Spanien-Reisebericht :Suedspanien einmal anders - 10 Tage Trekken in der Sierra Nevada

Die Sierra Nevada ist den meisten zum Glueck noch unbekannt. Im Internet findet man nur wenig ueber die Trekkingmoeglichkeiten in diesem Gebirge,in dem man bis zu 3400m hohe Berge findet. Wir wollen diese Gegend mit GPS und topografischer Karte erkunden und uns nicht wie die meisten anderen Suedspanienreisenden an den Strand legen.

Track I - Vier Tage Trekken am Nordrand

Bereits die schneebedeckten Gipfel der Pyrenäen, die vom Flieger aus bewundern darf, lassen mein Herz schneller schlagen. Die sonnigen 20Grad in Málaga machen erst recht gute Laune.
Ich treffe Jonas, den ich vor vier Jahren in Neuseeland kennengelernt habe, und seine zwei Kommilitonen Nils und Johannes in der schönen, atmosphärischen Altstadt Málagas. Zusammen geht es weiter nach Granada, der Basis unser Tracks in die benachbarte Sierra Nevada.
Ich bin sowohl von den günstigen Buspreisen Spaniens als auch von Granada an sich begeistert. Auf den Plätzen der Altstadt tummeln sich hunderte Studenten. Alle singen, tanzen, chillen oder trinken. Über all dem Treiben thront di Alhambra als Wahrzeichen Andalusiens.
Wir wohnen im "Oasis Backpacker", ein Hostal, das mir in Thailand von einem Australier empfohlen wurde. Dementsprechend gut ist es auch.

In den engen Gassen Granadas

In den engen Gassen Granadas

Enspannt lauschen wir auf dem Plaza Nueva den Straßenmusikern

Enspannt lauschen wir auf dem Plaza Nueva den Straßenmusikern

Der Eintritt in die Alhambra kostet 10€ - den kann man sich ja auch sparen

Der Eintritt in die Alhambra kostet 10€ - den kann man sich ja auch sparen

Es tut gut wieder Travellergeschichten zu hören und Freundschaft mit bis vor einer Stunde Unbekannten zu schließen. Schließlich fragen mich zwei Engländer, ob ich nicht mit ihnen nach Marokko kommen wolle - eine Frage, die mich schmerzlich daran erinnert, nicht mehr die totale Freiheit einer langen Reise zu besitzen.
Als Resultat der langen Nacht, verpassen wir am nächsten Morgen unseren Bus nach Trevèlez, den Ausgangspunkt unseres Tracks. Wir nutzen den Vorteil zu viert unterwegs zu sein und nehmen kurz entschlossen ein Taxi zu einem Informationszentrum am anderen Ende der Sierra Nevada. Das Informationszentrum ist geschlossen und so ziehen wir mit GPS und Karte, aber ohne Wetterinformationen los.

Los gehts!

Los gehts!

Aus der Straße wird schnell eine Schotterpiste. Aus der Schotterpiste ein Track und aus dem Track ein teilweise kaum noch auszumachender Pfad. Wir laufen durch hüfthohe Dornensträucher, verlieren den Weg und finden einen anderen wieder. Das ist der Vorteil ohne feste Route zu laufen!

Aus der Straße wird schnell...

Aus der Straße wird schnell...

...eine Schotterpiste. Aus der Schotterpiste...

...eine Schotterpiste. Aus der Schotterpiste...

...ein Track und aus dem Track...

...ein Track und aus dem Track...

...ein teilweise kaum noch auszumachender Pfad.

...ein teilweise kaum noch auszumachender Pfad.

Auch wenn Nils' Versuch, eine Kuh zu melken, was uns warme Milch zum Abendbrot beschert hätte, fehl schlägt, ist die Stimmung bestens -ebenso wie das Wetter.

Stimmung und Wetter sind super!

Stimmung und Wetter sind super!

Später sitzen wir am Lagerfeuer im Wald. Obwohl ich nach meiner langen Reise nur 12 Tage wieder "sesshaft" war, so macht es mich glücklich endlich wieder draußen und unterwegs zu sein.
Als die letzte über dem Feuer heiß gemachte Tasse Tee ausgetrunken ist, verziehen wir uns bei -6Grad in unsere Zelte. Schon viele Nächte habe ich beim Trekken frierend verbracht und so ist die Vorfreude auf die Nacht nur mäßig.
Mein neuer Schlafsack erweist sich jedoch als guter Kauf.

Kochen über dem Lagerfeuer

Kochen über dem Lagerfeuer

Die Kälte treibt uns am nächsten Morgen sofort ans Feuer.

Die Kälte treibt uns Morgens sofort ans Feuer

Die Kälte treibt uns Morgens sofort ans Feuer

Nach Haferflocken mit Wasser und Kakaopulver führt uns der Pfad über die Baumgrenze hinaus. In den kalten Muskeln tun die ersten Schritte weh, doch schon bald vertreiben Schweißperlen die Kälte aus den Gliedern.
Unser Plan ist, keinen Plan zu haben. Daher entscheiden wir uns spontan einen schneebedeckten Berg zu erklimmen und anschließend auf der gegenüberliegenden Seite in ein anderes Tal abzusteigen. Ein langer, harter Aufstieg beginnt.

Meter um Meter kämpfen wir uns den Berg herauf. Über vereiste Schneefelder und loses Geröll gelingt es und schließlich die Spitze auf 2633m zu erreichen. Die Aussicht ist gigantisch.

Der Blick auf den "Mulhacen", den höchsten Berg Spanien, macht Lust auf mehr, ist jedoch mit unserer Ausrüstung und den momentanen Schneedecke für uns auf dieser Reise nicht im Bereich des Möglichen.
Der schneidende, eisige Wind zwingt uns hinter einen Felsvorsprung, wo wir uns in Ruhe mit Essen und Obstler stärken. Wir haben -1Grad.
Durchgefroren beginnen wir mit dem Abstieg. Wir haben nicht bedacht, an einem Südhang aufgestiegen zu sein und daher nun an einem Nordhang, der sich uns logischerweise deutlich vereister zeigt, absteigen zu müssen.

Der Obstler hat uns leichtsinnig gemacht. Nils und ich springen auf ein Eisfeld und rutschen auf dem Híntern mit Rucksack herunter - alles dicht am Abgrund! Das Adrenalin verreibt die Kälte.

Der Abstieg ist steiler, gefährlicher und länger als erwartet. Es ist schon 17Uhr. Sorgen macht uns die Tatsache, dass es in diesem steilen Tal, in dem jeder Schritt eine Steinschlag auslöst, es unmöglich ist ein Zelt aufzuschlagen, geschweige denn Holz für ein auf dieser Höhe umso wichtigeres Feuer aufzutreiben.

Südspanien ist nicht immer warm!

Südspanien ist nicht immer warm!

Schritt um Schritt quälen wir unsere müden Beine ins Tal herunter. Der Untergrund ist rutschig und andauernd knicke ich um. Die Konzentration lässt nach und regelmäßig fallen wir hin. Wind und Kälte treiben mir Tränen in die Augen, was eine klare Sicht im dunkler werdenden Tal unmöglich macht.
Erst nach 18Uhr erreichen wir das ersehnte Quertal auf 1900m. Dafür ist der Platz umso schöner. Wir finden einen Fluss, eine ebene Fläche und sogar Feuerholz! Dieses Glück lässt uns ein wenig übermütig werden und so nehmen alle vier ein Bad im teilweise zugefrorenen Fluss. Entsprechend "warm" ist das Wasser. Die Außentemperatur beträgt -2Grad.
Noch während ich mich abtrockne gefrieren meine Haare zu Eiszapfen - vielleicht hätte ich nicht untertauchen sollen!
Solange wir unsere Augen offen halten können, harren wir am wärmenden Feuer aus. Die Temperaturen fallen weiter auf unter -10. "Der schon in Deutschland angekündigte Kälteeinbruch muss auch Südspanien erwischt haben.", denke ich mir, als ich frierend in den eiskalten Schlafsack krieche.

Das zweite Lager

Das zweite Lager

Erneut frieren wir trotz der Kälte nur wenig. Das am Vortag ausgefallende GPS funktioniert wieder. Verwundert stellen wir fest, uns 6km weiter südlich als gedacht zu befinden.

Der Atem war an der Zeltwand kondesiert und dementsprechend war mein Schlafsack am MOrgen nass. Nur mit viel Geduld kann ich ihn über dem Feuer trocknen.

Der Atem war an der Zeltwand kondesiert und dementsprechend war mein Schlafsack am MOrgen nass. Nur mit viel Geduld kann ich ihn über dem Feuer trocknen.

Den auf der Karte existierenden Track finden wir nicht. Stattdessen durchqueren wir Flüsse und klettern steile Hänge rauf und runter. Schließlich gelangen wir zu einem Pfad, dem wir in Richtung Westen folgen. Obwohl wir nun nur noch auf 1400m sind, herrschen selbst am Tage Temperaturen unter dem Gefrierpunkt.

Ein Track existiert nicht!

Ein Track existiert nicht!

Nils hat seine Trinkflasche beim Überqueren eines Flusses verloren

Nils hat seine Trinkflasche beim Überqueren eines Flusses verloren

Durch Flüsse

Durch Flüsse

Immer weider treffen wir auf Gemsen

Immer weider treffen wir auf Gemsen

Schon im besiedelten Gebiet angekommen, steigen wir 45min weg vom großen Track und werden an einem kleine Bachlauf fündig. Die Feuerholzsuche wird von leichtem Schneefall begleitet. Heute hat keiner Lust baden zu gehen.
Ein Ziegenhirte entdeckt uns und gibt uns den "klugen" Ratschlag, dass es hier sehr kalt - viel zu kalt zum zelten - sei. "Der werde uns schon warmhalten.", sagen wir ihm und zeigen auf die zwei bereits leicht mit Schnee bedeckten Flaschen Rum.
Schnee fällt mir ins Gesicht, als ich am nächsten Morgen das Vorzelt öffne.

Am Morgen liegt Schnee auf unserem Lagerplatz

Am Morgen liegt Schnee auf unserem Lagerplatz

Wir haben uns entschieden schon an diesem Tag zurück in die Stadt zu laufen. Der Weg am vierten Tag unseres Tracks ist eher langweilig. Der breite Weg wird schon nach einigen Stunden zu einer Straße, auf der wir am Nachmittag ein kleines Städtchen erreichen.

Der letzte Tag ist eher langweilig

Der letzte Tag ist eher langweilig

"Güeja Sierra" ist ein niedliches, kleines Bergstädtchen, wie man es aus Prospekten kennt. Durch die verwinkelten, schmalen Gassen gelangen wir zum Plaza, auf dem die ältere Männer plaudernd die letzten Sonnenstrahlen genießen. Niemand scheint es eilig zu haben in Güeja Sierra.

Entspannte Athmosphäre in Güeja Sierra

Entspannte Athmosphäre in Güeja Sierra

Die Alten im Dorf tauschen Neuigkeiten aus

Die Alten im Dorf tauschen Neuigkeiten aus

Mit dem begeisternden Gefühl etwas geschafft zu haben und der Vorfreude auf ein weiches Bett und eine warme Dusche spazieren wir die pulsierende Hauptstraße Granadas in Richtung "Oasis Backpacker" entlang. Dort angekommen informiert man uns, nicht nur "Oasis" , sondern die gesamte Stadt sei in diesen Tagen ausgebucht. Ob wir nicht wüssten, dass "Semana Santa" kurz bevorstände, will der freundliche Spanier an der Rezeption von uns wissen. Der Traum einer warmen Dusche scheint bereits zerplatzt, als er uns eine Schlafcouch und eine Matratze anbietet. Danke willigen wir ein.
Wir feiern den gelungenen Track und Abschied von Nils und Johannes. Dass der Abend sich allerdings bis tief in die Nacht zieht liegt auch daran, dass irgendwie jeder in diesem Hostal Gitarre zu spielen schient.
Schließlich wollen wir ins Fernsehzimmer, wo unsere Schlafcouch steht. Jedoch wird die Tür krampfhaft von innen zugehalten. Eine Amerikanerin, die schon ein paar Tage im Oasis ist, bestätigt unseren Verdacht und fügt hinzu, dass das Fernsehzimmer jeden Abend von neuen Pärchen "genutzt" würde. "Wo auch sonst, wenn man in einer Acht-Bett-Dorm schläft?"
Schließlich kommen der Ire und seine neue Liebe aus dem Zimmer heraus. Im Vorbeigehen raunen sie Jonas, der mehrfach durch die Tür deutlich gemacht hatte, dass wir JETZT schlafen wollten, an: "Man dürfe doch mal eine Film zu ende schauen?!" Es ist 4:25Uhr.

© Morris B., 2007
Du bist hier : Startseite Europa Spanien Spanien-Reisebericht
Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 18.03.2007
Dauer: 11 Tage
Heimkehr: 28.03.2007
Reiseziele: Spanien
Der Autor
 
Morris B. berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors