Überwintern 2011

Marokko-Reisebericht  |  Reisezeit: Oktober 2011 - Februar 2012  |  von Anja & Wolfgang

Marokko: Von 28.12.2011 bis 05.01.2012

Ein Tag in der Sandkiste

28.12.2011 0 km, 3 Stunden Dünenwanderung, 200Hm
Tagesziel: Erg Chebbi
Wetter: Heiter, <20 º
Heute morgen brechen wir auf um die grosse Düne hinter unserem CP zu erklimmen.

Verlaufen kann man sich hier auch nicht, aber die Gegend ist doch wesentlich welliger, als man auf den ersten Blick meint.

Es ist ein stetiges auf und ab, bis man "den Gipfel" erklommen hat. Sind zwar nur 150m Höhenunterschied, aber das Gehen im Sand geht doch in die Beine. Dafür macht der Abstieg um so mehr Spass. Mit grossen Sprüngen rennen wir die Düne herunter

und wo wir über 30 Minuten zum Aufstieg brauchten, sind wir in ein/zwei Minuten wieder drunten.
Wir gehen noch bis zum nächsten Dorf, kommen dabei an einem dieser Wüstencamps für Touristen vorbei,

schauen uns noch ein paar der Stellplätze bei anderen Auberges an und kehren dann zurück zu unserem CP, den wir zumindest von der Lage her immer noch als einen der schönsten finden.

In unserer Auberge sitzt bereits die nächste Gruppe Touristen am Pool,

wartet auf den Abend, den Kamelritt, die Nacht in der Wüste. Wir lassen Ihnen den Spass, verraten ihnen nicht, wo das Camp liegt, wie es dort bei Tageslicht aussieht. Da wir hier auch ein sehr schnelles WiFi haben verbringen den Rest des Tages mit Pinky, unserem neuen, glücksschweinchen-rosa Netbook, stellen den ersten Teil unseres Marokko Berichtes ins Netz und warten auf den Sonnenuntergang.
SP: Camping Sahara

Noch ein Tag in der Sandkiste

29.12.2011 0 km, 5 Stunden Wüstenwanderung,
Tagesziel: Erg Chebbi
Wetter: Heiter, >20 º
Heute ist der nächste Wandertag angesagt, diesmal auf einer Piste entlang den Dünen Richtung Süden, finden Kamele am Pistenrand, die sich von der anstrengenden Nacht ausruhen dürfen

machen ein paar dieser Kitschpostkartenaufnahmen

und erreichen Merzouga, einem kleinen Wüstenort, direkt an den Dünen gelegen. Hinter dem Stadttor warten mehrere Führer um Ihre Dienste anzubieten, Kamel- und Jeeptouren in die Wüste, zu Berberzelten können hier gebucht werden, Fossilienhändler wollen ihre Fundstücke an den Mann, die Frau bringen. Wenn man nach dem Stadttor links abbiegt, findet man diese Dorfstrasse,

in der wir neben Souvenirshops und mehreren kleinen Restaurants auch zwei Getränke/Gemüseläden finden, die Einkaufsmöglichkeit hier in der Nähe.
Wir kehren um und besichtigen auf dem Rückweg noch einige dieser für Reisegruppen erbauten Kasbahs. Insbesondere Toumbouctou fiel uns doch sehr in Auge, eine riesige Burganlage mit über 70 Zimmern und dazu farbenprächtigen Restaurant-Zelten wie diesem,

so haben wir uns den Urlaub in der Wüste immer schon vorgestellt und als wir dann noch diese Karawane durch die Dünen ziehen sehen....

Wir gehen zurück und geniessen unseren Sundowner in den Dünen direkt hinter unserem WoMo.
SP: Camping Sahara

Zu Fuss Richtung Norden

30.12.2011 0 km, 5 Stunden Wüstenwanderung
Tagesziel: Erg Chebbi
Wetter: Heiter, >20º
Heute morgen treffen wir auf eine Reisegruppe, die für 4 Tage mit Kamelen in die Wüste zieht. Wir gehen einfach die Piste entlang der Dünen Richtung Norden, kommen an einigen netten Kasbahs vorbei

Frühstück bei Sonnenaufgang auf der Düne?

Frühstück bei Sonnenaufgang auf der Düne?

finden "blühende Landschaften"

und wild wachsende Kürbisse

dazu Kamele, Quads, Jeeps, freistehende Camper und Unmengen von Sand. Nach 3 Stunden drehen wir um und entdecken auf dem Rückweg noch diese Möhrenplantage unter Palmen,

bevor wir uns dann auf unserer Düne hinter unserem CP zum Sonnenuntergang niederlassen. Dieser Tag wäre auch geschafft, morgen zum Jahreswechsel bleiben wir noch hier auf dem CP, aber dann ziehen auch wir weiter.
SP: Camping Sahara

Bis ans Ende der Welt (Teerstraße)

31.12.2011 65 km, 3 Stunden Dünenwanderung, 150Hm
Tagesziel: Taouz
Wetter: Heiter, >20 º
Heute Morgen fahren wir mit dem Auto weiter Richtung Süden, auf der Teerstrasse entlang der Dünen, durchqueren Komlia, ein Ort der hauptsächlich von Haratin, von Nachkommen ehemaliger Negersklaven bewohnt wird. Hier werden uns am Strassenrand Wüstenfüchse und Falken zur Schau? Zum Verkauf? Angeboten. Wir winken höflich "verstehen nicht" und fahren weiter. Nach gut 30km ist das Ende der Teerstrasse erreicht, wir sind in Taouz angekommen,

einem recht trostlos wirkenden Ort im Grenzgebiet zu Algerien. Von hier aus geht es nur noch per Allrad auf Pisten weiter. Gezwungenermaßen drehen wir um, fahren zurück zu unserem CP und brechen zu einer weiteren Dünenwanderung auf.
Auch heute das selbe Bild, endlose Weite, endloser Sand,

Touristen auf in Jeeps, auf Quads, auf Kamelen

und immer wieder mal windgeschützt in einer Talsenke einer dieser Übernachtungsplätz

dieser mit Toilette abseits

dieser mit Toilette abseits

dieser mit Solaranlage auf dem Wassertank

dieser mit Solaranlage auf dem Wassertank

Nach 3 Stunden durch den Wüstensand sind wir müde, kehren zurück zu unserem Auto, warten auf den Sonnenuntergang, erfahren, dass ein Bagger hier irgendwo eine Leitung zerstört hat und es deswegen hier in der ganzen Gegend keinen Netzzugang mehr gibt. Während eine Menge Leute auf der grossen Düne stehen und auf den Sonnenuntergang wartet,

begnügen wir uns damit von unserer kleinen Düne aus ein paar Bilder von unseren letzten Sonnenuntergang in 2011 zu machen.

Danach gehen wir auf einen Nachbarplatz um dort zusammen mit ein paar Camperfreunden den Beginn des Neuen Jahres zu feiern. Für Musik und Unterhaltung ist auch gesorgt, denn irgendwann kommt eine Gruppe Haratin mit Ihren traditionellen Instrumenten vorbei ....
Schön war¨s - Danke für die Einladung.
SP: Camping Sahara

Genug geruht, Neues Jahr = Neue Abenteuer

01.01.2012 195 km
Tagesziel: Tazzarine
Wetter: Heiter, >20º
Wir packen zusammen, bezahlen unsere Rechnung (Dirh. 60/Nacht incl. Strom & warme Dusche) und ziehen weiter. Da wir ja in einer WoMo Sackstrasse sind müssen wir erst einmal zurück nach Rissani

und hier kommt schon der erste Stop, denn es ist Markttag,

die Gelegenheit die Obst- und Gemüsevorräte aufzufüllen. Wir bummeln noch eine Weile über den Souk, können allen noch so verlockenden (Teppich-)Angeboten erfolgreich widerstehen und fahren dann durch die trockene Steinwüste Richtung Westen.

finden dabei am Straßenrand Überlebenskünstler wie diesen,

Felsen / Berge wie diesen

und kommen an frühen Abend in Tazzarine an, eine Stadt die auf uns staubig, irgendwie trostlos wirkt - und dann mitten in einer Palmenoase der Camping Amasttou mit dieser Blütenpracht.

Wir bleiben hier für die Nacht.
SP: Camping Amasttou

Weiter zum nächsten Sandkasten

02.01.2012 240 km
Tagesziel: M'hamid
Wetter: Heiter, >20º
Heute Morgen entdecken wir ein Leck in unserer Abwasserleitung, aber zum Glück hat einer der Händler hier ein passendes Schlauchstück, der Schaden ist schnell behoben, unserer Weiterfahrt steht nichts mehr im Wege. Wir fahren weiter durch die Steinwüste (Hamada), durchqueren Nekob,

einem netten Städtchen, das im wesentlichen vom Treckingtourismus lebt und fahren hinab ins Dra-Tal. Irgendwann erreichen wir Zagora,

aus der ehemalige Karawanenstation am Rand der Wüste - daher auch der legendäre Wegweiser,

mit dem Kamel 52 Tage bis Timbuktu

mit dem Kamel 52 Tage bis Timbuktu

wurde mittlerweile Provinzhauptstadt mit über 35.000 Einwohnern, breiten Strassen und einem palastartigen Verwaltungsgebäude. Wir fahren weiter auf einspurig geteerten Strassen - bei Gegenverkehr müssen eben jeweils 2 Räder auf den Staubstreifen - durch die Hamada

bis wir irgendwann am Rand der Sandwüste, am Ende der Teerstrasse in M'hamid ankommen.

von hier sind es nur noch 50 Tage

von hier sind es nur noch 50 Tage

Wir schauen am Kasbah Sahara Services vorbei,

treffen dort auf Frau Kohlbach, der Autorin eines unserer Reiseführer, die uns auf den am Montag Abend stattfindenden Frauenmarkt aufmerksam macht, den wir dann sogleich besuchen. Anmerkung: tagsüber ist Gemüsemarkt, dort einkaufen ist Männersache, abends kommen Händler mit Haushaltsartikeln und das Einkaufen da ist den Frauen vorbehalten, die dann meist bunt gekleidet zahlreich erscheinen. Als wir auf dem Camping Khaima (Dirh 60/Nacht incl. Strom und warme Dusche aus einem holz-befeuerten Badeofen)unseren Stellplatz beziehen wird sofort ein roter Teppich ausgerollt und Tisch und Stühle bereitgestellt.

So haben wir einen schönen Platz für den Sundowner und das Auto bleibt wüstensandfrei.
SP: Camping Khaima

Wieder mal ein Wüstenwandertag

03.01.2012 0 km, 31/2 Stunden Wüstenwanderung, 125Hm
Tagesziel: M'hamid
Wetter: Heiter, >20º
M´hamid liegt zwar am Rand der Wüste, aber bis zu den grossen Dünen Erg Chegaga sind es doch noch ca. 60 km und die können nur per Allrad zurückgelegt werden. Anbieter für dies Tour gibt es hier zahlreiche (mit Übernachtung im Wüstencamp, AE / FS ca. Dirh 1500 für 2 Personen),
Tipp: Hier gibt es Diesel nur vom Fass, KEINEN Geldautomaten und Kreditkarten werden i.A. auch nicht genommen, also am besten vorher in Zagora nochmals "volltanken".
Wir begnügen uns damit, durch die Landschaft um M´hamit zu wandern, folgen im wesentlichen der Piste nach Erg Chegaga, kommen am Camping La Boussole

der auf einem kleinen Hügel gelegen eine fantastische Aussicht bietet. Dann kommen wir langsam zu den kleinen Dünen (so 10-20m hoch) auf denen teilweise auch Tamarisken wachsen.

Irgendwann begegnet uns eine Gruppe Kamele,

vollbeladen mit Zelten, Ausrüstungsgegenständen. Es sind die Tragtiere einer Gruppe Niederländer die hier in M´hamid einen 8-tägigen Wüstentreck beenden, den Tieren zur Abwechslung mal zu Fuss folgen und sich alle schon auf eine heisse Dusche freuen. Da die Landschaft hier doch irgendwie grau, eintönig wirkt drehen wir um, kehren auf unseren CP zurück und geniessen da erst einmal unsere heisse Dusche, bevor wir zurück in den Ort gehen um uns beim Metzger ein paar Scheiben von einer Lammkeule für unser Abendessen besorgen. Wenn wir hier schon unseren privaten Grillplatz haben, dazu noch ausreichen Brennmaterial vorhanden ist...
SP: Camping Khaima

Zur Strasse der Kasbahs

04.01.2012 365 km
Tagesziel: El Kelaa M'Gouna
Wetter: Heiter, >20º
Heute brechen wir relativ früh auf, fahren zurück auf der bis Zagora einspurigen Strasse und dann immer weiter Richtung Norden, bei Tansikht stehen einerseits unzählige Dattelverkäufer am Strassenrand, die heftig gestikulierend ihre frisch geerntete Datteln an den Mann bringen wollen, andererseits begegnen uns wir dort zum ersten mal viele Frauen, die doch relativ schwere Lasten auf Ihrem Kopf tragen.

Wir fahren weiter das Dra-Tal entlang, kommen kurz vor Agdz an der Kasbah von Tamnougalt vorbei

bis wir uns am Hauptplatz von Agdz wieder mal ins Marktleben stürzen um unsere Gemüsevorräte aufzufüllen.

Die Angebote der Schlepper überhören wir grosszügig, haben wir doch sowieso keinen Platz für einen Teppich in unserem Auto. Hinter Agdz steigt die Strasse entlang eines Canyons stetig an,

die Landschaft wirkt unwirklich, aus der Ferne grüssen die Schneegipfel des Atlas,

bis sich die Strasse dann wieder nach Ouarzazate senkt, das wir aber erst später besichtigen wollen. Zuerst fahren wir die Strasse der Kasbahs entlang, um morgen die Dades Schlucht und die Todra Schlucht zu besichtigen. Ein paar Kilometer vor El Kelaa M'Gouna sehen wir noch diese Felsformation am Strassenrand, bevor wir uns dann kurz hinter El Kelaa M'Gouna auf dem Camping Ksar Kaissar niederlassen.

SP: Camping Ksar Kaissar -
eigentlich ein schöner Platz mit ordentlichen Sanitäranlagen,
jedoch zumindest in der Nacht als wir dort waren, war zwischen 23:00 - 3:30 die Musik der Disko des angeschlossenen Hotels unüberhörbar.

Durch die Schluchten Marokkos

05.01.2012 240 km
Tagesziel: Dades-Schlucht
Wetter: Heiter, >20º
Für heute haben wir uns den Besuch der Todhra- und der Dades Schlucht vorgenommen, die zwei grössten Schluchten Marokkos. Dabei kommen wir zuerst durch Boumalne, eine Stadt der Kontraste - unten am Fluss zerfallende Lehmhäuser, droben am Berg im selben Stil Betonbauten.

Dass hier heute auch noch ein Markt aufgebaut wird

ignorieren wir vorerst, denn unser Ziel ist die Todhra Schlucht, (E=Dirh 5/Auto) die wir spätestens mit der Mittagssonne erreichen wollen.

Die Engstelle der Schlucht selbst ist nur knapp 600m lang, bis zu10m schmal und über 300m hohe Felswände ragen dort senkrecht nach oben. Souvenirhändler lauern hier auf die zahlreichen Touristen, die fast alle nur mal die schnell durch die Enge gehen und dann mit Bussen weitergefahren werden. Dahinter hat man den Rest der Schlucht von ein paar Kletterern und noch weniger Wanderern fast für sich alleine. Dabei findet man dort traumhafte Felsformationen,

sowohl verlassene Kasbahs, kleine Dörfer und bestens markierte Wanderwege.

Wir folgen der Teerstrasse noch bis Tafouyt, einem kleinen Ort mit Hotels und Campingplätzen, bevor wir umdrehen und nach Tinerhir, dem Tor zur Todhra Schlucht zurückkehren. Hier bummeln wir mal wieder über den Markt, lassen uns Hähnchenteile und Köfte grillen,

und geniessen die Nachmittagssonne, bevor wir uns auf den Weg zur Dades Schlucht machen.
Hierzu müssen wir erstmal zurück nach Boumalne, wo wir dann Richtung Norden abbiegen.
Die nächsten 27km führt uns die Strasse immer den Fluss entlang, vorbei an Oasen,

an Felsen wie diesen,

bevor dann das Tal zu eng wird und wir in engen Serpentinen sehr schnell um ca. 200m in die Höhe geführt werden.

Die Strasse senkt sich dann wieder zum Fluss, wir kommen an einigen Auberges mit CP vorbei und erreichen dann im Abendrot die Engstelle der Dades Schlucht,

die hier auch nur etwa 10m breit ist, die Felswände aber nur so um die 150m in die Höhe ragen.
Direkt dahinter liegt der Camping Berbere de la Montagne, wo wir uns für die Nacht einrichten.
Welche Schlucht wir schöner fanden?
Schwer zu sagen, landschaftlich abwechslungsreicher ist die Dades, dramatischer die Todhra, touristisch unerschlossener die Dades, lästige Händler gab es nur an der Todhra, die besseren Übernachtungsplätze an der Dades.
Eigentlich sollte man beide gesehen haben, wegen der Dramaturgie würden wir das nächste mal aber mit der Dades beginnen.
SP: Camping Berbere de la Montagne

© Anja & Wolfgang, 2011
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wir sind auf dem Weg nach Süden, wollen weiter bis ans Meer, …. Dahin wo das Wetter hoffentlich noch so warm ist, dass man auch im ‚Winter‘ mit dem T-Shirt herumlaufen kann. Irgendwann werden wir wohl Marokko erreichen und wenn es die politische Lage dann erlaubt wollen wir noch weiter südlich bis Mauretanien / Senegal reisen.
Details:
Aufbruch: 24.10.2011
Dauer: 4 Monate
Heimkehr: 26.02.2012
Reiseziele: Marokko
Österreich
Italien
Frankreich
Andorra
Spanien
Portugal
Plage blanche
Gibraltar
Der Autor
 
Anja & Wolfgang berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.