Durch das Land der Skipetaren

Bosnien und Herzegowina-Reisebericht  |  Reisezeit: September / Oktober 2017  |  von Gerd Dorn

Bosnien und Herzegowina

Kravica Wasserfälle

Mit dem ersten Flieger landeten wir von Zagreb kommend bereits gegen 07:00 Uhr in Dubrovnik und nach Erledigung der Formalitäten ging es dann beizeiten mit einem Mietwagen los. Der Grenzübergang von Kroatien nach Bosnien erfolgte ziemlich zügig, obwohl es sich um eine EU-Außengrenze handelt. Nach knapp drei Stunden Fahrt waren wir in Studenci, einem kleinen Ort im westlichen Bosnien. Die Kravica Wasserfälle sind hier gut ausgeschildert und kaum zu verfehlen. Die vorab ausgedruckten Detailkarten haben wir gar nicht gebraucht. Für den Parkplatz und den Eintritt wurde ein kleiner Obulus (etwa 5 € für zwei Personen) verlangt, den man glücklicherweise auch in Euro entrichten konnte. Gelegenheit zum Abheben von bosnischen Mark hatten wir ja noch nicht. Nach wenigen hundert Meter steht man dann vor den Wasserfällen. Sie sind nicht so majestätisch wie beispielweise die isländischen Wasserfälle, dennoch schön anzusehen.
Mehrere Wasserfälle stürzen etwa 30 Meter in die Tiefe und speisen einen kleinen See. Auf diesem kann man auch Boot fahren.
Verpflegung hatten wir noch im Reisegepäck, sodass wir hier erstmal eine Mittagspause einlegten und dann weiter Richtung Mostar fuhren.

Kravica Wasserfälle

Kravica Wasserfälle

Mostar

Da Mostar faktisch auf dem Weg nach Sarajevo liegt, legten wir hier einen weiteren Zwischenstopp ein. Zunächst deckten wir uns mit Bosnischen Mark ein und erkundeten dann die Innenstadt. Ende September ist Mostar nicht so sehr mit Touristen überlaufen, sodass wir hier gut bummeln konnten. Bemerkenswert ist, dass die Schäden des Bürgerkrieges teilweise noch nicht beseitigt sind. Zahlreiche Granateinschläge an Gebäuden konnten noch nicht repariert werden und künden vom vergangenem Schrecken. Schön, dass man sich die Mühe gemacht hat und das Wahrzeichen Mostars, die Stary Most (alte Brücke), originalgetreu wieder aufzubauen. Wenn man sich in der Nähe befindet lohnt ein Besuch Mostars auf jeden Fall. Da die Innenstadt vergleichsweise klein ist, kann ein mehrtägiger Aufenthalt allerdings schnell langweilig werden.

Die Stary Most. Am Tag unseres Besuchs übten sich junge Sportler darin von der Brücke in die darunter fließende (ziemlich flache) Neretva zu springen.

Die Stary Most. Am Tag unseres Besuchs übten sich junge Sportler darin von der Brücke in die darunter fließende (ziemlich flache) Neretva zu springen.

Die bosnischen Pyramiden

Kurz vor unserem heutigen Zielort - Sarajevo - fuhren wir noch kurz zu den nordwestlich von Sarajevo gelegenen bosnischen Pyramiden beim kleinen Ort Visoko. Bereits von der Autobahn aus erkennt man unzweifelhaft die Pyramidenform des Berges Visočica . Ob es sich dabei tatsächlich um ein von Menschenhand geschaffenes Bauwerk oder um eine natürliche Bergform handelt, wird in zahlreichen Foren diskutiert. Am Hang der Pyramide selbst fanden Aufgrabungen statt, die erkennen lassen, dass diese tatsächlich mit einem schieferartigem Material bedeckt war. An die Grabungsstelle kommt man unmittelbar heran und kann sich dann selbst seine Meinung bilden, ob die Pyramide natürlich entstanden oder von Menschen gebaut worden ist.
Die Pyramide entfaltet leider nur aus der Ferne eine gewisse Faszination. Wenn man direkt davor steht, ist es einfach nur noch ein bewaldeter Hügel und deutlich weniger reizvoll.

Aufgrabungen an der bosnischen "Pyramid of the Sun"

Aufgrabungen an der bosnischen "Pyramid of the Sun"

Sarajevo

Der Tag begann sich schon dem Ende zuzuneigen und wir fuhren nach Sarajevo. Eine Unterkunft hatten wir mitten in der Stadt, direkt neben der Kathedrale der Herzen Jesu (Srca Isusova). Die auf dem Mobiltelefon installierte Navigationsapp leitete uns zügig in die Innenstadt. Der bosnische Autofahrer fährt eher relaxt, so dass es mit dem Verkehr keine Probleme gab. Allerdings lernten wir hier die Lektion, dass eine Hotelangabe: "öffentliche Parkplätze stehen in der Nähe der Unterkunft zur Verfügung" nicht bedeutet, dass man auch tatsächlich einen findet. Im Nachhinein ist das auch klar, aber vorab waren wir der Auffassung, dass tatsächlich freie Parkplätze vorhanden sind. Nach drei Runden um das Hostel fanden wir tatsächlich einen Parkplatz in zumutbarer Entfernung und checkten ein. Da es bereits dämmerte, stellten wir lediglich das Gepäck ab und begannen mit der Erkundung der Innenstadt.

Die Kathedrale Srca Isusova in Sarajevos Innenstadt

Die Kathedrale Srca Isusova in Sarajevos Innenstadt

Der postjugoslawische Krieg hat sicher große Schäden in Sarajevo angerichtet, dennoch konnte er den Charme dieser Stadt nicht zerstören. Man muss dem Aufbauwillen des bosnischen Volkes ganz einfach Respekt zollen, wenn man durch die im alten Stil wiederhergestellten Gassen der Innenstadt schlendert. Bezeichnend war allerdings der Zustand des Olympiademuseums, dass sich in einem halbverfallenem - ursprünglich sicher sehr schönem - Gebäude befindet. Hier mussten offensichtlich Prioritäten gesetzt werden. Schön, dass man einige Straßen (erst recht die Innenstadtgassen) für den Autoverkehr gesperrt hat, so dass Sarajevo beim Bummeln ein reizvolles Flair entfaltet. Nachdem wir uns mit einer zünftigen bosnischen Fleischplatte (auf der die traditionellen Ćevapčići natürlich nicht fehlen durften) gestärkt hatten fielen wir ziemlich erschöpft ins Bett.

Für den nächsten Morgen hatten wir die "Sarajevo Siege" Tour gebucht. Bei dieser wurde uns viel über die Belagerung Sarajevos, die länger als die Leningrads andauerte, erzählt. Wir wurden zu einigen Originalschauplätzen geführt, die insgesamt recht interessant waren. Besonders eindrucksvoll war der Tunnel, durch den Sarajevo während der Belagerung vom UN-Flughafen aus versorgt wurde.

Versorgungs- und militärische Güter wurden über diesen Tunnel nach Sarajevo gemacht. Da  man hier nicht aufrecht gehen kann, wurden die Lasten über 800m in gebückter Haltung transportiert

Versorgungs- und militärische Güter wurden über diesen Tunnel nach Sarajevo gemacht. Da man hier nicht aufrecht gehen kann, wurden die Lasten über 800m in gebückter Haltung transportiert

Während der Tour wurden uns auch weitere Artillerieschäden aus dem Bürgerkrieg an zahlreichen Gebäuden gezeigt. Letztlich fuhren wir zu einer ehemaligen serbischen Artilleriestellung auf einem der Berge, die Sarajevo umgeben. Von hier hat man einen prächtigen Ausblick auf die gesamte Stadt. Schnell wird von dieser Position aus klar, wie ausgeliefert die Bevölkerung den serbischen Kanonen und Schafschützen war. Aufgrund der Tallage Sarajevos gibt es kaum versteckte Winkel, die Schutz vor Beschuss bieten. Weit unter uns sahen wir dann noch die Bijela Tabija, die weiße Festung, Sarajevos. Ursprünglich hatten wir erwogen diese noch zu besuchen, weil man auch von dieser einen schönen Ausblick haben soll. Aber unsere Position bot einen weitaus besseren Rundumblick, so dass wir dieses verwarfen. Herunter wanderten wir dann durch die olympische Bobbahn von 1984. Ziemlich heruntergekommen. Zwar gibt es Pläne diese wieder herzustellen, aufgrund des derzeitigen desolaten Zustandes bezweifele ich aber die Wirtschaftlichkeit dieses Vorhabens

Sarajevo von einer ehemaligen serbischen Artilleriestellung aus gesehen.

Sarajevo von einer ehemaligen serbischen Artilleriestellung aus gesehen.

Sandpyramiden von Foča

Nach der Führung durch Sarajevo verließen wir die Stadt und begaben uns durch das Gebiet der autonomen Republik Srpska zur Grenze nach Monte Negro. Nahe der südbosnischen Stadt Foča befinden sich die sogenannten Sandpyramiden (Pješčane piramide). Für die etwa 7km der recht holprigen Anfahrt braucht man 20-30 Minuten mit dem Auto. Die Abfahrt von der M18 ist recht gut ausgeschildert, zwischendurch fehlt die Beschilderung bzw. sie ist nicht eindeutig. Wir fanden die Pyramiden dennoch und wurden mit einem faszinierenden Anblick belohnt.

Die Sandpyramiden von Foča - ein Meisterwerk der Natur, welches die beschwerliche Anfahrt lohnt

Die Sandpyramiden von Foča - ein Meisterwerk der Natur, welches die beschwerliche Anfahrt lohnt

© Gerd Dorn, 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Rundreise durch den östlichen Balkan
Details:
Aufbruch: 30.09.2017
Dauer: 15 Tage
Heimkehr: 14.10.2017
Reiseziele: Bosnien und Herzegowina
Montenegro
Kosovo
Mazedonien
Griechenland
Albanien
Kroatien
Der Autor
 
Gerd Dorn berichtet seit 34 Monaten auf umdiewelt.