Kambodscha-Reisebericht :Fahrrad..Erde..Ein Jahr.."Runde Sache"

Cambodia

Hallo zusammen,

nach dem Lao- Blog mit Überlänge gibts für Kambodscha diesmal eine bei weitem kürzere abgespektere Variante, dies nicht etwa weil es über dieses Land nichts zu berichten gäbe als doch viel mehr, daß hier Vorkommnisse mich nicht an die Tastatur lassen wollten.
Verglichen mit Laos ist das südlich Laos gelegene Kambodscha zum größten Teil so eben wie Mutters Bratpfanne, aussschliesslich im Nordosten gibt es Bergformationen, die einen Lance bei der Bergauffahrt ins Schwitzen bringen würden, sehen wir einmal von den großzügig heißen Temperaturen hier ab, die die Poren bereits schon in der Ebene öffnen. Von erfrischender Brise kann man einzig dann sprechen, wenn der Monsun wenige Minuten später vor der Tür steht und den Himmel in einen dunklen Teppich verwandelt, der den Erdboden förmlich verschlingen will.
Kambodscha ist flächenmässig kleiner als Laos und trotzdem leben hier mit 14 Mio. fast dreimal so viele Menschen, die sich den Riel als Zahlungsmittel ausgesucht haben. Wer schon in Laos Rechnungen mit großen Zahlen geliebt hat, ist hier goldrichtig, denn mit 4000 riel für einen Dollar hat die Inflation hier wohl auch einmal einen satten Zahn drauf gehabt.
Die erste Anlaufstelle nach Landeintritt hieß nach 1/3 Rad, 2/3 Bus die Landeshauptstadt mit gut 1,5 Mio. Einwohnern Phnom Penh.
Modernste Geschäfte, sehenswerte Tempel und Paläste und architektonisch anspruchsvolle Gebäude mischen sich hier mit altherkömmlichen Märkten und Straßenrestaurants. Der kambodschanische König findet natürlich seine verdiente Anerkennung.

An Motorrädern mangelt es nicht, man sollte schon mehrfach den Kopf drehen, sollte man hier die andere Straßenseite lebend erreichen. Die Gefahr von einem Elefanten erfasst zu werden ist da doch schon deutlich geringer.

Der angesprochene Monsunregen hat sich mir ja schon in Laos vereinzelt vorgestellt. Ab Mai entfaltet er dann aber seine volle Stärke und verwandelt die Fahrbahnen in wenigen Minuten in Schwimmbecken. Die Dusche daheim lässt euch nicht so schnell im Nassen stehen!

Süppchen oder Gebratenes in den billigen Straßenrestaurants mundet hier hervorragend und freundliche Kambodschaner oder das niedliche Lächeln der Kinder läßt nicht ohneweiteres einschlummern.

Per Billigbus ging es nach Siem Riep, der zweitgrößten Stadt und Ausgangspunkt für die berühmten "Tempel von Angkor".

Diese Stadt ist daher Besuchermagnet Nummer eins und bietet eine Unzahl Hotelkomplexe und Straßencafes, die an nichts fehlen lassen.

Verglichen mit den Tempeln von Bagan in Myanmar erwartet einen hier eine Vielzahl völlig verschiedener einzigartiger Tempelbauweisen. Wie es die Bäume geschafft haben, ihre Wurzen entlang den Tempeln meterweit hinab zum Boden zu führen, bleibt mir ein Rätsel oder wäre hier klar eine Führung wert gewesen.

Da das Tagesticket hier 20 Dollar kostet, wollte ich alles an einem Tag mit dem Rad abklappern. Aufgehalten wurde ich allerdings nur geringfügig.

Die Tempelstätten und das umliegende Land waren einst auf siamnesischem Boden, wurde aber denn von tapferen Kambodschanern erobert.

Dieser stolze Vogel erinnerte mich ein wenig an Captain Barbossa aus " Fluch der Karibik (pirates of carribean)".

Und nur eine kleine Auswahl der Tempel

Der berühmteste und größte budhistische Tempel "Angkor Wat" lässt sich kaum voll ins Bild nehmen.

Während sich die Damen von den Verkaufsständen andererorts böse Worte zufauchten, wenn der hungrige Gast sich für den Tisch nebenan entschied, lösten es diese Kinder klever und zugleich friedlich per Glücksspiel. Fand das so klasse, daß ich es evtl. nach woanders überspringen lassen konnte.

Manchmal nur ein wenig Blätter über dem Kopf..doch sie sind wahrlich glücklich.

Vereinzelt finden Früchte ihren Weg zum Markt, die hab ich in meinem Leben noch nie zuvor gesichtet.

Burmesische, thailändische, laotische und kambodschanische Mönche sorgen für das große Mönchstreffen in "Angkor".

An dieser Stelle möcht ich euch auch mit der Geschichte vertraut machen, die mich in Siem Riep ziemlich genau eine ganze Woche mehr festgehalten hat und meine Reisepläne fleißig durcheinander gemischt hat.
Am Abend nach der Tempelrunde wurden mir 300 Dollar und Handy mit Simkarte gestohlen. Wußte genau, wer mich bestohlen hatte und manche Personen konnten mir gute Hinweise geben . Bin daher zunächst zwei Tage nach Battambang verschwunden und danach wieder für weitere 4 Tage zurückgekehrt und mit einem bis dato guten kambodschanischen Freund Anan per Motorrad Stellen abgefahren, an denen man ihn schon mehrmals gesehen hat und mit Mopedfahrern und co Info ausgetauscht. Bekamen dann schließlich einen Anruf von einem Fahrer, der ihm nach Hause mit dem Motorrad gefolgt war und haben ihn morgens um sieben halbverschlafen dort überrascht und ihn ins Verhör genommen bis er alles zugab. Nach einer Fahrt zu seinem Freund, an den er das Handy verkauft hat und die Simkarte in dessen Garten geschmissen hatte, folgte die Suche jener Karte. Erst die dritte war es dann, doch leider ordentlich in der Mitte gefalten. Möchte nicht wissen, wie viele Händys auf diesem Wege ihren Besitzer wechselten. Wollten das ganze zunächst ohne Polizei durchziehen, denn wenn man über Korruption in Kambodscha einige Geschichten gehört hat, so ist wahrlich Vorsicht geboten, sonst sitzt man am Ende selber. Doch die Dame des Hauses sorgte durch Anruf für Polizeiverstärkung, was dazu führte, daß das Ganze für mich leider wenig erfolgversprechend war. Ich bekam einzig 100 Euro zurück, dies durch Telefonat eines der Diebe an Freunde. Die Polizei kümmerte sich nicht im geringsten darum, meinen Schaden zu ersetzen. Handy und Geld blieb verschollen. Die beiden jungen Diebe sitzen nun jeweils mindestens ein halbes Jahr in einem Gefängnis außerhalb der Stadt. Wenn sie sich dann nicht freikaufen können, werden es eventuell 3 bis 5 Jahre. Bin da in keinster Weise glücklich mit, Polizeiarbeit und Strafmaß anderen Kalibers.

Mentale Umstimmung gabs einzig durch die Einladung zu einer kambodschanische Hochzeit..

und eie Bootsfahrt von Battambang nach Siem Riep überquerend einen der größten Seen Asiens, den Tonle Sap.

War dann glücklich daß ich Siem Riep den Rücken kehren konnte und nach einem Tag Vietnamvisa-beschaffung in Phnom Penh endlich ins lang erhoffte Sianoukville, dem schönsten und bekanntesten Strand in Kambodscha einreisen durfte. Nun, wenn ich es ganz richtig formuliere, dann muß es ab hier "wir" heißen, denn ich reise die nächsten Wochen nicht ganz alleine. Während der langen Suchphasen nach dem Ganoven in Siem Riep mussten die Zwischenabschnitte so entspannt wie nur möglich gelöst werden, um dem Herzen nicht zuviel zuzumuten. So traf ich doch glatt auf das kambodschanische 30jährige Mädel Nita, das "zufällig" die deckungsgleichen Reiseabsichten hat wie ich. Das Fahrradfahren wollte ich eh mal wieder ein wenig zurückschrauben, denke die Bäckchen im Gesicht können mal wieder ein kleines Polster vertragen. Spätestens in Malaysia wird Blacky wieder richtig gequält.

Nun Sianoukville hat einen wunderschönen Strand und einen tigerentenfarbenen neuen Mobilfunkanbieter. Wie in so ziemlich jeder Stadt wird auch hier mit einer ordentlichen Marketingkampagne geworben.
Vom Schnorcheln würde ich hier jedoch eher abraten. Sollte man mit schlechtem Equipment,(heißt ohne Flossen und mit undichter Taucherbrille) auf Seeigelvergnügen in seichtem Wasser Vorlieb nehmen wollen, dann ist das hier natürlich der Ort, an dem man Beklemmnis und Angstzustände nie gehabt erlebt.
Vom Schnorcheltrip kam ich mit nur zwei Stichen im Fuss fast unbescholten zurück, mein Ersatzhandy überlebte hingegen das Nachtschwimmen im Meer zunächst nicht und musste sich einer Komplettreinigung am nächsten Tag unterziehen.

Von der kambodschanischen Südwestküste fuhren wir an die Südostküste nach Gap. Nachdem die Damen hier morgens die Körbe voller Krabben an Land geschafft hatten, gab es das Kilo für gut 3$. Kann mich nicht mehr erinnern, wie viele Kilo es letzlich waren, die uns als Großabnehmer auszeichneten bzw. wie viele Mahlzeiten es uns letzlich satt machte, doch am Ende konnte ich keine Krabben mehr sehen.

Nun, das war Kambodscha in dreieinhalb Wochen. Zu erzählen gäbe es wahrlich noch mehr, doch mittlerweile ist Vietnam fast zur Hälfte durchreist, da liegt Kambodscha fast schon wieder ein gutes Weilchen zurück. Als Fazit kann ich nur sagen, ein Land mit ausgesprochen freundlichen und aufgeschlossenen Menschen und einem deutlichen Umbruch zur Moderne.

Vietnam wird uns wahrscheinlich gute drei Wochen in den Bann ziehen, ehe es nach Bangkok zurück geht. Die Hälfte ist somit schon ziemlich abgegolten.
Bislang läufts alles nach Maß,

Bis denn,
vlg peter

© Peter Greiner, 2008
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Die Reise
 
Worum geht's?:
13 Monate Weltreise geschmückt mit unvergleichbar schönen Erfahrungen auf einer Vielzahl von Radabschnitten sowie dem Leben unter den Menschen durch Homestay, langen Busfahrten auf Reissäcken in Myanmar, Bergvölker in Laos und vieles mehr. Die Reise führt durch Ungarn nach Griechenland, Dubai, Indien, Japan, China, Myanmar,Thailand, Laos, Vietnam, Malaysia, Philippinen, Borneo, Singapur, Sydney, Chile, Argentinien, Brasilien, Florida, Mexiko und findet in Madrid ihr Ende.
Details:
Aufbruch: 28.08.2008
Dauer: 13 Monate
Heimkehr: 28.09.2009
Reiseziele: Großbritannien
Ungarn
Serbien
Griechenland
Vereinigte Arabische Emirate
Indien
China
Japan
Hongkong
Myanmar
Thailand
Laos
Kambodscha
Vietnam
Malaysia
Philippinen
Singapur
Australien
Neuseeland
Chile
Argentinien
Uruguay
Brasilien
Paraguay
Vereinigte Staaten
Mexiko
Spanien
Der Autor
 
Peter Greiner berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.
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