Belize-Reisebericht :Gri-Schmis fahren mit dem Rad von Costa Rica nach Mexico

Wechsel in Kultur und Sprache

28.12.2016, mit dem Boot nach Belize

Wir kaufen uns schnell noch was zu Essen und dann radeln wir zum Hafen, wo die kleinen Boote abfahren. Fast pünktlich kommt unsere "Fähre" an und im Nu sind die Sitze auch schon mit Leuten besetzt. Koffer werden im Bug verstaut, wo sollen da unsere Räder noch hin? Wo ein Wille ist ist auch ein Weg. Die Räder kommen einfach obendrauf. Sorry an alle, deren Koffer und Taschen nun schmutzig sind. Schließlich legen wir abund es geht rasant mit ca. 45 km/h über das Wasser. In Livingston hält unser eigentlich voll besetztes Boot noch mal an und es quetschen sich noch 6 weitere Fahrgäste auf die Bänke. Naja, hoffentlich geht das gut und wir sinken nicht ...
Die Grenzkontrolle in Punta Gorda ist unspektakulär und wir fahren durch den Ort. Es ist eine vollkommen andere Welt. Wir haben sofort die Assoziation zu Hannes Hegen "Die Digedags am Mississippi". Häuser im Kolonialstil, alle Aufschriften in Englisch, viele Menschen ganz dunkelhäutig, weniger Müll und Verkehr. Wir fahren noch so 30 km bis Big Falls, können aber keine geeignete Unterkunft finden. Außerdem ist auch das Wetter hier anders: Aus dem Nichts beginnt es zu schütten, wie aus Kannen, um dann 30 min. später genau so unverhofft wieder aufzuhören. Jeder Ort hat sein kleines Gebetshaus. Die Engländer haben beim Missionieren ganze Arbeit geleistet. An einem Tante Emma Laden fragen wir Frau Johnson, eine betagte Dame, ob Sie uns mit Unterkunft helfen könne, aber die geschäftstüchtige Frau will uns abziehen und verlangt 60 € für eine einfache Bleibe. Ihr fällt regelrecht die Kinnlade runter, als wir ablehnen und in den Nieselregen davon fahren. "Aber wo wollen Sie denn jetzt hin? Es wird gleich dunkel!" jammert Sie fast. Wir suchen Menschen, die uns helfen können, rufen wir über die Schulter zurück. Die finden wir auch 5 km weiter. Einfache Leute bieten uns eine Art Hütte mit Dach aus Palmenblättern an, es ist trockn drin. Was wir nicht wussten: 100-te Mücken haben dort auch vor dem Regen Zuflucht gesucht und sind gierig nach unserem Blut, Wir tragen jeder so an die 50 Stiche von der Nacht davon, noch 2 Tage später furchtbar jucken - trotz Moskitonetz über dem Kopf.

Passt schon

Passt schon

Zwischendurch ein Regenguss, da werden Planen ausgeteilt und alle 24 Leute kriechen darunter

Zwischendurch ein Regenguss, da werden Planen ausgeteilt und alle 24 Leute kriechen darunter

Punta Gorda, Einreise nach Belize

Punta Gorda, Einreise nach Belize

Klimawandel auch in Belize. Angeblich hat es dieses Jahr erstmals zu Weihnachten geregnet. Eigentlich ist auch hier Ende November Schluss mit dem Nass von oben.

Klimawandel auch in Belize. Angeblich hat es dieses Jahr erstmals zu Weihnachten geregnet. Eigentlich ist auch hier Ende November Schluss mit dem Nass von oben.

Hat gerade so ausgereicht, die Höhe der Betonplatte

Hat gerade so ausgereicht, die Höhe der Betonplatte

Bananen, Apfelsinen und Kakao werden in großen und kleineren Plantagen angebaut.

Bananen, Apfelsinen und Kakao werden in großen und kleineren Plantagen angebaut.

Regenschutz für uns und Futterstelle für Hunderte Mücken

Regenschutz für uns und Futterstelle für Hunderte Mücken

29.12.2016, Fahrtag nach Hopkins, 95km mit Gegenwind

Unser "Gasthaus" hat, wie das Haupthaus der Familie auch, keinen Stromanschluß. Also lassen wir das Frühstück weg und fahren erstmal los. Schon nach einer Stunde der erste Regenguß. Wo wir heute doch reichlich 100km Strecke vorhaben! Am nächsten Grundstück winken uns Arbeiter zu und als wir zur Einfahrt einschwenken, reißen sie das Tor auf und lotsen uns unter das Dach. Es ist die "Hummingbird Farm", der Boss wird geholt, ein 85jähriger US Amerikaner. Er lässt einen Angestellten Kaffee kochen und wir erfahren Interessantes über den Kakaoanbau während wir uns etwas trocknen.
Nach einer halben Stunde brennt die Sonne wieder vom Himmel als wäre nichts gewesen. Die Ortschaften sind ärmlich, in einem der kleinen Läden bekommen wir wenigstens eine Packung Kekse als verspätetes Frühstück. Es gibt im Prinzip nur Bier, Limo, Cola, 2 Sorten Wurstkonserven, Reis, chin. Nudelsuppe, Bohnen, Waschpulver, Seife, Badeschlappen, Socken, Klopapier. Wir stehen etwas ratlos vorm Regal.
Brot zu besorgen soll sich auch in den nächsten Tagen als schwierig heraustellen. Die Preise sind hoch, oft ein Vielfaches von Deutschland. (Dose Frühstücksfleisch 4€, Dose Pfirsische 4,50€, 8 pappige eingeschweißte Brötchen 1,50€, 200g Käse ab 4€ aufwärts) Nichts im Geschäft, was sich nicht Monate hält. Wir würden hier auf die Dauer wahrscheinlich verhungern. Das einzig wirklich billige ist Einweggeschirr!
Mittags halten wir an einer anderen Farm, die Orangen und Javaäpfel verkauft. Die ebenfalls amerikanische Familie ist so von uns begeistert, dass sie uns das Obst fast schenkt, wir bekommen kalte Limo, dürfen unsere Wasserflaschen auffüllen und auch Mittagessen angeboten.
In Hopkins, einem Ort am Strand, treffen wir einen ausgewanderten Deutschen, der hier ein Hostel betreibt. Es ist ausgebucht, aber wir können für 15€ in der Bar schlafen. Als letzte Gäste sozusagen
Interessant wieder die Informationen: Belize macht es Aussteigern aus Europa und den USA sehr leicht sich anzusiedeln. Fast alle Touristen, die wir treffen sind englischsprachig. Belize ist oft das einzige Land, wo sie sich "hintrauen", weil sie eben keine andere Sprache beherrschen. (Da wäre die Welt für Ungarn und Tschechen ganz schön klein )

Die Straßen sind gut, eben, etwas rau, aber kaum Verkehr.

Die Straßen sind gut, eben, etwas rau, aber kaum Verkehr.

Nahe Hopkins viel Sumpfland mit Wasservögeln und Orchideen. (Es gibt in Belize 250 Orchideenarten)

Nahe Hopkins viel Sumpfland mit Wasservögeln und Orchideen. (Es gibt in Belize 250 Orchideenarten)

Java- oder auch Rosenapfel

Java- oder auch Rosenapfel

Die letzten Gäste in der Bar

Die letzten Gäste in der Bar

30.12.2016, 41km Rad + 117km getrampt

Wir entscheiden uns nicht von Hopkins aus zum Schnorcheln mit dem Boot rauszufahren, sondern für diesen Zweck auf eine der Inseln des zweitgrößten Korallenriffs der Welt überzusetzen.
Heute wollen wir vorzugsweise trampen, mal sehen, wie das bei dem wenigen Verkehr so klappt. Die Zeit sitzt uns im Nacken, uns fehlen die 4... 5 Tage, die wir in Costa Rica wegen des Hurrikans und des Diebstahls verloren haben. Außerdem sind die Straßen in Belize zwar recht gut asphaltiert, aber streckenweise sehr öde. Wir radeln zurück zur Hauptstraße und auf der Suche nach Essen noch ein paar Ortschaften weiter. Zwischendurch begegnet uns eine unbewirtschaftete Orangenplantage. Die hier eher grünen Früchte schmecken viel besser als sie aussehen. Nur können wir das wegen der vielen Sandfliegen, die sich sofort beim Anhalten auf uns stürzen, nicht recht genießen.
Dann halten wir den Daumen raus und das erste Auto hält promt an. Ein Ehepaar mit Pickup. Der Mann sichert die Räder ordentlich mit Strick, fährt äußerst rücksichtsvoll und stoppt zwischendurch sogar einmal um uns (wir sitzen auf der Ladefläche) eine Sehenswürdigkeit zu erklären. Sehr nett! So stehen wir nach einer Stunde in Belmopan und versuchen unser Glück gleich nochmal. Diesmal hält das dritte Auto, ein kleiner LKW mit Werkzeug, Materialien, Verkehrskegeln und schon zwei Arbeitern auf der Ladefläche. Wir winken ab, doch der Fahrer meint "No problem". Alles wird zurechtgerückt und 15.30 Uhr lässt er uns mitten in Belize City raus. Schneller als jeder Bus!

31.12.2016 Silvester auf der Insel

Beim Hostelbetreiber können wir unser Zeug einstellen und so starten wir nur mit Zahnbürste und Badezeug per Wassertaxi auf die Insel Caye Caulker. Die 45km kosten hin-und zurück 25 US$ p. P. und dauern 40 min.
Auf der Insel haben die Uhren eine andere Schlagzahl- gefühlt die Hälfte bis ein Drittel der normalen Zeit. Go Slow steht auf mehreren bunten Schildern und vermittelt mehr die Lebensart als den Hinweis. Easy Going in Reinstkultur. Sich über etwas aufregen scheint eine Todsünde zu sein. Wir finden nach einigem Fragen ein Hostel und buchen für den Nachmittag eine Schorchel-Tour. Eigentlich zuviel Activity für einen Tag nach Caye Caulker Maßstab. Aber es ist ja auch Silvester und es wimmelt von Touris. Das Schnorchel macht super Spaß und wir sehen viele verschiedene Fische und gleiten über Korallen und Tierche dahin. Mit ein paar Sardinien füttern Rocky und Dylan - unsere beiden Guides Ammenhaie und Mantas an. Wir schwimmen darüber uns sehen uns das Spektakel an. Am Abend gibt es Asado im Hostal, Reis mit Bohnen und gegrillten Hühnerschenkeln. Wir reden mit den anderen Gästen und dann laufen wir zu der Stelle, wo der Hurrican Hattie 1961die längliche Insel in zwei Teile geteilt hat. Der Graben wird "The Split" genannt. Dort feiern ca. 150 US- Amerikaner ausgelassen die Silvesternacht. Die Outfits erinnern an Fasching, fallen aufgrund der Wärme aber zum Großteil sehr sexy und knapp aus, schließlich sind auch kurz vor Mitternacht immer noch ca. 27 °C. Dann steigt ein sehenswertes Feuerwerk und wir trinken im Hostal noch Rum mit Cola. Rum ist gegenüber Bier (oder die billigste Flasche Wein 12€) einfach spottbillig und gut. Ca. 7 € pro Liter.

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Caye Caulker - Badehose und Schlappen mehr braucht man hier nicht

Caye Caulker - Badehose und Schlappen mehr braucht man hier nicht

Alte Kühlschränke kann man immer noch teilweise verwerten...

Alte Kühlschränke kann man immer noch teilweise verwerten...

Allen zu Hause ein gutes neues Jahr!

Allen zu Hause ein gutes neues Jahr!

1.1.2017, 0km

Wir schlafen aus und gehen dann ganz langsam über die gegen Mittag erwachende Insel, schauen nochmal bei den Seepferdchen vorbei und springen zur Abkühlung ins türkisblaue Wasser. In unserem Hostel spülen wir uns das salzige Wasser ab und gehen dann zum Fähranleger. Das Wassertaxi bringt uns in nur einer halben Stunde zurück aus dem Paradies in die reale Welt. In Belize City hat alles geschlossen, aber wirklich alles. Wir sind froh, dass unser Hotel öffnet, als wir dort klingeln. Thomas repariert noch was an den Fahrrädern, etwas Öl für die Ketten und nocn einen Cola-Rum-Drink, um die Reggae-Musik so langsam ausklingen zu lassen. Caye Caulker ist ein besonderer Platz, der einen mit seiner Lebensart liebevoll in Beschlag nimmt - hier werden selbst hartgesottene Workaholics einfach 2...4 Gänge runterschalten.

Im Hostel, überall "go slow" Schilder

Im Hostel, überall "go slow" Schilder

Hier habe ich mir zum ersten Mal sehnlichst  eine Unterwasserkamera gewünscht ...

Hier habe ich mir zum ersten Mal sehnlichst eine Unterwasserkamera gewünscht ...

© Jana und Thomas die GriSchmis, 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nachdem wir 2013/14 während eines halben Jahres durch Peru, Bolivien, Argentinien, Chile und Uruguay geradelt sind soll es diesmal von Costa Rica über Nicaragua nach Mexiko gehen.
Details:
Aufbruch: 25.11.2016
Dauer: circa 7 Wochen
Heimkehr: Januar 2017
Reiseziele: Spanien
Deutschland
Costa Rica
Nicaragua
El Salvador
Guatemala
Belize
Mexiko
Der Autor
 
Jana und Thomas die GriSchmis berichtet seit 11 Monaten auf umdiewelt.