Metern wurden wir angehalten: Militärpolizei! Ausweiskontrolle! ok. Russland wir kommen! Wiederum nach einigen 100 Metern hielt mich diesmal ein Miliz-Polizist an! Und der zeigte mir doch gleich seine "Radarkanone". Hin zum Chef am Strassenrand und schon war ich die ersten "Rubel- scheinchen" wieder los. Natürlich ohne Quittung = gutes Geschäft heute! Wir fuhren langsam weg, die lieben Ordnungshüter hinter uns her! Nachdem uns die ersten russischen Wagen zu überholen begannen, gaben auch wir Gas! Unsere lieben Verfolger waren inzwischen abgebogen - Russland wir kommen - noch waren es ca. 150 km bis St. Petersburg.

Wir fuhren durch kleine russische Dörfer, die aus ein paar kleinen Holzhäuschen bestanden. Immer wieder am Strassenrand verkauften Bauersfrauen Kartoffeln oder frisch gepflückte Waldbeeren und Pilze. Wir jedoch waren in Eile und wollten in dieser Nacht nicht irgendwo in der Pampa stehen bleiben.
Über mehr oder weniger gute Strassen preschten wir dahin, vorbei an einzelnen Polizeikontrollen. Es ging flott voran!
Nach 140 km erreichten wir den Stadtrand von St. Petersburg. Die Strassen wurden 3-spurig - möglichst in der mittleren Spur fahren! Links waren die Abbieger und auf der rechten Spur lau- ter langsame Fahrzeuge, Pannenautos, Reifenwechsler etc.
In flottem Tempo - dem übrigen Verkehr angepasst, ging es mit rund 100 Sachen in die Innenstadt.
Unser Stadtplan besagte uns - nach dem Kanal links, dann rechts! Doch wann sind wir am Kanal? Da vorne muss es sein!
Achtung Kanal! Rechts eingebogen und dann geradeaus! Fehl- anzeige! Die Strasse wurden schlechter, kein Stadtzentrum in Sicht! Wenden, zurück zur Hauptverkehrsachse. Es zeigten sich die ersten Strassenbahnen - die Verkehrsampeln waren manchmal kaum zu erkennen. Vorsicht war angesagt!
Da der Kanal! Im letzten Moment linke Spur, über den Kanal, dann sofort rechts halten. Die Stimmung zwischen Thomas und mir war gespannt, die Kommandi des Beifahrers erhielt ich relativ spät. Irgendwie mussten wir den nächsten Häuserblock umfahren, dann sollten wir es schaffen! Im letzten Moment den Blinker gestellt, links abgebogen, ups - war da eine Sicherheitslinie? Geradeaus - richtige Strasse? Was sahen wir?
Eine riesige "Schweizer Fahne" hing am Swiss-Center! Wir sind da! Im gleichen Gebäude befand sich auch das Schweizerische Konsulat. (marata uliza) Alice Haug hat hier eine Wohnung gemietet, sie lernte die russische Sprache und machte einen Studienaufenthalt hier in St. Petersburg. Wir wohnten bei ihr und konnten das Leomobil im bewachten Hof abstellen. Es war 2015 h und wir hatten es geschafft!
(Visa für Russland gibt es nur auf Einladung, geholfen hat uns dabei die Schweiz-Russische Gesellschaft. Mehr darüber unter www.schweiz-russland.ch)

St. Petersburg 2002 - Pferdekutsche in
der Eremitage! Wie lange wären wir wohl mit diesem Gefährt unterwegs gewesen?

St. Petersburg 2002 - Pferdekutsche in
der Eremitage! Wie lange wären wir wohl mit diesem Gefährt unterwegs gewesen?

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Die 1. Reise mit meinem Leomobil führte mich - zusammen mit meinem Sohn Thomas - nach St. Petersburg.
Details:
Aufbruch: 27.07.2002
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 14.08.2002
Reiseziele: Deutschland
Litauen
Estland
Russland / Russische Föderation
Lettland
Polen
Der Autor