Jordanien 2012

Jordanien-Reisebericht  |  Reisezeit: Oktober 2012  |  von Hartmut Laue

Des Rätsels Lösung

Da sitzen wir nun im Dana Hotel und suchen nach einer Lösung. Die Ausgangslage: die Dana Biosphere Reserve ist ein großes Naturschutzgebiet, das von 1600 m bis 300 m geht und 5 Klimazonen umfasst. Das darf man sich natürlich nicht so vorstellen wie bei uns, es handelt sich weitgehend um Gebirgswüste mit kleinen Oasen. Der Ort Dana in 1200m Höhe klebt sozusagen direkt an der Abbruchkante, was andererseits sensationelle Ausblicke über das Wadi Dana bis hinunter zum Wadi Araba und die israelische Negev Wüste beschert. Mit der engen extrem steilen Straße fällt man in dieses Dorf hinunter, die einzige Straße im Ort besteht nur aus groben Felssteinen (wie eine altrömischer Cardo Maximus (was für Lateiner!) und ist nur im 1. Gang befahrbar, was allerdings kein Problem ist, denn sie nur 70 m lang und endet ebenfalls direkt an der Felskante, wo es etliche 100 m hinuntergeht. Der größte Teil des Dorfes besteht aus kaputten Hausresten, es gibt eigentlich nur 2 Hotels, ebenfalls aus Felssteinen, die völlig ineinander verschachtelt sind, aus mehreren Höfchen bestehen und oben auf den verschiedene Dachstufen beduinenartige halboffene Räume haben, einen zum Essen (dining room) und einen zum Relaxen mit vielen bunten Polstern, Kissen, Wasserpfeifen etc., alles mit 5* Ausblick. Die Schlafräume sind eine Mischung aus Gefängniszelle und Ziegenstall, 2 Eisenbetten, das Dach aus unbehandelten Baumstämmchen und Stroh. Na ja, eine Nacht werde ich da wohl schon überstehen, ... aber siehe da, es stellt sich dann sogar als ein kleine Paradies heraus: es gibt (kleines) Frühstücks- und Dinnerbüffet (inkl. Zimmer für 20 €), warmes Wasser, tolle Aussicht, Travelleratmosphäre, Tee den ganzen Tag, es ist absolut ruhig und "Manager" Suleyman ist eine Seele von Mensch - siehe unten. Guck mal an, sogar kostenloses WLAN gibt es, Handyempfang ist hier ohnehin nirgendwo ein Problem, mehr als bei uns telefonieren hier grundsätzlich alle dauernd und pausenlos. Und: Das Hotel wird von einer Familienkooperative des Dorfes geführt, das heißt das Geld kommt auch zu den Leuten im Ort an, eine feine Sache.

Aber wir waren ja beim Rätsel. Das sitzen wir abends zusammen, Ben und Liseann aus London, Viviane und Brasli aus Belgien, und ich. Wir möchten am folgenden Tag den bekanntesten (und natürlich schwierigsten) trail, den Feynan Hiking trail gehen , der über 14 km durch das Wadi Dana führt und zur Feynan Eco Lodge geht. Man muss also den Rücktransport organisieren, denn unser Startpunkt Dana ist nur von Osten erreichbar, von der Kings Road, die Feynan Eco Lodge aber nur über Piste von Westen, von der Dead See Road , per Auto ein Umweg von125 km. Ich muss ja zurück, denn mein Auto steht hier, Viviane und Brasli haben ihr Auto ebenfalls hier und müssen heute noch nach Amman, sie lebt und arbeitet dort (Managerin bei Carrefour) und Ben und Liseann haben kein Auto, müssen aber heute noch zum Hotelkomplex am Nordende des Toten Meeres, da sie dort gebucht haben. Klar ist, dass, wenn sie hierher zurückkämen - so gegen 4-5 Uhr, das nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu schaffen ist. Also was tun?

Suleyman hat tatsächlich eine Lösung: Wir gehen allesamt den Trail, am Endpunkt holt uns ein Minibus ab und fährt zunächst zur Dead Sea Road, gleichzeitig fährt Suleyman mit dem Auto von Viviane und dem Gepäck der anderen Dana zur Dead Sea Road, wir treffen uns dort alle, die vier steigen in Vivianes Auto um und Viviane fährt entlang des Toten Meeres nach Amman und kann so Ben und Liseann im Hotelkomplex abladen. Suleymann und ich kehren dann per Minibus nach Dana zurück. Genial!!! Und genauso läuft es dann auch. Bei der Rückfahrt kauft Suleyman in Tafila noch große Mengen frischen und noch sehr heißen Fladenbrotes beim dortigen Bäcker ein (lecker), kommt aus einem entfernteren Laden zurück und schenkt mir eine eiskalte 7 up. "why that?" - "Welcome, just welcome!". Die Gastfreundschaft hier ist wirklich einmalig.

Der Trail selbst verläuft etwas hakliger. Nach 10 Minuten bereits der erste Stop, Brasli muss trinken, vielmehr meint Viviane, das Brasli Durst habe. Hatte ich erwähnt, dass es sich bei Brasli um einen englischen Basset hound handelt. Langer Körper, kurze Beine, also völlig ungeeignet für den felsübersäten Trail, der auch teilweise sandig und staubig ist (alles heiße Wüste, an die 40 Grad). Suleyman hatte sich angeboten, auf Brasli aufzupassen, aber 5 Stunden ohne Hund - ausgeschlossen, der Hund geht mit - übrigens sicherlich der erste Basset auf diesem Trail. So geht es nun alle 10 Minuten weiter, der Hund muss trinken bzw. Viviane meint, der Hund müsse trinken. Nach 2 km macht er endgültig schlapp bzw. Vivane meint, er könne nun nicht mehr und muss fortan umschichtig getragen werden, ab und zu schafft er mal 100 m. Dies führt dazu, dass wir den Trail nicht in 3 ½ Stunden und damit vor der Mittagshitze schaffen, sondern 6 Stunden brauchen. So sind die letzten km doch recht anstrengend. Wir laufen teilweise im sandigen Flussbett, sichtbares Wasser gibt es nicht, aber viel sehr grünes Schilf, es muss also feucht sein. In der Eco Lodge gibt es dann ökologischen frischgepressten Lime-Mint-Juice, absolut der Burner (für Brasli natürlich Wasser). Der Rest klappt dann wieder beschrieben.

coming soon: This and that

© Hartmut Laue, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Von den Golanhöhen zum Toten und Roten Meer
Details:
Aufbruch: 03.10.2012
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 27.10.2012
Reiseziele: Jordanien
Der Autor
 
Hartmut Laue berichtet seit 10 Jahren auf umdiewelt.