Freiwilligenarbeit Ghana - Midnight Sun School Langbinsi

Ghana-Reisebericht  |  Reisezeit: Juli / August 2014  |  von Sabine Valentin

Von Hexen und anderen bösen Mächten

starker Glaube

Ich werde immer wieder gefragt und angeschrieben, ob Ebola in Ghana ein Thema ist. Im Juli fand in Accra eine Konferenz der westafrikanischen Länder statt. In Ghana gibt es bis jetzt keinen bestätigten Fall. In der Kirche hat der Pfarrer am Sonntag zu Ebola aufgeklärt und erläutert, dass Gott Ghana beschützt und deshalb Ghana verschont wurde.
In der Ambulanz im Dorf wurde das Personal zu Ebola nicht extra unterrichtet. Ich habe mit dem Bruder unseres Gastvater telefoniert, der in Kumasi Medizin studiert. Er meint, dass alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen wurden und man an den Grenzen des Landes bei Einreisenden auf Symptome achtet. Am Flughafen in Accra hang ein Plakat, wie man sich schützen kann.
Wir hatten zur Predigt des Pastors am Sonntag eine abendliche Diskussion über Glauben, das Leben in Gottes Hand zu geben, jeden Tag so zu Leben, dass das Ende der Welt auch schon morgen kommen kann ... Da es in unserer Unterhaltung um Leben und Tod ging, kamen wir auf die vielen Waisenhäuser zu sprechen. Mittlerweile gibt es Bemühungen die Kinder in ihren Großfamilien zu belassen und nur die Schulgebühren und sonstige Kosten für die Kinder an die Verwandten zu bezahlen.
Mr. Richard hat erwähnt, dass es Kinder in den Waisenhäusern gibt, deren Eltern noch leben und als Hexen oder Zauberer aus ihrem Dorf ausgestoßen wurden. Diese Menschen wurden der schwarzen Magie beschuldigt, weil einige Unglücke das Dorf heimgesucht haben, der Ehepartner plötzlich verstarb... Es genügt, wenn ein Dorfbewohner diese Behauptung in die Welt setzt und verbreitet. Den Menschen bleibt als Ausweg nur die Flucht in eines der Hexendörfer im Norden Ghanas, z.B. nach Gambaga. Verbleibt die Person in der Gemeinde ist das Leben nicht mehr sicher. Es gibt keinen Weg mehr zurück. Diese Menschen, hauptsächlich Frauen, verlieren alles - ihr zu Hause, Familie, Freunde ...

Dass es Hexen, Zauberei, Wudu und böse Mächte gibt, bezweifelt niemand, auch nicht studierte und gebildete Ghanaer.
Der Zauber kann in einem Amulett oder einem anderen Gegenstand, den der beschenkte am Körper trägt übergeben werden oder es wurde etwas ins Essen gemischt und auch ein Blick kann Zauber übertragen. Einige nutzen ihre Kräfte nur für die Familie, andere dehnen ihren Wirkungskreis aus. Es herrscht deshalb große Vorsicht, wenn man von jemandem etwas zu Essen angeboten bekommt, den man nicht kennt, oder wo nicht klar ist, ob man diesem Menschen trauen kann.
Wir wurden gewarnt vor der Praktik namens "Sakawa", die sich der Hexerei bedient. Es handelt sich um Online-Betrügereien in Verbindung mit Juju Magie.
Traditionelle Gottheiten im Juju-Bereich werden für ihre Unterstützung mit einem Hühneropfer bezahlt. Wer seinen Juju-Priester nicht für die positiven Nebenwirkungen des Rituals vergütet, wird von schlechtem Glück, AIDS oder verschiedenen Unannehmlichkeiten in Form von Geldeintreibung oder gar erzwungener Metamorphose in Schlangen, Hunde und Ziegen verfolgt.
Sakawa hat sich in Ghana nicht nur als krimineller Beruf etabliert - der Internetbetrug ist dort zu einer öffentlichen und unzensierten Subkultur geworden. Wer sich auffällig kleidet oder ein teures Vehikel sein Eigen nennt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit im Sakawa Business. Musik, Filme, Serien und Zeitschriften widmen sich Sakawa.
Wir genießen hier weiterhin den Zauber Ghanas!

© Sabine Valentin, 2014
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach 2 1/2 Jahren kehre ich zurück nach Ghana in das Dorf Langbinsi. In der Zwischenzeit habe ich den Förderverein der Midnigt Sun School Langbinsi e. V. ins Leben gerufen. Jetzt bin ich hier um mit eigenen Augen die Fortschritte zu sehen und um selbst mitzuhelfen. Ich bin in Begleitung meiner Freundin Brigitte und von meinem Groß-Cousin Jonas.
Details:
Aufbruch: 23.07.2014
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 18.08.2014
Reiseziele: Ghana
Der Autor
 
Sabine Valentin berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.
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