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Neuseeland-Reisebericht  |  Reisezeit: Juni 2015 - Juni 2016  |  von Anja Nemitz

Neuseeland: Tongariro Alpine Crossing

Der zweite Versuch - Tongariro Alpine Crossing

Es hätte nicht schöner sein können. Herrliches Wetter. Sonnenschein pur. Ein kostenloser Campingplatz direkt am Strand, der Bay of Plenty. Fine und Willi spielten mit Katharina und Valentina (eine deutsche Familie, mit der wir seit der Südinsel immer mal wieder ein Stück gemeinsam fahren) und pures Urlaubsfeeling lag in der Luft. Und die nächsten Tage wären nicht viel anders verlaufen (unser Weg sollte immer an der Küste Richtung Norden entlang führen), wäre da nicht dieser kleine Satz gewesen. Ein kleiner Satz am Frühstückstisch, der in ein sehr kurzes Gespräch überging und alles veränderte. „Wie weit ist es eigentlich von hier bis zum Mount Tongariro?“ – „Vielleicht 300 Kilometer, ich weiß nicht genau?“ – „Wenn wir nach dem Frühstück losfahren, könnten wir am Nachmittag da sein.“ – „Ruf mal im Nationalpark an, wie das Wetter ist.“ – (es war gut) - „Ok, lass uns losfahren.“

Am nächsten Morgen klingelte unser Wecker um fünf Uhr früh und über uns leuchteten die Sterne um die Wette…
Diesmal ließen wir uns von dem eisigen, heftigen Wind nicht abhalten. Wir wussten – der sternenklare Himmel weicht in ein paar Stunden einem sonnigen Tag. Dick eingepackt bahnten wir uns den Weg durch Neuseelands ältesten Nationalpark. Die ersten 2 Stunden froren wir noch etwas, während der Weg moderat anstieg oder einfach auf Holzplanken über Sumpf führte. Der Wind blies so stark und eisig, dass Willi sich im Tragetuch versteckte (um das wir zusätzlich noch eine Decke wickelten) und nur zur Frühstückspause freiwillig heraus kroch. Wir suchten uns hinter Grashügeln Schutz und legten noch die Decke über uns, um einigermaßen frühstücken zu können. Schon bald erhellte die Sonne die ersten Felsen und wärmte uns während des weiteren Anstiegs. Über eine Stunde kletterten wir über Felsen, Stufen und zwei Lavaströmen von 1870 steil bergauf. Fine legte das Tempo und die Pausen fest. Langsam, aber stetig kamen wir vorwärts und erreichten überglücklich den Südkrater – eine große, ebene Fläche. Der Wind ließ langsam nach, die Sonne wärmte und der strahlend blaue Himmel ließ uns, trotz der Anstrengung, lächeln. Der zweite Anstieg hatte es in sich. Noch steiler ging es über loses Geröll hoch hinaus. Es schien nicht weit bis zum Gipfel, aber durch das rutschende Geröll brauchten wir eine Stunde bis zum Roten Krater. Der Geruch von Schwefel umwehte uns und verriet die Aktivität des Kraters. Wir verdienten uns eine lange Mittagspause, denn von hier aus waren es nur noch einige Schritte bis zum Gipfel des Roten Kraters und damit des höchsten Punktes des Tongariro Alpine Crossing (1.886 m). Der Blick war atemberaubend. Vulkane, Krater, Berge, Ebenen, blaue Seen, Sonne und freier Himmel. Schwefelgeruch und eine leichte Brise rundeten diese Gipfelerfahrung ab. Über loses Geröll ging es von hier wieder steil bergab und der Weg nach unten zog sich in die Länge. Tapfer und ohne Murren liefen Willi und Fine Kilometer für Kilometer. Erst kurz vor der Zielgeraden wurde unsere quasselnde Fine ganz ruhig. Trotz Themen, die ihren Schwall an Wörtern normalerweise nicht enden lassen wollen, blieb sie stumm. Willi verschwand wieder im Tragetuch und ließ sich bis zu unserem Van chauffieren. In Windeseile saßen wir dann alle auf unseren Plätzen und freuten uns auf die Belohnung – ein TOP 10 Holiday Park mit Thermal-Pool, Spielplatz und heißen Duschen.

© Anja Nemitz, 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ein Jahr Familienzeit - wir schauen uns die Welt an. Mit zwei großen Rucksäcken bepackt, reisen wir so günstig und einfach wie möglich, wollen die Menschen kennen lernen und andere Kulturen hautnah erleben.
Details:
Aufbruch: 29.06.2015
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: Juni 2016
Reiseziele: Russland / Russische Föderation
Mongolei
Hongkong
Vietnam
Kambodscha
Thailand
Australien
Neuseeland
Indonesien
Nepal
Der Autor
 
Anja Nemitz berichtet seit 4 Jahren auf umdiewelt.
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