Coulee, Cataldo & Caldera

USA-Reisebericht  |  Reisezeit: Mai 2016  |  von Ulrich Mattheus

Mammoth Hot Springs

Die oberen Quellen des Areals der Travertinterrassen von Mammoth Hot Springs tragen eindrucksvolle Namen wie "Opal Terrace", Minerva Terrace", "Jupiter Terrace", und so weiter. Leider müssen die Quellen aber von Zeit zu Zeit umbenannt werden. Plötzlich versiegt mal eine Quelle, dafür entsteht an anderer Stelle eine völlig neue Quelle, wo vorher nur Gras wuchs oder Bäume standen.

Die oberen Quellen des Areals der Travertinterrassen von Mammoth Hot Springs tragen eindrucksvolle Namen wie "Opal Terrace", Minerva Terrace", "Jupiter Terrace", und so weiter. Leider müssen die Quellen aber von Zeit zu Zeit umbenannt werden. Plötzlich versiegt mal eine Quelle, dafür entsteht an anderer Stelle eine völlig neue Quelle, wo vorher nur Gras wuchs oder Bäume standen.

Nach über 1400 Kilometern Fahrt in nur 2 Tagen richteten wir uns in einem gemütlichen Holzhäuschen der Mammoth Hot Springs Cabins ein. Die Einrichtung war eher spartanisch und Duschen wie Toiletten lagen ausserhalb, aber wir sollten in den folgenden Tagen die Hütte hauptsächlich zum Schlafen nutzen. Die nette Terrasse vor der Hütte hatte eine brilliante Aussicht auf das Gelände der heissen Quellen und Travertinterrassen, aber sie war nutzlos, weil zu kalt. Wir waren vom Frühling in den Winter gereist. Der Yellowstone Nationalpark liegt im Schnitt 2500m hoch und Mitte Mai herrscht überall Nachtfrost und in hohen wie mittleren Lagen schneit es auch tagsüber. Also wurde es nichts mit einem Sundowner vor dem Haus.

Baby-Quelle
Heisse Quellen in Mammoth Hot Springs entstehen einfach aus dem Nichts. Plötzlich bricht heisses, mineralhaltiges Wasser aus der Grasnarbe und schon nach kurzer Zeit bilden sich Ablagerungen in verschiedenen Farben. Gras adieu.

Baby-Quelle
Heisse Quellen in Mammoth Hot Springs entstehen einfach aus dem Nichts. Plötzlich bricht heisses, mineralhaltiges Wasser aus der Grasnarbe und schon nach kurzer Zeit bilden sich Ablagerungen in verschiedenen Farben. Gras adieu.

Wo einmal Leben war
Die Fluchtgeschwindigkeit von Bäumen ist eher langsam. Daher wird ihr Schicksal besiegelt, sobald sich eine neue Mineralquelle zwischen ihren Wurzeln breitmacht. Die Bäume werden von unten her regelrecht "zugesintert".

Wo einmal Leben war
Die Fluchtgeschwindigkeit von Bäumen ist eher langsam. Daher wird ihr Schicksal besiegelt, sobald sich eine neue Mineralquelle zwischen ihren Wurzeln breitmacht. Die Bäume werden von unten her regelrecht "zugesintert".

Mammoth Hot Springs ist ein grosser Komplex von heissen Quellen auf einem Hügel aus TRAVERTIN im Yellowstone Nationalpark nahe Fort Yellowstone. Er wurde über tausende Jahre hinweg gebildet, als heisses Wasser aus den Quellen abkühlte und Calciumcarbonat ablagerte. Täglich fliessen über 2 Tonnen gelöstes Calciumcarbonat in das Gebiet ein. Wegen der grossen Menge an geothermalen Schloten, blüht der TRAVERTIN. Obwohl die Quellen ausserhalb der Yellowstone Caldera liegen, beziehen sie ihre Energie aus dem gleichen magmatischen System wie andere geothermale Quellen im Park.

Das heisse Wasser, das Mammoth speist, kommt vom Norris Geyser Basin, nachdem es unterirdisch durch eine Bruchzone im Sandstein und ungefähr parallel zur Strasse zwischen Norris und Mammoth floss. Der Sandstein entlang der Bruchzone ist die Quelle des Calciumcarbonats. Oberflächlich kühlt das heisse Wasser schnell auf etwa 80°C ab und Algen geben den einzelnen Becken unterschiedliche Farbtöne von Braun, Orange, Rot und Grün.

Geisterwald
Ein toter Baum, in der kalten Luft die Nebelschwaden der heissen Quellen und am Himmel drohend graue Schneewolken: das sind die perfekten Zutaten für ein stimmungsvolles Bild.

Geisterwald
Ein toter Baum, in der kalten Luft die Nebelschwaden der heissen Quellen und am Himmel drohend graue Schneewolken: das sind die perfekten Zutaten für ein stimmungsvolles Bild.

Gefrorene Wasserfälle
Ein früher Besucher des Yellowstone Nationalparks beschrieb die Travertinterrassen von Mammoth Hot Springs folgendermassen: "No human architect ever designed such intricate fountains as these. The water trickles over the edges from one to another, blending them together with the effect of a frozen waterfall."

Gefrorene Wasserfälle
Ein früher Besucher des Yellowstone Nationalparks beschrieb die Travertinterrassen von Mammoth Hot Springs folgendermassen: "No human architect ever designed such intricate fountains as these. The water trickles over the edges from one to another, blending them together with the effect of a frozen waterfall."

Die heissen Quellen haben eine stark schwankende Aktivitätszeit zwischen wenigen Tagen und vielen Jahrzehnten. Mammoth Hot Springs ist die grösste bekannte Quelle mit Carbonatablagerungen. Die berühmteste Attraktion unter den vielen Quellen ist die Minerva-Terrasse, eine Serie von Travertinterrassen. Die Terrassen wurden über viele Jahre hinweg angelegt, aber kleinere Erdbeben verlagerten die Quelle und liess einen grossen Teil der Terrassen eintrocknen.

Sowohl Mammoth Hotel als auch Fort Yellowstone wurden auf einer alten Terrasse gebaut, die als „Hotelterrasse“ bekannt ist. Als die Bauarbeiten 1891 begannen, gab es einige Bedenken, dass das Gestein wegen unterirdischer Hohlräume das Gewicht der Gebäude nicht wird tragen können. Mehrere heute eingezäunte SINK HOLES können heute auf den Rasenflächen beobachtet werden. Das gesamte Gelände ist bereits seit mehreren tausend Jahren thermisch aktiv.

Mystisches Märchenland
Im Spätwinter bzw. Vorfrühling fegen manchmal Schnee- oder Graupelschauer über das Land und tauchen die dampfenden heissen Quellen von Mammoth Hot Springs in ein unwirkliches Licht.

Mystisches Märchenland
Im Spätwinter bzw. Vorfrühling fegen manchmal Schnee- oder Graupelschauer über das Land und tauchen die dampfenden heissen Quellen von Mammoth Hot Springs in ein unwirkliches Licht.

Bewohner des Travertins

Ihr schaut auf eine Welt Hitze liebender Mikroorganismen, die auch „Thermophile“ genannt werden. Abermilliarden leben, sterben und werden begraben in den Mammoth Hot Springs.
Fadenförmige Bakterien verbinden sich und bilden Ketten, die wie Schürzen aussehen können. Sie leben von Schwefelwasserstoff, der durch die Schlote aufsteigt und den man auch deutlich riechen kann.
Wie Blütenpflanzen benutzen die Cyanobakterien Licht direkt als Energiequelle oder betreiben Photosysthese. Wenn andere Mikroorganismen nicht den Schwefelwasserstoff fressen würden, würden die Cyanobakterien vergiftet werden.

Wie bei Harry Potter
Eine finstere Stimmung liegt über Mammoth Hot Springs, als sich wie bei Harry Potter eine dunkel drohende Wolke über das Land legt.

Wie bei Harry Potter
Eine finstere Stimmung liegt über Mammoth Hot Springs, als sich wie bei Harry Potter eine dunkel drohende Wolke über das Land legt.

Das kalkhaltige, heisse Wasser der Quellen in Mammoth Hot Springs bildet in der Regel sehr schöne Sinterterrassen aus. Vereinzelt bilden sich an überhängenden Terrassen jedoch diese Säume von Stalaktiten.

Das kalkhaltige, heisse Wasser der Quellen in Mammoth Hot Springs bildet in der Regel sehr schöne Sinterterrassen aus. Vereinzelt bilden sich an überhängenden Terrassen jedoch diese Säume von Stalaktiten.

Untergegangene Gemeinschaften

Tief im Untergrund aufgeheiztes Wasser steigt durch unterirdischen Sandstein auf und deponiert das Mineral Calzit auf dem Boden. Das Calzit härtet und wird zu TRAVERTIN. Wenn dieses Wasser längere Zeit fliesst, können so grosse Strukturen wie Gras, Bäume und sogar angelegte Wege einzementiert werden.
Ein fossilienähnlicher Abdruck von Thermophilen kann in einer Schicht von Travertin eingeschlossen werden. Diese Einschlüsse sind der heutige Beweis für frühere thermophile Gemeinschaften.
Die heissen Quellen von Yellowstone gehören zu den extremsten Umgebungen auf der Erdoberfläche, und doch überlebt und gedeiht das Leben in einer Umgebung, die für Menschen tödlich wäre. Wissenschaftler studieren diese abgehärteten Organismen nicht nur wegen der Bandbreite des Lebens auf der Erde, sondern auch deswegen, weil man so Leben auf fremden Planeten besser verstehen könnte.

There's a storm Comin' / You'd better run / There's a storm coming / Goodbye to the sun / There's a storm comin' / You'd better / Run boy run / You'd better run

There's a storm Comin' / You'd better run / There's a storm coming / Goodbye to the sun / There's a storm comin' / You'd better / Run boy run / You'd better run

© Ulrich Mattheus, 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
"Hä?", werden sich die meisten da fragen. Hinter diesen Begriffen stehen eindrucksvolle Sehenswürdigkeiten auf dem Weg zu einem Supervulkan. Von Portland/Oregon nach Moose/Wyoming im Grand Teton Nationalpark, sind es 1635 km. Unterwegs begegneten uns technische Meisterleistungen, geschichtsträchtige Orte und am Ende erwanderten wir die Caldera des ältesten Nationalparks der Welt.
Details:
Aufbruch: 18.05.2016
Dauer: 6 Tage
Heimkehr: 23.05.2016
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Der Autor
 
Ulrich Mattheus berichtet seit 9 Wochen auf umdiewelt.
Bild des Autors
Aus dem Gästebuch (1/1):
Blula 1550827523000
Lieber U­LI;­
Ich freue mich sehr, dass Du diesen er­stklas­si­gen Rei­se­bericht nun auch hier in diesem Forum verö­ffent­licht hast. Ja, ich kenne ihn bereits aus der GEO-RC, die nun leider ihre Pforten gesch­los­sen hat, aber ich habe ihn gerade noch einmal mit Freuden ge­lesen.
Du vers­tehst es einfach auch in diesem Bericht, Deinen Lesern Dein im­men­ses geo­lo­gisches Wissen auf vers­tändliche Weise näher­zub­rin­gen. Was man nir­gen­dwo sonst so einfach nach­le­sen könnte, erfährt man bei Dir aus erster Hand und dazu auch leicht vers­tändlich. Danke dafür.
LG Ursula