2 Jahre lang kreuz & quer durch die Americas

Brasilien-Reisebericht  |  Reisezeit: Mai 2013 - Mai 2015  |  von Anja & Wolfgang

Rückverschiffung ca. 13250km: Verschiffung 2 – ab 16.04.2015

Ziel: Seereise von Montevideo nach Hamburg.
Hier: Von Vitoria, Brasilien quer über den Atlantik nach Dakar, Senegal und dann der Küste entlang nach Hamburg.
Wetter: tagsüber sonnig, heiss, blauer Himmel < 30º.

16.04.(Tag 18) Atlantischer Ozean / offenes Meer, 2511nm bis Dakar
Wir bewegen uns stetig Richtung Nord-Osten, in der Nacht müssen wir unsere Uhren schon mal eine Stunde vorstellen, am Morgen ein erster Blick aufs weite Meer,

Frühstück können wir Al, einen unserer Mitreisenden zum Geburtstag gratulieren, werden vom Kapitän noch zweimal auf die Brücke eingeladen, einmal zum Thema Technik, einmal zum Thema Navigation und geben erste Schätzungen zum Termin der Äquatorüberquerung ab. Abends schaut der Kapitän zur Geburtstagsgratulation noch kurz in unserer Spielhö(h/l)le vorbei

und damit wäre auch dieser Tag geschafft.

17.04.(Tag 19) Atlantischer Ozean / offenes Meer
Blauer Himmel, blaues Wasser, gelegentlich ein Delphin, eine Wolke am Horizont,

aber ansonsten gibt es für heute nichts zu berichten.

18.04.(Tag 20) Atlantischer Ozean / offenes Meer
Heute Nacht müssen wir die Uhren schon wieder 1 Stunde vorstellen und damit es uns an Bord nicht zu langweilig wird, hat der Kapitän für heute eine ‚Feuer an Bord‘ Übung aufs Programm gesetzt.
Wir Passagiere treffen uns mit Schwimmwesten, Helm und Kaltwasser-Überlebensanzug (Crew Saver) erst mal im Aufenthaltsraum warten auf weitere Befehle und spielen wir schon mal ein paar Runden Tischfussball auf Vorrat.

Irgendwann gehen wir dann gemeinsam zum Sammelpunkt (Muster Station)

und schon eine Stunde später ist das Feuer gelöscht und wir dürfen mit unseren normalen Nachmittagsarbeiten wie Lesen, Filme ansehen und ähnlichem weitermachen.

19.04.(Tag 21) Atlantischer Ozean / offenes Meer – Über den Äquator
Heute Morgen haben wir irgendwann völlig unbemerkt den Äquator überquert, schon vor dem Frühstück zeigt das GPS N 0,21222. Draußen nieselt es, also verkriechen wir uns in die Aufenthalts- und Fitnessräume und warten aufs Mittagessen. Gegen 16h werden wir zur traditionellen Äquatortaufe an Deck gebeten. Die drei Neulinge aus der Mannschaft erwarten kniend die Segnungen durch Neptun, in Gestalt des Kapitäns.

Grünzeug, Küchenabfälle in den Overall,

dazu noch jedem ein rohes Ei auf den Kopf, der Feuerwehrschlauch wird aufgedreht

und danach wird alles wiedergründlich abgespritzt.

Auch die neuen Seekadetten (Offiziersanwärter) bekommen Ihre gründliche Dusche,

bevor es zum gemütlichen Teil des Tages übergeht. Ein Spanferkel wird gegrillt,

dazu noch Unmengen von Fleisch und Würsten,

eine Karaoke Station wird aufgebaut

und dann machen wir es uns an langen Tafeln gemeinsam mit der kompletten Mannschaft auf Deck gemütlich.

Der Abend ist lau, die Nacht sternenklar und obwohl wir die Uhr heute Nacht schon wieder vorstellen muessen, wird es doch ‚etwas später‘ bis wir endlich ins Bett kommen.

20.04.(Tag 22) Atlantischer Ozean / offenes Meer
Heute ein Tag zum Ausruhen in der Kabine, im Aufenthaltsraum bleiben. Der Himmel grau in grau,

dazu noch ein heftiger Wind, es macht heute absolut keinen Spass länger als 5 Minuten auf Deck zu verbringen. Verbringen wir halt den Tag mit Lesen, schauen ein paar Videos an und warten auf die abendlichen Spielstunden.

21.04.(Tag 23) Atlantischer Ozean / offenes Meer
SSDD (Same Story, Different Day), wie die Amerikaner sagen, das Wetter unverändert unfreundlich grau und windig,

So bleibt uns nichts übrig als auch diesen Tag meist unter Deck zu verbringen und auf das nächtliche Einlaufen in Dakar zu warten.

22.04.(Tag 24) Hafen von Dakar, Senegal
Am Morgen ein erster Blick auf den Hafen,

bevor wir dann zur Stadtbesichtigung aufbrechen. Highlights waren für uns hier der alte Bahnhof,

der Hauptplatz,

der Stadtpark

und natürlich die Märkte.

Fisch im Überfluss,

riesige Krabben,

Langusten,

und endlose Reihen von Souvenirständen,

zur Erholung noch schnell ein kühles Bier,

bevor wir am Rathaus vorbei

zurück zum Hafen gehen.

Von unserem Schiff aus nochmal ein Blick auf den Hafen mit der ‚Sklaveninsel‘ im Hintergrund,

23.04.(Tag 25) Atlantischer Ozean / offenes Meer, 2650nm bis Tilbury
Bis spät in die Nacht wird das Schiff noch beladen, so dass wir erst heute Morgen gegen 07:30 ablegen, den Hafen von Dakar verlassen können.

Vorbei an der Sklaven Insel, einst Marktplatz und Ausgangspunkt der ‚Verschiffungen nach Übersee‘.

geht es hinaus aufs offene Meer. Das Wetter grau in grau, unfreundlich, windig, kühl, wir verbringen den Grossteil des Tages unter Deck.

24.04.(Tag 26) Atlantischer Ozean / offenes Meer
Das Wetter am Morgen immer noch grau in grau, unfreundlich, windig und kühl, gegen Mittag klart der Himmel zwar langsam auf,

aber es bleibt kühl, also noch so ein Tag unter Deck.

25.04.(Tag 27) Atlantischer Ozean / offenes Meer, vorbei an den Kanaren
Wir stehen heute mal etwas früher auf, beobachten den Sonnenaufgang

freuen uns darüber, dass es endlich mal etwas wärmer wird, verbringen sogar ein paar Stunden in der Sonne und fahren gegen Abend an den Kanarischen Inseln vorbei, sehen im Vordergrund Fuerteventura und im Hintergrund,

beleuchtet vom Abendrot, Gran Canaria.

26.04.(Tag 28) Atlantischer Ozean / offenes Meer
Heute um 6:15 nochmals so ein prächtiger Sonnenaufgang,

tagsüber kommt sogar mal kurz die Küstenlinie von Marokko in Sicht.

27.04.(Tag 29) Atlantischer Ozean / offenes Meer
Morgens sind wir auf der Höhe von Gibraltar, das Wetter kalt und windig,

ein kurzer Blick auf die Küste von Portugal, ansonsten wieder so ein Tag unter Deck.

28.04.(Tag 30) Atlantischer Ozean / offenes Meer
Kalt und windig, die Küste von Nordspanien und Frankreich meist ausser Sicht, da sparen wir uns sogar das Foto für Heute.

29.04.(Tag 31) Atlantischer Ozean / offenes Meer
Immer noch kalt und windig, es geht weiter die Küste von Nordfrankreich entlang, die jedoch meist ausser Sicht ist,

dafür werden wir vom Kapitän zu einer Schiffsbesichtigung eingeladen, wir durchstreifen die relativ leeren Frachträume

und dürfen auch einen kurzen Blick in den Maschinenraum werfen,

ein 8 Zylinder mit Turbolader, der bei etwa 105 Umdrehungen pro Tag seine 60 Tonnen Diesel verschluckt, schon ein beeindruckendes Ding.

30.04.(Tag 32) durch den Kanal nach Tilbury
Heute Morgen sind wir zum Endspurt in den Kanal eingebogen, das Wetter ist auch wieder sonniger und wärmer geworden, meist winkt die französische Küste aus der Ferne, auf der Höhe von Calais kreuzen mehrere Fähren unseren Weg

und sowohl die Küste von Calais

als auch die ‚weissen‘ Felsen von Dover sind gut zu erkennen.

Wir machen eine scharfe Kurve Richtung Norden, später nochmals eine Richtung Westen, kommen an mehreren Windparks vorbei,

freuen uns trotz der mittlerweile schon unangenehmen Kälte über diesen Sonnenuntergang,

fahren langsam Themse-aufwärts um dann endlich gegen 23h im Hafen von Tilbury anzulegen.

01.05.(Tag 33) Tilbury
Als wir Aufstehen sind die Ladearbeiten bereits in vollem Gange. Selbst auf dem obersten Deck neben der Brücke werden PKW’s mit Ziel Afrika verladen.

Für unsere Tischfussballpartner Monique und Eric ist die Fahrt leider hier schon zu Ende, sie wollen auf dem schnellsten Weg nach Paris und anstatt noch weitere 8 Tage mit unserem Schiff bis Antwerpen zu fahren, nehmen sie heute Abend die Fähre über den Kanal, sind so morgen schon in Paris,….

Wir schauen noch eine Weile den Ladearbeiten zu,

bevor wir uns dann frierend unter Deck verkriechen um den Abend mit Kartenspielen ausklingen zu lassen. Gegen 23h gehen wir dann doch noch mal an Deck, denn ein Schauspiel wollen wir uns doch nicht nochmal entgehen lassen, die Fahrt durch die Schleuse von Tilbury.

Diese Schleuse ist so eng, dass unser Schiff gerade noch reinpasst, hier ist zentimeterarbeit gefragt,

zwischen Schleuse und Bordwand ist gerade mal ein Fußbreit Platz.

Aber erwartungsgemäßes geht alles gut, kein Leck, das Schiff fährt langsam Themse–Abwärts Richtung Nordsee und wir können beruhigt ins Bett gehen.

02.05.(Tag 34) Über die Nordsee Richtung Hamburg
Als wir zur gewohnten Zeit im Frühstücksraum erscheinen, erfahren wir, dass in der Nacht die Uhren (für zum letzten Mal) vorgestellt worden sind, die Ansage dazu aber irgendwie vergessen wurde. Wir sind bei der Mitteleuropäischen Sommer Zeit angekommen – und bekommen in 2 ½ Stunden bereits unser Mittagessen serviert. Garmin sagt uns, dass wir uns in etwa auf der Höhe von Rotterdam befinden, aber da Sonntags in Hamburger Hafen anscheinend ‚Ruhetag‘ ist, fahren wir im Schleichgang über die Nordsee mit dem Ziel erst am Sonntag Nachmittag in Hamburg anzulegen. Unterwegs fällt der Blick mal auf Windparks, mal auf Bohrinseln,

mal auf die niederländische Küste,

auch mal auf vorbeifahrende Schiffe,

aber zum länger draußen bleiben ist es uns immer noch einfach zu kalt.

03.05.(Tag 35) Über die Nordsee nach Hamburg
Beim Frühstück sind wir schon auf der Höhe von Helgoland, gegen Mittag fahren wir an Cuxhaven vorbei

und an der Kugelbake stehen unsere Freunde und schwenken Leintücher zur Begrüßung.

Die Fahrt geht weiter Elbe abwärts, an der Schiffbegrüßungsstation

werden wir mit dem Schiffsnamen und italienischer Nationalhymne empfangen. Vorbei an St. Pauli, am Fischmarkt,

an den Landungsbrücken,

an den Musicalhallen, praktisch quer durch Hamburg geht es am Riesenrad vorbei zum O’swald Kai wo wir gegen 15:00 anlegen.
Zurück in der Service Wüste Deutschland stellen wir zu unserer grossen Überraschung fest, dass keines unserer Handys mehr funktioniert – wie sich nachträglich herausstellt, hat der Kaffeeröster, unser Vertragspartner, der mit keinem!!! der Staaten südlich der USA ein Roaming Abkommen besitzt, uns wegen 2 jähriger Untätigkeit einfach rausgeschmissen. Wir sollen eben eine neue SIM Karte beantragen (aber doch sicher nicht mehr bei dem).
Der Zoll durchsucht etwa 1 Stunde lang unser Auto und meint dann, von ihm aus könnten wir jetzt fahren. Die Fahrt endet aber bereits nach 500m am Hafentor, denn da steht der Sonntags- / Nachtwächter und erklärt uns, dass wir ohne ‚ordentliche‘ Papiere da nicht rauskommen – und da heute Sonntag ist und am Sonntag hier niemand arbeitet,…..
Wir fahren zurück aufs Schiff und erklären die Situation dem Kapitän. Wir dürfen unsere Kabine wieder beziehen, bekommen nochmals ein Abendessen, spielen nochmal einen Abend lang mit unseren Mitfahrern,….

04.05.(Tag 36) Hamburg Hafen -> Cuxhafen
Nach dem Frühstück starten wir den zweiten Versuch den Hafen zu verlassen.
Wir kommen wieder bis ans Tor, müssen eine (Fall-)Nummer ziehen, gehen zum Schalter in den ersten Stock, ins Büro im zweiten Stock, zum Schalter im ersten Stock, runter zum Auto und warten auf jemand, der ‚das Auto aufnimmt‘. Erneut hoch zum Schalter im ersten Stock – und HALT, es ist bereits 11:01, also Mittagspause bis11:30. Gegen 11:38 wird der Schalter wieder geöffnet und wir bekommen gegen Hinterlegung eines Ausweises ein Ausfahrtpapier. Wir können damit das Hafengelände verlassen, aber jetzt müssen wir erst noch etwa 1,5km weiter zum Zoll. Richtig, das gestern war nur der ‚Schnüffelzoll‘ der nach verbotenen Substanzen sucht, heute müssen wir noch zum ‚Wareneinfuhrzoll‘. Dort Pass, Kfz-Schein und einen gelben Zettel von Hafen vorlegen, Fahrgestellnummer vorzeigen, 15min warten und schon haben wir wieder ein Papier in der Hand, mit dem wir zurück zu den Büros am Hafen fahren. Dort vor!!! dem Hafentor geparkt, hoch in den ersten Stock und Papier vom Zoll gegen Ausweis eingetauscht – 12:30, geschafft, nach 35 Tagen auf dem Schiff hat uns das Auto wieder .
Wir fahren zu unseren Freunden nach Cuxhaven, verplaudern den Nachmittag, den Abend, die halbe Nacht.

© Anja & Wolfgang, 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach mehrmonatiger Reisepause geht es endlich wieder los. Diesmal von Kanada nach Alaska, von dort über Key West bis Feuerland und zurück nach Montevideo.
Details:
Aufbruch: Mai 2013
Dauer: 24 Monate
Heimkehr: 08.05.2015
Reiseziele: Kanada
Vereinigte Staaten
Malaysia
Mexiko
Belize
Guatemala
Honduras
Nicaragua
Costa Rica
Panama
Kolumbien
Ecuador
Peru
Bolivien
Argentinien
Chile
Uruguay
Paraguay
Brasilien
Deutschland
Der Autor
 
Anja & Wolfgang berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.