Überwintern 2011

Marokko-Reisebericht  |  Reisezeit: Oktober 2011 - Februar 2012  |  von Anja & Wolfgang

Marokko: Von 19.12. bis 27.12.

In einer anderen Welt

19.12.2011 100 km
Tagesziel: Chefchaouen
Wetter: Heiter, >20 º
Seit 12:30 sind wir in Afrika, seit 13:30 in Marokko. Der Grenzübertritt war völlig problemlos, wir wurden von Carlos bereits mit den nötigen Formularen versorgt, die wir dann an Bord in aller Ruhe ausfüllen konnten. Die Prozedur: Einreisestempel in den Pass, Einfuhr des Autos für max. 6 Monate, vom Zöllner eine Frage nach Waffen, ein schneller Blick "hinten rein" zur Kontrolle unseres Bettenbaus und dann ein freundlichen Welcome to Marocco, dauerte knapp 30 Minuten.
Wir fahren dann erst mal die Küste entlang Richtung Tetouan, auf neuen vierspurigen Strassen, vorbei an neuen Hotelanlagen (Club Med & Co.) und halten kurz am Ortsrand von Tetouan bei Marjane einer Supermarktkette, um uns einen Überblick über das lokale Warenangebot zu verschaffen. Hurra, es gibt frische Chillies und es fehlt nichts das wir vermissen würden.
Wir fahren weiter, durchqueren Tetouan und fahren ins Rif Gebirge.

Irgendwann signalisiert uns einer am Straßenrand" dass er uns gerne Rauchwaren verkaufen würde, ...ansonsten eine ruhige Bergstrasse auf der wir am frühen Nachmittag Chefchaouen erreichen. Hier lassen wir uns auf dem lokalen Campingplatz nieder (Dirh 25pP & Dirh25/WoMo, Dusche Dirh10).
SP: Camping Azilan

Zum ersten Mal in einer Medina

20.12.2011 85 km
Tagesziel: Ouazzane
Wetter: Heiter, >20 º
Heute morgen machen wir uns erst einmal zu Fuss auf den Weg um Chefchaouen zu erkunden.
Von droben (der CP liegt oberhalb der Stadt) bietet sich uns dieses Bild:

eine Altstadt, die von einer Stadtmauer umgeben ist, weiss/blaue Häuser, ein Gewirr von engen Gassen. Wir treten durch eines der ehemaligen Stadttore in die Medina ein, schlendern mehr als zwei Stunden kreuz und quer, schauen Handwerkern beim Arbeiten zu und finden dann am anderen Ende, am zentralen Platz noch eine kleine Kasbah (Burg).

Auf den Weg zurück finden wir den Gewürzsouk, den Goldsouk und irgendwann auch wieder den Ausgang. Wir steigen wieder den Berg hoch zu unseren Auto und fahren weiter Richtung Süden bis Ouazzane. Hier parken wir mitten in der Stadt auf dem Place de l'Independance. Soll angeblich gebührenpflichtig und bewacht sein, aber heute hatte der Wächter anscheinend frei.
Vorbei am Uhrturm, einer Seltenheit in Marokko,

gehen wir in die Medina, finden dabei Tore wie dieses,

entdecken die Moschee,

schauen Handwerkern beim vernähen der traditionellen Bekleidung zu und irgendwann steigt uns der Duft von gegrillten in die Nase, Hier grillt einer über Holzkohlenfeuer Köfte, Lammhackbällchen.

Wir können wieder mal nicht widerstehen. Nach diesem Snack fahren wir noch 4km Richtung Fes bis zum Motel Rif, dort ist ein SP für WoMos eingerichtet, Strom an jedem Platz, die Toiletten vorbildlich sauber. Die Nacht incl, Strom. warme Dusche und Poolbenutzung in der Saison kostet Dirh. 70.--
SP: Camping Motel Rif

Ein Tag in der Medina von Fes

21.12.2011 160 km
Tagesziel: Fes
Wetter: Heiter, >20 º
Heute morgen fahren wir erst mal quer übers Land. Unterwegs ein paar kleine Städtchen, ein paar noch kleinere Dörfer, landwirtschaftlich genutztes Land wechselt sich mit Olivenplantagen ab, am Strassenrand werden Orangen, Granatäpfel (10-15 Dirh / kg) und Oliven verkauft und bei den allgegenwärtigen Polizeikontrollen werden wir freundlich durchgewunken. Irgendwann erreichen wir Fes, kommen am Royal Palace vorbei (Fotografierverbot!!) und parken unser Auto an einem von Einweisern bewachten Parkplatz an der Avenue Rezif. Wir bezahlen Dirh. 20 für den Tag, übernachten ist anscheinend möglich, denn wir wurden gefragt ob wir die Nacht über stehen bleiben wollen. Wir brechen auf und durchqueren Teile der Medina, bis wir das andalusische Viertel erreichen. Hier finden wir neben der Moschee

diesen wunderschönen Raum für die Waschungen, zugleich ist hier die einzige öffentliche Toilette (Dirh 1) die wir in Fes gefunden haben.

Die Medina von Fes auf eigen Faust, also ohne Führer zu erkunden ist eigentlich relativ einfach, den es sind hier 6 bestens ausgeschilderte, verschiedenfarbig markierten Routen angelegt, dazu sind immer wieder mal Stadtplänen aufgestellt, wer hier mit offenen Augen durch die Medina wandert kann eigentlich nicht verloren gehen. Wir kommen irgendwann ins Viertel der Gerber, der Färber und bekommen von der Terrasse eines der zahlreichen Ledergeschäfte hier diesen Blick auf die jahrhundertealten Gerber- und Farbkessel (Spende für "die Arbeiter" erbeten).

Wir folgen der "blauen Route" weiter durch die Medina, kommen an unzähligen Moscheen mit ihren kunstvoll verzierten Portalen vorbei

finden alte Paläste, die mittlerweile zu Restaurants umgebaut wurden,

Wasserspender im Innenraum

Wasserspender im Innenraum

durchqueren verschieden Souks

im Henna- (Gewürz-) Souk

im Henna- (Gewürz-) Souk

und erreichen irgendwann das Tor am Bab Boujeloud, den zentralen Platz, Ausgangspunkt für die "geführten" Touren durch die Medina.

Wir lehnen die Hilfe der Führer dankend ab, tauchen wieder ein in die Medina, wechseln irgendwann von der blauen zur grünen Route und kommen so zurück zu unseren Auto. Wir fahren noch ein paar km durch Fes, bis zum Camping Diamant Vert (WoMo/2P/warme Dusche = Dirh 80), einem der zwei lokalen CP´s.
SP: Camping Diamant Vert

Erst in eine Königsstadt und dann über den Atlas

22.12.2011 265 km
Tagesziel: Midelt
Wetter: Heiter, >20 º
Heute Morgen besuchen wir erst einmal Meknes, die jüngste der 4 Königsstädte Marokkos. Hier lies Sultan Moulay Ismail (1672 - 1727) von tausenden christlichen Sklaven (das Gefängnis kann besichtigt werden) ein 40km lange Stadtmauer mit monumentalen Toren

und entsprechend grossen Palästen anlegen.

Gegenüber dem Haupttor, dem angeblich grössten Tor Marokkos,

befindet sich der Place Hedim

auf dem Scharen von offiziellen und inoffiziellen Führern schon auf Kundschaft warten.
Hat man diesen erfolgreich überquert, so befindet man sich im Souk, in der Medina von Meknes.
Zwar etwas kleiner als die von Fes, aber mindestens genauso interessant. Man kann den Handwerkern beim arbeiten zusehen, oder wie wir sich einfach mal zur Mittagspause irgendwo niederlassen. Hier mussten wir uns erst mal beim Metzger nebenan Fleisch besorgen, Steak und Leber, beides beste Qualität!!!

bevor es dann in "unserem Lokal" nach Wunsch perfekt gegrillt wurde. (So etwas haben wir in der Türkei mit Fischen doch auch schon mal erlebt).
Wir setzen Meknes auf unsere "da kommen wir nochmal her" Liste, gehen zurück zu unserem Auto drunten am Fluss (vom Einweiser bewacht, Dirh 10) und fahren weiter Richtung Süden. Irgendwo finden wir am Strassenrand diese Speise-Zwiebeltrocknungsanlagen,

durchqueren Azrou mit seiner Sultan Moulay Ismail erbauten Kasbah und seinen mit grünen Ziegeln bedeckten Souks

und sind dann irgendwann droben auf dem Atlas, sehen den ersten Schnee am Strassenrand,

fahren hoch auf den Col du Zad (2178m) und wieder Runter nach Midelt, wo wir auf dem städtischen CP unser Nachtlager beziehen (WoMo/2P/warme Dusche = Dirh30!!!).
SP: Midelt Camping Municipal

Zu den Nomaden in die Wüste

23.12.2011 185 km
Tagesziel: Ait Sbaa
Wetter: Heiter, >20 º
Wir verlassen Midelt in Richtung Rich und schon nach einigen Kilometern kommen wir an dem relativ verfallenen Lehmdorf Zerbate vorbei.

Auf dem Weg hoch auf Pass, Col Tizi n´Talghaumt (1909m) immer wieder mal der Ausblick auf die schneebedeckten Berge im Hintergrund - wohl auch der Grund für die 0º im Midelt letzte Nacht.

Auch den Pass hinab sehen wir Lehmdörfer am Strassenrand,

sehen eine Karawane (Kamele und Esel) bergauf ziehen,

sehen diese Felsformationen in der Ferne

und erreichen irgendwann Rich. Wir durchqueren das Stadttor

und parken vor der Protection Civile (kann auch als Stellplatz empfohlen werden). Unser Weg führt uns jedoch geradewegs zum Souk, zu den letzten Einkäufen für unser Weihnachtmenü.
Auf dem weg zurück zum Auto können wir den Düften der Tajines nicht Wiedererstehen,...

Irgendwann fahren wir weiter, dringen immer tiefer in die Wüste ein, finden mitten in der Wüstenlandschaft diesen Fluss

Durchqueren Gourrama und Ait Ichchou,

Unter diese kopfförmigen Felsformation befinden sich noch unerforschte Höhlen, in denen Steinzeitwerkzeuge gefunden wurden

Unter diese kopfförmigen Felsformation befinden sich noch unerforschte Höhlen, in denen Steinzeitwerkzeuge gefunden wurden

und erreichen dann den Stellplatz auf der Olivenfarm von Thomas Friedrich, wo wir bei ein paar kleineren Wanderungen die Weihnachtstage verbringen wollen. Noch ein weiteres deutsches WoMo ist hier auf diesem Stellplatz und so lassen wir den Abend gemeinsam bei Rotwein ausklingen.
SP: Nähe Ait Sbaa

Wüstenwandertag 1

24.12.2011 0 km, 6 Stunden Wanderung, 150Hm
Tagesziel: Ait Ouazzag
Wetter: Sonnig, >20º, (Nachts sternenklar, 0º),
Heute Morgen brechen wir zu unserer ersten Wanderung durch die hiesige Steinwüste auf.
Das Minarett der Oase Ait Ouazzag ist am Horizont bereits zu sehen,

ein Verlaufen ist also nahezu unmöglich, deswegen gehen wir querwüstein, kommen an Wassserläufen vorbei,

an Schaf-und Ziegenherden und erreichen irgendwann Ait Ouazzag, eine Ansammlung von Lehmhäusern, einer Moschee, einem Wasserturm.

Wir steigen die 100m auf den Jebel Taorumi hinauf um von oben den Ausblick auf die Oase zu geniessen und gehen dann wieder querwüstein zurück zu unseren Auto. Den Sonneuntergang, den Heiligen Abend verbringen wir gemeinsam mit dem Paar aus dem Nachbar-WoMo, plaudern, tauschen Erfahrungen aus.
SP: Nähe Ait Sbaa

Wüstenwandertag 2

25.12.2011 0 km, 6 Stunden Wanderung, 250Hm
Tagesziel: Ait Sbaa
Wetter: Sonnig, >20º, (Nachts sternenklar, 0º),
Für heute haben wir uns den Besuch der Oase Ait Sbaa vorgenommen. Auch diese Oase ist schon von weitem zu sehen, liegt an einem markanten Berghang, also auch hier ein verlaufen unmöglich.

Wieder wandern wir querwüstein, sehen Olivepflückern/Innen bei der Arbeit zu,

kommen an der Quelle des Ait Aisaa vorbei und erreichen nach fast 3 Stunden Wanderung Ait Sbaa. Auch hier schauen wir uns den Ort erst mal von oben, von einem Berg aus an, sehen Moschee, Friedhof, die zerfallenen Burg, den teilweise zerfallenen Ortskern, den Brunnen und grüne Olivenhaine. Beim Bummel durch den Ort entdecken wir noch diese Olivenmühle, ein Esel treibt den Mühlstein,

die Pressen sind noch mechanisch,

werden von der Hand bedient, das ist wirklich noch kaltgepresstes Olivenöl. Wir können nicht widerstehen, kaufen etwas und machen uns auf den Rückweg. Auch heute Abend noch ein gemeinsamer "Sundowner" bevor morgen wieder jeder seiner Wege fährt.
SP: Nähe Ait Sbaa

Wir finden unser erstes Kamel

26.12.2011 270 km
Tagesziel: Ziz Schlucht
Wetter: Heiter, >20º (Nachts sternenklar, 0º),
Heute Morgen fahren wir zurück Richtung Rich, bis wir kurz vor Gourrama nach Süden abbiegen.
Wir sehen am Strassenrand dieses Nomadenzelt

und fahren dann über Toulal immer den Quad Guir entlang durch eine sehr schöne Oasenlandschaft,

Palmen wachsen am Ufer des Flusses,

das Ackerland am Flussufer scheint sehr fruchtbar. Wir durchqueren Takoumit und stossen irgendwann auf die N10, der wir dann Richtung Westen folgen. Wir sehen unser erstes Kamel am Strassenrand,

und sehen die ersten kleinen Dünen. Wir kommen an der blauen Quelle von Meski vorbei, die wir aber erst in den nächsten Tagen besuchen werden und erreichen bei Errichidia den Ausgang der Ziz Schlucht, die wir unbedingt noch besichtigen wollen. Also Richtung Norden, den Berg hoch, bei Tamarakechte wird über diese Brücke das Flussufer gewechselt - Reste der alten Brücke sind flussabwärts noch zu sehen,

wir fahren noch durch den Tunnel der Legionäre und wenden beim Thermalbad Hammat Moulay Hachem. Auf dem Rückweg, bergab machen wir noch ein paar Aufnahmen,

bevor wir drunten am Ziz Stausee (Barrage Hassan Adakhil) unser Nachtlager aufschlagen.

SP: Ziz Stausee

Zu den Dünen des Erg Chebbi

27.12.2011 165 km
Tagesziel: Erg Chebbi
Wetter: Heiter, >20 º
Heute Morgen halten wir erst einmal Errachidia zum Tanken und zum Auffüllen unserer Gemüsevorräte im Souk, bevor wir dann in der Palmenoase von Meski besuchen. Wir laufen erste einmal den Kanälen entlang die zur Bewässerung der Dattelpalmen dienen,

schauen den Frauen beim Wäsche- und Getreidewaschen zu, bevor wir dann je Dirh 5.- für die Besichtigung der Blauen Quelle bezahlen - eine Karst-quelle, die von der Fremdenlegion gefasst und zu einem auch heute noch rege genutzten Schwimmbecken erweitert wurde, in dem auch noch ein paar heilige Fische schwimmen. Unser geschäftstüchtiger, exzellent deutsch sprechender "Begleiter" lädt uns dann noch auf einen Tee in sein Geschäft ein,

deutsches Bier und marokkanischer Tee, beide müssen eine Schaumkrone haben

deutsches Bier und marokkanischer Tee, beide müssen eine Schaumkrone haben

versteht aber dann sehr schnell, dass in unserem kleinen Auto kein Platz für Mitbringsel ist.
Wir fahren weiter nach Erfoud, überholen diesen mit Strohballen geladenen LKW,

hier werden Erinnerungen an die Türkei wach

hier werden Erinnerungen an die Türkei wach

kommen dort auf dem Souk an dieser Metzgerei vorbei,

und da hier die Herkunft des Fleisches so deutlich angezeigt wird, lassen wir uns gleich mal 2 Steaks abschneiden, die dann nebenan für uns gegrillt werden

Essen in Marokko macht echt Spass

Essen in Marokko macht echt Spass

Wir durchqueren Rissani

und sehen immer deutlicher die Dünen des Erg Chebbi, bis wir dann bei Merzouga an den Füssen der Dünen stehen. Hier ist es so schön, wir beschliessen zu bleiben und lassen uns bei der Auberge Sahara auf dem angeschlossenen kleinen CP nieder.
Zum Sonnenuntergang steigen wir eine kleine Düne hoch und finden dort eine Gruppe Kamele abreise bereit

um eine Gruppe Touristen nach Sonnenuntergang etwa eine Stunde lang in die Wüste zu einem Nachtlager zu transportieren.

Organisierter Urlaub kann ja so authentisch sein. Wir sitzen lieber vor unserem Auto und geniessen den Sternenhimmel.
SP: Camping Sahara

© Anja & Wolfgang, 2011
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wir sind auf dem Weg nach Süden, wollen weiter bis ans Meer, …. Dahin wo das Wetter hoffentlich noch so warm ist, dass man auch im ‚Winter‘ mit dem T-Shirt herumlaufen kann. Irgendwann werden wir wohl Marokko erreichen und wenn es die politische Lage dann erlaubt wollen wir noch weiter südlich bis Mauretanien / Senegal reisen.
Details:
Aufbruch: 24.10.2011
Dauer: 4 Monate
Heimkehr: 26.02.2012
Reiseziele: Marokko
Österreich
Italien
Frankreich
Andorra
Spanien
Portugal
Plage blanche
Gibraltar
Der Autor
 
Anja & Wolfgang berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.