Mit unseren Kindern um die Welt

Neuseeland-Reisebericht  |  Reisezeit: Juni 2015 - Juni 2016  |  von Anja Nemitz

Neuseeland: NZ mit Kindern?

NZ mit Kinder - eine gute Wahl?

Diese Frage stellten wir uns natürlich in jedem der Länder, die wir bereisten. Neuseeland ist toll, weil es für jeden etwas bietet. Egal ob es um Aktivitäten, Landschaft oder Wetter geht. Hier soll es sogar möglich sein, an einem Tag alle vier Jahreszeiten zu erleben. Die Landschaft ist abwechslungsreich und bietet vom Skifahren über wandern bis zum Baden an goldenen Stränden alles. Wir lassen hier mal die tausenden von Action-Angebote weg. Denn diese haben mit Naturschutz oder Land & Leute erleben absolut gar nichts mehr gemein.

Also, ist Neuseeland nun familienfreundlich? Ja, ist es, aber wir würden es nicht als das ultimative Reiseland mit Kindern empfehlen. Neuseeland empfinden wir bisher als das unfreundlichste Land, das wir bereisten, denn die Menschen sind launisch und schimpfen viel mehr als wir es kennen. Dies ist aber nur unsere persönliche Meinung. Kinder werden hier auch nicht so herzlich empfangen wie zum Beispiel in Asien oder Australien – und Touristen noch weniger (egal ob in Campervans, Wohnmobilen, Autos mit Zelt). Warum? Unsere Vermutung: Sie belagern die Naherholungsgebiete der Neuseeländer. Sie stehen auf kostenlosen Plätzen, die von der Gemeinde bereitgestellt werden und nerven einige Anwohner damit. Teilweise zurecht aufgrund hinterlassenen Mülls. Viele deutsche Familien (und wir treffen hier fast täglich welche) empfinden es genauso. Hier fühlen wir uns nicht immer willkommen.
Dennoch ist es familienfreundlich, denn in Neuseeland gibt es keine gefährlichen Tiere (außer die paar aus Australien eingeschleppten Redback-Spider). Die Museen sind kindgerecht aufbereitet und es gibt viele nette Spielplätze. Flüsse, Seen, Strände, Felsen, Höhlen und Märchenwälder laden kleine Abenteurer zum Entdecken ein. Kinder genießen das angenehme Klima und können überall ohne Angst spielen (in den dafür vorgesehenen Bereichen). Den wie schon in unserem ersten Beitrag erwähnt: Neuseeland ist eingezäunt. Ein Gefühl von Freiheit kommt hier nicht auf. Während Fine und Willi in der Mongolei, in Russland und Australien einfach drauf los gerannt sind, bleiben sie hier wenige Meter später an irgendeinem der Zäune stehen. Doch sieht man darüber hinweg, entdeckt man die wunderschöne Landschaft dieses einzigartigen Landes und hat eine vage Vorstellung davon, wie es wohl vor 50, 100 oder 300 Jahren einmal ausgesehen hat.

Unser Leben im Camper Van

Auf unser Leben im Campervan freuten wir uns (nach fast 3 Monaten im Zelt) riesig. Jetzt wird alles bequemer und einfacher, dachten wir. Aber so ein Leben auf Rädern in Neuseeland hat auch seine Tücken. Wir räumen trotzdem jeden Tag hin und her. Kisten wandern auf die Vordersitze. Beutel und Taschen müssen irgendwo verstaut werden, um etwas Bewegungsfreiheit im Inneren zu schaffen. Verschiedenste Dinge werden irgendwo angehangen, um es so einfach wie möglich zu gestalten. Und dennoch suchen wir. Jeden Tag. Irgendwas fehlt oder liegt nicht dort, wo es sein sollte. Klar, kann man auch ein viel größeres Wohnmobil mieten, das kostet aber auch viel mehr. Für uns nicht machbar.
Meistens spielt sich unser Leben draußen ab, aber bei Regen rücken wir eng aneinander und kochen, waschen und essen auf engstem Raum. Und bei Sonnenschein und lauen Abenden? Da zwingt uns Neuseelands schlimmste Plage auch in den Van, bei geschlossenen Türen und Fenstern. DIE SANDFLIEGEN. Wir können zwar toben und wandern im Freien, aber sobald wir sitzen oder auch nur stehen bleiben, kommen sie. In Scharen. Zu tausenden. Je nachdem wo wir gerade sind. An der Ostküste gerade noch erträglich, an der Westküste kaum auszuhalten. Sie verspeisen uns bei lebendigem Leibe, hunderte auf einen Menschen. Haben sie dich erwischt, legen sie los und holen sich dein Blut. Danach juckt es etwa 2 Tage höllisch (Mückenstiche sind lustig dagegen) und zurück bleiben für eine ganze Weile die hässlichen roten Flecken. Es gibt viele Mittel dagegen, aber nichts hilft, um diese Biester vom Inneren des Campervans fernzuhalten. Sobald die Tür aufgeht, schwärmen sie herein und warten nur darauf sich festzubeißen. Wir haben alles probiert. Entweder hilft es nicht oder ist so aggressiv, dass wir fürchterlichen Ausschlag bekommen. Von Einheimischen haben wir eine selbsthergestellte Lotion geschenkt bekommen: Babyöl mit Hautdesinfektionsflüssigkeit gemischt (1:1) – es riecht fürchterlich, aber scheint zu helfen.

Da wir einen Kühlschrank und einen Gasherd im Campervan haben, genießen wir es, endlich wieder „normal“ einzukaufen und gesund zu kochen. Duschen können wir in Schwimmbädern, Touristeninformationen oder hin und wieder auf einem günstigen privaten Campingplatz. Wenn es der Parkplatz hergibt, dann ist es sogar möglich, bei geöffneter Kofferraumklappe mit unserem herausziehbarem Wasserhahn-Schlauch des Abwaschbeckens, hinter dem Van zu duschen. Fine und Willi sind es zum Glück gewohnt, kaltes Wasser zu nutzen. Daher sind auch die öffentlichen Duschen an Stränden ein willkommenes Geschenk für uns.

Wir lieben die Natur und bevorzugen daher immer einen der vielen günstigen DOC-Campingplätze oder die ganz freien Übernachtungsecken. Diese liegen meist abgelegen und malerisch an den schönsten Stellen.

Wem allerdings ein sauberes Plumsklo als Komfort nicht genügt, der nächtigt auf einem der privaten Campingresorts und hat alles was das Herz begehrt. Wenn ihr bunte Spielplätze, Pool, TV-Raum und Animation als kinderfreundlich anseht, dann habt ihr für einen tiefen Griff in den Geldbeutel die große Auswahl in Neuseeland. Und dann, ja dann ist Neuseeland optimal für Familien. Hier braucht ihr euch auch nicht vor den lästigen Sandfliegen zu fürchten – „verschiedenste Mittel“ sorgen für geringes bis gar kein Aufkommen auf diesen Campingplätzen.

Seid ihr in Neuseeland unterwegs, denkt daran, Neuseelands Straßen sind kurvenreich und gehen hoch und runter. An der Westküste und im Norden der Südinsel fuhren wir fast täglich über Bergpässe. Immer wieder trafen wir Familien, deren Kinder das nicht vertrugen und die sich während der Fahrt übergaben. Selbst ein kleiner Schnupfen sorgte bei diesem Auf und Ab auch bei Fine, Willi und Anja für Beschwerden in den Nasennebenhöhlen oder Ohren. Nicht selten geht es auf Neuseelands Straßen direkt neben der Fahrbahn steil und tief bergab und die Einheimischen Fahrer nutzen gern auch die Gegenspur, um möglichst schnell um die Kurven zu kommen. Das Land ist unglaublich starken Winden ausgesetzt, die ungebremst über die Westküste fegen. Wir hatten ab und an Mühe unseren Van auf der Straße zu halten. All das sind Punkte, denen wir vorher nicht viel Beachtung schenkten. Ganz zu schweigen von den Sandfliegen, die ein schönes Spielen am Strand nicht möglich machten. Sicherlich ist das auch von der Jahreszeit abhängig. Wir hatten im Februar und März an der Westküste Millionen von ihnen (egal ob Strand, Wald oder Berg) und an der Ostküste immer mal wieder Stellen, an denen wir auch entspannt am Strand spielen konnten. Eine gute Vorbereitung über Neuseelands „Eigenarten“ bewahrt euch auf jeden Fall vor Enttäuschungen. Wir würden mit unseren Kindern nicht nochmal hier her kommen. Allerdings steht es auf unserer „Irgendwann-mal-Reisen-ohne-Kinder“ – Liste, um einige der GREAT WALKS (Mehrtages Wandertouren in abgelegenen, ursprünglichen Gegenden) zu wandern.

Wir haben uns sozusagen mit dem Land arrangiert. Wir genießen die herrliche Landschaft, schauen uns alles an, was uns interessiert, versuchen, auf Wanderungen die „unberührte“ Natur zu finden und freuen uns, dass wir unser Projekt „Familienzeit-Weltreise“ verwirklicht haben. Das war die beste Entscheidung die wir treffen konnten – gemeinsam mit unseren Kindern die Welt bereisen – auf engstem Raum zurechtzukommen – unser Hab und Gut in zwei Rucksäcke gepackt – eine intensive Erfahrung, die uns manchmal an unsere Grenzen bringt – ein einziges Wimpernzucken, dass uns wissen lässt, wie es dem anderen geht – das Gefühl dieses starken Zusammenhalts – Erlebnisse und Gefühle, die uns niemand mehr nehmen kann – wir werden diese Erfahrungen ein Leben lang in uns tragen – egal ob bewusst oder unbewusst.

© Anja Nemitz, 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ein Jahr Familienzeit - wir schauen uns die Welt an. Mit zwei großen Rucksäcken bepackt, reisen wir so günstig und einfach wie möglich, wollen die Menschen kennen lernen und andere Kulturen hautnah erleben.
Details:
Aufbruch: 29.06.2015
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: Juni 2016
Reiseziele: Russland / Russische Föderation
Mongolei
Hongkong
Vietnam
Kambodscha
Thailand
Australien
Neuseeland
Indonesien
Nepal
Der Autor
 
Anja Nemitz berichtet seit 4 Jahren auf umdiewelt.
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