USA 2013 - Teil 1 - Südwesten

Reisezeit: Juni / Juli 2013  |  von Uschi Agboka

Von Tucson nach Flagstaff, Arizona

ImVorbeifahren - schön gestaltet

ImVorbeifahren - schön gestaltet

Unterwegs - alles dabei

Unterwegs - alles dabei

Unterwegs

Unterwegs

Montezuma Castle National Monument

Montezuma Castle National Monument

Auf dem Weg nach Sedona

Auf dem Weg nach Sedona

Rita (Rita + Chris + Doris haben uns 2013 auf der Tour begleitet) in Sedona

Rita (Rita + Chris + Doris haben uns 2013 auf der Tour begleitet) in Sedona

Oak Creek Canyon

Oak Creek Canyon

Oak Creek Canyon

Oak Creek Canyon

7. Tag Flagstaff, Arizona

Mittwoch, 12. Juni 2013
7. Tag Flagstaff, Arizona Days Inn

Tuscon / Montezuma Castle National Monument / Red Rock Scenic Byway / Sedona / Oak Creek Canyon / Flagstaff
Gefahrene Meilen: 280 (451 km) - 10 Stunden

Wir sind schon um 5.30 Uhr auf, da wir um 7 Uhr zum Frühstück wollen, damit wir das heiße Phoenix schnell hinter uns bringen. Das Frühstück im Country Folks Restaurant ist so gut wie gestern das Abendessen.

Auf der Interstate 10 fahren wir um 8 Uhr los, Richtung Phoenix, vorbei am Piccacho Peak. Bei Casa Grande machen wir eine kurze Pause in der Rest Area. Wir befinden uns in der Gila River Indian Reservation. Die vor uns fahrenden LKWs schlingern nur so dahin. Beim Überholen stellen wir fest, dass die Fahrer telefonieren. Ohne Freisprechanlage auch in USA verboten. Um 11.30 Uhr kaufen wir in Anthem im Safeway ein und machen eine weitere Kaffeepause. Es ist schon sehr sehr heiß.

Gegen 13.30 Uhr erreichen wir Montezuma Castle National Monument.
Montezuma Castle ist eines der besterhaltenen historischen Gebäude Nordamerikas. Es handelt sich um eine Felsenbehausung (Cliff Dwelling), die von den Sinagua-Indianern im 12. Jahrhundert erbaut wurde. Sie liegt in Arizona zwischen Phoenix und Flagstaff. Der Gebäudekomplex besteht aus 20 Räumen, die sich über fünf Etagen in eine Felsnische ein-passen. Die Ruinen liegen an den Hängen des Beaver Creek und sind nur über Leitern zu erreichen. Als erste Europäer wurden die Spanier auf die Behausungen aufmerksam. Sie hielten sie irrtümlich für ein Aztekenschloss, welches flüchtende Azteken für ihren Herr-scher Montezuma gebaut hatten. Heute wissen wir, dass Montezuma sich niemals so weit nördlich seiner mexikanischen Heimat aufgehalten hat, doch der Name Montezuma Castle blieb.

Am 8. Dezember 1906 wurde Montezumas Castle von Präsident Theodore Roosevelt, gleichzeitig mit dem Inscription Rock in New Mexico, zum National Monument erklärt. Montezuma Castle ist für Besucher ganzjährig geöffnet. Die Ruine selbst kann nur von außen betrachtet werden.

Die Sinagua - sin agua = ohne Wasser - besiedelten das Tal des Verde Rivers ab der Mitte des 11. Jh. Sie siedelten dort nach dem Ausbruch des Vulkans Sunset Crater in den Jahren 1064/65, dessen fruchtbare Vulkanasche die Voraussetzungen für Ackerbau in der durch Wüsten geprägten Region verbesserten. Vorgänger waren die Hohokam, die Anasazi und Mogollon, deren unterschiedliche Einflüsse sich mit der Sinagua Kultur vermischten. Die Sinagua-Indianer lebten vom Ackerbau. Vielleicht zum Schutz vor feindlichen Indianerstämmen legten sie ihre Wohnungen in den Felswänden an. Weshalb die Behausungen von den Indianern verlassen wurden, ist bisher nicht bekannt.

Wissenschaftler vertreten unterschiedliche Theorien über die Ursache für das Verlassen der Behausungen. Eine Theorie bezieht sich auf eine lang anhaltende Dürreperiode, die in dieser Wüstenregion regelmäßig vorkommt und den vom Ackerbau lebenden Sinagua keinen anderen Ausweg ließ, als die Behausungen zu verlassen und sich anderswo anzusiedeln.

Anhand von Ausgrabungen war es den Archäologen möglich, den reichen Lebensstil der Sinagua zu rekonstruieren. Die Funde (Tongefässe, Werkzeuge, Tierknochen, Abfälle etc.) zeugen von einer innigen Verbindung zwischen Mensch und Land. Die Sinaguas konnten nicht mal eben im Supermarkt nebenan einkaufen, sie mussten alle Pflanzenerzeugnisse anbauen und nach Indianertradition in der natürlichen Fauna ausfindig machen. Der Beaver Creek (Biberbach) hat im Verde Valley (Grünen Tal) stets eine lebensnotwendige Rolle gespielt. Die Sinagua errichteten Montezuma Castle und andere Gebäude alle in der Nähe des Baches. Sie legten Bewässerungskanäle an, um das Bachwasser auf ihre Felder zu leiten. Sie jagten das vom Wasser angelockte Wild und sammelten die Pflanzen, die in Bachnähe wuchsen. Doch die Sinagua waren den Launen des Beaver Creek ausgeliefert. Dieser verwandelte sich in nur wenigen Augenblicken zu einem tobenden reißenden Strom, der die Zeugnisse seiner Zerstörung in den Kronen der am Ufer stehenden Bäume ablagerte.

Zeichnungen erläutern, wie es den findigen Sinagua möglich war, hoch oben an der steilen Canyonwand Häuser zu bauen, die mehr als 50 Personen Platz boten (Montezuma Castle und Castle A, von dem jedoch nur noch die Überreste verfallener Mauern und das Fundament erhalten sind). Dies geschah zwischen 1200 und 1450 n. Chr. Wenn man die Felsen-wand genau anschaut, entdeckt man Vorsprünge und Höhlen, die den Sinagua als Wohnung dienten. Archäologen glauben, dass die Sinagua in engen Dorfgemeinschaften lebten. Es muss ein gutes Leben gewesen sein. Die Sinagua bestellten ihre Felder an den Ufern des Beaver Creek und wohnten jahrhundertelang in ihren so mühevoll errichteten großen Dör-fern. Sie kamen als Siedler und sie bauten für die Zukunft, daran besteht kein Zweifel.

Aber aus einem völlig mysteriösen Grund verliessen sie im Lauf des 15. Jh. diese Heimat wieder. Innerhalb von 50 Jahren war Montezuma Castle völlig verlassen. Niemand kann mit Bestimmtheit sagen, warum die Sinagua wegegangen oder wohin sie gezogen sind. Die Sinagua Kultur ging unter. Über die Gründe sind sich die Wissenschaftler noch heute nicht einig.

Heute betrachtet man die Walapai, Havasupai und Yavapai als Nachfahren. Die Hopi behaupten, dass die Sinagua zwischen 1250 und 1450 in ihre Gebiete zugewandert seien, ihre Gebräuche übernommen hätten und mit ihnen verschmolzen seien. Dies lässt sich aber archäologisch nicht beweisen. Doch eines ist sicher, diese Menschen waren großartige Architekten und Künstler. Ihre Bauten haben mehr als 800 Jahre überlebt.. Und die Archäologen forschen weiter ...

Die Felsenburg Montezuma Castle, drei Jahrhunderte lang Behausung äußerst geschickter Sinagua-Bauern, klammert sich nun schon seit über 800 Jahren an den kleinen Absatz der Kalkfelsen. Doch die Elemente und der Mensch haben mit der Zeit Spuren hinterlassen. Gegen den wetterbedingten Verfall können wir nichts tun, wohl aber gegen die Abnutzung durch den Menschen. Es gilt für Montezuma Castle wie für alle über das südwestliche Amerika verstreuten alten Ruinen eines: Baufälligkeit ist die Norm, Schutz und Erhaltung die Regel. Nur so können wir die faszinierenden Zeugnisse der Vorgeschichte dieses Landes erforschen und von ihnen lernen.

Während die anderen zur Besichtigung aufbrechen, bleibe ich zurück, um auf die Sachen (Jacken, teure Helme der Mitfahrer etc.) aufzupassen. Im Visitor Center wird ein kleiner Junge als Junior-Ranger vereidigt, ich kann alles mitansehen und zuhören. Der Kleine ist stolz wie Oskar.

Nach 14.30 Uhr fahren wir weiter, Richtung Sedona, auf dem Red Rock Scenic Byway. Die roten Felsen von Sedona bieten eine atemberaubende Kulisse. Im Cow-boy Club, den wir vom letzten Jahr kennen, trinken wir etwas Kaltes. Die Hitze kann man hier gut aushalten, denn überall um die Tische herum wird Wasser hauchfein versprüht, welches für Kühlung sorgt. Es ist 15 Uhr.

Sedona (Spitzname: Beverly Hills on the Rocks) liegt am Ausgang des Oak Creek Canyon im Verde Valley. Bis 1821 gehörte das Land zu Spanien und ging dann in den Besitz von Mexiko über. 1848 fiel es nach dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg an die USA und gehörte nun zu Arizona. Sedona wurde 1902 als Farmerdorf gegründet. Der Name stammt von der Gattin von T. C. Schnebly, der hier 1899 eine Poststation eröffnete. Sie hieß Oak Creek Crossing and Schnebly Station. Der Postverwaltung war der Name zu lang und so gab Schnebly dem Ort den Namen seiner Frau, Sedona. Ab 1946 zogen viele Künstler, u. a. Dorothea Tanning und Max Ernst, nach Sedona. Sie prägten das Stadtbild ganz entscheidend. Heute kommen jährlich Tausende von Touristen in die Stadt, angezogen von den Naturschönheiten der umgebenden Landschaft. Sedona ist außerdem ein Zentrum der NEW AGE Bewegung, da die Berge in der Gegend spirituelle Kräfte besitzen sollen.

Weiter geht die Fahrt, durch den Oak Creek Canyon. Dies ist eine Schlucht entlang des Mogollon Rim, zwischen Flagstaff und Sedona. Der HW 89A bietet hier einige Haarnadelkurven. Man nennt den Canyon aufgrund seiner landschaftlichen Schönheit auch den "kleinen Cousin" des Gand Canyon. Der Oak Creek Canyon ist ca. 19 km lang und erreicht eine Breite von 1,3 bis 4 km. Die Tiefe der Schlucht liegt bei 240 bis 610 m. Der West-Rim liegt auf 2.200 m Höhe, der Ost-Rim auf 2.000 m. Der Oak Creek am Boden der Schlucht ist ein Nebenfluss des Verde River und zählt zum Einzugsgebiet des Colorado River.

Am Overlook machen wir einen Stopp. Eine traumhafte Landschaft, Felsen, mit grünen Auwäldern (Arizona Platanen) und Arizona Zypressen bewachsen. Wir sind auf ca. 2.000 m Höhe, es ist hier etwas kühler. Es liegt ein herrlicher Pinienduft in der Luft. Die Landschaft hier ist zum Teil als Wilderness ausgewiesen, für Wanderer ein Paradies.

Flagstaff erreichen wir um 17 Uhr, nach 280 Meilen (451 km). 10 Stunden waren wir heute bei großer Hitze unterwegs.
Nachdem wir abgeladen, ausgepackt und geduscht haben, treffen wir uns im Restaurant des Hotels, wo wir gut und lecker essen. Anschliessend sitzen wir noch draußen und quatschen, bei Miller Light - scheint das Lieblingsgetränk der Männer (Rolf und Chris) zu sein - und Pino Grigio. Ein schöner, wenn auch heißer anstrengender Tag geht zu Ende.

Weitere Bilder und Diashow siehe unter www.harley-rolf.de

Abendessen (Rolf) in Flagstaff

Abendessen (Rolf) in Flagstaff

Abendessen (Uschi) in Flagstaff

Abendessen (Uschi) in Flagstaff

Abendessen (Rita) in Flagstaff

Abendessen (Rita) in Flagstaff

Abendessen (Chris) in Flagstaff

Abendessen (Chris) in Flagstaff

Abendessen (Doris) in Flagstaff

Abendessen (Doris) in Flagstaff

© Uschi Agboka, 2014
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Reisetagebuch einer Tour durch 11 Staaten: Colorado, New Mexico, Arizona, Nevada, Utah, Wyoming, Montana, Idaho, Washinghton, Oregon, Kalifornien - 8.135 Meilen = 13.097 km. Text: Uschi Agboka Fotos: Rolf Kummer - www.harley-rolf.de
Details:
Aufbruch: 06.06.2013
Dauer: 5 Wochen
Heimkehr: 11.07.2013
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Der Autor
 
Uschi Agboka berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
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