Irland

Irland-Reisebericht  |  Reisezeit: August / September 2018  |  von Gerd Dorn

Ring of Kerry

Beim sogenannten Ring of Kerry handelt es sich um eine Panoramaküstenstraße um die Iveragh-Halbinsel im Südwesten von Irland. Sie ist etwa 180 km lang und führt durch zerklüftete Küstenabschnitte, malerische Ortschaften und grüne Landschaften. So weit zur Theorie - würde die Realität den markigen Versprechungen der Tourismusindustrie entsprechen?

Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es erst nach 09:00 Uhr los. Wir wollten den Ring im Uhrzeigersinn absolvieren. 14 Grad, bewölkter Himmel. Hoffentlich gibt es heute keinen Regen!

Ladys View

Von Glenfesk, dass nur etwa 10 km neben dem Ring liegt fuhren wir zunächst am Torc Wasserfall vorbei. Den ersten Stopp hatten wir nach etwa 30 Minuten an einem Aussichtspunkt - dem Ladys View - geplant. Durch den Wald des Killarney National Parks ist dieser auf der N 71 auch beschildert - kann man gar nicht verfehlen, da er direkt an der Straße liegt.
Die Aussicht, die man hier erhält ist tatsächlich atemberaubend. Es gibt Anschauungsobjekte, da findet man vorab Bilder und ist dann enttäuscht von der Realität. Manchmal ist es umgekehrt, da ist die Realität viel phantastischer, als es Bilder wieder geben können - beim Ladys View ist das eindeutig der Fall.
Einen Ausflug hierher kann ich unbedingt empfehlen!

Aussicht auf die Seenlandschaft des Killarney NP vom Ladys View

Aussicht auf die Seenlandschaft des Killarney NP vom Ladys View

Kenmare Stone Circle

Nachdem wir uns satt gesehen hatten ging es weiter zu der etwa 15 km entfernten Stadt Kenmare. Auf halben Weg findest sich die sogenannte Molls Gap - auch hier kann man einen schönen Blick auf die irische Natur werfen.

Ziel war aber zunächst der Steinkreis von Kenmare. Wenn man schon mal in Irland ist, sollte man sich so etwas schon einmal angeschaut haben. Direkt bis ran kann man nicht fahren, es gibt keinen gesonderten Parkplatz für diese Sehenswürdigkeit. Man muss schon ein wenig durch Kenmare laufen, gar nicht schlecht, wenn man sich ein wenig die Füße vertreten kann.

Nun ja, da liegen dann Steine im Kreis (war aber eher ein Oval) und in der Mitte liegt ein Zentrumsstein. Die Steine sind unbearbeitet.
Das Ganze verdammt alt, aber das ist auch das einzig bemerkenswerte an diesen Steinen.

Der Kenmare Stone Circle

Der Kenmare Stone Circle

Ballynahagish Cemetry

Gut 20 km von Kenmare entfernt liegt der alte Friedhof von Ballynahagish. Unterwgs, etwa auf halber Strecke kann man noch einen kurzen Fotostopp bei der Pequeña Fortaleza einlegen, die sich auf der linken Straßenseite befindet. Der Name klingt spanisch - warum weiß ich nicht. Es handelt sich um ein altes Gemäuer mit einem Turm und einemTor (Zufahrt für dahinter liegende Anwesen). Das ganze wirkt steinalt und durch den starken Efeubewuchs recht mystisch.

Aber weiter zum Friedhof. Leider hab ich keine Ausschilderung gefunden, es war ein wenig Suche erforderlich. Hinter dem Weiler Tahilla muss man am dritten Schotterweg rechts reinfahren. Ein Zeichen beschränkt die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 80 km/h. Britischer Humor? 30 km/h sind das höchste der Gefühle - mehr sollte man einem PKW hier nicht zumuten.
Der Weg endet dann am Friedhof, welcher von einer kleinen Mauer mit einem (unverschlossenem) Eisentor umgeben ist.
Der Friedhof selbst ist alt und wirkt sich selbst überlassen, obwohl einiger Grabschmuck frisch wirkt.

Der Friedhof von Ballynahagish

Der Friedhof von Ballynahagish

Teilweise sind die Grabsteine schief und halb eingesunken. Eine Prüfvorschrift für die Grabsteinfestigkeit (auch Grabstein Rüttelverordnung genannt) wie wir sie aus Deutschland kennen, scheint dem Iren fremd zu sein. Gut so. Denn dadurch ergibt sich ein toller Anblick.
Den Friedhof kann man besuchen - muss man aber nicht. Ich fand ihn schön, vor allem die schiefen verwitterten Keltenkreuze ergeben ein spirituell anregendes Bild.

Hinter dem Friedhof kommt der N70 folgend der Ort Sneem. Dieser wird angepriesen, als die ordentlichste Ortschaft Irlands und man sollte ihn unbedingt besuchen. Um einen sauberen, ordentlichen Ort besuchen zu können, muss man nun aber nicht unbedingt nach Irland fahren. Auch sollen die Häuser hier noch farbenfroher und bunter als im übrigen Irland sein. Aufgefallen ist mir weder eine besondere Sauberkeit noch die gepriesene Farblichkeit. Ich denke es handelt sich einfach nur um eine Werbeaktion.

Staigue Stone Fort

Weiter westlich kommen dann zwei runde Steinfestungen. Ursprünglich wollten wir das weiter westlich gelegene Caherdaniel Fort besuchen, aber knapp 15 km hinter Seem, im Ort Castlecove, war eine Wegweisung zum Staigue Fort. In wie weit das Caherdaniel Fort ausgeschildert ist, wussten wir nicht, bogen daher gleich zum Staigue Fort ab.
Es folgten etwa 5 km Schotterpiste, dann kam der Besucherparkplatz. Der anschließende Fußweg führte über eine kleine Brücke. Eintrittsgeld wurde nicht erhoben, es wurde aber um eine freiwillige Spende für den Erhalt des Bauwerks gebeten.
Über einen gewundenen Weg geht es dann durch eine Heidelandschaft zum Fort.

Das Staigue Fort aus der Ferne

Das Staigue Fort aus der Ferne

Das Fort selbst ist ein Rundbau mit einem Durchmesser von etwa 30 Metern. Hier wurden Steine bis in eine Höhe von mehr als 5 Metern aufgeschichtet. Die Mauern sind ein paar Meter dick. Handelt es sich um eine Verteidigungsanlage? Ohne Wasserversorgung und ohne Unterschlupfmöglichkeiten vor Witterungsunbilden? Ohne sanitäre Anlagen? Falls ja: Warum hat man sie dann nicht auf den Gipfel der Hügel errichtet? - wäre doch strategisch sinnvoller. Oder handelt es sich vielmehr um eine kultische Anlage? Die Experten rätseln da noch, ich tendiere zum Kultbau.
Zu sehen gibt es im Inneren nicht viel. Über innen angelegte Treppen kann man bis auf die Mauern steigen.
Derartige Anlagen habe ich bisher noch nirgends auf der Welt gesehen. Die sardischen Nuraghen sind viel kleiner und turmartiger - mit den irischen Rundforts keinesfalls vergleichbar. Diese Rundforts sind etwas typisch irisches. Einen Besuch sollte man sich unbedingt gönnen

Zerklüftete Küste am südöstlichsten Punkt des Ring of Kerry

Zerklüftete Küste am südöstlichsten Punkt des Ring of Kerry

The Old Abbey of the Holy Cross

Weiter geht es an einer malerischen Küste entlang zum südöstlichsten Punkt des Rings. Zur Seeseite finden sich hier herrliche Aussichtspunkte auf die zerklüftete Küste. Dann biegt die Straße nach Norden ab. Wir wollten ursprünglich zum nur wenige Kilometer entfernten Eightercua Steinkreis. Irgendwie haben wir das aber verpasst und als wir es mitbekamen, hatten wir dann keine Lust mehr zurückzufahren. Einen Steinkreis hatten wir ja zudem schon in Kenmare gesehen. Also weiter.
Nachdem wir an der heißen Theke eines Supermarktes etwas gegessen hatten, ging es weiter zu dem Ort Cahersiveen. Hier sollte sich "The old Abbey of the Holy Cross" befinden.
Ausgeschildert ist sie leider nicht. Wir parkten im Zentrum von Cahersiveen an der Kathedrale und fanden die Abtei dann gleich in der Nähe.

The Abbey of  the Holy Cross

The Abbey of the Holy Cross

Na ja, eine Ruine, ähnlich wie die Muckross Abbey - aber immer wieder schön. Man kann durch die dick mit Efeu überwucherten Reste streifen und auch in die Ruinen reingehen, aber so groß ist die alte Abtei nun auch wieder nicht, dass man hier Stunden zubringen könnte. Zudem hatte ein leichter Nieselregen eingesetzt - also beschränkten wir unseren Aufenthalt auf einen kurzen Rundgang.

Dann suchten wir in dem etwa 30 km entfernten Ort Glenbeigh die alten Schlossruinen. Laut Bild sind die da irgendwo auf einem Hügel. Leider haben wir diese nicht gefunden, obwohl wir ziemlich intensiv suchten. War aber nicht weiter schlimm. So überragend und viel versprechend waren die Bilder im Netz nun auch wieder nicht.

Killorglin

Von Glenbeigh aus sind es dann etwa 15 km bis zum nächsten größeren Ort - Killorglin. Gleich neben der Haupstraße findet sich die sogenannte Lady Oak Statue. Ein Denkmal, dass an die Diaspora der Iren infolge der Great Famine erinnert. Das Denkmal ist recht unspektakulär. Eine Dame im Reiseoutfit des 19. Jahrhunderts, vergleichsweise gut gekleidet, mit 7 Koffern und einem Handtäschchen. Nun ja - gefallen hat mir das nicht wirklich.

Die Diaspora Lady Oak Statue

Die Diaspora Lady Oak Statue

Der Text an diesem Denkmal ist zwar nicht speziell für das heutige Irland, aber geopolitisch brandaktuell:
"Auswanderung für zu Viele
ist eine bittersüße Wahrheit.
Die Trauer des Verlassens,
die Hoffnung auf neue Horizonte
und die Sehnsucht nach Heimat."

Es kann jedes Volk treffen!

Ein paar hundert Meter weiter - ebenfalls an der Hauptstraße - befindet sich ein Gedenkstein für den Osteraufstand irischer Rebellen aus dem Jahr 1916. Zwar endete der Aufstand im Desaster (über 1.000 Todesopfer), war aber der Beginn einer Entwicklung, die in der irischen Unabhängigkeit 1922 mündete.
Das Denkmal in Killorglin selbst ist unscheinbar. 4 Porträts der Anführer, dazu ein Relief eines Automobils der damaligen Zeit (speziell dieses Relief kann ich überhaupt nicht deuten). Nun ja - muss man nicht wirklich gesehen haben.

Fazit

Die letzten 15 Kilometer des Rings of Kerry befuhren wir nicht mehr, weil wir die Gap of Dunloe noch besuchen wollten. Einen Teil der verbleibenden Strecke des Rings hatten wir zudem bereits am Vortag mit dem Fahrrad erkundet.

Der Ring of Kerry ist ein empfehlenswertes Ziel in Irland. Beworben wird er häufig damit, dass man hier eine schöne Natur und die herrlich zerklüftete Küste bewundern kann. Dies ist zutreffend, aber dass kann man auch an anderen Orten in Irland. Beim Ring of Kerry kommt allerdings eine Vielzahl von sehenswerten Objekten hinzu, die man anderorts nicht in dieser Gedrängtheit bewundern kann. Daher ist er zwar kein Muss, aber dennoch sehr empfehlenswert!

© Gerd Dorn, 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Mietwagenrundreise durch die Grüne Insel
Details:
Aufbruch: 24.08.2018
Dauer: 10 Tage
Heimkehr: 02.09.2018
Reiseziele: Irland
Großbritannien
Der Autor
 
Gerd Dorn berichtet seit 31 Monaten auf umdiewelt.