Tour de History 2015

Deutschland-Reisebericht  |  Reisezeit: August / September 2015  |  von Jason Staab

Peenemünde

Peenemünde

Am nächsten Morgen machte ich mich auf den Weg in die Stadt, wo ich mir bei Strand18 ein 3-Gang City-Bike lieh. Es kostete für einen Tag 6€, und ein Schloss war im Preis inbegriffen.

Der Radweg nach Peenemünde ist ausgeschildert und ca 7km lang. Er führt, grösstenteils durch Felder und über Schotter. War aber selbst mit dem City-Bike gut zu befahren.

Auf halber Strecke stösst man auf Bunkerreste, zwischen denen Kühe weiden. Eine Infotafel erklärt, dass es sich hierbei um die Reste von insgesamt 9 Bunkern handelt, in denen Raketen gelagert wurden. Sie wurden nach dem Krieg gesprengt.

In Peenemünde folgte ich der Beschilderung zum Museum, dort schloss ich das Rad ab und ging erstmal frühstücken.

DasMuseum widmet sich der Heeresversuchsanstalt (HVA), in der im zweiten Weltkrieg die Vergeltungswaffen V1 und V2 entwickelt und gebaut wurden. Da die Gebäude und Testgelände der HVA nach dem Krieg zerstört wurden (Potsdamer Abkommen), steht heute nur noch das Kohlekraftwerk, dass bis in die 90er noch in Betrieb war.

Der Eingang zum Museum ist in der Bunkerwarte, hier ist auch ein Souvenirshop, in dem man auch die Audio-Guides bekommt. Man kann das Museum aber auch ohne Audio-Guide besuchen, da überall Infotafeln stehen. Ohne Audio-Guide kostet der Eintritt 8€.

Aus der Bunkerwarte gelangt man auf die Freifläche, dort sind einige Exponate ausgestellt, wie originalgetreue Modelle der V1 und V2, einem Teil des Dampfkatapultes, das die V1 zum starten brauchte, ein Eisenbahnwagen der Werksbahn, der nach dem Krieg für die DB in Bayern im Einsatz war und auch die grosse Krananlage für die Kohlebeförderung des Kraftwerks fällt ins Auge.

Im Kraftwerksgebäude gibt es einen kleinen Kinosaal, wo Filme über die Geschichte der HVA gezeigt werden, in denen auch Augenzeugen zu Wort kommen. Desweiteren gibt es Ausstellungen zum Thema HVA, sowie zum Thema "Rüstung".

Das Kraftwerk selber ist natürlich auch eindrucksvoll, vor allem der neu gebaute, gläserne Fahrstuhl, der auf das Dach des Gebäudes führt, wo eine Aussichtsplattform ist, von der man einen tollen Rundblick hat.

Zum Glück war das Wetter auch wieder gut!

Leitfigur der HVA war Wernher von Braun, dessen Ziel es war, eine Rakete zu erschaffen, die Menschen ins Weltall bringen konnte. Nach dem Krieg nahm er das Angebot an, seine Forschungen in den USA fortzusetzen. Dort arbeitete er, unter anderem, für die NASA. Er war beliebt und wird gerne als "Vater der Raumfahrt" bezeichnet. Erst nach seinem Tod, 1977, wurde öffentlich bekannt, dass er Mitglied der NSDAP und der SS war. Auch wurde in Frage gestellt, dass er wirklich nicht wusste, unter welchen unmenschlichen Bedingungen die vielen Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge, die für die HVA arbeiten mussten, lebten. Seitdem ist er ziemlich umstritten.
Nichtsdestotrotz war er ein Pionier der Luft- und Raumfahrt!

Vom Museum ging ich dann zum Hafen, wo das U-Boot U 461 liegt. Es ist ein russisches Boot, gebaut in den 60ern, und das grösste konventionell angetriebene U-Boot das je gebaut wurde. Es ist 88m lang, und verdrängt getaucht 4000t, seine Besatzungsstärke betrug 78 Mann. 1988 wurde es endgültig ausser Dienst gestellt, und ist jetzt ein Museum. Dafür wurde es von K24 in U-461 umgetauft.

Der Eintritt kostet 6€, eine Fotoerlaubnis 1€. Es gibt auch einen eigenen Souvenirshop.

Schade fand ich, dass so viele Leute auf einmal durch das Boot geschleust wurden, so dass man nirgends wirklich stehen bleiben konnte, um genauer zu kucken, oder Fotos zu machen. Blieb man kurz stehen, wurde sofort von hinten gedrängelt. Es gelangen mir grade mal 3 Bilder, auf denen keine Körperteile anderer Menschen mit drauf sind. Innerhalb von kaum 10 Minuten stand ich wieder draussen. Sollten die das besser in den Griff bekommen, lohnt sich ein Besuch aber auf jeden Fall!

Ansonsten gibt es in Peenemünde noch ein Spielzeugmuseum, ein Physikmuseum namens "Phänomenta", wo man selbst Experimente machen kann, und eine 18-Loch Schwarzlicht- Minigolf- Anlage. Zu diesen Sachen kann ich aber nichts sagen, denn ich war nicht drin.

Nachdem ich das Rad zurückgegeben hatte, ging ich eine Pizza essen, nochmal an den Strand und schliesslich duschen.

Reste der Raketenbunker

Reste der Raketenbunker

Modell der V2, im Hintergrund Wagon der Werksbahn

Modell der V2, im Hintergrund Wagon der Werksbahn

Modell der V1, im Hintergrund Teile des Dampfdruckkatapultes

Modell der V1, im Hintergrund Teile des Dampfdruckkatapultes

In dem querliegenden Gebäude sind die Ausstellungen untergebracht.

In dem querliegenden Gebäude sind die Ausstellungen untergebracht.

Im Kraftwerk

Im Kraftwerk

Blick vom Dach auf den Hafen. Links ist U-461 erkennbar.

Blick vom Dach auf den Hafen. Links ist U-461 erkennbar.

Der Kran

Der Kran

Das Kraftwerk

Das Kraftwerk

U-461

U-461

Torpedoraum

Torpedoraum

© Jason Staab, 2015
Du bist hier : Startseite Europa Deutschland Deutschland-Reisebericht
Die Reise
 
Worum geht's?:
Kurztrip nach Peenemünde, Prora und Sassnitz, sowie eine Tagestour nach Bremerhaven
Details:
Aufbruch: 27.08.2015
Dauer: 7 Tage
Heimkehr: 02.09.2015
Reiseziele: Deutschland
Der Autor
 
Jason Staab berichtet seit 10 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors