Kambodscha-Reisebericht :Kambodscha (etwas Süd-Laos, Thailand) 2009

Ursprünglich als „Diaabend“ geplanter Reisebericht durch Kambodscha (Phnom Phen: Gefängnis Tuol Sleng, Nationalmuseum. Siam Riep: Angkor Wat), Pakse in Süd-Laos, und der Strand von Lamai (Koh Samui, Thailand).

Kambodscha

Kambodschanisches Visum (Berlin 2009)

Kambodschanisches Visum (Berlin 2009)

Grenzübergang Poipet

Hinreise über Bangkok, dann mit dem Zug zum Grenzübergang nach Poipet. Geflogen bin ich mit Emirates über Dubai. Die sind wirklich so gut wie ihr Ruf, Lufthansa kann sich da eine Scheibe abschneiden.

Von Bangkok - dessen Hauptbahnhof sehr deutsch aussieht, weil der damalige König 1903 in Bad Homburg auf Kur war und er der Meinung war so etwas wie einen ordentlichen Bahnhof bräuchte man auch, hat sich von Willem Zwo ein paar Planer ausgeliehen - fährt nur drei Mal täglich ein Bummelzug in den Grenzort. Mit dem Mittagszug kommt man gegen Sonnenuntergang an.

Das Visum für Kambodscha kostet in Berlin mehr als an der Grenze (dort 20 US$ bar), es spart aber Zeit wenn man es sich vorher holt.

So ziemlich jeder Reiseführer verreißt Poipet. meiner Ansicht nach ungerechterweise. Ja, die Schlepper in Grenznähe (am Kreisverkehr) sind extrem aufdringlich. Man merkt sobald man über die Grenze ist, daß Kambodscha deutlich ärmer ist als Thailand, das Essen ist deutlich schlechter aber was soll's.

Wirklich interessant ist der ein paar hundert Meter breite Grenzstreifen. In Thailand ist Glücksspiel streng verboten. Man hat also auf kambodschanischer Seite einen für Thais ohne Paß zugänglichen Bereich eingerichtet in dem sich Spielkasinos befinden!

Zwar gibt es in Kambodscha eine eigene Währung, den Riel. Der ist aber so entwertet, daß er nur für kleine Beträge verwendet wird. Alles ab 2-3 $ wird in US Noten gezahlt. (Unbedingt kleine unbeschädigte Scheine von zu Hause mitbringen). Vereinzelt spucken sogar die Geldautomaten $$$ aus.

"Die Strafandrohung in Thailand bei zwei Jahren Haft und 2000 ฿. Wie in vielen anderen Situationen nimmt man es in Thailand mit Gesetzen nicht zu genau, die immer wieder erfolgenden Schließungen illegaler Spielstätten (Bon Kan Phanon) werden weithin publiziert, ihre Tolerierung ist eine wichtige Einnahmequelle der korrupten Polizei. ... Es entstanden in den 1990ern am Grenzübergang von Poipet acht Spielbanken. Die dort angebotenen Spiele sind vielfach chinesischen Ursprungs. Es gibt in den allgemeinen Spielsälen keine Kleiderordnung [in Deutschland braucht "der Herr" vielfach noch Jackett und Krawatte], jedoch wird jeder Eintretende wie am Flughafen auf Waffen durchsucht, das Gebahren der, offensichtlich wohlhabenden, aufgebrezelten Thailänderinnen mittleren Alters, die um die extrem langsam drehenden Roulettetische sitzen, ist für europäische Verhältnisse gewöhnungsbedürftig. Nicht nur werden Cocktails gerne etwas lauter geschlürft, nein, man gönnt sich auch einmal einen Teller gebratene Chinanudeln vom Plastikteller, der
auf dem Filz neben den Jetons steht!" (Zitat aus: Nur wer tot ist, geht kein Risiko mehr ein Geschichte der Spielbanken und Roulettesysteme des 20. Jahrhunderts, Norderstedt 2012, ISBN 978-3-8448-0977-0)

Ich fand das ganze hoch interessant, gespielt habe ich allerdings nicht, bei 200 ฿ (ca. 4 €) Höchsteinsatz macht Roulette keinen Spaß, die chinesischen Spiele verstand ich nicht.

Insgesamt ist die Unterkunftssituation in Poipet (abgesehen von den Luxusherbergen der Kasinos) mäßig. Ein Motorradtaxi brachte mich dann aber doch zu einer bezahlbaren Unterkunft (3,50 $). Das "Zimmermädchen" in der Lobby bot dann gleich noch an für 10$, die nacht über mitzukommen, was ich nicht nötig hatte.

Die Busstation (Züge fahren schon lange nicht mehr) ist etwa 3 km Richtung Landesinneres, links von der Hauptstraße. Der Motorradtaxler setzt einen gleich bei einer Fahrkartenbude ab. Abfahrten ins Landesinnere sind alle morgens, nachts fährt man in Kambodscha allenfalls als geisteskranker. Der Highway nach Siam Riep (Angkor Wat) ist erst seit 2008 durchgehend geteert.

Kreatives Recycling: Mülltonne aus Altreifen. Kambodschanische Straßen sind überings sehr sauber.

Kreatives Recycling: Mülltonne aus Altreifen. Kambodschanische Straßen sind überings sehr sauber.

Straßenbau kambodschanisch. Ein LKW kippt grobe Steinbrocken ins Loch, die Frauen klopfen sie mit dem Vorschlaghammer klein und die Walze macht dann alles platt. Mein Traumjob bei 32 °C und 98% Luftfeuchte

Straßenbau kambodschanisch. Ein LKW kippt grobe Steinbrocken ins Loch, die Frauen klopfen sie mit dem Vorschlaghammer klein und die Walze macht dann alles platt. Mein Traumjob bei 32 °C und 98% Luftfeuchte

Siam Riep und Angkor Wat

Siam Riep ist die bei Angkor Wat gelegene nächste Stadt. Überraschend ist die große Zahl dicker Autos - irgendjemand verdient hier gut, und meiner Ansicht nach nicht nur am Tourismus.

Ich setze mal voraus, daß bekannt ist, was Angkor Wat ist. Das Profil ist als Wappen Kambodschas bekannt genug. Was einem keiner - auch nicht die Reiseführer - sagt ist, wie RIESIG der ganze Komplex ist. Angkor Wat ist nur der eine Haupttempel, wobei die Außenmauern 1300 x 1600 m lang sind, darum fließt noch ein ca. 100 m breiter "Burggraben." Daneben gibt es in und um Angkor noch größere Anlagen, wie die alte Hauptstadt "Angkor Tom" usw. (die ich mir wegen Hitze und Entfernung nicht an alle angesehen habe.) All das aus verschiedenen Epochen (9.-15. Jhdt.), mal hindusistisch mal buddhistisch. Gigantisch! Eintritt für Ausländer ist 20 US$ pro Tag, was keineswegs zuviel ist, sofern das Geld wirklich in den dringend notwendigen Erhalt fließt.

Schild in der Hotellobby - Da weiß man wenigstens was man am Ort zu erwarten hat (Hotel "Australia," Siem Reap, Kambodscha)

Schild in der Hotellobby - Da weiß man wenigstens was man am Ort zu erwarten hat (Hotel "Australia," Siem Reap, Kambodscha)

Hauptportal zu Angkor Wat

Hauptportal zu Angkor Wat

Diese Wandelhalle zieht sich innerhalb der Außenmauer um den ganzen Komplex (wie gesagt 1300 x 1600 m)

Diese Wandelhalle zieht sich innerhalb der Außenmauer um den ganzen Komplex (wie gesagt 1300 x 1600 m)

Innerhalb der Wandelhalle finden sich immer wieder Buddhafiguren

Innerhalb der Wandelhalle finden sich immer wieder Buddhafiguren

An den Wänden zahlreiche - aus der hinduistischen Gründungszeit stammende Reliefs.

An den Wänden zahlreiche - aus der hinduistischen Gründungszeit stammende Reliefs.

Im Inneren gibt es auch extrem lange Reliefs, die Geschichten aus dem Mahabharata darstellen. Dem längsten Epos der Welt angemessen, sind diese auch extrem lang (dieses hat ca. 40m und geht und die Ecke weiter).

Im Inneren gibt es auch extrem lange Reliefs, die Geschichten aus dem Mahabharata darstellen. Dem längsten Epos der Welt angemessen, sind diese auch extrem lang (dieses hat ca. 40m und geht und die Ecke weiter).

Phnom Phen: Nationalmuseum

Überraschend, daß in dem Land nach dem Bombardement durch die Amerikaner (1960er), Barbareien der Khmer Rouge (1975-79), vietnamesischer Besatzung (1979-90) überhaupt noch Kulturgüter übrig sind. Das Museum, vor einigen Jahren sehr schön renoviert stammt noch aus der Kolonialzeit (gegründet 1927).

Elephant in Bronze gegossen. Geschickt gemacht, da nur das Vorderteil existiert. Den "Körper" bildet der Busch.

Elephant in Bronze gegossen. Geschickt gemacht, da nur das Vorderteil existiert. Den "Körper" bildet der Busch.

Der Elephant im Profil.

Der Elephant im Profil.

Sandsteinpediment (Giebeldreieck) den Kampf Bhimas mit Duryodhana zeigend (Mahābharata)

Sandsteinpediment (Giebeldreieck) den Kampf Bhimas mit Duryodhana zeigend (Mahābharata)

Meditierender Riṣhi, Sandstein, 10. Jhdt.

Meditierender Riṣhi, Sandstein, 10. Jhdt.

Wächterlöwe eines Tempels.

Wächterlöwe eines Tempels.

Phnom Phen: Tuol Sleng-Gefängnis

Tuol Sleng im Süden der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh ist eine ehemalige Schule, die zur Zeit der Khmer Rouge zum zentralen Foltergefängnis umgewidmet wurde. Sozusagen ein "kambodschanisches Dachau." Umgebracht wurden in drei Jahren etwa 14000 Menschen, nach entsprechender Folterung - nicht viel im Vergleich zu sagen wir Ausschwitz, wo derartige Mengen an einem guten Samstag Vormittag "verarbeitet" wurden - angesichts der primitiven aber doch sehr effektiven Mord- und Folterergebnisse doch ganz anständig. Die durchschnittliche Verweildauer (bis zum Ableben) war 4-7 Monate. (Mehr: Wikipedia).
Die sogenannten "killing Fields" befinden sich 27 km außerhalb der Stadt, wo Babys um Kugeln zu sparen gegen Bäume geschmettert wurden (und andre "Nettigkeiten"). Es sei darauf hingewiesen, daß die Methoden - etwas "sauberer" - heute von den Amerikanern in Guantanomo angewendet werden. Ich muß auch sagen, daß ich jedem bayerischen Polizisten des mittleren Dienstes zutraue, Derartiges, falls von Beckstein, Schäuble & Co. anbefohlen wieder veranstalten würde.

Außenansicht Gebäube "B" mit den Standardzellen.

Außenansicht Gebäube "B" mit den Standardzellen.

Gefangenentransport

Gefangenentransport

Hinweisschild: "Lachen verboten" über der Eingangstür einer der "Luxuszellen" ist eigentlich unnötig, das Lachen vergeht einem schnell.

Hinweisschild: "Lachen verboten" über der Eingangstür einer der "Luxuszellen" ist eigentlich unnötig, das Lachen vergeht einem schnell.

Ausstattung einer "Luxus-Einzelzelle" für höhere Kader. Die Eisenstange mit zwei Schäkeln dient dazu die Füße an das Bettgestell zu fesseln. Die Munitionskiste ist der Nachttopf.

Ausstattung einer "Luxus-Einzelzelle" für höhere Kader. Die Eisenstange mit zwei Schäkeln dient dazu die Füße an das Bettgestell zu fesseln. Die Munitionskiste ist der Nachttopf.

"Peinliche Befragung"

"Peinliche Befragung"

Tank für Wasserfolter. Im Inneren Schäkel für Fußfesseln. Politisch korrekt heißt sowas heutzutage "Water Boarding."

Tank für Wasserfolter. Im Inneren Schäkel für Fußfesseln. Politisch korrekt heißt sowas heutzutage "Water Boarding."

Wie alle anstänidgen Knastwärter, dokumentierten auch die hiesigen ordentlich.

Wie alle anstänidgen Knastwärter, dokumentierten auch die hiesigen ordentlich.

Gezimmerte Standardzellen in den Obergeschossen

Gezimmerte Standardzellen in den Obergeschossen

Die im Hintergrund sichtbare Abbildung einer Karte ersetzt das Original aus echten Schädeln, das man dort in den 1990ern ausgestellt hatte, weil einige sensible Besucher das nicht ertragen konnten. Auch ist der Schädelhaufen, der 1991 von George aufgenommen wurde und als Titelbild für meine Broschüre "Fight Back" (für Sprachlehrer in Japan; archiviert auf [verweis=FightBackHowToScrewYourEmployersAfterTheyScrewedYou]archive.org[/verweis]) diente, nicht mehr vorhanden.

Die im Hintergrund sichtbare Abbildung einer Karte ersetzt das Original aus echten Schädeln, das man dort in den 1990ern ausgestellt hatte, weil einige sensible Besucher das nicht ertragen konnten. Auch ist der Schädelhaufen, der 1991 von George aufgenommen wurde und als Titelbild für meine Broschüre "Fight Back" (für Sprachlehrer in Japan; archiviert auf [verweis=FightBackHowToScrewYourEmployersAfterTheyScrewedYou]archive.org[/verweis]) diente, nicht mehr vorhanden.

© Adi Meyerhofer, 2013
Du bist hier : Startseite Asien Kambodscha Kambodscha-Reisebericht
Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 07.10.2009
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 26.10.2009
Reiseziele: Kambodscha
Laos
Thailand
Der Autor
 
Adi Meyerhofer berichtet seit 4 Jahren auf umdiewelt.