Malaysia-Reisebericht :Unterwegs am "Banana pancake trail" - einmal durch Südostasien

Kuala Lumpur - 02.04.- 03.04.2015

Von einer Stadt, die wohl nie schläft, einem Ausflug nach Indien und der Frage, ob Karte und Realität überhaupt zusammenpassen...

Unerwartet bequem mit einer Sitzreihe für mich allein ging es nachmittags nahezu pünktlich los Richtung Kuala Lumpur. Da es sich nicht vermeiden ließ, dass ich erst abends ankomme, habe ich nach einer halben Ewigkeit Internetrecherche ein Bett in einem Schlafsaal vorgebucht, nur um dann 2 Stunden vor Abflug zu bemerken, dass die Bestätigungsmail die mir den Schlafplatz auch wirklich sichert, nicht versandt wurde. Somit blieb zumindest ein wenig Nervenkitzel, ob ich denn nicht doch am Flur schlafen müsste.

Traumhaftes Sonnenuntergangsfarbenspiel...auf der anderen Seite des Flugzeugs...

Traumhaftes Sonnenuntergangsfarbenspiel...auf der anderen Seite des Flugzeugs...

Der Kuala Lumpur International Airport, kurz KLIA, teilt sich in zwei wenige km voneinander entfernte Terminals auf - den normalen und den sogenannten Low Cost Carrier Terminal, auch KLIA 2 genannt, wo hauptsächlich AirAsia ihr Flüge abfertigt. Sehr tourismusorientiert gibt es vom Flughafen, der gut 45km von Kuala Lumpur entfernt liegt, einen günstigen Shuttlebusservice bis ins Stadtzentrum. Nach 30 Minuten Laufen im riesigen Flughafengebäude und anschließender 40 Minuten Busfahrt kam ich also um gut halb 11 abends in KL Sentral, dem Verkehrsknotenpunkt der Stadt, an. Bereits hier völlig desorientiert fragte ich mich 'von Mensch zu Mensch' bis zur Station des sogenannten Monorail, einer einspurigen Hochbahn, die mich zu meinem Hostel bringen sollte, durch. Herrlich in einer Stadt zu sein, wo anscheinend jeder Englisch spricht und auch noch ausgesprochen hilfsbereit ist!

Von einem netten Sicherheitsbeamten quasi in den richtigen Wagon gesetzt, musste ich nur noch an der richtigen Station aussteigen und den McDonalds finden, direkt daneben sollte mein Bett auf mich warten. Das sollte doch machbar sein! Mittlerweile nach halb 12 kam ich an der richtigen Station an und fand mich inmitten einer gigantischen Baustelle wieder mit geänderter Wegführung für die Fußgänger, bei der ein Blick auf das eigentlich zur Orientierung dienende Schild mich bereits zur Verzweiflung trieb. Trotz der fortgeschrittenen Stunde waren noch hunderte Menschen auf der Straße, überall blinkten Reklametafeln, die Baustelle und der Verkehr produzierten einen dementsprechenden Geräuschpegel und gepaart mit meiner Müdigkeit half nicht mal dreimaliges Nachfragen um den Eingang zum Hostel oder auch nur den McDonalds zu finden...Mich schon darauf einstellend heute nicht mal am Flur zu schlafen, hörte ich auch noch jemand mir 'Sunshine! Sunshine?!' hinterherrufen.

Sunshine? Schwer vorstellbar, dass mit dem Schlafmangel und der Stimmung mich jemand als Sonnenschein bezeichnen könnte...Aber Moment...ja, doch, ein letztes Aufmerken der Gehirnhirnzellen! Mein Hostel hieß Sunshine Bedz KL und der Mann, der bei einem der zahlreichen Geschäfte in der Nähe arbeitet, hat wohl schon ein Auge für verzweifelt suchende Backpacker und zeigte mir doch tatsächlich den versteckten Eingang!

Zwei Stockwerke höher offenbarte sich eine Ruheoase in dieser so hektischen Stadt und in keinem anderen Hostel oder Hotel wurde ich jemals so herzlich begrüßt. Die Betten im 6er Dorm hatten alle ein kleines Licht und zwei Steckdosen, für jeden war ein Spint vorhanden und dank der Aircon blieben auch die 40 Grad der Stadt außerhalb. Mehrmals täglich gereinigte Duschen und Toiletten und das gratis 'iss-soviel-Toast-wie-du-kannst-Frühstück' machten den Aufenthalt noch angenehmer. Das Beste waren allerdings die beiden Gitarren, die zur Verfügung standen - endlich wieder eine Gitarre Überraschenderweise habe ich sogar bis fast 9 Uhr geschlafen, die Zimmer dichten wirklich gut ab. Wenn nur jede Unterkunft so wäre!

Airport - City-Shuttle

Airport - City-Shuttle

Da wars noch relativ einfach - die Monorail in KL

Da wars noch relativ einfach - die Monorail in KL

Von einer der Hostelmitarbeiterinnen bekam ich am nächsten Tag einen Stadtplan und einen Vorschlag, was ich an einem Tag ansehen könnte, mit, und machte mich voll motiviert auf den Weg zu den Batu Caves etwas außerhalb der Stadt. Diese Tempelanlage gebaut in eine riesige Höhle ist einfach und bequem mit dem Zug zu erreichen. Im Nachhinein betrachtet hätte ich mir den Weg jedoch sparen können, viel gab es (meiner Meinung nach) nicht zu sehen. Mehrere kleine Tempel verteilten sich am Gelände und überall wurden religiöse Zeremonien abgehalten, ein Gefühl als wäre ich plötzlich in Indien gelandet überkam mich dabei mehrmals. Und es hat gute Gründe, warum Indien nicht auf meinen Reisewunschzielen auftaucht...

Eigener Frauenwagon im Zug zu den Höhlen, Männer werden von einem Security hinausgebeten

Eigener Frauenwagon im Zug zu den Höhlen, Männer werden von einem Security hinausgebeten

Kitsch pur in einer der Höhlen...Hätte ich gewusst was mich erwartet, hätte ich mir die 5 Ringitt Eintritt definitiv gespart!

Kitsch pur in einer der Höhlen...Hätte ich gewusst was mich erwartet, hätte ich mir die 5 Ringitt Eintritt definitiv gespart!

Noch 150 Stufen hochgeschleppt für das hier...da kommt Freude auf ^^

Noch 150 Stufen hochgeschleppt für das hier...da kommt Freude auf ^^

Zeremonie in einem der vielen Tempel

Zeremonie in einem der vielen Tempel

Eingang zur Haupthöhle...ganz schön viele Stufen!

Eingang zur Haupthöhle...ganz schön viele Stufen!

Den Aufstieg erleichtert jedoch das Amüsieren über die zahlreichen Affen, die die Touristen um ihre Habseligkeiten erleichtern

Den Aufstieg erleichtert jedoch das Amüsieren über die zahlreichen Affen, die die Touristen um ihre Habseligkeiten erleichtern

im Inneren der Haupthöhle, was der Priester im Minitempel treibt wird auf Videoleinwand übertragen..

im Inneren der Haupthöhle, was der Priester im Minitempel treibt wird auf Videoleinwand übertragen..

Neben dem Heiligtum...Was man davon halten soll...

Neben dem Heiligtum...Was man davon halten soll...

Ausblick über die Stadt

Ausblick über die Stadt

Nach den Höhlen stand auf meinem Tagesplan ein Mittagessen in Bricksfield, auch Little India genannt. Entweder meine Vorstellung ist so übertrieben gewesen, oder ich war selbst nach mehrmaligem Fragen einfach zu unorientiert die richtigen Straßenzüge zu finden, aber schlussendlich konnte ich nichts Besonderes erkennen und landete ausgehungert in einer der zahlreichen Shoppingmalls beim Burgerking - und selbst dafür musste ich zweimal nach dem Weg fragen...Ohne einem 'Sie sind hier'-Punkt hilft einem auch der schönste Plan eines 10stöckigem Gebäudes nichts, wenn man nicht mal versteht, in welchem Stock man ist...

Da sollte eigentlich Little India sein...oder eben auch nicht...

Da sollte eigentlich Little India sein...oder eben auch nicht...

Überall muss man durch mehrstöckige Einkaufstempel marschieren...

Überall muss man durch mehrstöckige Einkaufstempel marschieren...

Wieder gestärkt beschloß ich Little India Little India sein zu lassen und einfach zum nächsten Tagesordnungspunkt überzugehen - einige sehenswerte Gebäude in der Altstadt.

Tja.

Nach 15 Minuten Suche trotz GPS (!) immer noch nicht die richtige Straße gefunden kehrte ich wieder um und beschloss, doch einfach den Bus zu nehmen, auf dem groß mein Ziel geschrieben stand. Der freundliche Busfahrer erklärte mir jedoch, dass die Fahrt mit ihm um 50-Ringitt-Cent (12 Eurocent) mehr kostet als mit dem Zug, ich solle doch besser mit selbigem fahren und starrte mich demonstrativ an, bis ich ging...Also wieder 15 Minuten durch das riesige Shoppingcenter gequält zum Zugterminal, dort wollte ich mir das Suchen sparen und ging zur Information um mir den Weg erklären zu lassen. Richtiges Ticket war noch schnell gefunden, nach weiteren 15 Minuten und weiteren zwei Befragten fand ich auch den richtigen Bahnsteig. Langsam wurde die Sache frustrierend...

An der Station angekommen ging ich Richtung des Ausgangs, der wie eine der Sehenswürdigkeiten hieß...um dann nach 10 Minuten Gelaufe am nächsten Bahnsteig, aber ohne Ausgang zu landen! Wohlgemerkt hatte ich bisher nur die Höhlen wirklich gefunden von allem, was ich geplant hatte! Mir langsam wie ein Vollidiot vorkommend irrte ich noch weitere auf der Suche nach dem richtigen Exit in dieser Bahnstation umher, um dann schlussendlich irgendeinen Ausgang zu nehmen, kurz davor wieder zurück in den nächsten Zug steige

KL Sentral - Ein Irrgarten aus Bus, Bahn, Express, Monorail und hunderten Menschen...

KL Sentral - Ein Irrgarten aus Bus, Bahn, Express, Monorail und hunderten Menschen...

Endlich wieder in der brütenden Hitze angekommen, bemühte ich mich weitere 15 Minuten auch nur eins der Gebäude zu finden, dass auf meiner Karte eingezeichnet war. Leider fand ich keinen der Straßennamen, wenn sie denn mal überhaupt angeschrieben waren, auch auf der Karte wieder. Fast hätte man meinen können, ich wäre in einer anderen Stadt als die Karte!

Endlich andere Touristen erblickend folgte ich denen in der Hoffnung, doch noch zumindest eins der Gebäude zu sehen, wobei mir die Erlösung in Form eines Wegweiser zum Busbahnhof erschien, dem ich schließlich richtig frustriert folgte. Irgendwann sah ich dann noch die Rückseite eines der gesuchten Gebäude, war dann aber schon zu faul die Vorderseite zu suchen, von der mich ein Fluß trennte.

Ausnahmsweise problemlos fand ich den richtigen Bus (der mich diesmal auch mitnahm, er war nämlich einer der gratis Buslinien, die die Stadt zur Verfügung stellt) und fuhr zurück Richtung Hostel. Pünktlich 2 Minuten vor meiner Station begann es wie aus Kübeln zu schütten, was den Tag noch passend abrundete. Mich noch schnell mit Schokolade versorgt zog ich mich erst mal ins Hostel zurück und genoss den Luxus Gitarre zu spielen. Der Tag war doch noch gerettet.

Eines der wenigen Gebäude über die ich quasi gestolpert bin...

Eines der wenigen Gebäude über die ich quasi gestolpert bin...

Vielleicht auch irgendwas Bedeutendes...oder auch nicht

Vielleicht auch irgendwas Bedeutendes...oder auch nicht

Nach ein paar Stunden wieder neuen Mut gefasst, machte ich mich auf ins nächtliche Kuala Lumpur. Dringend benötigte ich noch ein Shirt, da einige unwiederbringlich drecksbraun Verfärbte bereits ohne mich auf dem Weg nach Österreich sind. Erstaunlich problemlos folgte ich der Anleitung eines der Mitarbeiter in eines der nächsten Shoppingcenters. So ermutigt wollte ich mir danach noch die berühmten Petronas Towers ansehen. Noch scherzhaft vorher posaunt, dass nicht mal ich dort nicht hin finden kann, so hell beleuchtet und riesig wie sie sind, fand ich mich 20 Minuten später auch schon verwirrt auf mein Tablet starrend, um doch noch einen Weg zu finden, bei dem ich nicht auf einer vierspurigen Raserstraße von einem wahnsinnigen Malaien zur Strecke gebracht werde...Schließlich endete die Geschichte in einer weiteren Busfahrt zu den wirklich beeindruckenden Towern und einem Rückweg zu Fuß, nachdem mir mehrere Taxifahrer erklärt hatten, dass kein Bus mehr fahren würde und ich das trotz eigentlichem besseren Wissen auch noch geglaubt habe. Am Heimweg konnte ich dann noch freundlich dem mich passierenden Bus nachwinken, um schließlich nach 1 endlich in meinem Bett zu liegen, von wo mich der Wecker noch vor 7 Uhr aus dem Schlaf reißen würde, um den nächsten Flug zu erwischen. Ein erlebnisreicher Tag in Kuala Lumpur

Ganz schön hoch...

Ganz schön hoch...

Bis bald aus der Sonne! (das ist übrigens ein "Mein-rechter-Platz-ist-frei-ich-wünsche-mir-den-Luki-herbei"-Bild )

Bis bald aus der Sonne! (das ist übrigens ein "Mein-rechter-Platz-ist-frei-ich-wünsche-mir-den-Luki-herbei"-Bild )

© Nicole W, 2014
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Jede große Reise beginnt mit einem ersten Schritt, das wusste schon Laotse. In diesem Sinne wird eine jahrelange Wunschvorstellung nun endlich doch noch Realität. Job gekündigt, Studium fertig (naja, so gut wie ;-)) , Auto verkauft - jetzt kann es losgehen.
Details:
Aufbruch: 29.01.2015
Dauer: 4 Monate
Heimkehr: 27.05.2015
Reiseziele: Vietnam
Kambodscha
Laos
Thailand
Malaysia
Philippinen
Indonesien
Der Autor
 
Nicole W berichtet seit 32 Monaten auf umdiewelt.
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