Die ins Wasser gefallene Erleuchtung? Thailand während der großen Flut 2011

Thailand-Reisebericht  |  Reisezeit: Oktober - Dezember 2011  |  von Adi Meyerhofer

Wat Dhammakaya und Bangkoks Flut: "Die Wasser"

Zeitgemäße Mode bei einem Straßenhändler in Rangsit (ndl. Bangkok)

Zeitgemäße Mode bei einem Straßenhändler in Rangsit (ndl. Bangkok)

Eine Schwäche des modernen kapitalistischen Wirtschaftssystems zeigte sich: die großen Supermarktketten mit ihren zentralisierten Logistikzentren, die sich größtenteils in den sieben abgesoffenen riesigen Gewerbeparks befinden, erwiesen sich als zu unflexibel um alternative Versorgungswege sicherzustellen, so daß auch in entfernten Landesteilen wie Koh Samui (700 km), die Schilder "ausverkauft seit" immer mehr wurden und die Regale mit Klopapierrollen gefüllt wurden um Fülle vorzutäuschen. Die noch immer zahlreichen kleinen Geschäfte hatten keine Probleme.

Die "Investoren" die in ihren subventionierten Fabriken die billige Arbeitskraft ausbeuten, haben laut gejammert - am lautesten die Japaner, denen eh ein wesentlicher Teil Thailands gehört - so daß sie jetzt Steuererleichterungen und, noch viel wichtiger, Einfuhrzollbefreiung für 6 Monate erreicht haben. Betrofene Haushalte bekommen eine Einmalzahlung von 5000 Baht (125 €). 30-40% der weltweiten Herstellungskapazität von Harddisks wurde vernichtet.

Königstreue Schreiberlinge haben herausgefunden, daß Seine Majestät schon 1995 einen Plan entwickelt haben wie Fluten verhindert werden könnten. D. h. irgendein Professor hatte einen Plan entwickelt, den der König gelesen und abgenickt hat, so daß es jetzt seiner ist. Ein diskutierter Vorschlag ist es nun etwa 100 km nörlich von Bangkok beginnend einen "floodway" zu bauen. Vorgeschlagen wird ein zweistöckiger Tunnel, auf dem oben noch eine Autobahn verlaufen soll. Das zweite Untergeschoß ist permanent ein Abflußkanal, das erste ein Autotunnel, der gegebenenfalls geflutet werden kann, um zusätzlich Ablaufmöglichkeiten zu schaffen. Daß diese Idee von der größten Tunnelbaufirma des Landes stammt sollte in Thailand niemand überraschen.

Wat Dhammakaya befindet sich im "Khlong Luang District," in dem auch die Flutphotos aufgenommen wurden. Dies geschah am 6. Dezember, als der Ortsbereich von Rangsit laut Regierungspropaganda "so gut wie trocken" war.

Die Gebiete westlich des Flusses standen auch Mitte Dezember noch größtenteils unter Wasser, der letzte Rest der inzwischen teilweise übelst stinkenden, durch ausgelaufene Chemikalien und Unrat verseuchten Brühe, sollte zum Jahresende weg sein (da schrieb aber keine deutsche Zeitung mehr darüber).

Die Aufnahme entstand aus einem fahrenden städtischen Bus heraus, dessen Fahrer ich höchsten Respekt zolle. Wasserstand 30-40 cm.

Die Aufnahme entstand aus einem fahrenden städtischen Bus heraus, dessen Fahrer ich höchsten Respekt zolle. Wasserstand 30-40 cm.

Bushaltestelle. Die schwimmende Insel wurde größtenteils von Armeelastern angefahren, die wegen ihres hohen Radstandes auch noch außenliegende Bezirke erreichten.

Bushaltestelle. Die schwimmende Insel wurde größtenteils von Armeelastern angefahren, die wegen ihres hohen Radstandes auch noch außenliegende Bezirke erreichten.

Heute nur Flaschenpost 
Beachte die Dreckränder des Höchststands, knapp 5 Wochen vorher.

Heute nur Flaschenpost
Beachte die Dreckränder des Höchststands, knapp 5 Wochen vorher.

© Adi Meyerhofer, 2013
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ein geplanter vierwöchiger Aufenthalt in einem budddhistischen Kloster nördlich von Bangkok, der dann wegen der "großen Flut" sprichwörtlich ins Wasser fiel (dh stark verkürzt wurde).
Details:
Aufbruch: 30.10.2011
Dauer: 6 Wochen
Heimkehr: 07.12.2011
Reiseziele: Thailand
Vereinigte Arabische Emirate
Der Autor
 
Adi Meyerhofer berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.