Guatemala - erste Begegnung mit Mittelamerika

Reisezeit: Februar 2005  |  von Ingo Runde

Lago Atitlan oder San Pedro ruestet auf

Die letzten Tage meiner ersten Zentralamerika- Erfahrung verbringe ich nun am Lago Atitlan. Wenn man davon liest oder darueber hoert, dann schwaermen alle, die davon zu berichten wissen: "Der schoenste See der Welt" ist etwas, das nicht selten zu hoeren ist. Und wenn man ankommt, kann man das auch verstehen. In ca. 1500 m Hoehe gelegen, ist der See umringt von Bergen und Vulkanen, die ihm trotz der teilweise von Travellern ueberfuellten Doerfer eine bestimmte ruhige und abgelegene Stimmung verleihen. Man kommt sich vor wie in Mittelerde.

Allerdings war mein erster Eindruck doch sehr viel negativer. Ich hatte einen Transport von Antigua nach Panajachel - dem Touristendorf am See. Wir fuhren ueber die Hauptstrasse, und ich war nur froh, nicht dort bleiben zu muessen. Die Strassen sind gesaeumt von Verkaufsstaenden, Mayakunsthandwerk ist darunter sicherlich auch zu finden. Meist jedoch Holzfiguerchen, Decken, fuer diese Region typische Bekleidung. Auch wenn mir klar ist, dass viele der hier lebenden Guatemalteken den Verkauf dieser Sachen als ihr einzige Einnahmequelle haben, so muss ich doch sagen, dass mich das eher abtoernt als begeistert. Spaeter musste ich noch einmal nach Pana, wie man Panajachel hier nennt (dadurch kann man in Gespraechen mit anderen Travellern ernormen Eindruck machen, niemand sagt Panajachel), weil es in San Pedro, wo ich in den Tagen war, keine Bank gab, die mir weiterhelfen konnte. Ich musste mit meiner VisaCard Geld abheben, hatte aber keine PIN. Es gibt immer Fehler, die man zum ersten mal macht, oder?
Dabei war meine Pana-Erfahrung dann noch extremer. Nahezu aufdringlich kommen alle Nase lang Kinder oder Frauen an, die Dir etwas andrehen wollen. Selbst, wenn man in aller Ruhe an den Verkaufsstaenden entlang gehen wollte (nicht, dass sich das lohnen wuerde), kann man es gar nicht, weil sich immer jemand in den Weg stellt.
Da lob ich mir doch San Pedro, obwohl ich auch da im ersten Moment nicht gerade begeistert war. Es ist sehr einfach, von Pana aus zu den anderen Orten am See zu gelangen. Es gibt ein Pier (also einen Holzsteg), von wo aus die kleinen Boote losfahren, wenn sie mit genuegend Fahrgaesten gefuellt sind. Das Ziel wird immer lautstark ausgerufen, so dass man eigentlich keinen Fehler machen kann.
In San Pedro geht die Strasse vom Dock aus, wo die Boote aus Pana ankommen, ziemlich direkt ziemlich steil bergauf. Mit einem grossen und einem kleinen Rucksack ist das nicht besonders klasse. Aber es gibt viele Unterkuenfte auf dieser Seite von San Pedro. Empfehlen kann ich das Casa Elena mit sauberen Zimmern und einem eigenen Holzsteg, der ins Wasser fuehrt. Ich hatte ein Zimmer mit Privatbad (ich gehoere wohl eher zu der Sorte der Komfort-Traveller) fuer 40 Quetzales die Nacht, sind ca. $ 5.
Aber auch, wenn man an die andere Seite von San Pedro moechte, dann sollte man nicht ueber die steile Strasse gehen. Wenn man sich links haelt, kommt man sehr bald zu den kleinen verstaubten Wegen, die ohne grosse Huegel zur anderen Seite fuehren. Und dort kann man dann auch gute Hostels, gute Bars, Cafes und Restaurants finden, nicht auf der anderen Seite, sondern in diesen kleinen verstaubten Wegen.

Das hat sich mir aber erst am zweiten Tag gezeigt. Am ersten in ich ueber die steile Strasse in den Ort gegangen und war echt enttaeuscht. Viel Dreck, viele Traveller, die grossen Wert darauf legen, ihre coole und alternative Lebenseinstellung anderen aufzudraengen. Natuerlich geht man hier barfuss. Natuerlich traegt man einheimische Kleidung und Rastalocken, von den ganzen Ringen, Ketten und Armbaendern ganz abgesehen. Ich finde, dass jeder so leben und denken soll, wie er will, nur kam es mir hier so vor, als ob diese ganzen Aussteiger und Langzeittraveller es einfach ein bisschen uebertrieben haben. Auf meinem Weg und auch spaeter hatte ich massig Gelegenheiten, Gras zu kaufen. Wenn man durch die engen Wege geht, liegt der suessliche Marihuanageruch aber sowas von in der Luft. Auch das soll jeder so machen, wie er will.
Aber das spiegelt so ein bisschen die Atmosphaere wider, die man hier antrifft. Alles ist easy, hang loose und stay cool, rauch dir erst mal eine. Heute abend ist ein Trommelabend, da wird erst mal ordentlich gefeiert. Mag sich ein bisschen sarkastisch anhoeren, ist aber auch so gemeint. Es gibt natuerlich auch die anderen Traveller, mit denen man sich normal unterhalten kann. Es gibt gutes Essen in vielen Restaurants, Filme und Livemusik und auch - deshalb der Titel des Kapitels - massig Baustellen. Ueberall, wo auch nur noch ein Guesthaus hin passt, wird auch eines gebaut. San Pedro ruestet echt auf. Sowas hat natuerlich auch immer zwei Seiten, eine gute Einnahmequelle fuer die Menschen, die hier leben, aber auch die grosse Gefahr, dass San Pedro zu einem zweiten Pana wird. Auf dem Weg dahin ist es zumindest.

Zwischendurch habe ich mir San Marcos angesehen, ein anderes Dorf am See. Hier ist eine etwas andere Atmosphaere zu spueren. Es gibt ein Meditationszentrum, in dem man einen 4woechigen Meditationskurs belegen kann. Es gibt viel, was man dem esoterischen Bereich zuordnen wuerde. Dort habe ich uebrigens zum ersten Mal einen Saft aus ausgepresstem Salat getrunken und danach beschlossen, dass der PowerJuicer auf jeden Fall angeschafft werden muss, koestlich und hoechstwahrscheinlich auch ziemlich gesund.
In San Marcos ist alles noch ruhiger als in San Pedro, obwohl man sich hier schon sehr leicht dem Abhaengen und Nichtstun hingeben kann. Das ist mir aufgefallen, als ich nur noch einen Tag bis zu meinem Rueckflug hatte. Ich habe weder einen Ausritt gemacht, noch eine Vulkanbesteigung oder eine andere Wanderung. Aber irgendwie ist das ja auch klasse.
Das Schwimmen im See ist uebrigens nicht ganz so klasse, weil die Frauen aus dem Dorf am Seeufer die Waesche waschen, sich selbst und die Kinder ebenfalls. Ausserdem werden die Abwaesser der einzelnen Hostels durch dicke Gummischlaeuche in den See geleitet. Man kann sich dann ja vorstellen, wie es in einigen Jahren hier aussieht.
Trotz allem, was sich vielleicht negativ angehoert hat, muss ich den Leuten zustimmen, die den Lago Atitlan als einen der schoensten Seen auf der Welt bezeichnen. Es ist einfach fantastisch, sich an das Ufer zu setzen und seinen Blick schweifen lassen.

Ich werde noch einen Tag vor meiner Abreise von hier den bekannten Markt in Chichicastenango besuchen, aber ich werde meinen Bericht hiermit abschliessen. Von zu Hause aus werde ich noch einige Bilder beifuegen.

Chichicastenango, Gemüsemarkt

Chichicastenango, Gemüsemarkt

Chichicastenango, Markt

Chichicastenango, Markt

Ich hoffe, dass Euch mein persoenlicher Bericht gefallen hat. Wie schon mal gesagt, er spiegelt natuerlich nur meine eigenen Empfindungen und Gedanken wider.
Ueber einen kleinen Eintrag ins Gaestebuch wuerde ich mich freuen.
Hasta luego - bis zum naechsten Bericht.

Chichicastenango, Marktfrau

Chichicastenango, Marktfrau

Oeffne Dein Herz und deine Augen fuer alles, was fremd und neu ist. Nur dann wird Dein Leben reich an Erfahrungen sein, von denen Du lange zehren kannst.

Viele Gruesse,Ingo

Guatemalteke

Guatemalteke

Mayafrau bei Zeremonie

Mayafrau bei Zeremonie

Chichicastenango, Markt

Chichicastenango, Markt

Lake Atitlan, San Marcos

Lake Atitlan, San Marcos

Lake Atitlan

Lake Atitlan

San Pedro

San Pedro

Lake Atitlan

Lake Atitlan

© Ingo Runde, 2005
Du bist hier : Startseite Amerika Guatemala Lago Atitlan oder San Pedro ruestet auf
Die Reise
 
Worum geht's?:
Zweieinhalb Wochen Guatemala - davon eine Woche Sprachschule in Antigua. Der Rest ist bislang noch unbekannt, mal sehen, wo es mich hin treibt...
Details:
Aufbruch: 04.02.2005
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 22.02.2005
Reiseziele: Guatemala
Der Autor
 
Ingo Runde berichtet seit 19 Jahren auf umdiewelt.