2 Jahre lang kreuz & quer durch die Americas

Brasilien-Reisebericht  |  Reisezeit: Mai 2013 - Mai 2015  |  von Anja & Wolfgang

Brazil - ab 01.03.2015 5200km: Brazil 2 - ab 01.03.2015 1670km

Ziel: Von den Wasserfällen bei Foz de Iguacu Richtung Osten, quer durch Brasilien über Sao Paulo nach Rio de Janeiro und ab da dem Meer entlang Richtung Süden zur Grenzen nach Uruguay.
Hier quer durch Brasilien über Sao Paulo nach Petropolis, droben in den Bergen im Hinterland von Rio de Janeiro.
Wetter: Nachts angenehm kühl, tagsüber sonnig, heiss, blauer Himmel > 35º.

Unser letzter Monat dieser Reise ist angebrochen, Ende März geht unser Schiff ab Montevideo zurück nach Hamburg. Doch zuvor wollen wir den Süden Brasiliens noch etwas erforschen und einen kurzen Blick nach Sao Paulo und nach Rio de Janeiro werfen.
Bis Sao Paulo sind es schon einmal 1100km, vergleichbar mit München - Avignon auf europäischen Autobahnen in einem Tag zu schaffen, aber hier sind das mindestens zwei Tage harte Arbeit. Die meist einspurigen Strassen durch fruchtbares Agrarland mit der Soja Ernte voll im Gange, sind zwar relativ leer,

aber dafür mit Kreisverkehren, Geschwindigkeitsschwellen, Radarkontrollen und zick-zack Strecken an Polizeiposten gespickt und dazu noch etwa alle 60km eine Zahlstelle, so dass die Durchschnittsgeschwindigkeit selbst am Lastwagenfreien Sonntag kaum über 70 km/h liegt. Das einzig Gute an dieser Strecke bisher ist, dass die meisten Ortschaften und alle Städte bisher weiträumig umfahren werden.

Nur diese Neubausiedlung mit ihren Wasserturmpilzen lag mal etwas näher am Strassenrand.

Nach 600km und gut Euro 25 Strassengebühren ist Schluss für heute, noch ein Feierabendbier, dazu ein leichtes Abendessen und so geht es am nächsten Morgen dann auf zur zweiten Etappe. Nochmals gut 500km durch eine eigentlich abwechslungsreiche Landschaft, Sojaplantagen wechseln sich mit riesigen Zuckerrohrfeldern ab, mal ist es flach, dann wieder hügelig, mal leicht bewaldet, dann wieder Weideland, immer wieder einmal wird eine Stadt umfahren, ein Fluss überquert, ein See passiert. Endlich am späten Nachmittag, weitere Euro 12 an Strassengebühren ärmer, haben wir den Wendekreis des Steinbocks überquert, sind somit zurück in den Tropen, erreichen das Weichbild von Sao Paulo, der (Rush-Hour)-Verkehr nimmt zwar zu, doch ist lange nicht so hektisch, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Der Fahrstil eher gepflegt, höflich. Wir dringen fast bis ins Stadtzentrum vor, finden dort nach einiger Suche einen bewachten 24h Parkplatz zum Sonderpreis von BRL 30 für 40 Stunden, auf dem wir auch noch schlafen dürfen. Der Abend ist gerettet.
Am Morgen geht es zu Fuß den restlichen km in die Innenstadt, holen uns in der Tourist Info am Praca de Republica unser Karten- und Infomaterial für den Tag und streifen dann im Wesentlichen durch die Fußgängerzonen der Innenstadt. Diese Schuhputzer können wir mit unseren Sandalen leider auch nicht beschäftigen,

gehen wir halt weiter zum Gebäude Altino Arantes, dem Wahrzeichen von Sao Paulo, das einst die Banco Nacional beherbergte, heute der Banco Santander gehört.

Im 35. Stock des 161m hohen Gebäudes befindet sich eine Aussichtsplattform, von der aus jeweils 6 Personen einen fantastischen Rundblick über Sao Paulo werfen dürfen – und das ganze auch noch kostenlos, Ausweis vorzeigen, anstellen, abwarten und Aussicht geniessen auf das Edificio Martinelli, aus den30er Jahren, einst höchstes Gebäude ausserhalb der USA,

das Mosteiro de Sao Bento,

die Kathedrale de Se,

den Praca de Se,

den Mercado Municipal.

Unsere Zeit hier oben ist um, wir gehen ein paar Schritte weiter zum Edificio Matinelli (Besuchszeit von 09:30 bis 11:30 und von 14:00 bis 16:00 alle halbe Stunden) und schauen von dem wesentlich tieferen Standpunkt dort, nochmals über die Stadt

in die Strassenschluchten.

Durch die Rue de25 Marco, der belebtesten Strasse Brasiliens, dem größten Strassenmarkt in Südamerika erreichen wir den Mercado Minucipal, in seinem klassizistischen Gebäude

eine Oase der Ruhe. Schon lange haben wir keinen mehr so ordentlichen Markt gesehen,

eher ein Feinschmeckerparadies mit angeschlossenen Restaurants / Imbissständen. Fast so wie der Münchner Viktualienmarkt großräumig überdacht. Wir geniessen hier erstmal ein typisch Brasilianisches Mittagessen,

bevor wir unsere Besichtigungsrunde mit Praca de Se

und Kathedrale de Se fortsetzen.

Am Praca da Liberdade streifen wir eine Weile durch den asiatischen Teil von SP,

der hauptsächlich von Japanern bewohnt wird. Am Theatro Municipal dann dieser Schnappschuss,

der entsetzte Blick eines Mannes im Vordergrund, dem die zwei weiss-behemdeten Radler, schon im Hintergrund soeben das I-Phone entrissen haben, mit dem er eigentlich seine Partnerin fotografieren wollte. Kommentar eine Augenzeugin: „Das ist Brasilien“…
Wir kommen leider zu spät zum 165m hohen Edifico Italia

dessen Aussichtsplattform nur täglich von 15:00 bis16:00 geöffnet ist und gehen dann noch bei vollem Tageslicht langsam zu unserem Parkplatz zurück, genehmigen uns in einer Bar ‚nebenan’ trotz nicht funktionierendem WiFi noch ein Bier, schreiben den Tagesbericht, ...
Bevor wir Sao Paulo, das uns irgendwie fasziniert, begeistert hat, den Rücken kehren, besuchen wir für einen halben Tag noch die Gegend um die Av. Paulista, das Finanzzentrum Brasiliens und zugleich das Kulturzentrum Sao Paulos. Noch nie haben wir Wirtschaft und Kunst so eng verknüpft gesehen wie auf diesen gut 3km. Am Anfang der Strasse, mit Nr.35 das Casa das Rosas, einst Villa eines Kaffeebarons,

innen mit herrlichen Stuckdecken, Holzvertäfelungen, Buntglasfenstern,

heute Heimat und Mittelpunkt der Literaturszene.
Das Edificio Gazeta ist ein Kommunikations- und Kulturzentrum

und beherbergt daneben auch noch Radio- und Fernsehsender.
Einem Wirtschaftszentrum würdig Hochhäuser in allen Formen

und Variationen.

Etwa in der Mitte der Strasse das MASP Museum für moderne Kunst

ein 74m langer, freitragender Spannbetonbau, (man wollte sich hier den Durchblick auf die Altstadt freilassen) Montags geschlossen, dafür Dienstags freier Eintritt, im Innern hängt alles was so seinen Rang und Namen hat.
In der Lobby eines Einkaufszentrums für 3 Wochen eine Sport-/Rennwagen Ausstellung, mein Favorit dieser Cobra in makellosem Zustand.

Auf Höhe der Sao Luis Kirche

biegen wir für ein paar Blocks nach Süden ab, gehen bis zur Rua Oscar Freire, die zu den 8 ‚elegantesten‘ (most sophisticated) Strassen der Welt gezählt wird. Ähnlich wie am Rodeo Drive, der Rue de Faubourg, auf etwa 5 Blocks eine höchst konzentrierte Ansammlung von Mode-Designer Läden, die mittlerweile auch schon in die angrenzenden Nebenstrassen überschwappen. Vom angeblich überbordenden Nachtleben in der Rua Augusta ist am frühen Nachmittag noch nichts zu merken, gehen wir eben auf der Av. Paulista den ganzen Weg wieder zurück, besuchen im Fiesp,

dem Gebäude des Sao Paulo Industrie Verbandes noch eine hervorragend gemachte Leonardo da Vinci Ausstellung und sind dann nach gut 5 1/2h wieder am Auto. Wir verlassen Sao Paulo Richtung Osten auf der SP70, einer 12spurigen Ausfallstrasse, die immer schmäler wird, bis sie sich dann als 2 spurige Autobahn den Weg durch eine immer schöner, hügeliger, bergiger werdende Landschaft bahnt.

Damit man diese Gegend auch so richtig geniessen kann

und nicht nur blind durch die Landschaft rast, wird der Vorwärtsdrang regelmäßig durch Zahlstellen, Radarkontrollen und Geschwindigkeitsbeschränkungen gebremst. Nahe Queluz am Rasthaus Graal Alemao ist Schluss für heute.
Am Morgen ein Plauderstündchen mit dem Besitzer, einem Schweizer, der diesen doch recht grossen Laden wirklich gut im Schuss hat, alles blitzt, funkelt,… Ein letzter Blick vom Frühstücksplatz auf den nahegelegenen Stausee

und dann fahren wir weiter, erst Richtung Rio,

dann auf der BR40, einer der neuen, von mit Solar gespeisten LED Strassenlampen gesäumten Umgehungsstrassen um Rio,

bis wir die Abzweigung nach Petropolis finden,

einst Sommerfrische der Edlen, der Reichen und auch heute noch Rückzugsort der Oberschicht von Rio. Bereits am Stadteingang grüßen solche Hotels die zahlungskräftigen Besucher,

im historischen Teil der Stadt selbst viel alte Bausubstanz, wie diese ehemalige Mühle, heute ein Biergaten,

Paläste der Herrschenden, heute ein Museum mit freiem Eintritt,

diese neugotische Kirche,

mit herrlichen Buntglasfenstern

und der Grablege der Brasilianischen Kaiser.

Eine von einem deutschen erbaute, innen sehr prunkvoll gestaltete Villa

und der Glaspalast,

in Frankreich gegossen und vormontiert, heute ein Kultur-und Ausstellungs-zentrum. Unser letztes Ziel für heute, die Cervejaria Bohemia,

gegründet 1853, die erste Brauerei Brasiliens, die Bier in größerem Stil produzierte. Heute eine Biererlebniswelt, ein gutes Restaurant und ein netter Biergarten in dem wir den Rest des Abends verbringen, nachdem wir gegenüber auf einem 24h Parkplatz unseren SP für diese Nacht gefunden haben (BRL 50 / 24h).
Wir streifen noch einen halben Tag durch die Stadt, kommen zur Blumenuhr vor der Universität,

zum Trono de Fatima

mit seiner 3m hohen aus Italienischem Marmor gemeißelten Marienfigur, deren Entwurf vom selben Künstler stammt, der auch den Christo in Rio geschaffen hat.
Zum zweiten Mal nun auf dieser Reise diese seltsame Erscheinung am Himmel, die Sonne von einem dunklen Kreis umgeben,

für die wir immer noch keine Erklärung haben evtl. doch eine Art Regenbogen???. Der Palacio Itaborai kann leider nur von aussen besichtigt werden,

dafür könnte man im angeschlossenen Botanischen Garten Stunden verbringen.
Die Ausstellung im Casa Stefan Zweig,

das Haus in dem Stefan Zweig seine letzten Monate verbrachte, sein Leben beendete macht nachdenklich. Wir gehen zurück in die Innenstadt, die Einkaufszone, gehen am Obelisk vorbei

zum einstigen Kaiserpalast,

heute ein Museum (E=BRL 8) und erreichen so schließlich wieder unser Auto. Wir fahren weiter, immer tiefer in die Berge, immer höher hinauf, bis wir nach etwa 50km Teresopolis erreichen. Hier gehen wir auf den CP Quinta da Barra und geniessen die relative Kühle des Abends.
Morgen wollen wir wieder runter bis ans Meer, an den Strand, in die nächste Klimazone.
So schliessen wir dieses Kapitel mal hier ab und lassen uns überraschen, was die kommenden Tage uns bringen werden.

© Anja & Wolfgang, 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach mehrmonatiger Reisepause geht es endlich wieder los. Diesmal von Kanada nach Alaska, von dort über Key West bis Feuerland und zurück nach Montevideo.
Details:
Aufbruch: Mai 2013
Dauer: 24 Monate
Heimkehr: 08.05.2015
Reiseziele: Kanada
Vereinigte Staaten
Malaysia
Mexiko
Belize
Guatemala
Honduras
Nicaragua
Costa Rica
Panama
Kolumbien
Ecuador
Peru
Bolivien
Argentinien
Chile
Uruguay
Paraguay
Brasilien
Deutschland
Der Autor
 
Anja & Wolfgang berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.