Coulee, Cataldo & Caldera

USA-Reisebericht  |  Reisezeit: Mai 2016  |  von Ulrich Mattheus

West Thumb Geyser Basin

Der nächtliche Schnee im Yellowstone Park geht tagsüber schnell in Regen über. All über all auf den Tannenspitzen sah ich - REGENTROPFEN.

Der nächtliche Schnee im Yellowstone Park geht tagsüber schnell in Regen über. All über all auf den Tannenspitzen sah ich - REGENTROPFEN.

Am zweiten Tag im Yellowstone-Nationalpark mussten wir pragmatisch sein. Von unserem Wunschprogramm verabschiedeten wir uns, weil das spätwinterliche Wetter uns maximale Flexibilität abverlangte. Am frühen Morgen regnete es, in höheren Lagen schneite es. Wir entschieden, heute ein Stop&Go-Programm einzulegen. Stop bei Trockenheit, Go bei Regen. Sollte es 12 Stunden lang regnen, sollten wir eben 12 Stunden nichts anderes als fotogene Scheibenwischer sehen. Das Problem war nicht nur das Tiefdruckgebiet mit polarer Luft, das sich gestern über uns hinwegbewegt hatte, sondern auch die grundsätzliche Wetterunsicherheit eines Hochgebirges. Der Park liegt schliesslich durchschnittlich 2440m über dem Meer, die tiefste Stelle des Parks immerhin noch 1620m. Der höchste Punkt des Parks ist der Eagle Peak mit 3462m.

Im Spätwinter (Mitte Mai) kann man im Yellowstone-Nationalpark noch die ein oder andere Überraschung erleben. Auf einer Passhöhe fahren wir durch einen verschneiten Wald - keine Seltenheit zu dieser Jahreszeit. Erst seit 2 Wochen sind die Wintersperren im Park aufgehoben...

Im Spätwinter (Mitte Mai) kann man im Yellowstone-Nationalpark noch die ein oder andere Überraschung erleben. Auf einer Passhöhe fahren wir durch einen verschneiten Wald - keine Seltenheit zu dieser Jahreszeit. Erst seit 2 Wochen sind die Wintersperren im Park aufgehoben...

Im Tal der sieben krummen Wurzeln
Ich bin so heiss auf heisse Quellen, dass ich schon vom Strassenrand die ersten besten Dampfsäulen fotografiere. Jetzt im Spätwinter dampfen die heissen Quellen besonders stark. Selbst mitten auf den Wiesen erkennt man, wo sich heisse Stellen unter der Erdoberfläche befinden. Die Szenerie erinnert mich an meine Kindheit, als in der ZDF-Drehscheibe die Serie "Minitou" lief. Minitou lebte im Tal der sieben krummen Wurzeln und erlebte das ein oder andere spannende Abenteuer. Die älteren unter Euch werden sich vielleicht erinnern...

Im Tal der sieben krummen Wurzeln
Ich bin so heiss auf heisse Quellen, dass ich schon vom Strassenrand die ersten besten Dampfsäulen fotografiere. Jetzt im Spätwinter dampfen die heissen Quellen besonders stark. Selbst mitten auf den Wiesen erkennt man, wo sich heisse Stellen unter der Erdoberfläche befinden. Die Szenerie erinnert mich an meine Kindheit, als in der ZDF-Drehscheibe die Serie "Minitou" lief. Minitou lebte im Tal der sieben krummen Wurzeln und erlebte das ein oder andere spannende Abenteuer. Die älteren unter Euch werden sich vielleicht erinnern...

So fuhren wir im Regen von Mammoth in Richtung Süden. Wir liessen den Bunsen Peak hinter uns. Es regnete. Wir querten die Ebenen um den Indian Creek und liessen die Apollinaris Spring - was für ein hübscher Name! - links liegen, denn alles, was wir sahen, war Regen von oben und Wasserdampf von unten. All die berühmten Namen verschwammen im Regen: Norris Geyser Basin, Roaring Mountain, Paintpot Hill, ja sogar den Old Faithful liessen wir links liegen und fanden uns schliesslich am westlichsten Ausläufer des Yellowstone Lake wieder. Hier tröpfelte es nur noch ein wenig und wir riskierten einen Spaziergang durch das West Thumb Geyser Basin direkt am See. Die Luft war feuchtkalt, vielleicht 3 oder 4°C und meine handschuhbewehrten (!) Finger wurden weiss. Tja, ich werde auch nicht jünger und mit diesem Problem muss ich mich schon eine ganze Weile herumschlagen. Ich versuchte, das Beste daraus zu machen und knipste mit gefühllosen Händen ein Foto nach dem anderen. Nach und nach hörte der Regen ganz auf und das etwas hellere Licht liess viele der heissen Quellen in bunten Farben leuchten.

Fishing Cone
Im Jahr 1883 beschrieb Henry Winser in seinem Buch "The Yellowstone National Park - A manual for tourists" wie leicht man im Yellowstone-Nationalpark Forellen fangen und sie direkt von der Angel in den Geyser werfen kann. Dieser Geyser wurde danach schnell berühmt und er wurde lange Zeit genutzt, um in 3-5 Minuten eine Forelle verzehrfertig zu garen.

Fishing Cone
Im Jahr 1883 beschrieb Henry Winser in seinem Buch "The Yellowstone National Park - A manual for tourists" wie leicht man im Yellowstone-Nationalpark Forellen fangen und sie direkt von der Angel in den Geyser werfen kann. Dieser Geyser wurde danach schnell berühmt und er wurde lange Zeit genutzt, um in 3-5 Minuten eine Forelle verzehrfertig zu garen.

Das West Thumb Geyser Basin liegt am Rand der westlichsten Bucht des Yellowstone Lake. Diese Bucht ist in Wahrheit die Caldera einer vulkanischen Eruption vor 174000 Jahren. Sie liegt komplett innerhalb der wesentlich grösseren Yellowstone-Caldera, die 640000 Jahre alt ist und deren Ränder so verwittert sind, dass man sie ohne Hilfe nicht sieht. Aus diesem Geyser Basin fliessen täglich fast 12000 Liter heisses Wasser in den See. Trotzdem beträgt die Wassertemperatur im Sommer selbst hier nicht über 7°C!

Der Rand der Hölle
... oder so ähnlich kann man sich es vorstellen. Am Rand dieser heissen Quelle ("Black Pool") im West Thumb Geyser Basin befinden sich Ablagerungen verschiedener Minerale, die offensichtlich zu konzentriert oder zu giftig sind, als dass sich Pflanzen auf ihnen halten könnten. Nur etwas entfernter steht ein Grasbüschel.

Der Rand der Hölle
... oder so ähnlich kann man sich es vorstellen. Am Rand dieser heissen Quelle ("Black Pool") im West Thumb Geyser Basin befinden sich Ablagerungen verschiedener Minerale, die offensichtlich zu konzentriert oder zu giftig sind, als dass sich Pflanzen auf ihnen halten könnten. Nur etwas entfernter steht ein Grasbüschel.

Schon immer wurden Menschen von diesem Teil des Seeufers angezogen. Schon Stämme der First Nations campten hier, als sie im Sommer Bisons jagten. Das Volk der Crow sammelte Medizinkräuter; Shoshonen und Bannock haben in ihren Sagen Entstehungsgeschichten des Sees überliefert. Frühe wissenschaftliche Expeditionen, die Berichte von Holzfällern über farbige heisse Quellen überprüften, lagerten hier am Ufer und die ersten regulären Passagierkutschen von Old Faithful kamen im 19. Jahrhundert hier an.

Jedes Jahr sterben im Yellowstone Nationalpark Menschen durch Anfälle akuter Dummheit. Wege sind klar markiert und überall warnen Hinweisschilder vor drohenden Gefahren, wenn man von den markierten und meist befestigten Pfaden abweicht. So einladend und kuschelig so ein Pool aussieht, so tödlich ist er. Stolpert man hinein, wird meist nicht mal mehr ein Skelett gefunden - die starken Säuren in der Quelle machen's möglich.

Jedes Jahr sterben im Yellowstone Nationalpark Menschen durch Anfälle akuter Dummheit. Wege sind klar markiert und überall warnen Hinweisschilder vor drohenden Gefahren, wenn man von den markierten und meist befestigten Pfaden abweicht. So einladend und kuschelig so ein Pool aussieht, so tödlich ist er. Stolpert man hinein, wird meist nicht mal mehr ein Skelett gefunden - die starken Säuren in der Quelle machen's möglich.

Viele Farben, die man in den Pools sieht, werden von Thermophilen (hitzeliebenden Mikroorganismen) verursacht. Im Allgemeinen stehen die Farben Grün und Braun für Organismen, die in eher kühlerem Wasser leben, Orange und Gelb sind ein Indikator für Organismen in heisserem Wasser. Nur wenige Bakterien können in siedendem Wasser leben. In diesen sehr heissen Zonen absorbiert das Wasser alle Farben ausser Blau, welches der Pool dann reflektiert.
Der Siedepunkt des Wassers liegt in dieser Höhe bei ca. 93°C. In diesen blauen Wassern leben Archeen.
73°C oder darunter: Cyanobakterien
62°C oder darunter: Pilze
60°C oder darunter: Algen
56°C oder darunter: Protozoen
50°C oder darunter: Moose, Krustentiere, Insekten
27°C oder darunter: Forellen

Aus dem See entspringt ein Fluss
Manche heisse Quellen sehen aus wie Landkarten. Hier ist ein See, aus dem ein Fluss entspringt. Wie gross ist der See und wie breit ist der Fluss? Dimensionen verschwimmen hier.

Aus dem See entspringt ein Fluss
Manche heisse Quellen sehen aus wie Landkarten. Hier ist ein See, aus dem ein Fluss entspringt. Wie gross ist der See und wie breit ist der Fluss? Dimensionen verschwimmen hier.

Zu schön ist das Geysirfeld von West Thumb, aber wir müssen die Zeit nutzen, solange es nicht regnet oder schneit. Daher fahren wir entlang des Ufers nach Norden, bis uns eine der nächsten Buchten zu einem Spaziergang einlädt. Gull Point ist ein zauberhaftes Fleckchen Erde. Während wir am West Thumb Geyser Basin reichlich Gesellschaft hatten, spazieren wir am Gull Point zu zweit am See entlang. Wir sehen keine anderen Menschen, hören weder Mensch noch Maschine und fühlen uns, als hätten wir den gesamten Yellowstone Nationalpark für uns alleine. Unglaublich, wo wir doch weniger als 1km von der Hauptstrasse entfernt sind!

Malerisch liegt Stevenson Island im Yellowstone Lake. Im Vorfrühling bilden die hohen Berge einen erhabenen Hintergrund, Avalanche Peak, Top Notch Peak und Mt. Stevenson, um nur einige Grössen der Absaroka Range zu nennen.

Malerisch liegt Stevenson Island im Yellowstone Lake. Im Vorfrühling bilden die hohen Berge einen erhabenen Hintergrund, Avalanche Peak, Top Notch Peak und Mt. Stevenson, um nur einige Grössen der Absaroka Range zu nennen.

Am gegenüber liegenden Ufer, etwa 10km entfernt, konnten wir die Rauchsäulen einiger Geysire und anderer heisser Quellen an einem Berghang sehen, ansonsten lag der See ruhig vor uns. In der Mitte des Sees liegt die bewaldete, langgezogene Stevenson Insel, im Hintergrund ragen die schneebedeckten Berge der Absaroka Range himmelwärts und bilden die östliche Grenze des Nationalparks. Dort in den Bergen entspringt auch der Yellowstone River, der längste frei fliessende Fluss der USA (ausser Alaska).

Ruhe. Entspannung. Meditation.
Um die heissen Quellen des Yellowstone-Nationalparks herum herrscht ein Halli-Galli, sobald nach der Winterpause die Strassen freigegeben werden. Weit über 99% der Menschen laufen aber nie weiter als 200 Meter von ihren Autos weg. Schon auf kurzen Wanderungen denkt man, ganz alleine im Park zu sein. Ein herrliches Land!

Ruhe. Entspannung. Meditation.
Um die heissen Quellen des Yellowstone-Nationalparks herum herrscht ein Halli-Galli, sobald nach der Winterpause die Strassen freigegeben werden. Weit über 99% der Menschen laufen aber nie weiter als 200 Meter von ihren Autos weg. Schon auf kurzen Wanderungen denkt man, ganz alleine im Park zu sein. Ein herrliches Land!

© Ulrich Mattheus, 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
"Hä?", werden sich die meisten da fragen. Hinter diesen Begriffen stehen eindrucksvolle Sehenswürdigkeiten auf dem Weg zu einem Supervulkan. Von Portland/Oregon nach Moose/Wyoming im Grand Teton Nationalpark, sind es 1635 km. Unterwegs begegneten uns technische Meisterleistungen, geschichtsträchtige Orte und am Ende erwanderten wir die Caldera des ältesten Nationalparks der Welt.
Details:
Aufbruch: 18.05.2016
Dauer: 6 Tage
Heimkehr: 23.05.2016
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Der Autor
 
Ulrich Mattheus berichtet seit 9 Wochen auf umdiewelt.
Bild des Autors
Aus dem Gästebuch (1/1):
Blula 1550827523000
Lieber U­LI;­
Ich freue mich sehr, dass Du diesen er­stklas­si­gen Rei­se­bericht nun auch hier in diesem Forum verö­ffent­licht hast. Ja, ich kenne ihn bereits aus der GEO-RC, die nun leider ihre Pforten gesch­los­sen hat, aber ich habe ihn gerade noch einmal mit Freuden ge­lesen.
Du vers­tehst es einfach auch in diesem Bericht, Deinen Lesern Dein im­men­ses geo­lo­gisches Wissen auf vers­tändliche Weise näher­zub­rin­gen. Was man nir­gen­dwo sonst so einfach nach­le­sen könnte, erfährt man bei Dir aus erster Hand und dazu auch leicht vers­tändlich. Danke dafür.
LG Ursula