Mit unseren Kindern um die Welt

Australien-Reisebericht  |  Reisezeit: Juni 2015 - Juni 2016  |  von Anja Nemitz

Australien: Perth

Um nicht direkt in der Hauptreisezeit (ab Dezember) in Australien zu starten, buchten wir schon für Ende Oktober einen Flug. Und das zu unglaublich günstigen Preisen. Der erste Flug ging von Bangkok nach Kuala Lumpur und der zweite Flug einige Stunden später, von Kuala Lumpur nach Perth. Alles mit Air Asia. Super billig. Dumm nur, dass wir kurz vor Abreise feststellten: der zweite Flug geht zeitlich vor dem ersten. Unser Superbillig-Tarif beinhaltete natürlich keine Umbuchung.
Um es uns auf den Sitzen für den Nachtflug nach Australien etwas bequemer zu machen, reservierten wir uns eine Reihe mit viel Beinfreiheit. Durch den unschlagbaren Flugpreis, konnten wir uns die etwas überteuerte Sitzplatz-Gebühr gut leisten (das war, bevor wir wussten, dass unser Flug von Bangkok nach Kuala Lumpur zu spät ging). Kurz nachdem die Sitzplätze gebucht waren, kam eine Infomail von Air Asia, dass es möglich ist (für wenig Geld), zwei freibleibende Plätze neben uns zu buchen. So hätten wir 2 Sitzreihen á 3 Plätze nebeneinander für uns. Ja super, das ist fantastisch. Da können Fine und Willi herrlich schlafen, dachten wir.
Aber nicht mit Air Asia. Als erstes musste Willi seinen geliebten Fußball am Flughafen lassen. Der durfte aus Sicherheitsgründen nicht mit (andere Airlines hatten damit kein Problem). Es half auch kein Heulen und Schreien. Der Ball blieb dort. Dann teilte uns die "charmante" Dame am Check-In-Schalter freundlich mit: "Wir haben für Sie zwei Sitzreihen gebucht. Bei Air Asia ist aber nur eine Option möglich. Wenn Sie einen freien Platz zwischen sich dazubuchen, dann wählt Air Asia ihre Plätze/ Reihe aus. Somit ist Ihre Sitzplatzwahl (Beinfreiheit) hinfällig. Das Geld (für die teuer gebuchten Sitzplätze) bekommen Sie nicht wieder." Während das Boarding immer näher rückt, kocht Anja vor Wut und diskutiert mit den zunehmend unfreundlich werdenden Mitarbeitern von Air Asia. Nach Mirkos erfolgreichem Versuch, Anja zu beruhigen, hetzten wir zum Boarding durch unzählige Sicherheitskontrollen. Gerade noch rechtzeitig zum Abflug. Nun tönte es für unseren Flug durch die Lautsprecher: ".... Flug.... eine Stunde Verspätung...". Sauber. Nachts 00:10 Uhr mit zwei Kindern. Aber die hatten guten Laune.

In Australien angekommen, kümmerten wir uns sofort um eine Möglichkeit, für 3 Monate durchs Land zu reisen. Ein Wohnmobil mit Dusche und Toilette sollte es sein. In Perth wollten wir starten, an der Westküste nach Norden fahren, durch die Mitte nach Süden und noch etwas an der Ostküste entlang, bis wir unser Auto schließlich in Melbourne zurückgeben. Aber wir hatten die Rechnung ohne die reisefreudigen Australier gemacht. Bis Ende Januar war alles ausgebucht. Vier Tage hingen wir fast ununterbrochen am Telefon und kannten mittlerweile einen Großteil der Mitarbeiter der unzähligen Agenturen bis nach Neuseeland. Da das letzte buchbare Wohnmobil über 20.000 AUS§ kosten sollte (fast 200€ pro Tag), schraubten wir unsere Ansprüche runter und beschränkten uns bei der Suche auf kleine Campervans mit Schlafmöglichkeit. Alles ausgebucht. Nach vielen Telefonaten: "Einer ist noch zu haben, reagieren Sie schnell." Wir sind mittlerweile bereit, die 7.000 AUS$ (ca. 4.500 €) zu zahlen und bestätigen die Buchung. Ein paar Stunden später kam wieder die nierderschmetternde Nachricht: "Ihr Auto ist doch schon ausgebucht. Aber wir haben ein ganz ähnliches mit den gleichen Konditionen. Beeilen Sie sich und bestätigen Sie so schnell wie möglich." Machen wir. Wir sind inzwischen bei 9.000 AUS$. Es ist uns alles egal und wir bestätigen. Sofort kam die Buchungsbestätigung. Wir jubeln und planen unsere Route. Wir buchen einen Flug von Melbourne nach Neuseeland und atmen wieder auf. Bis der Blick auf die Zahlungsbedingungen unseres eben gebuchten Fahrzeuges fiel.... wir sollten noch 3.000 AUS$ extra für die Versicherung zahlen. 90 AUS$ für die Kindersitze und 150 AUS$ für einen zweiten Fahrer. So war das nicht vereinbart. All Inclusive war gebucht. Da wurden wir mächtig reingelegt und mit unserer Not wurde Kasse gemacht. Wir stornierten mit 1.200 AUS$ Stornierungsgebühren (ca. 800,- €). Unsere Ansprüche sanken weiter. Wir suchten nach einem Auto mit genug Platz für Zelt und Co. Und was vermutet ihr? Alles ausgebucht! Plötzlich kam ein Anruf aus Manchester U.K. Europcar. Es dauerte einen halben Tag, unzählige Telefonate, weiteren Zu- und Absagen, Hinzuholung des Chefs, megamäßig viele Nerven und wir hatten eine schriftliche Bestätigung für ein Auto vom 10.11.2015 bis 27.01.2016, allerdings von Perth bis Perth. Das heißt für uns zusätzliche Flugkosten von Perth nach Melbourne, um unseren bereits gebuchten Flug nach Neuseeland zu erreichen. Nur um die Europcar-Rückfahrgebühr (4000km Melbourne-Perth) von ca. 1600,-€ zu sparen. Am Ende hatten wir trotzdem die preiswerteste Lösung, die machbar war, plus Lehrgeld und die Herausforderung, eine komplette Campingausrüstung zusammen zu leihen oder günstig zu kaufen (innerhalb von 3 Tagen).
Zu der Zeit wussten wir noch nicht, dass unsere Pechsträhne noch eine Weile anhalten wird. Aber dazu mehr im nächsten Beitrag.

Aber nun zu den guten Nachrichten: Australien ist der Wahnsinn!!!
Schon die Ankunft zauberte uns nicht nur 1 Lächeln ins Gesicht. Kurz vor der Passkontrolle wollte man uns, als Australier (v)erkannt, in eine gesonderte Reihe verweisen, bei der Passkontrolle erhielten wir einige Sightseeing-Tipps vom Kontrolleur und am Ausgang empfing uns Nigel. Er und Katrin beherbergten uns für 12 Tage in ihrem Haus und halfen uns bei der Suche nach einem geeigneten Fahrzeug. Sie gaben uns viele Infos, waren unsere Retter in den stressigen Tagen, bewahrten uns vor dem Durchdrehen, liehen uns viele nützliche Dinge für unseren Roadtrip und zeigten uns wunderschöne Plätze rund um Perth. Vielen Dank ihr beiden für eure Hilfe, eure Geduld und für die Nerven, eine vierköpfige Familie aufzunehmen.

Für Fine ging endlich ein Traum in Erfüllung. Ihr sehnlichster Wunsch, ein Känguru zu streicheln, wurde wahr. Im Caversham Wildlife Park.
Die Gegend um Perth beeindruckte uns unglaublich. Das Gefühl von Freiheit und Gelassenheit, dass die Menschen um uns herum ausstrahlten, erfasste uns sofort. Vielleicht liegt es auch daran, dass bis zur den nächsten Großstädten ca. 4000 km Wüste und Küste dazwischen liegen. Egal wo wir uns bewegen - ob in der Einkaufsstraße in Perth, in einem der vielen Parks, am Strand, im Supermarkt, auf der Strasse, im Bus, auf den unzähligen Spielplätzen - es ist hier so verdammt familienfreundlich, dass wir das erste mal auf unserer Weltreise darüber reden, wie es wohl wäre hier zu wohnen. Wir sind gerührt, wenn wir beobachten, wie glücklich Fine und Willi hier sind und genießen die Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit der Australier uns Fremden gegenüber. Wir hoffen, dass die Umstellung in Deutschland unsere Mäuse nicht all zu sehr schockt.

© Anja Nemitz, 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ein Jahr Familienzeit - wir schauen uns die Welt an. Mit zwei großen Rucksäcken bepackt, reisen wir so günstig und einfach wie möglich, wollen die Menschen kennen lernen und andere Kulturen hautnah erleben.
Details:
Aufbruch: 29.06.2015
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: Juni 2016
Reiseziele: Russland / Russische Föderation
Mongolei
Hongkong
Vietnam
Kambodscha
Thailand
Australien
Neuseeland
Indonesien
Nepal
Der Autor
 
Anja Nemitz berichtet seit 4 Jahren auf umdiewelt.
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