Jordanien 2012

Jordanien-Reisebericht  |  Reisezeit: Oktober 2012  |  von Hartmut Laue

im Passgang durch Wadi Rum

nach erfolgreicher Abfahrt

nach erfolgreicher Abfahrt

noch 'ne Schlucht und noch 'ne Schlucht

Ich bin fix und fertig, kann weder sitzen noch liegen, mir tut alles weh. Nein, ich bin nicht abgestürzt bei meinem ständigen Klettereien, ich habe 2 Tage hintereinander auf einem Kamel, genauer gesagt dem Dromedar Abdul gesessen, und war täglich ca. 6 Stunden unterwegs gewesen. Als ich dann eben das letzte Mal aus dem relativ harten Holzsattel springe, pardon, eher mühsam aus dem Sattel rutsche, bin ich froh, erstens, nicht 3 Tage gebucht zu haben, zweitens kein Beduine geworden zu sein. Jetzt freue ich mich auf den weichen Autositz morgen früh.

Nun, ich wollte ja eigentlich einen 3-Tages-Kamelritt buchen, nach dem Motto, wenn schon, denn schon richtig, aber Khaled Sabah Atieg (voller Name Khaled Sabbah Atieg Nasser Mod'an Zedan Alzalabiah) ) macht dann doch den Vorschlag, am ersten Tag per Jeep die weiter entfernten Punkte im weitläufigen Wadi Rum anzusteuern, die mit Kamel schwer zu erreichen sind und dann am 2. und 3. Tag das Kamel zu nehmen. Am 4. Tag lande ich dann früh morgens wieder im Wadi Rum village.

Ich breche früh morgens in Aqaba auf und fahre in strömendem Regen (!) ins Wadi Rum!! Später höre ich, dass die Wasserfluten in Aqaba bis zu einem halben Meter in den Straßen standen und die Back Road sogar wegen einer Felslawine unpassierbar ist. Es gab Tote. Mal wieder alles richtig gemacht?

Im Wadi Rum Village erwartet mich Omar mit einem Landcruiser von 1982, also einem modernen Fahrzeug und auf geht's in die Wüste! Das Wadi Rum gehört zu den großartigsten Wüstenlandschaften des Nahen Ostens. Ein riesiges Tal mit gelbem und rotem Sand und gigantischen Felsmassiven aus Sandstein und Granit zu beiden Seiten. Die Erosion formte bizarre Felstürme, das Wadi wurde immer wieder auch als Handelsweg genutzt. Es gibt rote Dünen, auf denen ich später (dank des mitgeführten en Sandboards) in recht hohem Tempo hinunterrutsche. Die ca. 1500 Beduinen betrachten sich als Nachfahren der Nabatäer und leben heute vom Tourismus.

Zunächst führt uns der Weg zur Lawrence Quelle, der Herr Lawrence von Arabien spukt hier überall herum, es gibt die Lawrence Quelle und das Lawrence Haus, der Film soll hier gedreht worden sein. Anderen Quellen zufolge soll er in einer entscheidenden Schlacht vor Aufregung wenig ruhmreich sein eigenes Kamel erschossen haben, gestürzt sein und den Ausgang der Schlacht bewusstlos (also eigentlich nicht) erlebt haben. Muss ich mal zu Hause googeln. Die Quelle befindet sich jedenfalls in halber Höhe mehrere Hundert Meter hoch an einem sehr steilen Geröllhang. Also such ich mir einen Pfad hinauf...

Es ist (das erste Mal) ganztägig bedeckt und frisch, regnet immer wieder, die Landschaft ist faszinierend. Es gibt auch einige Felsbrücken ("arches"). Der Arch Umm Fruth ist der zweitgrößte, ich bestiege ihn etwas mühsam, denn es ist erneut Schwindelfreiheit angesagt, der fast glatte Fels dürfte so etwa 60° steil sein und ist zudem noch rutschig durch den Regen. Er bietet kaum Halt, eine Japanerin rutscht ziemlich böse ab, ich komme erst gar nicht hoch, versuche es aber dann barfuß, da geht es etwas besser. Ich schaffe es tatsächlich bis auf das Dach des Bogens, mache mich aber bald etwas unwohl auf den Rückweg (runter ist schlimmer als rauf), andere hängen in der Wand und kommen weder vor noch zurück.....

Dann hält Omar an einem Felseinschnitt an, ich möge doch bitte durch die Schlucht "wandern", er würde mich dann auf der anderen Seite erwarten. Oh nein, nicht schon wieder eine Schlucht, da war mein Bedarf eigentlich schon gedeckt. Sie wird immer enger, bis auf 1 m bei hohen senkrechten Wänden.... und dann ist sie auch hier ca. 6 m hoch blockiert mit bis zu 2 m großen Felsbrocken. Nach einigem Probieren finde ich dann doch eine Möglichkeit, sich oben an kleinsten Unebenheiten festzukrallen und dann hoch zu ziehen. Zu allem Überfluss bricht direkt über mir ein Gewitter los, es regnet zwar nicht, blitzt und donnert aber laufend. Während ich mich zunächst in der engen Schlucht noch einigermaßen sicher fühle, ist dies überhaupt nicht mehr der Fall, als sie sich weiter öffnet und ich auf einer hohen Sanddüne marschieren muss. Was bin ich froh, als ich von ferne den Wagen sehe und ihn dann auch erreiche (Faradayscher Käfig!). Kurz darauf schlägt ein Blitz in der Nähe ein, mir fällt dazu Windhuk ein, wo Moana und ich in der letzten Nacht ebenfalls in ein tierisches Gewitter gerieten.

Omar ist ein ausgesprochen netter Begleiter, er spricht sehr gut Englisch und ist ständig zu Scherzen aufgelegt. Sein - ständig angewandter - deutscher Wortschatz: "Bombastisch" und "Ach so".

Seit Tagen hatte ich überlegt, was nimmst bei dieser brütenden Hitze mit auf den Kameltrip? langärmeliges Hemd? Schutzcreme? 2 oder 3 Flaschen Wasser? Aber jetzt sitze ich hier im entlegenen Bedouin Camp von Kaled in einem Stoffzelt, ich friere mit Unterhemd, langem Hemd und Trekkingjacke, über uns krachen die Blitze und beleuchten fahl die umliegenden Berge, der Donner hallt vielfach wieder, der Regen knallt aufs Dach, irgendwie gespenstisch! Der vielgerühmte Sonnenuntergang fällt natürlich ins Wasser! Ich bin 3 Tage lang - bis auf eine Ausnahme - der einzige Gast im Camp, mit Koch, Guide, und Manager.

So bin ich dann am Folgetag ebenfalls allein mit Sillim und 2 Kamelen unterwegs. Ab und zu machen wir eine Pause, Sillim kocht Tee auf offenem Feuer, Ich darf wieder mal auf einen Sandstein-Aussichtsberg kraxeln, dann auf noch einen weiteren arch. Dann kommt die Schlucht am Jebel Khazzali! Das muss jetzt aber die letzte sein! Auch sie wird immer enger, steht voller tiefer, undurchsichtiger Wasserpfützen -im Hinterkopf dabei, dass im Reiseführer beim Wadi Muthim vor Wasserschlange gewarnt wird - turne ich mal rechts, mal links auf Felskanten daran vorbei ... und dann kommt's wieder knüppeldick: es geht ca. 7m senkrecht hoch, unten ein tiefes Wasserloch, am glatten Fels kaum ein Halt. Ein paar Mädels klettern hoch, schaffen es aber nur, weil ihre Guides sie stützen und schieben. Weiter oben kann ich erkennen, dass das nicht alles war, sondern es weiter extrem steil hochgeht. Und man muss hier auch wieder zurück! Ich lasse ich es mal gut sein und trete den Rückzug an. Genug ist Genug!!

Immerhin scheint nachmittags tatsächlich weder die Sonne. Als ich abends aus dem Sattel falle, kann ich weder gehen noch sitzen....." Yesterday you felt young, today you feel old" , not "bombastisch"! Wir haben heute 2 Gäste, Michelle und Laurent aus Brüssel (das Camp soll 40 Gäste fassen!), abends wird geflüstert und gewispert, plötzlich sitze ich allein im großen Zelt. Was ist denn jetzt los. Dann sind alle weg......?? Habe ich was falsch gemacht? Khaled klärt mich später auf: Laurent hatte bereits von Belgien aus vereinbart, dass abends eine nahe gelegene cave und der Weg dorthin mit Kerzen geschmückt wird. Er will seine Michelle, die nichts ahnt, zu einem kleinen Spaziergang einladen und ihr dann unter dem Sternenhimmel einen Heiratsantrag machen!!!! Ich hätte mich nicht gewundert, wenn Kai Pflaume plötzlich um die Ecke gebogen wäre ..... Michelle hat übrigens ja gesagt und war ganz offensichtlich happy! Ganz "bombastisch", wie Omar verkündet.

Am dritten Tag bin ich wieder allein, es scheint keine Touristen weiter zugeben. Zum Lunch gibt es Tomaten, Gurken, Sardinen, Thunfisch und das allgegenwärtige Fladenbrot, das in der Glut nochmal aufgebacken wird. Dann noch ein kleines Schläfchen auf einem Felsplateau mit einer gigantischen Aussicht (was würde Omar sagen ?) und dann wieder in den Sattel.

Als wir abends Camp ankommen, siehe Anfang des Kapitels. Ich will jetzt eigentlich nicht mehr auf rutschigen Felswänden herumkraxeln. Aber heute ist Sonnenuntergang angesagt. Dazu gibt's hier natürlich auf halber Höhe des Felsens, an den sich das Camp anschmiegt, eine sunset terrace......zu der man kraxeln muss. Es wird tatsächlich ein richtig guter sunset. Ich sitze hier bei einem leckeren Sundowner (= aufgeheiztes Mineralwasser!). "Omar, how is the sunset?" - "Bombastisch!".

Meine nebenbei fallen gelassene Bemerkung, ich sei ein Freund des Autors des deutschen Reiseführers (stimmt ja nun tatsächlich), führt offenbar dazu, dass Khaled als Boss hier sich jede Mühe gibt, mich zufrieden zu stellen. Wil Tondok ist ja auch ein Freund von ihm, und gute PR sehr wichtig, denn die Konkurrenz ist groß.

Abdul

Abdul

Umm Fruth nach erfolgreicher Besteigung.....

Umm Fruth nach erfolgreicher Besteigung.....

© Hartmut Laue, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Von den Golanhöhen zum Toten und Roten Meer
Details:
Aufbruch: 03.10.2012
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 27.10.2012
Reiseziele: Jordanien
Der Autor
 
Hartmut Laue berichtet seit 10 Jahren auf umdiewelt.